Was sind Emotionen? Woher kommen Sie? Wie haben Sie sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt und Verändert?
Diesen Fragen wird mit Beispielen wie "Erec" oder Kafkas "Verwandlung" erläutert.
Inhaltsverzeichnis
Thema 2: Modul II: Wissenskulturen und Wissensgeschichte
Was sind Emotionen?
Begrifflichkeit Affekt, Emotion, Gefühl
Emotionalität und Rationalität
Emotion und Rationalität im Mittelalter
Definition der Angst
Phänomenologie der Angst
Grundstruktur der Angst
Biologische und anthropologische Grundlagen
Funktionen der Angst
Einzelne Formen des Angsterlebens
Angst nach Freud
Theologie der Angst
Psychologie der Angst
Muster der psychologischen Angst
Die Funktion der Gefahr
Angst, Umwelt und Organismus in der frühen Neuropsychologie nach Kurt Goldstein
moderne Ängste
moderne Angst allgemein
Angst und Freiheit
Angst vor der Zukunft/Fortschrittsangst
Angst vor dem Altern/Tod
Angst vor allem und jedem
Angst und Evolution
Ängste in Mittelalter und Aufklärung
Mittelalter
vor der Aufklärung: Naturfurcht
Aufklärung
Angst in der Literatur
Mittelalter
Moderne
Regeln der emotionalen Kommunikation zwischen Autoren und Leser
Literaturgeschichte der Angst als Diskurs- und Literaturgeschichte ab ca. 1800
Um 1800: Literarische Angst in der schwarzen Romantik
Um 1900: Die Kulturkritik der Angst
1920: Die Erschütterung
Nach 1945: Existenzialismus und literarische Referenzen auf Krieg, Holocaust und Terror
1970er und 1980er: Ökologie und Geschlechtercodierungen der Angst
Nach 9/11: Alarmbereitschaft, Katastrophenerwartung und Prävention
Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910)
Angst als Wirkung der Großstadt
Angst in der Kindheit
Franz Kafka: Die Verwandlung (1869 – 1945)
Die Verwandlung: Ängste
Angst in der mittelhochdeutschen Epik
Hartmann von Aue: Erec
Autor
Inhalt
Der Doppelweg
Doppelte Angst von Enite
Erecs Angst
Vergleich von Erec und Enite
Heinrich von Veldeke: Eneasroman
Autor
Inhalt
Konsequenzen auf drei Ebenen der Narratologie
Ängste im Eneas
Unterweltfahrt
Kampf und Krieg (als „verneinte“ Angst)
Liebe (Dido, Lavinia und Eneas)
Angstdarstellungen in anderen Medien
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturhistorische und literarische Entwicklung von Angst im Vergleich zwischen dem Mittelalter und der Moderne. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Ursachen, Funktionen und Ausdrucksformen von Angst durch gesellschaftliche Transformationen – von der religiös geprägten Weltordnung bis zur säkularisierten, technisierten Gegenwart – gewandelt haben.
- Historischer Wandel der Emotionswahrnehmung und Angstbegriffe.
- Interdependenz von Emotionalität und Rationalität im Wandel der Zeit.
- Literarische Angstvermittlung in der mittelhochdeutschen Epik und der Moderne.
- Existenzielle Ängste und die Rolle der Entfremdung in der Industriegesellschaft.
- Fallbeispiele: Rilkes "Malte Laurids Brigge" und Kafkas "Die Verwandlung".
Auszug aus dem Buch
Angst in der Kindheit
"die Angst, daß ein kleiner Wollfaden, der aus dem Saum der Decke heraussteht, hat sei, hart und scharf wie eine stählerne Nadel; die Angst, daß dieser kleine Knopf eines Nachhemdes größer sei, als ein Kopf, groß und schwer, die Angst, daß dieses Krümchen Brot, das jetzt von einem Bette fällt, gläsern und zerschlagen unten ankommen würde, und die drückende Sorge, daß damit eigentlich alles zerbrochen sei, alles für immer. Die Angst, daß er nichts sagen könnte, weil alles unsagbar ist, und die anderen Ängste, ...die Ängste." --> Malte hat schon in der Kindheit Angst und kann Erlebnisse nicht erzählen, weil ihm die Kraft fehlt, das erlebte noch einmal zu durchleben (als in der Dunkelheit unter dem Tisch aus der Wand eine Hand entgegenkam, eine größere ungewöhnlich magere Hand", vor der ihm graut)
Zusammenfassung der Kapitel
Was sind Emotionen?: Dieses Kapitel beleuchtet grundlegende Fragen zur Natur von Emotionen und diskutiert kontrovers, ob diese universelle Konstanten oder historisch-kulturelle Konstrukte darstellen.
Begrifflichkeit Affekt, Emotion, Gefühl: Hier werden die terminologischen Abgrenzungen zwischen Affekt, Emotion und Gefühl erörtert, wobei der Fokus auf ihrer jeweiligen philosophischen und psychologischen Herkunft liegt.
Emotionalität und Rationalität: Dieses Kapitel analysiert das historische Spannungsfeld zwischen Verstand und Gefühl, von der antiken Einheit bis hin zur modernen Trennung und gegenseitigen Beeinflussung.
Emotion und Rationalität im Mittelalter: Unter Bezugnahme auf Norbert Elias wird das mittelalterliche Verständnis von Affektkontrolle und die fehlende Trennung von privatem und öffentlichem Körper untersucht.
Definition der Angst: Dieser Abschnitt widmet sich den sprachlichen Wurzeln des Angstbegriffs sowie dessen phänomenologischer Einordnung.
Phänomenologie der Angst: Es werden die verschiedenen Intensitätsstufen und der temporale Charakter der Angst im Spektrum von der Unruhe bis zur Todespanik beschrieben.
Grundstruktur der Angst: Hierbei werden die Ausprägungen Bangnis, Grauen sowie das Zusammenspiel von Angst und Phantasie analysiert.
Biologische und anthropologische Grundlagen: Die Arbeit beleuchtet hier die ursprüngliche Funktion der Angst als Warnsystem zur Selbsterhaltung angesichts sozialer oder existenzieller Gefahren.
Funktionen der Angst: Dieses Kapitel thematisiert die Rolle der Angst bei der Verhaltensregulation, ihre Verbindung zur menschlichen Imagination und ihre Bedeutung als "Spielraum der Freiheit".
Einzelne Formen des Angsterlebens: Es erfolgt eine Differenzierung in vitale Todesangst, Raumängste, soziale Ängste und existentielle Ängste.
Angst nach Freud: Die psychoanalytische Perspektive unterscheidet hierbei zwischen Realangst und neurotischer Angst sowie deren Verdrängungsmechanismen.
Theologie der Angst: Die Arbeit untersucht das christliche Weltbild, die Angst als Herrschaftsinstrument und Martin Luthers Konzept der Rechtfertigung.
Psychologie der Angst: Hier werden allgemeine Muster der Angsterfahrung und die frühe Neuropsychologie nach Kurt Goldstein zusammengefasst.
moderne Ängste: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen Angstkonstellationen der Moderne, geprägt durch Komplexität, Säkularisierung und Beschleunigung.
Angst und Freiheit: Es wird erörtert, wie persönliche Freiheit in kollektive Strukturen eingebunden wird, um existenzielle Zukunftsangst zu mildern.
Angst vor der Zukunft/Fortschrittsangst: Die Arbeit diskutiert die kritische Ambivalenz des technischen Fortschritts und die wachsende Umweltangst.
Angst vor dem Altern/Tod: Hier wird der Wertewandel in der Produktionsgesellschaft beleuchtet, in der das Altern und der Tod aus dem Alltag verdrängt werden.
Angst vor allem und jedem: Dieses Kapitel analysiert die Rolle der Medien bei der Erzeugung irrationaler Ängste und die Entstehung von Panikpotenzialen.
Angst und Evolution: Es wird die evolutionäre Bedeutung der Angst als Überlebensinstinkt und ihre Problematik in der modernen Zivilisation dargestellt.
Ängste in Mittelalter und Aufklärung: Dieser Teil vergleicht die religiös motivierten Ängste des Mittelalters mit den neu entstehenden "inneren Ängsten" der Aufklärung.
Angst in der Literatur: Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Angst als zentrales Thema deutscher Literatur seit 1800.
Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910): Eine tiefgehende Analyse von Maltes Konfrontation mit der Großstadt Paris und seiner existentiellen Angst vor dem Ich-Verlust.
Franz Kafka: Die Verwandlung (1869 – 1945): Untersuchung der Motive wie Existenzangst, Ohnmacht und soziales Versagen im Kontext der Kafka'schen Vater-Sohn-Problematik.
Angst in der mittelhochdeutschen Epik: Hier werden die Darstellungsmöglichkeiten von Angst in der Literatur vor 1200 analysiert.
Hartmann von Aue: Erec: Analyse der "Doppelten Angst" bei Enite und der Ehrensorge bei Erec als treibende Kräfte der Handlung.
Heinrich von Veldeke: Eneasroman: Die Arbeit untersucht, wie dieser Epos durch Liebesmonologe und Innenschau den Grundstein für eine psychologische Heldenzeichnung legte.
Ängste im Eneas: Analyse der Angst in der Unterweltfahrt und als "verneinte" Angst im Kampf sowie die Funktion der Liebesangst.
Angstdarstellungen in anderen Medien: Ein kurzer Vergleich zur Bildenden Kunst anhand der Manessischen Liederhandschrift und Edvard Munchs "Der Schrei".
Schlüsselwörter
Angst, Emotion, Rationalität, Mittelalter, Moderne, Literatur, Psychologie, Existenzangst, Fortschrittsangst, Entfremdung, Rilke, Kafka, Erec, Eneas, Phänomenologie
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung des Phänomens Angst vom Mittelalter bis in die Moderne, sowohl aus kulturhistorischer als auch aus literaturwissenschaftlicher Perspektive.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Zentrale Felder sind die Veränderung von Emotionsregeln, das Spannungsfeld zwischen Emotionalität und Rationalität sowie die Darstellung von Angst in der deutschsprachigen Literatur von der mittelhochdeutschen Epik bis zum Expressionismus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Wandlung der Angst von einer oft externen, religiös oder sozial begründeten Größe im Mittelalter hin zu einer internalisierten, diffusen existentiellen Erfahrung der Moderne aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der kulturhistorische Analysen (nach Elias) mit psychologischen Theorien (nach Freud) und literaturwissenschaftlichen Interpretationen kombiniert.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Der Hauptteil behandelt die Definition und Phänomenologie der Angst, ihre theologische und psychologische Einordnung, sowie detaillierte Fallanalysen literarischer Texte wie "Malte Laurids Brigge" und "Die Verwandlung".
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Angst, Existenzangst, Literatur, Mittelalter, Moderne, Entfremdung und psychologische Innenschau sind die prägenden Begriffe der Arbeit.
Wie unterscheidet sich die "Angst" bei Enite und Erec im Roman "Erec"?
Während Enites Angst primär durch Selbstaufgabe und Sorge um den Ehemann geprägt ist, resultiert Erecs Angst aus der Sorge um seine gesellschaftliche Ehre und die Vermeidung von Schande.
Warum spielt die Unterweltfahrt im "Eneasroman" eine besondere Rolle für das Verständnis von Angst?
Die Unterweltfahrt dient als Indikator dafür, dass Eneas eine menschliche Reaktion auf das Unbekannte zeigt, wobei die Angst als Signal fungiert, dass der Held den vertrauten Bereich verlässt.
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- Bachelor Ramona Schilling (Autor:in), 2013, Mittelalterliche und moderne Ängste im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278545