Das Menschenpaar im Paradiesgarten. Genesis 2 und 3 und seine Verarbeitung in Zolas "La faute de l'abbé Mouret"


Masterarbeit, 2014

94 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 DIE BIBLISCHE PARADIESERZÄHLUNG GENESIS 2, 4B - 3,24
2.1 Übersetzung
2.2 Entstehungsgeschichte
2.3 Der erzählerische Aufbau
2.4 Auslegung
2.4.1 Die Erschaffung des Menschen und sein Lebensraum (Gen 2,4b-17)
2.4.2 Der Garten Eden 18 Die Bäume im Garten (Gen 2,9-14)
2.4.3 Die Erschaffung der Frau (Gen 2,18-25)
2.4.4. Mann und Frau
2.4.5 Der Ausgangspunkt vor dem Fall und Rückgriff auf das Gebot in Gen 2,17
2.4.6. Der Fall und das Verhör (Gen 3,1-7)
2.4.6.1 Die Schlange und ihre List / Der nach Erkenntnis verlangende Mensch
2.4.6.2. Die Schuldfrage
2.4.6.3 Die Konsequenzen des Vergehens: Die Vertreibung / Flüche (Gen 3,22-24) 45 Die Entlassung aus dem Paradies
2.4.7 Menschenbild

3 DIE VERARBEITUNG DER PARADIESERZÄHLUNG IN „ LA FAUTE DE L ’ ABB É MOURET
3.1. Einleitung
3.2. Zola und der Naturalismus
3.3 Die Handlung des Romans
3.4 Skizzierung des Aufbaus des Romans
3.5. Biblische Mythologie im Roman
3.5.1 Parallelen außerhalb des zweiten Buches
3.5.2 Parallelen im zweiten Buch
3.5.2.1 Das Paradies, „le paradou“ 72 Der Baum des Lebens oder der mysteriöse Ort der Glückseligkeit
3.5.2.2 Serge und Albine alias Adam und Eva?
3.5.2.3. Der Sündenfall 80 Die Konsequenzen
3.5.2.4 Liebe und Sexualität
3.5.3. Intention des Romans

4 FAZIT

QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Die biblische Paradiesgeschichte mit den zwei Hauptakteuren Adam und Eva, als erstes Menschen- paar, spielt in allen drei großen monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Isalm eine besondere Rolle und kann wohl als einer der bekanntesten Texte der Weltliteratur bezeichnet wer- den.1 Die Erzählung wird auch als der zweite Schöpfungsbericht oder die Geschichte vom Fall be- zeichnet. Sie ist Teil der Urgeschichte im Buch Genesis und erstreckt sich von Genesis 2,4b - 3,24. Worte wie „Paradies“, „Schlange“, Sünde“ und „Apfel“ rufen bei Vielen die Assoziation mit der Geschichte des ersten Menschenpaares hervor. Doch trotz der scheinbaren Vertrautheit mit der Er- zählung, bietet die knappe, zuweilen lückenhafte Erzählweise, viel Interpretationsspielraum. Be- sonders die Bezeichnung „Schöpfungserzählung“ suggeriert, dass hier von der Entstehung der Welt und seinen Geschöpfen berichtet wird, also vom Anfang der Welt oder „ wie alles begann “. Dies ist sicherlich auch impliziert. Dabei geht es nachdem im ersten Schöpfungsbericht die „Entstehung von Himmel und Erde“ oder die „Erschaffung der Welt in sieben Tagen“ geschildert wurde, nun, ohne einen neuen zeitlichen Anfang zu setzten, um die Erschaffung des Menschen. Doch die Gen 2-3 innewohnende Intention ist weniger die Darlegung vom Anfang von Welt und Menschheit, wie es menschlicher Wissbegier entgegenkäme, sondern die Beschreibung gegenwärtiger Lebenswelt und ihrem Ursprung.2 Damit wohnt der Paradieserzählung die Ätiologie schlechthin inne: „[Sie] gibt eine Erklärung für den jetzigen Zustand der Menschheit, die infolge des Ungehorsams des ersten Menschenpaares gegenüber Gottes Gebot vielen Mühsalen und schließlich dem Tod unterworfen ist.“3 Jedoch geht es nicht nur um eine Beschreibung des Zustandes des Menschen, sondern auch um eine Charakterisierung des Menschen an sich. Die Paradieserzählung liefert uns ein Bild davon, was Menschsein bedeutet. Adam und Eva sind nicht nur „unsere Ureltern“ und begründeten den Anfang der Menschheit, „sie präfigurieren vielmehr in unterschiedlichen Facetten, was Menschsein bedeutet- in allen Höhen, Tiefen und Mittelmäßigkeiten.“4

Die Genesis und damit auch die Urgeschichte ist ein riesiges zusammenhängendes und doch aus Einzelschriften zusammengestelltes Erzählungswerk. Diese Erzählungen werden nicht nur in der kirchlichen Lehre ausgelegt, sondern dienen auch „in vielfältiger Weise [als] Quelle künstlerischer Inspiration“5. So auch für den französischen Naturalist und Autor Émile Zola. Der französische Schriftsteller verarbeitete die Paradieserzählung in seinem Roman „ la faute de l ’ abb é Mouret “. Die Hauptfigur seines Romans, Serge, wird zu Adam und verbringt eine begrenzte Zeit mit Albine, alias Eva, in einem paradiesischen Garten, le paradou, wo sich die „Sünde“ vollzieht. Dabei möchte der Roman die Geschichte vom ersten Menschenpaar nicht neu erzählen, sondern projiziert sie in gesellschaftskritischer Perspektive in die damalige, moderne Lebenswelt.

In der folgenden Arbeit wird zunächst eine Exegese der biblischen Paradieserzählung in Gen 2,4b- 3,24 vorgenommen. Dabei wird die Entstehungsgeschichte dargelegt und der Aufbau der Erzählung analysiert, bevor der Text als Ganzes interpretiert wird. In der Auslegung geht es um die Erschaf- fung und die Bestimmung des Menschen; seinen ersten Lebensraum, dem paradiesischen Garten; die Erschaffung der Frau; die Beziehung von Mann und Frau als exemplarisches Paar bis heute; den Fall, also die Gebotsübertretung und die Frage um die „Erbsünde“ und deren unmittelbaren und bis heute währenden Konsequenzen, was die Schuldfrage impliziert; und das Menschenbild.

Im Anschluss daran geht es um die Verarbeitung der Paradieserzählung in „ la faute de l ’ abb é Mou- ret “. Nachdem Zola in seiner Zeit und als Begründer des Naturalismus dargestellt, die Handlung des Romans resümiert und der Aufbau erläutert worden ist, steht die biblische Mytholgie der Erzäh- lung im Vordergrund. Es werden Analogien zwischen der biblischen Paradieserzählung und der Romanerzählung gefunden und kritisch reflektiert. Nicht nur die Parallelen werden beleuchtet, son- dern ebenso die Unterschiede.

In einem Fazit werden alle Beobachtungen zusammengefasst. Es wird resümiert, wie das Men- schenpaar in der Paradieserzählung dargestellt wird und wie die Verarbeitung der Edenerzählung in Hinblick auf Adam und Eva in dem Roman „ la faute de l ’ abb é Mouret “ in den Figuren Albine und Serge gelingt.

2 Die biblische Paradieserzählung Genesis 2, 4b - 3,24

2.1übersetzung

6 Genesis 2,4b An dem Tag, als Gott, der HERR, Erde und Himmel machte,

5 - noch war all das Gesträuch des Feldes nicht auf der Erde, und noch war all das Kraut des Feldes nicht gesprosst, denn FGott, der HERR, hatte es noch nicht auf die Erde regnen lassen, und noch gab es keinen Menschen, den Erdboden zu bebauen;

6 - ein Dunst aber stieg von der Erde auf und bewässerte die ganze Oberfläche des Erdbodens,

7 - da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele.

8 - Und Gott, der HERR, pflanzte einen Garten in Eden im Osten, und er setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte.

9 Und Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und gut zur Nahrung, und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.

10 - Und ein Strom geht von Eden aus, den Garten zu bewässern; und von dort aus teilt er sich und wird zu vier Armen.

11 Der Name des ersten ist Pischon; der fließt um dasganze Land Hawila, wo das Gold ist;

12 und das Gold dieses Landes ist gut; dort gibt es Bedolach-Harz und den Schoham-Stein.

13 Und der Name des zweiten Flusses ist Gihon; der fließt um das ganze Land Kusch.

14 Und der Name des dritten Flusses ist Hiddekel; der fließt gegenüber von Assur. Und der vierte Fluß, das ist der Euphrat.

15 Und Gott, der HERR, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren.

16 Und Gott, der HERR, gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du essen;

17 aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon darfst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon ißt, mußt du sterben!

18 Und Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.

19 Und Gott, der HERR, bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels, und er brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nenne würde; und genau so wie der Mensch sie, die lebenden Wesen, nenne würde, so sollte ihr Name sein.

20 Und der Mensch gab Namen allem Vieh und den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber für Adam fand er keine Hilfe, ihm entsprechend.

21 Da ließ Gott, der HERR, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so daß er einschlief. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloß die Stelle mit Fleisch;

22 und Gott, der HERR, baute die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau, und er brachte sie zum Menschen.

23 Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heißen, denn vom Mann ist sie genommen.

24 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden.

25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und sie schämten sich nicht.

3,1 Und die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott, der HERR, gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Von allen Bäumen des Gartens dürft ihr nicht essen?

2 Da sagte die Frau zur Schlange: Von den Früchten der Bäume des Gartens essen wir;

3 aber von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht,hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht berühren, damit ihr nicht sterbt!

4 Da sagte die Schlange zur Frau: Keineswegs werdet ihr sterben!

5 Sondern Gott weiß, daß an dem Tag, da ihr davon eßt, eure Augen aufgetan werden und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses.

6 Und die Frau sah, daß der Baum gut zur Speise und daß er eine Lust für die Augen und daß der Baum begehrenswert war, Einsicht zugeben; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß.

7 Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie erkannten, daß sie nackt waren; und sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.

8 Und sie hörten die Stimme Gottes, des HERRN, der im Garten wandelte bei der Kühle des Tages. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor dem Angesicht Gottes, des HERRN, mitten zwischen den Bäumen des Gartens.

9 Und Gott, der HERR, rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du?

10 Da sagte er: Ich hörte deine Stimme im Garten, und ich fürchtete mich, weil ich nackt bin, und ich versteckte mich.

11 Und er sprach: Wer hat dir erzählt, daß du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, du sollst nicht davon essen?

12 Da sagte der Mensch: Die Frau, die du mir zur Seite gegeben hast, sie gab mir von dem Baum, und ich aß.

13 Und Gott, der HERR, sprach zur Frau: Was hast du getan! Und die Frau sagte: Die Schlange hat mich getäuscht, da aß ich.

14 Und Gott, der HERR, sprach zur Schlange: Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein unter allem Vieh und unter allen Tieren des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen, und Staub sollst du fressen alle Tage deines Lebens!

15 Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen.

16 Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Nach deinem Mann wird dein verlangen sein, er aber wird über dich herrschen.

17 Und zu Adam sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten habe: Du sollst davon nicht essen! - so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens;

18 und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen!

19 Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bist du zurückkehrst zum Erdboden, denn von ihm bist du gekommen. Denn Staub bist du, und zu Staub wirst du zurückkehren!

20 Und der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, denn sie wurde die Mutter alloer Lebenden. 21 Und Gott, der HERRR, machte Adam und seiner Frau Leibröcke aus Fell und bekleidete sie.

22 Und Gott, der HERR, sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns, zu erkennen Gutes und Böses. Und nun, daß er nicht etwa seine Hand ausstrecke und auch noch von dem Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe!

23 Und Gott, der HERR, schickte ihn aus dem Garten Eden hinaus, den Erdboden zu bebauen, von dem er genommen war.

24 Und er trieb den Menschen aus und ließ östlich vom Garten Eden die Cherubim sich lagern und die Flamme des zuckenden Schwertes, den Weg zum Baum des Lebens zu bewachen.

2.2 Entstehungsgeschichte

Die Erzählung vom Fall des Menschen stellt einen Teil der Urgeschichte dar. „Allgemein besteht wenig Zweifel, daß die Urgeschichte das Ergebnis eines langen und vielschichtigen Wachstumsprozesses ist […]“7 Im Folgenden wird ein Überblick über die Entstehungsgeschichte von Genesis 2 und 3 geboten. Auf detaillierte Ausführungen muss an dieser Stelle verzichtet werden, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Da die Verarbeitung der Edenerzählung in einem Roman analysiert wird, interessiert vor allem die Endgestalt der biblischen Erzählung.

Zunächst muss der Bogen jedoch etwas weiter gespannt werden: Die Problematik des Vorhandenseins zweier Schöpfungsberichte wird kurz diskutiert.

Die Paradieserzählung ist der sogenannte zweite Schöpfungsbericht und steht mit dem ersten Schöp- fungsbericht von Genesis 1, in welchem die Welt von Gott in sieben Tagen geschaffen wird insofern im Widerspruch, als dass beide in unterschiedlicher Weise von der Entstehung der Welt berichten. In beiden Erzählungen wird dargestellt, wie aus dem Nichts der Lebensraum der Tiere und Menschen, und Mensch und Tier an sich entstanden sind. Da die Erzählungen aus verschiedenen Überlieferungen und damit auch aus verschiedenen Zeiten stammen, ist die Suche nach dem einen, richtigen Schöp- fungsbericht somit hinfällig. Das Nebeneinander beider Berichte kann dennoch als problematisch gel- ten, da sie einander durch gegensätzliche Äußerungen über Gottes Handeln in der Urzeit widerspre- chen. Andererseits schließen sich die zwei Berichte auch nicht aus. Es gibt die Ansicht, die zweite Er- zählung beschreibe die Erschaffung des Menschen im Detail und gebe Erklärungen, warum unsere heutige Welt so ist wie sie ist. So könnte man sagen, die Paradieserzählung, setzt bei Tag fünf des ers- ten Berichts an und beschreibt die Erschaffung des Menschen und seine Geschichte von seiner Urexis- tenz im Paradies und seiner „Realexistenz“ bis heute. Als ein Unterschied fällt auf, dass in Genesis 1, die Tiere vor dem Menschen geschaffen worden sind und in Gen 2 berichtet wird, dass zuerst der Mensch da war und die Tiere das Nebenprodukt von Gottes Versuchen sind, dem Menschen eine Ge- fährtin zu machen. Man sollte vor dem Hintergrund ihrer unterschiedlichen Entstehungsgeschichten eher nach Möglichkeiten suchen, die Texte trotz ihrer gegenseitigen Widersprüche, zusammenzusehen und eben nicht versuchen, nur den einen Text als den richtigen anzusehen. Nicht allzu streng betrach- tet kann man sagen, dass die Erzählungen sich ergänzen. Nachdem uns in Genesis 1 ein grober Über- blick gegeben worden ist, wird in Genesis 2 detailliert auf die Erschaffung des Menschen eingegangen und in Genesis 3 vom Fall des Menschen berichtet, der uns erklärt, warum unsere Welt, die von Gott geschenkt wurde, nicht nur Gutes für uns bereit hält. Somit wäre der zweite Schöpfungsbericht als Erweiterung zum ersten Schöpfungsbericht zu sehen. Blenkinsopp schlägt Folgendes vor:

„One way of viewing the juxtaposition of the two accounts would be to read the second as offsetting the optimism and undisturbed serenity oft he first by introducing an elememt of ambiguity and psychological realism, and especially by speaking more directly about how things went wrong right from the beginning of human life in society.“8

Spieckermann nennt die Paradieserzählung im Zusammenhang der gesamten Urgeschichte eine „große literarische Aufweitung“, welche mit ihrer Sicht von Gut und Böse und mit ihrer Problematisierung der Gottebenbildlichkeit des Menschen den priesterschriftlichen Schöpfungsbericht in Genesis 1 voraussetze.9 Die uns vorliegende Paradieserzählung sei als Text ein theologisch hochkomplexes Gebilde, das in intertextueller Auseinandersetzung mit Genesis 1 stehe.10 In Genesis 211 und 3 geht es um die Ambivalenz des Menschsein, oder anders ausgedrückt um das „Geheimnis des Menschseins zwischen Geschöpflichkeit und Selbstverantwortung“12.

„Gen 1 erfährt durch Gen 2f eine Korrektur.13 Gottes gute schöpferische Potenz ist erfahrbare und in Grenzen erkennbare Wirklichkeit nur in der Ambivalenz von Gut und Böse, in die die Menschen ver- führt und verantwortlich zugleich hineinmüssen, soll das Gegenüber-Sein untereinander und schließ- lich auch im Verhältnis zu Gott nicht im Modus schöpferischer Möglichkeit und damit zugleich wirk- lichkeitsfremd verharren.“14

Nachdem skizziert worden ist, dass beide Schöpfungsberichte durch unterschiedliche thematische Akzentuierung ihre Daseinsberechtigung haben, geht es nun um die Entstehung der Paradieserzählung. Auch innerhalb dieses zweiten Schöpfungsberichts gibt es Spannungen im Erzählverlauf, die es zu interpretieren gilt.

Der zweite Schöpfungsbericht ist eingebettet in den literarischen Zusammenhang des Pentateuchs. Es ist ein in nachexilischer Zeit verfasstes Werk, das aber seinerseits wieder aus älteren Werken zusammengearbeitet sei, in dem hier allein interessierenden Buch Genesis aus den Hauptquellen Jahwist (J), Elohist (E), und Priesterschrift (P).15 „ Allgemein zeichnet sich als neuer Konsens ab, daß die priesterlichen Texte eine erste Version der Urgeschichte bildeten, die dann sukzessiv bear- beitet und erweitert wurde. Das bedeutet freilich nicht, daß die in Gen 1-11 verarbeitenden Stoffe allesamt erst in exilisch-nachexilischer Zeit aufkamen. Als literarische Komposition im Sinne eines Prologs der Tora gehören diese Stoffe allerdings in die Zeit des zweiten Tempels […].“ Doch im Gegensatz zum ersten Schöpfungsbericht, der bis in das Kapitel 2 hineinreicht, gehört die Paradie- serzählung mit Sicherheit nicht den jüngsten, priesterschriftlichen Quellen an.16 Im ersten Schöp- fungsbericht, der der Priesterschrift zugeordnet wird, heißt es im Hebräischen bei der Rede von Gott ganz allgemein „elohim“. Ab Genesis 2,4b „tritt […] diesmal- und zum ersten Mal in der Bibel- der Gottesname „Jahwe“ hinzu; in den Bibelübersetzungen meist mit „der Herr“ wiedergegeben.“17 Die moderne Bibelwissenschaft sehe darin einen der Gründe für ihre Annahme, dass dem Text von Ge- nesis 2,4b-3,24 eine andere Überlieferung als der ersten Schöpfungsgeschichte zugrunde liege.18 Was alle weiteren Bestimmungen und Einordnungen betrifft, herrscht keine einheitliche Meinung. Es gibt also ein exegetisches Grundsatzproblem: Bezüglich der groben Einordnung besteht Konsens bei den Auslegern, doch bezüglich der Details gehen die Meinungen weit auseinander. Die meisten Forscher weisen die Erzählung literarisch heute der Quelle J19 zu, doch gibt es ebenso Stimmen, die den vorliegenden Text aus der Verbindung der jahwistischen Quelle mit einer weiteren erklären.20 Dieser Problematik entsprechend schwanke die Bestimmung der Zeit der literarischen Entstehung und des größeren Textbereiches, in den die Erzählung gehöre und in und in dessen Rahmen sie er- klärt werden könne.21 Hinzu komme, dass die gegenwärtige Diskussion, wenn auch mit sehr unter- schiedlichen Ergebnissen, Genesis 2-3 nicht als literarische Schöpfung beurteile, sondern, eher dem anderen Extrem zuneigend, als Aufzeichnung des Endstadiums eines Werdegangs, den die Erzäh- lung in der mündlichen Tradition genommen habe.22 Diese Annahmen erschweren umso mehr das Nachvollziehen der geschichtlichen Entstehung.

„Es seien vor allem eine wachsende Zahl von Unebenheiten, Dubletten und deutlichen Brüchen im Fortgang der Erzählung gewesen, die dem kritisch geschulten Exegeten auffielen und schwere Zweifel an der Einheitlichkeit und inneren Geschlossenheit des Textes aufwarfen.“23 Trotzdem stel- le sich Genesis 2,4b- 3,24 durchaus als eine geschlossene Erzählungsganzeinheit dar.24 Die Erzäh- lung zeigt durch den Wiederaufgriff der Thematik von Vers 2,4a, wo es heißt: „So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurde.“, dass es nun zu einem neuen Erzählabschnitt kommt, der andere Dinge zu berichten hat, als der vorangegangene Bericht. Vers 2,4b, der da lautet: „Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte.“, macht den Neubeginn deutlich. Ebenso wird der Abschluss der Erzählung klar abgegrenzt, indem die Geschichte des Menschen im Paradies durch die Vertreibung beendet wird. Sprachlich und thematisch kann man deutlich den Erzählbogen erkennen, indem der Wortlaut von 2,5 und 7 in 3,23 fast eins zu eins wiederholt wird. Das sich an- schließende Kapitel von Kain und den Kainiten (Genesis 4) setze zwar Gen 2-3 voraus, sei aber nicht die notwendige, von der Paradieserzählung selbst geforderte Fortsetzung.25 Genesis 2 berich- tet von der Erschaffung des Menschen, von Adam und Eva und von ihrem anfänglichen Leben im Paradiesgarten Gottes. Genesis 3 behandelt den Fall des Menschen, die Gebotsübertretung und die daran anschließende Konsequenz der Vertreibung aus dem Paradies durch Gott. Das lässt die Ver- mutung aufkommen, dass es sich auch hier um zwei getrennt voneinander zu sehende Erzählungen handele. Diese Hypothese liegt jedoch fern, da Genesis 2 Erzählungszüge enthalte, die auf Genesis 3 vorausweisen, und den Erzählerlauf dort als notwendige Fortführung fordern.26 Abgesehen davon lassen sich Querverweise in beiden Kapiteln finden, die die Texte ineinander verzahnen und die geschlossene Erzählungsganzheit erneut unterstreichen.27 Im Folgenden werden einige Beobach- tungen dargelegt, die die eben genannte Uneinheitlichkeit anhand von Beispielen aufzeigen. Zunächst seien die Dopplungen genannt. In Genesis 2,8 spricht der Erzähler von der Pflanzung ei- nes Gartens, der unweigerlich ein „Baumgarten“ zu sein scheint. Im daran anschließenden Vers 9 heißt es noch einmal, dass Gott aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen lässt. Man könnte aber auch meinen, der Erzähler wolle die Gestalt des Gartens noch einmal detaillierter beschreiben, denn es schließt sich die Erwähnung der zwei besonderen Bäume an. Eine zweite, noch auffälligere Dub- lette lässt sich in 2,8 und 2,15 erkennen. In beiden Versen wird davon berichtet, wie Gott den er- schaffenen Menschen in den Garten setzte. Eine weitere Dopplung zeigt sich in 3,23 und 3,24, wo beide Male von der Vertreibung des Menschen aus dem Garten gesprochen wird. Außerdem gibt es leichte Widersprüchlichkeiten im Erzählverlauf: In 2,5 wird der Zweck der Men- schenerschaffung genannt. Es wird festgestellt, dass es keinen Menschen gab, um den Ackerboden zu bebauen. Daraufhin wird der Mensch also erschaffen, doch „plötzlich“ pflanzt Gott einen Garten, in den er den Menschen hineinsetzt. Man fragt sich, was aus seiner Aufgabe, den Acker zu bestel- len, geworden ist; und wie es zu Gottes Sinneswandel kam, dem Menschen nun doch nicht die mühselige Aufgabe des Ackerbauers zu geben. Später, in Vers 15, als das Hineinsetzen des Men- schen in den Garten wiederholt wird, erneuert sich der Auftrag der Bebauung und Bewahrung des Gartens. Von der Bestellung des Ackerbodens ist nicht mehr die Rede. Dem Menschen stehen im Garten die köstlichen Früchte der Bäume zur Verfügung. Er braucht sich seine Nahrung scheinbar nicht in mühseliger Arbeit selbst zu beschaffen. War der Beruf des Ackerbauers am Anfang der Erzählung die gesegnete Bestimmung des Menschen, so wird er in 3,23 zur Strafe für den Men- schen, nachdem er das Gebot übertreten hat.28 Daraus lässt sich schließen, dass den Erzählungen zwei verschiedene Auffassungen vom Urzustand des Menschen zugrunde liegen, die dann durch die Ablösung des anderen durch den Redaktor verbunden worden sind.29

Auch die Rolle der zwei Bäume ist problematisch und führt zu Verwechslungen und Missverständ- nissen. Beide Bäume, der Baum der Erkenntnis und der des Lebens, scheinen sich in der Mitte des Gartens zu befinden. Doch auch hier gibt es durch die Syntax Interpretationsspielraum. Auf weitere Ausführung wird an dieser Stelle verzichtet, da in der Auslegung näher darauf eingegangen wird. Eine andere Schwierigkeit stellt die Differenz zwischen der Strafandrohung bei der Gebotsübertre- tung und der tatsächlich verhängten Strafe Gottes dar. Das Verbot in 2,17 drohe nicht Sterblichkeit, sondern Todesstrafe als sofortige Konsequenz der Übertretung an.30 Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass Gott hier als inkonsequent auftritt, kann es sich nur um eine Problematik han- deln, die überlieferungsgeschichtliche Ursachen hat. Weiteres hierzu findet sich auch im Kapitel zur Auslegung.

Des Weiteren ist die in der Paradieserzählung vorhandene doppelte Gottesbezeichnung „Jahwe- Elohim“ zu nennen. Es gibt noch weiter kleine Ungereimtheiten im Erzählverlauf nach Meinung mancher Ausleger, die hier aber nicht alle genannt werden können und ohnehin für den vorliegen- den Sachverhalt zweitrangig sind. Gunkel stellte fest, dass die außerpriesterschriftlichen Partien, die Genesis 2 und 3 zuzuteilen sind, eine mündliche Vorstufe hatten, bevor sie verschriftlicht wurden.31 Demnach sei eine Präzisierung literarkritischer Methodik notwendig, die nicht nur analytische Son- derungen literarischer Schichten, sondern auch Wandlungen in der mündlichen Vorgeschichte der Texte in Betracht ziehe.32 Deshalb sei zu prüfen, ob die Schwierigkeiten auf literarischem Wege entstanden seien oder nicht.33 Hier liegt gerade das Problem der Paradieserzählung, denn man findet außer der genannten Dublette zwischen 2,8-15 keine literarkritischen Indizien, wie Risse im Wort- laut des Erzählungsablaufes oder Varianten, wo zweimal dasselbe gesagt wird.34 Alle anderen ge- äußerten Dopplungen könne man als komplementäre Aspekte in einer einzigen literarischen Schicht verstehen.35 Alles spreche vielmehr dafür, dass die Paradiesezählung weder durch einzelne Zusätze ergänzt sei noch die Verbindung zweier litearisch fixierter Erzählungen darstelle, etwa eines jahwis- tischen Quellenstücks mit Bestandteilen der elohistischen oder gar einer dritten alten Quelle, son- dern literarisch einheitlich sei und der jahwistischen Quelle entstamme36. Dabei ist bezüglich der vorangehenden Überlegungen zu erwähnen, dass auch die Gottesbezeichnung jahwe-elohim daran nichts ändert. Sie deute nicht auf eine alte Quellenschicht neben „J“ hin, sondern resultiere wohl aus einem nachträglichen redaktionellen Eingriff.37 Demnach kann man Zeit und Ort der Paradieserzäh- lung bestimmen: Es ist das Juda des 10. vorchristlichen Jahrhunderts.38

Trotz überlieferungsgeschichtlicher Unebenheiten in Form von Dubletten und Widersprüchen han- delt es sich um eine „runde Erzählung“, die einen klaren Erzählverlauf aufweist. So auch von Rad: „[…] so ist es doch keine Frage, daß die Erzählung von 1. Mose 2f trotz gewisser Spannungen und Unebenheiten kein Trümmerhaufen einzelner Rezensionen ist, sondern als ein Ganzes mit einheitli- chem Gedankengang verstanden werden will.“39 Es handelt sich bei der Paradieserzählung also um einen literarisch einheitlichen Text, was dazu geführt hat, sich mehr dem überlieferungsgeschichtli- chen Lösungsweg zum Verständnis von Genesis 2 und 3 zuzuwenden. Kontrovers seien außer Ein- zelheiten vor allem die Vorstellungen, in wie vielen Stadien sich die Paradieserzählung zu ihrer vorliegenden Gestalt herausgebildet habe und wie groß der Anteil des sie aufzeichnenden Jahwisten dabei gewesen sei.40 Eine der wichtigsten dieser auf überlieferungsgeschichtlichen Vorgänge wei- senden Spannungen sei die Differenz zwischen den Erzählzügen, dass einerseits drei Akteure (Schlange, Frau, Mensch) im Spiel seien, in der Übertretung zusammenwirken und in den Fluch- worten bestraft werden, dass andererseits aber bei der Vertreibung aus dem Paradies nur von dem (einen) Menschen allein berichtet werde.41 Daraus lasse sich schließen, dass es eine ältere Erzäh- lung gegegeben haben muss, die nur einen Paradiesbewohner kannte.42 Dies veranlasste, dass man herauszufinden versuchte, was von der Paradieserzählung dieser älteren Erzählung, die von Steck zur besseren Abgrenzung auch als Paradiesgeschichte bezeichnet wird, zugeordnet werden kann.43 Diese Überlegung ist nur eine von vielen anderen, zahlreichen Meinungen und Versuchen, entste- hungsgeschichtliche Lösungsmöglichkeiten für Spannungen innerhalb der Erzählung zu erklären. Im Folgenden werden exemplarisch redaktionsgeschichtliche Analysen von Spieckermann, Kratz, Levin und Witte angesprochen. Die Ausleger gehen alle von einer sogenannten Grundschicht aus. Diese Grundschicht umfasst die Erschaffung des Menschen aus dem Erdboden und die Schöpfung der Frau und der Tiere, einschließlich ihrer Namensgebung. Dementsprechend sind das die Verse 2,5, 7a, 19, 20a, 21-22 und 3,20. Spieckermann ergänzt 2,18 und 2,23 und 24. Bezüglich der Zuord- nung der Grundschicht herrscht weitestgehend Einigkeit, es gibt nur kleine Unterschiede. Die erste Redaktion umfasst nach Ansicht von Levin, Witte, Kratz und Spieckermann den Fall, also die Ge- botsübertretung, und damit weitesgehend Kapitel 3. Aber schon hier werden die Differenzen deut- lich. Darüberhinaus gehen die Meinungen noch weiter auseinander. Levin spricht von diversen Re- daktionen, die nicht alle explitzit genannt werden können, Witte benennt eine Endredaktion, Kratz bezeichnet es als „Nachträge“ und Spieckermann erkennt das Todesthema als redaktionellen Ein- griff.

Die unterschiedlichen Betrachtungsweisen, die sich schon in der Entstehungsgeschichte zeigen, heben die Vielfältigkeit der Paradieserzählung hervor. Von Rad ist der Meinung, dass Genesis 2-3 „durch die Verschiedenartigkeit ihrer Bestandteile vielleicht gelegentlich an logischer Päzision verloren [hat]“, aber gerade weil „die Dinge da und dort etwas klaffen […] verleiht [das] der Erzählung jenen Charakter des Unergründlichen und Unerschöpflichen“.44 Gunkel überspitzt Von Rads Aussage ins Positive, wenn er Genesis 2 und 3 als „die Perle der Genesis“, die in „höchst anschaulicher Form“ von „Gott und [den] Menschen“ berichtet, bezeichnet.45

Abschließend wird kurz der Hintergrund des Textes beleuchtet.

Die mytischen Stoffe der Urgeschichte seien älter als ihre literarische Fixierung in Genesis 1- 11.46 Der Mythos der Paradieserzählung „erklärt […] Wohl und Wehe des menschlichen Lebens: seine besondere Auszeichnung, die Vernunft; und sein trauriges Geschick, Mühsal des Ackerbaus und Wehen der Geburt“47. Die Erzähler der biblischen Texte versuchten Phänomene des alltäglichen Lebens zu erklären und griffen dabei auf ihnen bereits bekannte Texte und mündliche Überlieferungen zurück. In der Forschung besteht wenig Zweifel, dass die biblische Urgeschichte auf großen mesopotamischen Epen wie Gilgamesch, eine Ballade, die sich mit den Grundthemen menschlicher Existenz auseinandersetzt, Enuma Elisch, das Schöpfungsepos Mesopotamiens und Atrachasis, das als eine Fortführung des Enuma Elisch gesehen wird, aufbaut.48

2.3 Der erzählerische Aufbau

Wie bereits im vorangehenden Kapitel zur Entstehungsgeschichte gesagt, handelt es sich um eine Zusammensetzung des Textes aus verschiedenen Überlieferungen, die zwei Erzählstränge erkennen lassen: eine in sich stimmige und runde Schöpfungserzählung, die von der Erschaffung des ersten Menschen Adam, und im Anschluss daran die Erschaffung der Frau aus dessen Rippe, berichtet; und die Geschichte des Falls und der Übertretung des ersten Menschenpaares, die weitreichende Konsequenzen für die gesamte menschliche Nachkommenschaft mit sich zieht. Dennoch handelt es bei dem uns vorliegendem Endtext um eine erzählerische Einheit, die klar einen dramaturgischen Aufbau erkennen lässt.49 Trotz allem gibt es Ausleger, die der Meinung sind, die Komposition der beiden Überlieferungsstränge sei nicht gänzlich gelungen. Es gebe keinen „kohärenten Handlungs- faden“50. Dies äußere sich beispielsweise in der schlechten Integration des Lebensbaums in die Ge- schichte.51 Nachdem dieser am Anfang der Erzählung so ausdrücklich erwähnt wurde, ist ihm im weiteren Verlauf keine Beachtung geschenkt. Ohnehin sorgt die Erwähnung beider und die damit verbundene nicht zuzuordnende Lokalisierung „in der Mitte des Gartens“ für Verwirrung. Daneben störe laut Krauss/Küchler die Dopplung der Begründung des Sterbenmüssen des Menschen52. In Vers 19 beruft Gott sich scheinbar auf die Androhung des Todes beim Verzehr der verbotenen Frucht, wie er sie in Gen 2,17 aussprach, indem er sagt: „Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren.“53 Später jedoch in Genesis 3,22, begründe Gott die Notwendigkeit des Todes in der Unvereinbarkeit von Erkenntnis und ewigen Lebens.54 Es bleibt an dieser Stelle jedoch fraglich, ob Gott hier nicht nur lediglich die Begründung für die Vertreibung aus dem Paradies ausspricht. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Komposition aufgrund einiger Ungereimtheiten Inter- pretationsspielraum lässt, wodurch manche Fragen offen bleiben. „Ist beispielsweise der Tod eine Strafe, oder ist er nur eine Konsequenz der menschlichen Geschöpflichkeit?“55 Im Folgenden wird der dramaturgische Aufbau der Gesamterzählung dargestellt.56

Es lässt sich eine Rahmenhandlung erkennen, die sich in Form eines „Chiasmus“ um die Haupt- handlung, nämlich die Erzählung des Falls, schließt. Die Erzählung der Rahmenhandlung weist vor der Haupthandlung drei wesentliche Vorgänge auf, nämlich: 1a. Die Erschaffung des Menschen; 2a. das Setzen in den Garten mit der Aufgabe diesen zu bestellen und zu behüten; 3a. das Verbot Gottes vom Baum der Erkenntnis zu essen, wohl aber vom Baum des Lebens, wodurch der Mensch scheinbar vor die Wahl gestellt wird, ob er ewiges Leben oder die Erkenntnis wolle. Es folgt die Geschichte der Versuchung, der Verführung und des Falls als Hauptgeschehen in der Erzählung. Die Haupthandlung, die in die Rahmenhandlung eingebettet ist, sticht „durch eine im Vergleich zur Rahmenhandlung, in der Gott allein handelt und spricht, stärkere Dramatisierung aus“57. Die von Gott geschaffenen Wesen treten in eine Interaktion miteinander (Frau und Schlange, Frau und Mann) und auch er kommuniziert auf verbale Art und Weise mit dem Menschen. Im Anschluss da- ran knüpft sich nun wieder eine dreischrittige Aktionsfolge an, die spiegelbildlich zu der einleiten- den Rahmenhandlung vor der Haupthandlung angeordnet ist: 1b. Gott begründet in einem Selbstge- spräch die Konsequenzen durch das Essen vom verbotenen Baum der Erkenntnis, indem er auf die Unvereinbarkeit von Erkenntnis und Unsterblichkeit benennt. 2b. Gott verändert die Aufgabe des Menschen dahingehend, dass er nun nicht mehr den Garten behüten, sondern den Ackerboden außerhalb des Gartens bebauen soll. Im Grunde schließt sich hier der Kreis, denn so war es auch von Genesis 2,5 her gedacht. 3.b der Mensch lebt als von Gott geschaffen weiterhin in seiner Fürsorge, doch ist er nun autonom, selbstverantwortlich für sein Tun und sterblich, da er durch die Vertreibung aus dem Garten Eden keinen Zugang mehr zum Baum des Lebens hat.

1a. Erschaffung des Menschen und Einhauchung des Lebensatems (2,4-7)
2a. Der Mensch erhält seinen Lebensraum, den Garten, und erhält die Aufgabe diesen zu behüten.
3a. Erlaubnis von allen Bäumen essen zu dürfen, außer von dem der Erkenntnis. Damit einhergehende Todesankündigung.

Haupthandlung: Der Fall

1b.Gott stellt die Unvereinbarkeit von Unsterblichkeit und Erkenntnis fest.
2b. Vertreibung des Menschen aus dem Garten, damit er nicht vom Baum des Lebens esse, sowie Erneuerung (bzw. Rückgriff siehe Gen 2,5) des Auftrages an den Menschen: Bestellung des Ackerbodens. 3b. Der Mensch beginnt sein neues, mit Anstrengung und Schmerzen verbundenes, sterbliches Leben, bleibt aber in Gottes Fürsorge.

Diese Tabelle ist angelehnt an die Tabelle aus Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 110.

Im Folgenden geht es nun um die Gliederung des Hauptteils. Dieser lässt sich in drei Erzählab- schnitte aufteilen, die sich aufgrund ihrer inhaltlichen Wiederholung des Anfang- und Endverses gut voneinander abgrenzen lassen.58 Den ersten Abschnitt bilden Vers 2,18-24 und setzt ein mit der Feststellung Gottes, dass es nicht gut sei, dass der Mensch allein sei und schließt damit, dass der Mann nun eine ihm ebenbürtige Partnerin hat, die der Grund für das Verlassen seines Elternhauses sein wird. Vers 2,25-3,7 bilden den zweiten Abschnitt: Zu Beginn wird der Aspekt betont, dass Mann und Frau nackt seien, doch dass sie keine Scham empfinden. Am Ende, nach Übertretung des Gebotes und nachdem ihnen „die Augen geöffnet“ wurden, werden sie sich ihrer Nacktheit bewusst und verdecken ihre Scham notdürftig mit Feigenblättern. Der letzte Abschnitt, der Vers 3,8-21 ein- schließt, beginnt mit dem Sich-Verstecken vor Gott; einerseits aufgrund ihrer Scham, dass sie nackt sind und andererseits aufgrund ihrer Furcht, da sie sich der Übertretung des Gebots im Klaren sind und Gott fürchten. Der Abschnitt endet mit dem Anfertigen von Kleidung zum Schutz durch Gott. Insgesamt lässt sich die Erzählung folglich in fünf Abschnitte gliedern, die an die fünf Akte in ei- nem Drama erinnern. Die Exposition bildet der erste Akt (Gen 2,1-17) mit der Erschaffung des Menschen und dem Beginn seines Lebens im Garten Gottes. Dabei ist ihm der Verzehr der Frucht des Baums der Erkenntnis untersagt. Damit ist die Geschichte eingeleitet und die Voraussetzungen sind gegeben. Der zweite Akt (Gen 2,18-24), die steigende Handlung, führt die handelnden Perso- nen ein, nämlich den Mann, die Frau und die Schlange. Im dritten Akt (Gen 2,25-3,7), der Klimax, vollzieht sich die Übertretung des Gebots durch die Verführung der Schlange und im Anschluss daran auch die Verleitung des Mannes durch die Frau. Den vierten Akt (Gen 3,8-21), die fallende Handlung, bildet die Reaktion Gottes auf die Übertretung, indem er die Lebensumstände der Betei- ligten verändert. Gen 3,22-24 formen den letzten und damit fünften Akt, die Lösung des Konflikts: Gott vertreibt den Menschen aus dem Paradies, um zu verhindern, dass er nun auch noch vom Baum des Lebens esse, denn Unsterblichkeit und Erkenntnis seien unvereinbar. Dadurch ergibt sich eine finale Auflösung der Geschehnisse.

Auch die einzelnen Erzählabschnitte sind wiederum „kunstvoll durchkonstruiert“59. An dieser Stelle wird aber darauf verzichtet, darauf einzugehen, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.

2.4 Auslegung

Nachdem die Entstehungsgeschichte und der Aufbau der Paradieserzählung dargelegt worden sind, können die gewonnenen Ergebnisse für einen einzelexegetischen Durchgang fruchtbar gemacht werden. Dabei gliedert sich dieser Teil gemäß der chronologischen Abfolge im Erzählverlauf in die Unterkapitel: die Erschaffung des Menschen und sein Lebensraum, der Garten Eden, die Erschaf fung der Frau, der Ausgangspunkt vor dem Fall und Rückgriff auf das Gebot, der Fall und das Verhör, Gottesbild und Menschenbild.

2.4.1 Die Erschaffung des Menschen und sein Lebensraum (Gen 2,4b-17)

Die Erzählung des zweiten Schöpfungsberichtes beginnt mit einer Art Verknüpfung zum ersten Schöpfungsbericht. Es wird noch einmal zurückgegriffen auf die Zeit, als Gott Erde und Himmel machte, genauer: auf die Zeit, als es weder Mensch, noch Tier und Pflanzen gab, also quasi zum Beginn des vierten Tages des ersten Schöpfungsberichts. Die Erde wird als öde und wüstenartig beschrieben, da ohne Regen und ohne den Menschen, der sich um die Bewässerung und Bebauung des Landes kümmern könnte, keine Vegetation existieren kann.60 So heißt es in Genesis 2,5: „Es gab noch keinen Menschen, der den Ackerboden bestellte.“ Damit ist die Frage der Bestimmung des Menschen beantwortet: Er hat seine Daseinsberechtigung in der Kultivierung des von Gott ge- gebenen Lebensraumes. Auch wenn Gott noch keinen Regen auf die Erde geschickt hatte, so war die Erde trotzdem nicht staubtrocken: „[…] aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Ackerboden.“61 Es ist unklar, was das hier mit „Feuchtigkeit aus der Erde“ über- setzte hebräische Wort bedeutet. Möglich seien auch Übersetzungen wie „Tau“, „Dunst“ oder „Ne- bel“.62 Diese Bemerkung der Feuchtheit der Erde soll womöglich das Möglichmachen der Formung des Menschen aus diesem Ackerboden erklären und einleiten.

Die Erschaffung des Menschen, ein künstlerisch handwerklicher Akt, wird sehr knapp, nüchtern und ohne Ausschmückungen erzählt. Der Leser bekommt beinahe den Eindruck, als sei die Erschaf- fung des Menschen „ganz einfach“ gewesen. Auch waren hierfür nicht viele „Zutaten“ notwendig. Gott benutzt die feuchte Erde zum Formen - man denkt hier an eine Art töpfern aus Lehm - und bläst ihm dann den Lebensatem ein, was ihm zu einem lebendigen Wesen macht. Trotz der Knapp- heit der Beschreibung, stellt man sich bildhaft vor, wie Gott einige Zeit mit der sorgfältigen „Mo- dellierung“ seines „perfekten Menschens“ beschäftigt ist, wodurch die Nüchternheit der Erschaf- fung seines größten schöpferischen Werkes relativiert wird. Von allen anderen Dingen wird im ers- ten Schöpfungsbericht lediglich gesagt, dass Gott es tat, ohne darauf einzugehen, wie er es eigent- lich tat. Trotzdem sei das künstlerische Tun wie das Gestalten einer Statue aus Ton eine Darstel- lung, für die der Autor keine besondere Originalität beanspruchen könne, da er nur ein in den frühen Mythen der Menschheit weit verbreitetes Motiv aufgreife.63 In der Formulierung „Gott formte den Menschen aus Erde“ steckt ein Wortspiel im Hebräischen: Der Mensch (adam) ist aus der Erde des Ackerbodens (adamah) gemacht.64 Im Hebräischen Original stehe allerdings nicht „Erde“ vom Acker, sondern „Staub“. Da dieser als wertlos gelte, werde damit auf die geschöpfliche Hinfällig- keit des Menschen angespielt.65 Außerdem soll dadurch schon ein weiteres Wortspiel, das die Ver- gänglichkeit des Menschen unterstreicht, eingeführt werden. Denn in Genesis 3,19 heißt es dann, dass der Mensch zu dem werde, aus dem er gemacht worden ist, nämlich zu Staub.

Zusätzlich zur Formung des Menschen, was ihm in unserer Vorstellung seine physische Gestalt gibt, wird er nun zum Leben erweckt. Dies geschieht durch die „Einhauchung des Lebensatems“. Es sei unwahrscheinlich, dass der Text sagen will, Gott habe mit seinem Atem dem Menschen etwas Göttliches oder etwas Geistiges, wie die „Seele“ eingehaucht.66 Diese Vorstellung entsteht aufgrund der traditionellen Übersetzung des Hebräischen Wortes näfäsch in „Seele“. In der urtümlichen Phy- siologie der Menschen des Altertums sei der Atem - wie das Blut- das Anzeichen von Leben und wurde daher mit diesem selbst gleichgesetzt.67 „Atmen ist gleichbedeutend mit lebendig sein.“68 Der Mensch wird also eher zu einer lebenden Seele in seinem Ganzen des Menschseins in seinem Lebendigsein.69

2.4.2 Der Garten Eden

Der Abschnitt der Erzählung wird beendet, indem gesagt wird, dass Gott noch einen Lebensraum für „seinen“ Menschen schafft. Obwohl im Vorfeld betont wurde, dass die Erde noch öde, unbebaut und trocken war, da es ja niemanden zur Bestellung gab, kümmert sich Gott zunächst einmal selbst darum, dem Menschen einen scheinbar fruchtbaren Lebensraum zur Verfügung zu stellen. Man hätte eigentlich erwarten können, dass der Mensch einen solchen Garten selbst in mühevoller Arbeit hätte anlegen müssen. Jedoch wird er in ein „gemachtes Nest“ gesetzt, wo es scheinbar nichts zu tun gibt. Man stellt sich unter dem Garten eine grüne, fruchtbare Oase vor, einen idealen Lebensraum also. Auch Krauss/Küchler bemerken: „Es ist also ein Privileg, wenn der Mensch von Gott in einen Garten gesetzt wird, anstatt sein Dasein mit dem mühsamen Bestellen des Ackers beginnen zu müs- sen.“70

Es ist nicht klar, ob es den Ort Eden - der offenbar im Osten lag- tatsächlich gegeben hat. Es sei möglich, dass ein Landstrich diesen Namen trug, doch werde Eden im Verlauf der Erzählung auch zum Namen des Gartens71, was darauf zurückzuführen sei, dass der Hebräer bei „Eden“ das Wort „Wonne“ mithöre.72 Der Name ist also Programm. In der griechischen Übersetzung des Alten Tes- taments, in der Septuaginta, wird das Wort „Garten“ mit „ paradeisos “ (aus dem Persischen: um- zäunter Lustgarten) übersetzt, was zur Vorstellung eines Paradiesgartens bis hin zur überzogenen Vorstellung eines Schlaraffenlandes geführt hat.73 Die Auffassung von dem „Garten Eden“ als Pa- radies hat sich im Judentum und im Neuen Testament bis ins Eschatologische ausgeweitet.74 Es handelt sich definitiv nicht um ein wie im Märchen beschriebenes Schlaraffenland, in das der Mensch von Gott gesetzt wird. Gott schafft nicht mehr und nicht weniger optimale Lebensvoraus- setzungen. „Gott schenkt durch die Gabe der Natur Lust zum Leben.“75 Trotzdem muss der Mensch sich nun im Sinne seiner im Vorfeld genannten Daseinsbestimmung um diesen Garten kümmern, damit er so schön bleibt, und ihm vor allem zum Lebenserhalt dient. „Menschliche Arbeit wird als Teil des Schöpferwirkens Gottes gesehen.“76 Der Mensch sei aber dennoch nicht Mitschöpfer, aber Mitarbeiter Gottes, der in „Bebauen und Bewahren“ Gottes schöpferisches Werk weiterführe.77 Man darf aber den Schöpfungsauftrag Gottes für den Menschen nicht als „Dienst“ des Menschen für Gott verstehen.78 Die Erde bleibe ganz dem Menschen überlassen, freilich im Rahmen des Auf- trages, den Gott gibt.79

In Vers 10 bis 14 findet sich ein „merkwürdiger“80 Einschub. Es handelt sich um die Beschreibung eines Stromes, der von Eden ausgehe, um den Garten zu bewässern und der sich in „vier Arme“ teilt. Der dritte und vierte dieser Arme sind Tigris und Euphrat, die beiden Ströme, die Mesopota- mien umfließen. Die anderen beiden genannten Arme des Stromes, Pischon und Gihorn sind nicht zu identifizieren. Man könnte einen Bezug zu Arabien und auch zum Nil herstellen.81 Offensichtlich mischen sich hier Symbolisches (Pischon und Gihon) und Geografisches (Euphrat und Tigris).82 Es

soll vermutlich gezeigt werden, dass das lebensspendende Wasser aus Gottes schöpferischen Han- delns in der ganzen Welt wirksam ist.83 Die Vierzahl der genannten Flüsse entspricht den vier Himmelsrichtungen und deutet somit auf das Ganze der Welt.

Die Bäume im Garten (Gen 2,9-14)

Wir erfahren in Genesis 2,9-14 ein bisschen mehr über den Garten. Von ihm wird gesagt, dass dort viele Bäume wachsen, die sowohl schön anzusehen sind, als auch zur Nahrung dienen. Der Hinweis auf die Schönheit der Bäume und die Köstlichkeit ihrer Früchte zeige den Garten als etwas Beson- deres.84 Zwei der Bäume des Garten werden betont und benannt: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis. „Round these two trees the story weaves its drama and explores something of the mystery which is man.“85 Hinter dem Baum des Lebens versteckt sich das auch in zeitgenössi- schen Mythen auftauchendes Motiv eines Lebensbaumes, dessen Früchte, Blätter etc. heilende Kräfte bzw. sogar Unsterblichkeit verleihen. An dieser Stelle der Paradieserzählung findet er nur kurz Erwähnung, doch wird auf ihn am Ende der Geschichte noch einmal zurückgekommen. Von einem Baum der Erkenntnis ist nur in der Bibel die Rede. Es gilt zunächst die Frage zu klären, wie man den Begriff Erkenntnis definieren kann und wie er hier zu deuten ist.

Erkenntnis kann man in unserem heutigen Sprachgebrauch als den Prozess und das Ergebnis eines durch Einsicht oder Erfahrung gewonnenen Wissens bezeichnen. Im biblischen Sprachgebrauch ist die „Erkenntnis“- anders als bei den Griechen und im „westlichen“ Verständnis- eher eine Empfin- dung für das, was dem Menschen zuträglich oder schädlich sei, und weniger bloß intellektuelles, begriffliches Erfassen von Objekten.86 „Es sei die Fähigkeit, zu unterscheiden und dementsprechend zu handeln.“87 Es geht also möglicherweise um moralische Handlungsfähigkeit, wie durch den Zu- satz „ Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen “ deutlicher wird. Doch Krauss/Küchler geben zu bedenken, dass Gut und Böse ein Sammelbegriff sei und den ganzen Bereich dessen umfasse, was für den Menschen bedeutsam sei, also eigentlich alles.88 Man solle deshalb den Ausdruck „böse“ vielleicht besser durch „schlecht“ ersetzen, um eine allzu enge Eingrenzung der hier genannten Er- kenntnis auf den Bereich des Sittlichen oder Moralischen zu vermeiden.89 An späterer Stelle wird noch einmal auf den Baum der Erkenntnis eingegangen.

[...]


1 Vgl. Böttrich, Adam und Eva in Judentum, Christentum und Islam, S. 11.

2 Steck, Paradieserzählung, S. 70.

3 Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 64.

4 Schüle, Menschsein, S. 591.

5 Schöpflin, Weltliteratur, S. 4.

6 Elberfelder Übersetzung der Bibel. Wird im Folgenden lediglich die Bibelstelle genannt, so handelt es sich stets um diese Übersetzung. Wird eine andere Übersetzung herangezogen, so ist dies kenntlich gemacht.

7 Schüle, Menschsein, S. 592.

8 Blenkinsopp, Creation, S. 55.

9 Spieckermann, Ambivalenzen, S. 365.

10 Ebd., S. 366.

11 Der zweite Schöpfungsbericht beginnt erst in Kapitel 2,4b. Der Einfachheit halber, sei trotzdem der zweite Schöpfungsbericht gemeint, wenn algemein von Genesis 2 und 3 gesprochen wird.

12 Spieckermann, Ambivalenzen, S. 364.

13 Auch Schöpflin macht deutlich, dass „man die zweite Erzählung heute durchaus als eine jüngere Korrektur zu Gen 1“ ansehen kann, wobei der Mensch in Gen 2-3 stärker in den Mittelpunkt rückt und auch Gott „handgreiflicher“ geschildert wird. (Schöpflin, Weltliteratur, S. 30.)

14 Spieckermann, Ambivalenzen, S. 371.

15 Steck, Paradieserzählung, S. 19.

16 Ebd.

17 Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 65.

18 Ebd.

19 Quelle J = Jahwist.

20 Steck, Paradieserzählung, S. 19.

21 Ebd.

22 Ebd.

23 Von Rad, Genesis, S. 51.

24 Steck, Paradieserzählung, S. 20.

25 Ebd.

26 Steck, Paradieserzählung, S. 21.

27 Ebd.

28 Vgl. ebd., S. 22.

29 Vgl. ebd.

30 Steck, Paradieserzählung, S. 21.

31 Gunkel, Genesis, S, 104ff.

32 Steck, Paradieserzählung, S. 25.

33 Ebd.

34 Vgl. ebd.

35 Ebd.

36 Ebd., S. 28.

37 Vgl. Westermann, Genesis, S. 270f.

38 Steck, Paradieserzählung, S. 30.

39 Von Rad, Genesis, S. 51.

40 Steck, Paradieserzählung, S. 42.

41 Ebd.

42 Vgl. ebd.

43 Vgl. ebd., S. 44.

44 Von Rad, Genesis, S. 72.

45 Gunkel, Genesis, S. 27.

46 Schüle, Urgeschichte, S. 16.

47 Gunkel, Genesis, S. 29.

48 Schüle, Urgeschichte, S. 21.

49 Vgl. Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 109.

50 Ebd.

51 Ebd.

52 Vgl. ebd., S. 109.

53 Gen 2,19.

54 Kraus/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 109.

55 Ebd.

56 Die Gliederung ist im Wesentlichen von Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel übernommen. S. 109-113.

57 Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S.110.

58 Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 111.

59 Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 112.

60 Vgl. Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 66.

61 Gen 2,6.

62 Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 66.

63 Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 66.

64 Vgl. ebd., S. 67.

65 Ebd.

66 Ebd.

67 Ebd.

68 Ebd.

69 Vgl. Klaiber, Schöpfung, S. 50.

70 Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel. S. 67.

71 Ebd.

72 Klaiber, Schöpfung, S. 50.

73 Ebd., S. 51.

74 Vgl. ebd.

75 Ebd.

76 Ebd.

77 Ebd.

78 Vgl ebd.

79 Ebd., S. 52.

80 Klaiber, Schöpfung, S. 51.

81 Ebd.

82 Ebd.

83 Klaiber, Schöpfung, S. 51.

84 Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 68.

85 Davidson, Genesis, S. 34.

86 Krauss/Küchler, Erzählungen der Bibel, S. 68.

87 Ebd.

88 Ebd.

89 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 94 Seiten

Details

Titel
Das Menschenpaar im Paradiesgarten. Genesis 2 und 3 und seine Verarbeitung in Zolas "La faute de l'abbé Mouret"
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
94
Katalognummer
V278661
ISBN (eBook)
9783656714125
ISBN (Buch)
9783656714118
Dateigröße
922 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
menschenpaar, paradiesgarten, genesis, verarbeitung, zolas, mouret
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Shirin Tahmasebi (Autor), 2014, Das Menschenpaar im Paradiesgarten. Genesis 2 und 3 und seine Verarbeitung in Zolas "La faute de l'abbé Mouret", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278661

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