Der Jochberg ist ein 1565 hoher Berg am Walchensee im Landkreis Bad Tölz Wolfratshausen in der Nähe von München. Er gilt als sehr beliebtes Ausflugsziel. An der Stelle der beliebten Alm, wie sie auf dem Titelbild zu sehen ist, ist ein Wasserspeicherbecken mit einem Fassungsvermögen von drei Millionen Kubikmetern Wasser geplant.
Es würde damit ähnliche Ausmaße haben, wie der geplante und umstrittene Speicher Riedl an der Donau im Landkreis Passau.
Das auf dem Titelbild zu sehende, beliebte Ausflugslokal würde bei einer Realisierung des Projekts komplett unter Wasser liegen. Das Projekt führt aktuell (2013) zu starken Diskussionen zwischen den Planern, in diesem Fall die Energieallianz Bayern (Zusammenschluss von insgesamt 32 Unternehmen), der Bevölkerung und verschiedenen Verbänden. Es kristallisiert sich ein Zwiespalt heraus. Denn auch die Gegner des Projekts sind für die Energiewende, aber eben gegen einen solch enormen Eingriff in die sensible Landschaft des Alpenraums. In der Arbeit wird die landschaftsästhetische Frage von Pumpspeicherkraftwerken erörtert und eine mögliche Lösung für den geplanten Jochbergspeicher aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
01 Einleitung
A. Das Projekt Jochbergspeicher
B. Pumpspeicherkraftwerke
02 Pumpspeicherkraftwerke und Landschaftsästhetik
A. Landschaftsästhetik
B. Visuelle Wirkung von Pumpspeicherkraftwerken
C. Regeln für ein sinnvolles Einfügen in bestehende Landschaften
03 Beispielhafte Konzeption und Potentiale für den Jochberg
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die landschaftsästhetischen Herausforderungen bei der Errichtung von Pumpspeicherkraftwerken am Beispiel des geplanten Projekts Jochbergspeicher. Ziel ist es, auf Basis von Grundregeln der dialogischen Windenergieplanung konkrete Gestaltungsansätze zu entwickeln, die eine naturverträgliche Integration technischer Großbauwerke in den alpinen Raum ermöglichen und dabei die gesellschaftliche Akzeptanz fördern.
- Landschaftsästhetische Kategorien im Kontext technischer Großbauwerke
- Visuelle Analyse bestehender Pumpspeicherbecken
- Übertragbarkeit von Planungsregeln auf Pumpspeicherkraftwerke
- Entwicklung einer alternativen Konzeption für den Jochberg
- Analyse des öffentlichen Diskurses und von Bürgerprotesten
Auszug aus dem Buch
B. Visuelle Wahrnehmung von Pumpspeicherkraftwerken
Die visuelle Wahrnehmung des Oberbeckens ist einmal natürlich abhängig vom Standpunkt. Die Perspektive des Bildes unten, wird man wohl eher selten sehen. Allerdings zeigt sie, wie diese „Riesen-Badewanne“ umkreist von Zufahrts- und Wartungsstraßen, einen Fremdkörper darstellt. Dieses Oberbecken, das Hornbergbecken, des Kraftwerks „Wehr“ sieht man auf den beiden Bilder rechts noch in zwei anderen, gewöhnlicheren Perspektiven. Vom Rand des Beckes und aus der Umgebung.
Bewegt man sich also in der Umgebung des Oberbeckens, bleibt dieses unsichtbar, umringt von einem extra gepflanzen Baumgürtel. Kennt man den Ort nicht, sieht man einen Wald und würde hier keine zirka 40 m hohe Betonwanne erwarten. Das mächtige Oberbecken, wird hier also versteckt. Da findet man sich schnell in der bekannten Schlussszene des James Bond Films „Golden Eye“ wieder, in der der Hauptdarsteller eine versteckte, geflutete Teleskopschüssel (Arecibo Observatory) entdeckt. Eine möglichst unsichtbar für die Umgebung geschaffene Konstruktion in der Landschaft.
Ob ein Integrieren in die bestehende Landschaft durch Verstecken der richtige Weg ist, um die Aktzeptanz dieser Energiespeicher zu fördern und ein gelingendes Kultur-Natur-Verhältnis zu ermöglichen, ist meiner Meinung nach eher fraglich.
Ein Verstecken begrenzt die räumliche Ausseinandersetzung dieses Baukörpers mit seiner Umgebung und vor allem den dort lebenden Menschen, aber auch die gesamte öffentliche Diskussion und die Neuplanung solcher Speicher.
Hierfür wäre eine „offene Integration“ in die jeweilige Region denkbarer, also Maßnahmen, wie ein direkter Zugang, eine Verbindung mit Freizeitaktivitäten, Ausbildung als Ausflugsziel und Ähnlichem. Zum Versuch so einer Konzeption, siehe Kapitel 3.
Zusammenfassung der Kapitel
01 Einleitung: Dieses Kapitel stellt das umstrittene Projekt Jochbergspeicher vor, erläutert die Funktion von Pumpspeicherkraftwerken als Energiespeicher und skizziert den daraus resultierenden gesellschaftlichen Konflikt.
02 Pumpspeicherkraftwerke und Landschaftsästhetik: Hier werden theoretische Grundlagen der Landschaftsästhetik auf Pumpspeicherbecken angewendet, die visuelle Problematik analysiert und allgemeine Gestaltungsregeln für eine bessere landschaftliche Einbindung abgeleitet.
03 Beispielhafte Konzeption und Potentiale für den Jochberg: Das letzte Kapitel überträgt die erarbeiteten Planungsregeln auf den konkreten Standort am Jochberg und präsentiert einen alternativen Entwurf, der technische Notwendigkeit mit touristischem Mehrwert und landschaftlicher Verträglichkeit vereint.
Schlüsselwörter
Pumpspeicherkraftwerk, Jochberg, Landschaftsästhetik, Energiewende, Oberbecken, Kultur-Natur-Verhältnis, Landschaftsplanung, Bürgerbeteiligung, Infrastruktur, Alpenraum, Dialogplanung, Speichertechnik, Landschaftsbild, Umweltverträglichkeit, Öffentlichkeitsbeteiligung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der landschaftsästhetischen Problematik, die durch den Bau großer Pumpspeicherkraftwerke im alpinen Raum entsteht, illustriert am Fallbeispiel Jochberg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Landschaftsästhetik, der visuellen Integration von technischen Bauwerken in die Natur sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz von Infrastrukturprojekten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, wie technische Speicherbecken ästhetisch und funktional in bestehende Landschaftsstrukturen integriert werden können, anstatt sie lediglich zu verstecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analysierende Methode verwendet, die auf bestehenden landschaftsästhetischen Grundregeln der Windenergieplanung basiert und diese auf Pumpspeicherkraftwerke überträgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die visuelle Wirkung bestehender Kraftwerksbecken und leitet daraus sieben Regeln für eine sinnvolle landschaftliche Einbindung ab, die anschließend beispielhaft am Jochberg angewendet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Pumpspeicherkraftwerk, Jochberg, Landschaftsästhetik, Energiewende, Landschaftsplanung und gesellschaftliche Akzeptanz.
Wie unterscheidet sich der Ansatz des Autors von der aktuellen Planung am Jochberg?
Während die aktuelle Planung das Oberbecken durch versteckende Maßnahmen (z.B. Absperrungen) vom öffentlichen Raum trennen will, schlägt der Autor eine "offene Integration" mit touristischer Aufwertung vor.
Warum spielt die Jocher-Alm eine so wichtige Rolle für das Konzept?
Da die Jocher-Alm ein beliebtes Ausflugsziel ist, soll sie nicht zerstört, sondern in das neue Konzept integriert werden, um so das Speicherbecken als Attraktion und nicht als reine Störung wahrnehmbar zu machen.
Welche Rolle spielen die "Grundregeln der dialogischen Windenergieplanung" in der Arbeit?
Diese Regeln dienen als theoretisches Grundgerüst, um eine gelingende Mensch-Natur-Beziehung bei technologischen Eingriffen in die Landschaft herzustellen.
Wie bewertet die Arbeit die aktuelle Akzeptanz des Projekts am Jochberg?
Die Arbeit erkennt einen starken Widerstand, der aus der einseitigen, rein technisch-wirtschaftlichen Argumentation der Planer resultiert, und plädiert daher dringend für einen offeneren Dialog mit der Bevölkerung.
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- David Riek (Author), 2013, Der Jochbergspeicher. Die landschaftsästhetische Frage eines Pumpspeicherkraftwerks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278347