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Die angelsächsische Tradition der frühen Neuzeit. Einfluss durch die islamische hautfarbenbezogene Interpretation der Verfluchung Chams?

Eine Untersuchung anhand ausgewählter Quellen

Titel: Die angelsächsische Tradition der frühen Neuzeit. Einfluss durch die islamische hautfarbenbezogene Interpretation der Verfluchung Chams?

Hausarbeit , 2013 , 16 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Karl Hollerung (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Sklaverei wurde immer auch damit legitimiert, indem man den Völkern, die vorrangig versklavt wurden, sehr negative Eigenschaften nachsagte. Insbesondere William McKee Evans hat darauf hingewiesen. Da Schwarze sowohl über ein Jahrtausend lang in der islamischen Welt als auch während der frühen Neuzeit in Europa und seinen überseeischen Kolonien die meisten bzw. alle Sklaven stellten, überrascht es daher nicht, dass sie in beiden Kulturen mit den negativsten Eigenschaften beschrieben wurden, die sich zudem auch noch sehr stark ähnelten. So findet man z.B. in beiden Kulturen eine sehr sexualisierte Darstellung der Schwarzen, die demnach u.a. überlange Penisse hätten. Bei derartigen eindeutigen Übereinstimmungen stellt sich natürlich die Frage, inwiefern die europäischen Einstellungen zu Schwarzen direkt aus der islamischen Welt stammen oder sich unabhängig davon erneut entwickelten, wobei vorislamische Kulturen noch zu berücksichtigen wären. Diese Frage soll hier anhand der Geschichte der durch Chams Sünde verursachten Verfluchung Kena’ans durch Noach untersucht werden, die in beiden Kulturen eine große Rolle bei der Legitimierung der Versklavung vorrangig schwarzer Menschen spielte, wobei dies bei der letzteren vorrangig im angelsächsischen Raum der Fall war.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Grundlagen in der Bibel:

1.1 Die Cham-Geschichte und das damit verbundene theologische Hauptproblem

1.2 Die Völkertafel

2. Die CG in der islamischen Welt des Mittelalters

2.1 Die CG nach Ibn Qutayba

2.2 CG im Werk ,, al-Muqaddimah“ Ibn Khaldūns

2.3 Bedeutung der CG

3. Die CG im christlichen Europa

3.1 Die CG nach Azurara

3.2 Azurara – der Begründer einer europäischen CG-Tradition?

3.3 Die CG nach Thomas Newton

3.4 Die Folgen von Newtons Werk

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den möglichen Einfluss der islamischen Tradition der hautfarbenbezogenen Interpretation der „Cham-Geschichte“ (CG) auf die entsprechende angelsächsische Tradition der frühen Neuzeit. Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die religiöse Legitimierung von Sklaverei durch die Verfluchung der Nachkommen Chams in beiden Kulturen korreliert und welche Rolle Übersetzungsfehler sowie theologische Deutungen dabei spielten.

  • Analyse der biblischen Grundlagen und theologischen Probleme der Cham-Geschichte
  • Untersuchung der islamischen Rezeption bei Ibn Qutayba und Ibn Khaldūn
  • Vergleichende Betrachtung der europäischen Tradition durch Azurara und Newton
  • Bewertung des Einflusses der islamischen CG-Tradition auf den englischen Sklavenhandel

Auszug aus dem Buch

Die CG nach Ibn Qutayba

Ibn Qutayba war ein arabischer Gelehrter, der 884 oder 889 gestorben ist und sich u.a. sehr stark mit dem Alten Testament befasst hat. Er ist für den Gegenstand dieser Arbeit von Bedeutung, weil er der erste arabische Autor ist, der den Fluch Noachs nicht nur mit Sklaverei, sondern auch mit der schwarzen Hautfarbe in Verbindung brachte.

Zunächst einmal hat der Autor wieder einmal den bereits erwähnten Fehler gemacht und die Stelle ,,Verflucht sei Kena’an“ usw. mit ,,Verflucht sei der Vater Kena’ans“ übersetzt. Auf die Folgen dieses Übersetzungsfehlers wurde bereits hingewiesen und er tauchte bereits während der arabischen Expansion auf, als die Iraner, Ägypter und Perser in großer Zahl versklavt wurden und ebenfalls als Söhne Chams galten. Allerdings stand der Fluch damals noch nicht in Verbindung mit der schwarzen Hautfarbe. Entscheidend ist daher der zweite Teil des Textauszugs. Dort heißt es u.a.: ,, Hām the son of Noah was a white man, with a handsome face and a fine figure, and Almighty God changed his color and the color of his descendants in response to his father’s curse. […] They are the blacks.“ Des Weiteren werden die Inder als Nachfahren Puts und die verschiedenen afrikanischen Völker als die Nachfahren Kuschs und Kena’ans beschrieben. Obwohl zu diesen afrikanischen Völkern auch Kopten und Berber, zwei eindeutig weiße Völker, gerechnet werden, scheint Qutayba offensichtlich auch bei ihnen von einer schwarzen Hautfarbe ausgegangen zu sein, was aber seiner Unwissenheit geschuldet sein mag. Auf jeden Fall haben wir hier erstmals in der islamischen Geschichte eine Gleichsetzung von schwarzer Hautfarbe und Sklaverei, die mit der CG legitimiert wird.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der Sklavenlegitimation durch die Cham-Geschichte sowie Vorstellung des Forschungsziels und relevanter Autoren.

1. Die Grundlagen in der Bibel:: Untersuchung des biblischen Ursprungstextes der Cham-Geschichte und der damit verbundenen theologischen Problematik der Bestrafung Kena'ans.

1.1 Die Cham-Geschichte und das damit verbundene theologische Hauptproblem: Analyse der Ungereimtheiten im biblischen Text, warum Noach Kena'an für das Fehlverhalten Chams bestraft.

1.2 Die Völkertafel: Betrachtung der biblischen Völkertafel im Hinblick auf die Identifizierung der Nachkommen Chams mit afrikanischen Völkern.

2. Die CG in der islamischen Welt des Mittelalters: Erörterung, wie die islamische Gelehrsamkeit die CG zur Rassendefinition und Legitimierung von Sklaverei nutzte.

2.1 Die CG nach Ibn Qutayba: Darstellung der erstmaligen Verknüpfung des Fluchs Noachs mit der schwarzen Hautfarbe durch den Autor.

2.2 CG im Werk ,, al-Muqaddimah“ Ibn Khaldūns: Analyse von Ibn Khaldūns Klimatheorie und seiner Einordnung der menschlichen Entwicklung.

2.3 Bedeutung der CG: Untersuchung der praktischen Anwendung der CG im islamischen Raum zur Legitimierung der Versklavung auch muslimischer Schwarzafrikaner.

3. Die CG im christlichen Europa: Beleuchtung der Entwicklung der CG-Tradition im christlichen Kontext und deren Nutzung in der frühen Neuzeit.

3.1 Die CG nach Azurara: Analyse der portugiesischen Chronik und der Übernahme von Narrativen, die Sklaverei mit der CG begründeten.

3.2 Azurara – der Begründer einer europäischen CG-Tradition?: Kritische Hinterfragung der Rolle Azuraras als Vorreiter einer genuin europäischen Tradition.

3.3 Die CG nach Thomas Newton: Darstellung der Neuinterpretation durch Thomas Newton und dessen Einfluss auf spätere Diskurse.

3.4 Die Folgen von Newtons Werk: Analyse der weitreichenden Verbreitung von Newtons Version der CG als Argumentationshilfe im Sklavenhandel.

Fazit: Zusammenfassende Bewertung der gegenseitigen Beeinflussung der islamischen und europäischen CG-Traditionen.

Schlüsselwörter

Cham-Geschichte, Sklaverei, Rassendefinition, Islamische Welt, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Bibel, Noach, Fluch, Theologische Legitimierung, Ibn Qutayba, Ibn Khaldun, Azurara, Thomas Newton, Rassismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Verbreitung der sogenannten Cham-Geschichte (CG) und deren Rolle als religiöses Argument zur Legitimierung von Sklaverei sowohl in der islamischen Welt des Mittelalters als auch im frühneuzeitlichen Europa.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das biblische Verständnis der Cham-Geschichte, die Rezeption durch mittelalterliche islamische Gelehrte, der Einfluss klimatischer Theorien sowie die Adaption der Legitimationsmuster im europäischen Sklavenhandel.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu analysieren, ob und inwieweit die islamische Tradition der Interpretation des Fluchs Noachs einen direkten Einfluss auf die spätere angelsächsische Tradition hatte, die zur Rechtfertigung transatlantischer Sklaverei diente.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse und einen komparativen Ansatz, bei dem historische Texte und theologische Kommentare ausgewählter Autoren miteinander verglichen werden, um Kontinuitäten und Transformationen in der Interpretation der CG aufzudecken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung biblischer Grundlagen, die Analyse der islamischen Exegese (insbesondere Ibn Qutayba und Ibn Khaldūn) und die Erforschung der christlich-europäischen Rezeption durch Autoren wie Azurara und Thomas Newton.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Cham-Geschichte, Sklaverei, Theologische Legitimierung, Rassendefinition und interkulturelle Ideengeschichte charakterisiert.

Warum spielt der Übersetzungsfehler im biblischen Kontext eine so große Rolle für die Argumentation des Autors?

Der Autor zeigt auf, dass die fälschliche Gleichsetzung von Cham mit Kena'an sowie die sprachlichen Ungenauigkeiten in Übersetzungen die notwendige theologische Basis schufen, um den Fluch Noachs auf die Nachfahren Chams und damit auf Schwarzafrikaner auszuweiten.

Welche Rolle spielt die Klimatheorie nach Ibn Khaldūn in diesem Diskurs?

Die Klimatheorie dient als rationales Erklärungsmodell, um die schwarze Hautfarbe und die vermeintliche Primitivität südlicher Völker zu begründen, was die rassistische Interpretation der Cham-Geschichte wissenschaftlich stützte.

Inwiefern beeinflusste Thomas Newtons Werk die spätere US-amerikanische Sklavereidebatte?

Durch seine Umschreibung der CG lieferte Newton ein einflussreiches Argument, das von Befürwortern der Sklaverei in den US-Südstaaten vor dem Bürgerkrieg genutzt wurde, um den Abolitionisten entgegenzutreten.

Kommt der Autor zu dem Schluss, dass die europäische CG-Tradition direkt aus der islamischen Welt stammt?

Der Autor differenziert hier: Während es klare Bezüge und Parallelen gibt, betont er, dass man den direkten Einfluss nicht überbewerten sollte, da sich eine europäische Tradition teilweise eigenständig entwickelte, wenngleich islamische Argumente als "wichtiger Impuls" dienten.

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Details

Titel
Die angelsächsische Tradition der frühen Neuzeit. Einfluss durch die islamische hautfarbenbezogene Interpretation der Verfluchung Chams?
Untertitel
Eine Untersuchung anhand ausgewählter Quellen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Sklaverei in der Karibik
Note
1,0
Autor
Karl Hollerung (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V278660
ISBN (eBook)
9783656719984
ISBN (Buch)
9783656741046
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sklaverei Karibik Islam Ibn Qutayba Ibn Khaldūn Azurara Thomas Newton Noah Ham Bibel
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Karl Hollerung (Autor:in), 2013, Die angelsächsische Tradition der frühen Neuzeit. Einfluss durch die islamische hautfarbenbezogene Interpretation der Verfluchung Chams?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278660
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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