Kontrastive Phonetik am Beispiel des Deutschunterrichts in einer internationalen Förderklasse


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein phonetischer Vergleich zwischen dem Persischen und dem Deutschen

3. Sequenzplanung der Unterrichtseinheit
3.1. Bedingungsanalyse
3.2. Analyse der Sachinhalte und didaktische Überlegungen
3.3. Stundenplanung

4. Methodische Vorgehensweise
4.1. Allgemeines zur Unterrichtsgestaltung
4.2. Hörübungen
4.3. Sprechübungen

5. Zusammenfassung und Auswertung

6. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Phonetik und gestaltet sich in Form einer Stundenplanung für einen bestimmten Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule. Die Schüler werden in Kleingruppen intensiv nach ihrem eigenen Förderbedarf und Leistungsniveau betreut. In diesem Projekt geht es ausschließlich um die Erlernung der deutschen Aussprache und die Verbesserung des Sprachvermögens. Die Phonetik im Fremdsprachenunterricht umfasst die zwei Themenbereiche der Artikulation, also der Lautbildung und der Intonation, wie zum Beispiel die Wort- und Satzmelodie und die Akzentuierung (vgl. Dieling/Hirschfeld 2000, 12). In dieser Gruppenarbeit wird der Schüler von zwei Gruppenleitern individuell betreut und gefördert. Die intensive und umfangreiche Betreuungsarbeit soll ein dauerhaftes Langzeitlernen bei dem Schüler bewirken. Aufgrund ihrer ausländischen Herkunft weisen die Schüler zum Teil große Sprachschwierigkeiten auf, die einer zielgerichteten sprachlichen Förderung bedürfen. Nicht nur durch ihre ethnischen Herkünfte, sozialen und kulturellen Unterschiede, sondern auch bedingt durch ihre schwierigen Lebensgeschichten muss den Schülern besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt werden. Sie müssen immer wieder zum Lernen bestärkt und motiviert werden. Die positiven Lernerfahrungen müssen anerkannt und die Lernfortschritte mit Lob verstärkt werden. Da diese Menschen größtenteils aus Kriegsgebieten stammen, waren sie traumatischen Erfahrungen ausgesetzt, welches auch besonders in der Zusammenarbeit mit dem Schüler berücksichtigt wird. Das Ziel dieser Arbeit ist die Verbesserung der deutschen Phonetik des Schülers, der eine sichere und gefestigte Aussprache in einer positiven und sicheren Arbeitsgemeinschaft entwickeln soll. Ich werde dem Schüler als Gruppenleiterin bei Bedarf, wie zum Beispiel bei Aussprache- und Betonungsfehlern, Hilfe gewähren. Da der Schüler und seine sprachliche Weiterentwicklung im Vordergrund stehen, gestalte ich die Unterrichtseinheiten so, dass er möglichst viel spricht und aktiv mitarbeitet. Die vorliegende Stundenplanung richtet sich nach dem Leistungsniveau und Förderbedarf des Schülers, um eine möglichst effiziente Entwicklung der Aussprache zu erzielen.

2. Ein phonetischer Vergleich zwischen dem Persischen und dem Deutschen

Der Vergleich zwischen den beiden Sprachen begrenzt sich nur auf die für die vorliegende Arbeit relevanten Themen und Fachbereiche. Eine Besonderheit des Arabischen ist die weniger ausgeprägte Lippenbewegung, wie zum Beispiel die fehlende Lippenrundung (unveröffentl.). Daher weist der Schüler große Artikulations-schwierigkeiten bei Vokalen wie o und u auf. Auch bei der Akzentuierung von betonten und unbetonten Silben gibt es in den arabischen Sprachen keinen großen phonetischen Unterschied wie im Deutschen (unveröffentl.). Eine Charakteristik der deutschen Sprache ist die Kombination von höherer und tieferer Tonhöhe sowie größerer Lautstärke (vgl. Schwitalla 2006, 57). Der Akzent ist ein phonetisches komplexes Phänomen, da es mehrere Kategorien wie Tonhöhe, Lautstärke und Dehnung umfasst (vgl. Schwitalla 2006, 57). Das Akzentsystem umfasst in beiden Sprachen die Hervorhebung von Silben, die eine deutlichere Aussprache und eine Tonhöhenänderung beim Sprecher bedingen (vgl. Altmann/Hahnemann 2010, 62). Beim Sprechen neigt der Schüler oft zu einem gleichmäßigen Tonfall und Melodisierung der Sprache. Der Einsatz der Sprechmelodie dient zur Kennzeichnung der Bedeutung eines Sprechaktes, wobei der Melodiefall bei Aussagen und Aufforderungen und der Melodieanstieg bei Entscheidungsfragen sowie sehr höflichen Äußerungen eintritt (vgl. Stock/Hirschfeld 1996, 43). Die Wortakzentuierung im Arabischen ist im Gegensatz zum Deutschen einheitlich und voraussagbar (unveröffentl.). Wenn die vorletzte Silbe im Arabischen lang ist, wird sie betont, ansonsten wird die drittletzte Silbe betont (unveröffentl.). Bei der Satzakzentuierung im Arabischen spielt insbesondere die Tonhöhe eine große Rolle, wobei im Deutschen Wörter durch stärkere Melodisierung und durch eine genauere Artikulation hervorgehoben werden (unveröffentl.). Im Arabischen fehlen also Veränderungen in der Sprechgeschwindigkeit und Artikulationsgenauigkeit (unveröffentl.). Dies macht sich insofern beim Schüler bemerkbar, dass er manche Buchstaben und insbesondere Vokale beim Sprechen verschluckt, sie also auslässt. Die drei Parameter bei der Artikulation von Vokalen bilden die Zungenhöhe, die Zungenlage und die Lippenrundung (vgl. T. Alan Hall 2000, 23). Da der Schüler im Prozess des Sprechens die Intonation, Melodisierung und die Sprechgeschwindigkeit unverändert beibehält, wirkt sich dies negativ auf die Verständigung aus. Das deutsche Vokalsystem hingegen erweist sich im Kontrast zum Arabischen als sehr komplex und ausdifferenziert (unveröffentl.). Im Deutschen wird eine große Anzahl von Vokalen unterschieden und im Arabischen gibt es nur die Vokale i, a, u, die entweder kurz oder lang ausgesprochen werden. Der Schüler weist insbesondere Artikulations-schwierigkeiten bei dem Vokal o auf, welches er häufig als u artikuliert. Weitere Schwierigkeiten beim Schüler treten bei den gerundeten Vokalenöundüauf, die im Arabischen nicht vorhanden sind (unveröffentl.). Aus diesen phonetischen Unterschieden zwischen dem Deutschen und dem Arabischen haben sich unter Berücksichtigung des Leistungsstandes des Schülers Lernhinweise und Empfehlungen zur didaktischen Vorgehensweise in der Stundenplanung, wie zum Beispiel die Erlernung der Vokale, Wort- und Satzakzentuierung, ergeben.

3. Sequenzplanung der Unterrichtseinheit

3.1. Bedingungsanalyse

Um eine Unterrichtsplanung zu gestalten, beobachte ich zuerst das Leistungsniveau des Schülers, mit dem ich zusammenarbeite. Dadurch erfahre ich mehr über die Sprachkenntnisse und über potentielle Lernschwierigkeiten. Bei der Schüler-beobachtung fallen mir insbesondere Probleme bei dem Sprechtempo, der Akzentuierung von Wörtern und einfachen Satzstrukturen auf. Außerdem weist der Schüler Motivationsprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten auf. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass der Schüler immer wieder mit Lob besondere Anerkennung und Bestätigung erhält. Somit werden die Unterrichtseinheiten unter Berücksichtigung der Lernkompetenzen des Schülers individuell an ihn angepasst. Der Schüler weist aber auch positive Lernmerkmale, wie zum Beispiel das schnelle Auffassen von Aufgabenstellungen und Arbeitsanweisungen, auf. Wenn sich der Schüler gut konzentrieren kann und nach Erledigung einer Aufgabe positive Rückmeldung erhält, arbeitet er besonders aktiv und sorgfältig mit. Die Gruppendynamik und das Verhalten innerhalb der Gruppe ist von Akzeptanz, respektvollem Umgang und einem freundschaftlichen Verhältnis zueinander geprägt. Daher kann die Arbeitsatmosphäre als positiv und dynamisch beschrieben werden.

3.2. Analyse der Sachinhalte und didaktische Überlegungen

Da der Schüler Probleme bei der Wort- und Satzakzentuierung aufweist, wird die Aussprache sowie die Betonung in der geplanten Unterrichtseinheit durchgearbeitet. Ich konzentriere mich zudem auf das Sprechtempo des Schülers, damit er mit einer konstanten und angemessenen Sprechgeschwindigkeit spricht. Die Themenwahl des Unterrichts ist für den Schüler vertraut und von Dauer geprägt. Die zu lehrenden Inhalte richten sich nach dem Leistungsniveau und dem Lernvermögen des Schülers. Einen wichtigen Lerninhalt in dieser Unterrichtseinheit bilden die acht deutschen Vokale a, e, i, o, u, ä, ö, ü. Die Hörübungen der Unterrichtssequenz beinhalten Aufgaben zur Erlernung und Bestimmung von Vokalen, die hörend bestimmt werden sollen. Da der Schüler Schwierigkeiten bei der Aussprache von Vokalen aufweist, ist dies eine optimale Übung zur Erlernung der richtigen (Aus-)Sprechweise. Die zweite Hauptkategorie ist die Wort- und Satzakzentuierung. Mithilfe von Sprechübungen soll der Schüler die richtige Akzentsetzung im Wort und im Satz erlernen. Die Übungen zur Unterscheidung von Vokalen, sowie der Wort- und Satzakzentuierung dienen dem Schüler immer wieder zur Wiederholung und zum dauerhaften Lernen. Somit werden die Informationsprozesse im Langzeitgedächtnis des Schülers gespeichert, welches sich durch eine langfristige Sprachveränderung auswirkt. Die Grobziele der Lerneinheit, die durch die Übungen der Vokaltrennung, der Wort- und Satzakzentuierung erreicht werden sollen, sind die sichere Aussprache, Betonung und das Sprechtempo. Die Wortakzentuierung ist die „Festlegung einer Silbe im Wort als Akzentstelle“ (Stock/Hirschfeld 1996, 9). Bei der Satzakzentuierung werden einzelne Wörter im Satz hervorgehoben und die Laute in den akzentuierten Silben sorgfältiger artikuliert als in unbetonten Silben (vgl. Stock/Hirschfeld 1996, 23). Das Feinziel, das durch diese Komponenten gezielt erlernt werden soll, ist die richtige Betonung von einfachen Wörtern, Sätzen und Vokalen. Auch die Sprechgeschwindigkeit soll beim Sprechen beachtet und kontrolliert werden. Grundlegende Quellen zur Unterrichtsdurchführung bieten eigenständig konzipierte Übungen, die sich individuell an dem Leistungsvermögen des Schülers orientieren. Die Übungen sind anschaulich konstruiert und vom Schwierigkeitsgrad her angemessen aufgestellt. Bei der Durchführung der verschiedenen Aufgaben könnten Schwierigkeiten auftreten, da die 90-minütige Lerneinheit ein großes Konzentrations- und Durchhaltevermögen fordert. Der Schüler könnte also aufgrund der langen Arbeitsphase die Motivation an der Bearbeitung der Aufgaben verlieren. Um die Lernbereitschaft und die Konzentration an der Bearbeitung der Aufgaben aufrechtzuerhalten, wird die didaktische Struktur des Unterrichts in acht kleine Lehr- und Lerndimensionen aufgeteilt, wobei die Arbeitsanforderungen von dem Schwierigkeitsgrad her in geringem Maße ansteigen. Mit dieser Methode kann der Schüler genau sehen, was er geschafft hat und wie lange es noch bis zum Ziel dauert. Hiermit wird der Schüler auch positiv bestärkt und dazu motiviert, an die nächsten Aufgaben heranzugehen und sie abzuarbeiten. Die richtige Bewältigung der Aufgaben soll das Sicherheitsgefühl des Schülers stärken und den Spaßfaktor am Lernen steigern. Daher ist es sehr wichtig, dass die Aufgaben so gestaltet sind, dass der Schüler Erfolg und Bestätigung erfährt. Das Arbeitspensum soll sich dennoch im Laufe des Unterrichts steigern und dem Schüler immer wieder durch neue Lernbausteine Zusammenhänge und Vergleiche zwischen dem Lernstoff bieten.

3.3. Stundenplanung

Die gesamte 90-minütige Unterrichtseinheit wurde in acht zehn- und fünfzehnminütige Unterrichtssequenzen aufgeteilt. Dabei sollen die Themengebiete der Vokale und der Akzentsetzung/Betonung schwerpunktmäßig behandelt werden. Die Themenauswahl beschränkt sich nur auf die beiden Fachgebiete, weil zum einen der Schüler noch erhebliche Schwierigkeiten bei der Aussprache sowie der Unterscheidung von Vokalen aufweist und zum anderen nicht durch eine große Themenauswahl in Verwirrung geraten soll. Die erste Übung der Unterrichtsplanung ist die vorbereitende Hörübung, die als Eintauchübung bezeichnet wird. Hier soll vertieft auf die Vokale eingegangen werden. Dabei gehe ich folgendermaßen vor: nachdem ich dem Schüler die Wörter vorgetragen habe, soll er die Vokale in den Wörtern hörend bestimmen (siehe Anhang). Da der Schüler so viel wie möglich eigenständig und aktiv mitarbeiten soll, verbessere ich ihn nur bei Schwierigkeiten. Das Lob ist ein wesentlicher Motivationsfaktor, das immer wieder zum Einsatz kommen soll. Damit sich die Aufgaben an dem Leistungsniveau des Schülers genau anpassen, wurden alle Aufgabenstellungen für den Schüler individuell erstellt. In der ersten vorbereitenden Hörübung, die als Eintauchübung bezeichnet wird, lese ich dem Schüler zehn Wörter mit Vokalen vor, die er identifizieren soll (siehe Anhang). Die nächste vorbereitende Hörübung, die als Diskriminationsübung bezeichnet wird, dauert fünfzehn Minuten. Hier soll der Schüler die kurz- und langausgesprochenen Vokale voneinander unterscheiden. Dazu habe ich zehn Minimalpaare vorbereitet, welche die Vokale a, e, i, o, u, ä, ö,üenthalten (siehe Anhang). Ich trage dem Schüler die Minimalpaare vor und er unterscheidet die Kurz- und Langvokale voneinander. Minimalpaare sind Wörter, die sich in einem einzigen Laut unterscheiden (vgl. T. Alan Hall 2000, 37). Dabei bildet das Phonem als Einzellaut die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit (vgl. Altmann 2010, 17). Die letzte zehnminütige vorbereitende Hörübung ist die Identifikationsübung, die als inhaltlichen Schwerpunkt die Bestimmung von Vokalen hat. Dabei sollen dem Schüler Sätze vorgetragen werden, die er nach aktivem Zuhören bestimmen soll (siehe Anhang). Die letzte in dieser Unterrichtseinheit vorkommende Hörübung ist die angewandte Hörübung, bei der der Schüler zehn Sätze mit lückenhaften Wörtern vorgelegt kriegt, die er mit vorgegebenen Vokalen auffüllen soll (siehe Anhang). Als erstes trage ich dem Schüler die Sätze vor und lasse ihn entscheiden, welche Vokale sinnvoll einzusetzen sind. Nach Unterscheidung und Bestimmung der Vokale, widmen wir uns dem zweiten inhaltlichen Schwerpunkt, den Sprechübungen, zu. In der ersten vorbereitenden Sprechübung soll die Akzentsetzung/Betonung vertieft gelernt werden. Dazu spreche ich dem Schüler zehn Wörter vor, die er nach genauem Zuhören nachsprechen soll (siehe Anhang). In der nächsten kaschierten Nachsprechübung soll der Schüler ebenfalls die Aussprache verbessern. Ich bereite ihm zehn Fragesätze vor, deren Inhalte er in seinen Antworten wiederholen, also nachsprechen soll. Hierbei sind die Antworten schon in den Fragen vorgegeben, also kaschiert (siehe Anhang). Es ist wichtig, dass der Schüler in ganzen Sätzen spricht und auf die Betonung achtet. Die nächste Übung ist die produktive Sprechübung, bei der der Schüler zehn maskuline Substantive vorgelegt bekommt. Er soll die Wörter zuerst aussprechen, die femininen Formen dazu finden und die beiden Formen nochmals aussprechen (siehe Anhang). Die letzte Übung heißt angewandte Sprechübung und dauert fünfzehn Minuten. In dieser Übungssequenz soll der Schüler einen Lesevortrag unter Berücksichtigung der Akzentsetzung aus einem selbstmitgebrachten und einfach zu lesenden Buch halten.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Kontrastive Phonetik am Beispiel des Deutschunterrichts in einer internationalen Förderklasse
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Kontrastive Phonetik
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V278398
ISBN (eBook)
9783656714057
ISBN (Buch)
9783656720362
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kontrastive, phonetik, beispiel, deutschunterrichts, förderklasse
Arbeit zitieren
Hande Hanay (Autor:in), 2014, Kontrastive Phonetik am Beispiel des Deutschunterrichts in einer internationalen Förderklasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278398

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