Welche Bedeutung haben Räume in der Literatur? Einführung in Raumtheorien z.B. von Cassirer, angewendet auf Eneas und Partonopier.
Inhaltsverzeichnis
Räume bei Eneas und im Partonopier
Was ist Raum? Was für eine Bedeutung hat die Darstellung von Räumen in der Literatur?
Einführung in die Raumtheorie: Dünne&Günzel und Cassirer
Aristoteles (*384 v. Chr. † 322 v. Chr.)
René Descartes (* März 1596 † Februar 1650)
Otto von Guericke(*November 1602 † Mai 1686)
Isaac Newton (* Dezember 1642 †März 1726) & Samuel Clarke (*Oktober 1675 † Mai 1729)
Gottfried Wilhelm Leibniz (*Juni 1646 † November 1716) & Christiaan Huygens (*April 1629 †Juli 1695)
Immanuel Kant (*April 1724 †Februar 1804)
Johann Gottfried von Herder (*August 1744 †Dezember 1803)
Elias von Cyon (März 1843 – 1912)
Jakob Johann Baron von Uexküll (*August 1864 †Juli 1944) & Martin Heidegger (*September 1889 †Mai 1976)
Albert Einstein (*März 1879 †April 1955)
Einführung in die Raumtheorie: Lotman uns Störmer-Caysa
Strukturalistisch-semiotisches Raummodell
Das Problem des Sujets
Der Begriff der Figur
Eneasroman. Einführung, Gattung, Raumkonstellationen
Was sind Antikenromane?
Wechselwirkung von Antikenroman und Geschichtsschreibung/Geschichtsdichtung
Hauptquellen antiker Mythologie
Der Weg des Helden
Liebe und Herrschaft
unterschiedliche Räume
Unterschiedliche Basismomente der Räume
Anderweltlicher Raum: Die Unterweltfahrt
Seele und Seelenwanderungskonzept
Vortrag: Uta Störmer-Caysa
Realgeographischer Raum: Landung in Italien; Historischer Raum: Mainzer Hoffest
Zeit
Geschichte als Heilsgeschichte
Topographie
Konrad von Würzburg: Partonopier
Gattungsmischung des Partonopier
Handlung
Angst Partonopier
Partonopier und Meliur. Einführung. Höfischer Raum: Aufbruch- und Jagdszene
"der walt ist aller würme vol"
Poetik des Hybriden
Anderweltlicher Raum: Meliurs Feenwelt
Räume der chanson de geste: Der finale Herrschaftsraum
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Darstellung von Räumen in der mittelalterlichen Literatur, insbesondere im Eneasroman und im Partonopier, um aufzuzeigen, wie Raumgestaltung als erzählerische Sprache fungiert, die nicht-räumliche Relationen des Textes ausdrückt und das Handeln der Protagonisten maßgeblich mitbestimmt.
- Raumtheoretische Grundlagen von der Antike bis zur Moderne (u.a. Aristoteles, Kant, Lotman).
- Analyse des Eneasromans als Medium zwischen Antikenrezeption und höfischem Ideal.
- Untersuchung des Partonopiers im Hinblick auf Gattungsmischung und Angstinszenierung.
- Die Rolle des "Raumes" als Indikator für Bewährung, Flucht und gesellschaftliche Integration.
- Intertextuelle Bezüge zu Heilsgeschichte und christlicher Symbolik.
Auszug aus dem Buch
Einführung in die Raumtheorie: Dünne&Günzel und Cassirer
Aristoteles (*384 v. Chr. † 322 v. Chr.) beschreibt Bewegung unter der Prämisse, dass alles eine Ursache hat und der Kosmos endlich ist. Der Anfang wird als Ur-Ursache oder erster Beweger (göttliche Figur) definiert, der prinzipieller Anfang und Ziel zugleich darstellt. Der Körperraum ist dabei als Platz definiert, den ein Körper einnimmt und von dem er sich selbst unterscheidet, während der Ort als eine unbewegliche, etwas umgebende Außenhülle fungiert. In der aristotelischen Welt ist kein leerer Raum möglich oder denkbar, allenfalls der Sitz Gottes am Rand des Kosmos, der als Nicht-Raum gilt.
René Descartes (* März 1596 † Februar 1596) betrachtet den leeren Raum hingegen als undenkbar, da dort, wo es Ausdehnung oder Raum gibt, notwendigerweise auch eine Substanz vorhanden sein müsse. Er nimmt eine Zweiteilung beziehungsweise Dopplung der Welt vor, unterteilt in die äußere Welt (materielle Dinge) und die innere Welt (Vorstellung). In der inneren Welt existieren Ideen, die nicht durch bloße Beobachtung entstanden sind, wie etwa die Idee der größten Substanz; Gott wird somit, im Gegensatz zur antiken und mittelalterlichen Auffassung, in den Denkinnenraum geholt und ist nun eine Vorstellung.
Otto von Guericke (*November 1602 † Mai 1686) bewies mit der Erzeugung eines Vakuums mittels einer Luftpumpe die Existenz eines leeren Raumteils. Dies lässt sich auf die Kosmologie übertragen, wonach auch das Universum als leerer Raum verstanden werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung in die Raumtheorie: Dünne&Günzel und Cassirer: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über historische Raumkonzepte, von der antiken Kosmologie bis hin zu neuzeitlichen Vorstellungen von Substanz und Vakuum.
Einführung in die Raumtheorie: Lotman uns Störmer-Caysa: Hier wird Lotmans strukturalistisch-semiotisches Raummodell vorgestellt, das den künstlerischen Raum als Erzeugnis kulturell bestimmter Zeichenverwendungen deutet.
Eneasroman. Einführung, Gattung, Raumkonstellationen: Der Abschnitt erläutert die Besonderheiten des Eneasromans als Werk, das antike Stoffe in mittelalterliche höfische Raumkonstellationen überführt.
Konrad von Würzburg: Partonopier: Dieses Kapitel stellt den Autor und sein Werk vor, wobei der Fokus auf der Gattungsmischung zwischen Minne-, Abenteuerroman und Chanson de Geste liegt.
Schlüsselwörter
Eneasroman, Partonopier, Raumtheorie, Lotman, Mittelalter, Höfische Dichtung, Minne, Unterweltfahrt, Narratologie, Raumkonzept, Heilsgeschichte, Gattungsmischung, Grenzüberschreitung, Angstinszenierung, Subjektivierung des Raumes.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Darstellung von Räumen in mittelalterlichen Texten wie dem Eneasroman und dem Partonopier und setzt diese in Bezug zu literaturwissenschaftlichen Raumtheorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Raumkonstitution in narrativen Texten, das Verhältnis von historischem und fiktionalem Raum sowie die Bedeutung von Grenzüberschreitungen für die Entwicklung der Protagonisten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Raumgestaltung als eine Sprache fungiert, die nicht-räumliche Relationen innerhalb der Erzählungen, wie z.B. Machtansprüche oder Minneverhältnisse, sichtbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein strukturalistisch-semiotischer Ansatz verfolgt, insbesondere basierend auf Lotmans Modell der Raumdarstellung, ergänzt durch eine narratologische Analyse der Texte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse des Eneasromans als Gründungserzählung sowie dem Partonopier als komplexem Gattungsmix, unter besonderer Berücksichtigung der Raumsymbolik und der psychologischen Darstellung der Helden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Raumtheorie, Minne, Eneasroman, Partonopier, Heilsgeschichte und das strukturalistisch-semiotische Raummodell.
Warum ist die "Angst" für den Protagonisten im Partonopier so wichtig?
Angst fungiert im Roman als ein notwendiges, wertendes Movens, das den Helden aus seiner vertrauten, höfischen Umgebung in neue, fremde Erfahrungsräume treibt und damit die Handlung vorantreibt.
Welche Rolle spielt der "Burgbau" im Eneasroman?
Der Burgbau symbolisiert Eneas' strategischen Machtanspruch als Gründungsvater und dient der narratologischen Inszenierung seiner Rolle als künftiger Herrscher in einem neuen Raum.
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- Bachelor Ramona Schilling (Autor), 2011, Räume bei Eneas und im Partonopier, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278597