Die Romantik als literarische Epoche - eine Einführung mit Beispielen von Heine, Brentano, Hoffmann und vielen anderen.
Inhaltsverzeichnis
Die Romantik als literarische Epoche
Grundvorstellungen romantischer Schriftsteller
Kann man von einheitlicher Romantik sprechen?
Sattelzeit (1770-1830)
Epocheneinteilung
Konzept der Kunstautonomie
Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Klassik und der Romantik
Auswirkungen der Künstlerautonomie auf die Romantik
Verhältnis zur Französischen Revolution
Differenzen zwischen Klassik und Romantik: Das anthropologische Konzept
Antike und Mittelalter als historische Bezugsfolien
Romantische Geschichtsauffassung: das Mittelalterbild
Novalis: „Die Christenheit oder Europa“ (1799): Schlüsseltext für dieses Mittelalterbild
Triadisches Geschichtsmodell
Zur Forschungsgeschichte
Begriff der Romantik und des Romantischen
Individualstil und Epochenstil
Sehnsucht von Eichendorff
Phasengliederung der Romantik
Die Zeitschrift „Athenäum“
das frühromantische Fragment
Verbindliche Elemente der frühromantischen Fragmente
116. Athenäums-Fragment: Progressive Universalpoesie
F. Schlegel: Das Gespräch über die Poesie
1. Romantische Ironie
zwei Hauptdimensionen der romantischen Ironie
Selbstreflexivität und Metafiktionalität
Das Drama der Romantik
Ludwig Tieck, Der gestiefelte Kater (1797)
F. Schlegels „Brief über den Roman“
Der Roman der Romantik
Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“: Vorbild und Kontrastfolie
Zum Autor Novalis (1772 – 1801)
„Heinrich von Ofterdingen“
Sammlungen
Joseph Görres: Die teutschen Volksbücher
Die Märchensammlung der Brüder Grimm
Märchenstil
Achim/Brentano: „Des Knaben Wunderhorn“ (1805/08)
Romantische Lyrik
Gemeinsamkeit übergreifender Lyrik
Clemens Brentano (1778 – 1842)
Stimmungshaftigkeit und Klangmalerei
Joseph von Eichendorff (1788 – 1857)
Romantische Geselligkeit und Salonkultur
Schleiermachers „Theorie der Geselligkeit“
Praxis romantischer Geselligkeit: Romantische Salons
Friedrich Schlegel, „Lucinde“ (1799)
Auswirkungen der romantischen Salonkultur auf die Situation der Frauen
Bettina von Arnim
Romantische Erzählungen
Tieck: „Der blonde Eckbert“
Gattung Kunstmärchen
Der blonde Eckbert
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776 – 1822)
Intermedialität
Künstlerthematik und Künstlerfiguren
Das serapiontische Prinzip
Grundzüge von Hoffmanns Erzählen
„Der Sandmann“
Romantische Naturwissenschaft
Animalisches Magnetismus-Konzept
Der Magnetiseur – Poesie und Wissenschaft
Merkmale romantischen Erzählens
Joseph von Eichendorff
Heinrich Heine: Dichter der Epochenschwelle
Antiromantische Wende: Eisenbahn statt Postkutsche
Zeit- und literaturgeschichtlicher Hintergrund
„Das Buch der Lieder“
„Die romantische Schule“ (1836)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Romantik als literarische Epoche und beleuchtet deren zentrale ästhetische, historische und anthropologische Konzepte. Im Fokus steht dabei die Transformation von Literatur, das Verhältnis zwischen Kunst und Leben sowie die Rolle des Subjekts im Spannungsfeld zwischen rationaler Aufklärung und romantischer Transzendenz.
- Die ästhetische Grundlegung der Frühromantik (Universalpoesie und Fragment).
- Die Entwicklung und Transformation des romantischen Erzählens (Kunstmärchen, Selbstreflexivität).
- Die Bedeutung von Künstlerthematik, Musik und Intermedialität bei E.T.A. Hoffmann.
- Die Rolle der Romantik im Kontext von Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Salonkultur.
- Die Auseinandersetzung mit Traditionen, dem Mittelalterbild und die Abgrenzung zur Klassik.
Auszug aus dem Buch
Merkmale der Gattung „Kunstmärchen“ im „blonden Eckbert“ in Abgrenzung zum Volksmärchen
1. Verschachtelung und Diskontinuität der Zeit- und Erzählstruktur (das gibt es im Volksmärchen nicht)
2. Die Perspektivierung und Personalisierung des Erzählens (nicht zu finden im Volksmärchen, dort immer ein außenstehender Erzähler, hier steht Wahrnehmung der Protagonisten im Mittelpunkt)
3. Thematisierung des Wunderbaren (im Text wird Status der erzählten Ereignisse reflektiert, es wird darauf hingewiesen, dass die Ereignisse wunderbar sind oder umgekehrt als besonders vertraut erscheinen, wird immer wieder betont)
4. Verschränkung von novellistisch konkreter Wirklichkeit und märchenhaft Wunderbarem (in der Erzählung entstehen gleitende Übergänge und rational nicht mehr auflösbare Kombinationen, unterschiedliche Wirklichkeitsauffassungen in einem Text)
5. Psychologisierung (Inneres der Figuren wird wichtig für deren Wahrnehmung des Äußeren)
6. Natur als äußere Projektionsfläche innerer Vorgänge (Natur dient als Seelen- und Stimmungsspiegel, im Volksmärchen dagegen ist die Natur ein unabhängiger Raum in dem die Figuren agieren)
Zusammenfassung der Kapitel
Die Romantik als literarische Epoche: Führt in die zeitgenössischen Grundvorstellungen und das historische Umfeld der Sattelzeit ein, in der sich die bürgerliche Ordnung formierte.
Konzept der Kunstautonomie: Analysiert den Stellenwert der Kunst zwischen Sturm und Drang, Klassik und Romantik mit Fokus auf das schöpferische Subjekt.
Romantische Geschichtsauffassung: das Mittelalterbild: Erläutert die Neubewertung des Mittelalters als Gegenentwurf zur Moderne und die Funktion des triadischen Geschichtsmodells.
Zur Forschungsgeschichte: Skizziert die wechselvolle Rezeption der Romantik vom 19. Jahrhundert bis zur ideologiefreien Forschung der 80er Jahre.
Begriff der Romantik und des Romantischen: Beleuchtet die etymologische Entwicklung und die drei zentralen Verwendungsweisen des Begriffs als Haltung, Stil- und Epochenbegriff.
Die Zeitschrift „Athenäum“: Beschreibt das zentrale Organ der Frühromantik als bewusst provokantes Gemeinschaftsprojekt und Ausdruck der Universalpoesie.
das frühromantische Fragment: Definiert das Fragment als bewusste künstlerische Form, die Unvollständigkeit und Totalität vereint.
1. Romantische Ironie: Erörtert die Funktion der Ironie als Ausdruck der Kluft zwischen Endlichem und Unendlichem sowie als Mittel der Selbstreflexion.
Selbstreflexivität und Metafiktionalität: Beschreibt, wie romantische Literatur ihre eigene Konstruktion und Form zum Inhalt macht.
Das Drama der Romantik: Analysiert den Stellenwert des Dramas, das in der Romantik eher experimentell und als Lesedrama fungiert.
Der Roman der Romantik: Untersucht die Hybridität und Enzyklopädik des romantischen Romans als Medium der Universalpoesie.
Sammlungen: Behandelt die Sammeltätigkeit von Volksgut als Versuch, das kulturelle Gedächtnis der Nation zu bewahren.
Joseph Görres: Die teutschen Volksbücher: Zeigt die Hinwendung zur Volksdichtung als reaktionäres, patriotisches Heilmittel in Zeiten politischer Bedrängnis.
Die Märchensammlung der Brüder Grimm: Analysiert den Erfolg der Märchen als Hausbuch und die Spannungsfelder zwischen mündlicher Überlieferung und schriftlicher Bearbeitung.
Achim/Brentano: „Des Knaben Wunderhorn“ (1805/08): Beschreibt die normierende Bearbeitung von Liedgut zur Identitätsbildung der Nation.
Romantische Lyrik: Arbeitet die Abkehr von klassizistischen Formen zugunsten des Volksliedtons und der Klangdimension heraus.
Romantische Geselligkeit und Salonkultur: Beleuchtet die Bedeutung von Freundschaft, Salonkultur und den neuen Stellenwert von Frauen im literarischen Diskurs.
Romantische Erzählungen: Analysiert die Doppelgesichtigkeit der Welt in Texten wie „Der blonde Eckbert“ und die Merkmale des Kunstmärchens.
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776 – 1822): Porträtiert den Vertreter der schwarzen Romantik und dessen intermediale Kunstauffassung.
Romantische Naturwissenschaft: Erläutert das ganzheitliche Denken und die Erforschung der „Nachtseiten“ der Natur als Gegenentwurf zur analytischen Aufklärung.
Animalisches Magnetismus-Konzept: Diskutiert die spekulative Einbindung wissenschaftlicher Theorien in die romantische Literatur und deren psychologische Implikationen.
Heinrich Heine: Dichter der Epochenschwelle: Analysiert Heines ambivalente Stellung zwischen Romantik und politischer Moderne sowie seine kritische Desillusionierung.
Schlüsselwörter
Romantik, Universalpoesie, Fragment, Kunstautonomie, Ironie, Künstlerthematik, E.T.A. Hoffmann, Volkslied, Kunstmärchen, Salonkultur, Subjektivierung, Mittelalterbild, Heinrich Heine, Naturphilosophie, Doppelgänger.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet einen fundierten wissenschaftlichen Überblick über die literarische Epoche der Romantik, ihre ästhetischen Konzepte, philosophischen Grundlagen und die wesentlichen Gattungsmerkmale.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Universalpoesie, das Verhältnis von Kunst und Leben, die Rolle der Naturwissenschaften, die Bedeutung der Volkskultur sowie die subjektive Spiegelung der Wirklichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Romantik als komplexe, in sich nicht homogene Epoche darzustellen, die sich maßgeblich durch die Reflexion über das Unendliche, das Unterbewusste und die eigene künstlerische Form auszeichnet.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt literaturhistorische Analysen, vergleichende Gattungsbetrachtungen und eine Untersuchung der poetologischen Konzepte der Epoche.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse literarischer Formen wie Fragment, Roman und Märchen, die Rolle der Lyrik, die Bedeutung von Geselligkeit und Frauen in der Salonkultur sowie das Werk spezifischer Autoren wie Novalis, E.T.A. Hoffmann und Heinrich Heine.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Universalpoesie, romantische Ironie, Selbstreflexivität, Doppelgänger-Motiv, Intermedialität und das Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Nachtseite der Natur prägen die Argumentation.
Wie bewertet der Autor das „serapiontische Prinzip“ bei E.T.A. Hoffmann?
Der Autor versteht es als eine spezifische poetologische Methode, bei der das innerlich Erschaute nach außen projiziert wird, wobei die äußere Realität als unverzichtbarer Impulsgeber für die autonome Imaginationskraft dient.
Welche Rolle spielt die kritische Auseinandersetzung von Heinrich Heine mit der Romantik?
Heine wird als Dichter der Epochenschwelle dargestellt, der romantische Kunstmittel nutzt, sie jedoch durch ironische Desillusionierung enttarnt, um sich vom romantischen Wirklichkeitsverlust zu befreien.
- Citation du texte
- Bachelor Ramona Schilling (Auteur), 2012, Die Romantik als literarische Epoche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278628