Meine Arbeit bezieht sich auf das 1. Kapitel "Wiedererzeugte Wirklichkeit" von Nelson Goodman aus dem Werk „Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie (Originalausgabe 1968)“ . Im ersten Kapitel analysiert Goodman die Repräsentationsweise von Bildern. Die bildliche Darstellung erklärt Goodman als eine Art der Repräsentationsweise in der Kunst. Bilder gestalten die „Welt“. Sie bestimmen unser gesamtes Umfeld und sie dienen neben der Sprache, als „zweitgrößte Kulturleistung“ . Bilder sind nach Goodman an der Schöpfung der Welt beteiligt und können neue Einsichten und Sichtweisen vermitteln in der Welt erzeugen.
Die Theorie des Bildes ist noch sehr unerforscht. Die Analyse Goodmans leistet hierfür einen bedeutenden Beitrag zur Klärung der Fragen „Was ist eine bildliche Darstellung?“ und „Wie funktionieren bildliche Darstellungen?“. In seinem Mittelpunkt steht dabei die Analyse der „Natur der Repräsentation“, mit ihrer untergeordneten Denotation. Goodman grenzt sich hierbei gegen die Annahme der traditionellen „Mimesistheorie“ ab, die Kunst als Nachahmung der Natur benannt hat, wonach Repräsentation über die Ähnlichkeit definiert wird. Goodman sieht sich gezwungen, nachdem die Ähnlichkeitstheorie erfolgreich von der bildlichen Darstellung verbannt wurde, auch Bilder zu berücksichtigen, die nicht existierende Gegenstände abbilden: Bilder, die Fiktionen darstellen und Bilder in denen „x- als“ etwas repräsentiert wird. Die Problematik der Denotation, dass sie keinen Bezugsgegenstand bei Bildern dieser Art hat, wird über das klassifizieren der Bilder gelöst. Auch wenn hier die vorherig bestimmte Bezugnahme, die dafür steht, dass etwas als ein Bild gilt, nicht mehr von Notwendigkeit ist, ist das, was ein Bild eines z. B. Zentauren ausmacht, nicht die Ähnlichkeit, sondern , nach Goodman die Einteilung in die Art des Bildes. Die Einteilung von Bildern in Arten unter Klassifizierung wird hierbei durch die Etikettierung vereinfacht. Die Etikettierung der Gegenstände ist damit an der Organisation der Welt beteiligt. Über die Neukombination von alten Etiketten mit neuen ist das Entstehen der Kunst gewährleistet. Das schließt an der Ausgangsfrage an, ab wann ein Bild die Wirklichkeit darstellt und wann ein Bild dem Realismus entspricht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Repräsentation
2.1 Denotation
3. Nachahmungstheorie
4. Die bildliche Darstellung von Fiktionen
4.1 Repräsentation - als
4.2 Die Etikettierung von bildlicher Darstellung
5. Realismus
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert das erste Kapitel von Nelson Goodmans Werk "Sprachen der Kunst" und untersucht die grundlegende Funktionsweise bildlicher Darstellung. Ziel der Arbeit ist es, Goodmans Abkehr von der traditionellen Mimesistheorie nachzuvollziehen und darzulegen, wie bildliche Repräsentation durch Denotation, Klassifizierung und kulturell geprägte Sehgewohnheiten konstruiert wird.
- Kritik an der traditionellen Abbild- und Ähnlichkeitstheorie
- Die Rolle der Denotation als Kern der Repräsentation
- Umgang mit Fiktionen und Repräsentation ohne Bezugsgegenstand
- Die Funktion von Etikettierung und Klassifizierung in der Kunst
- Die Relativität des Realismusbegriffs durch kulturelle Sehgewohnheiten
Auszug aus dem Buch
3. Nachahmungstheorie
Zu zeigen, was es bedeutet, einen Gegenstand zu kopieren oder einem Gegenstand ähnlich zu sein, zeigt was die Nachahmungstheorien von der Repräsentation unterscheidet und welche Einwände Goodman noch hat. Auch die Erfassung einer Kopie, die dem Gegenstand im höchsten Maße ähnlich ist, ist kein Kriterium für ein Bild. Noch die Herausforderung, einen Gegenstand so zu kopieren „[...] , wie man ihn unter aseptischen Bedingungen mit dem freien und unschuldigen Auge sieht.“ , ist das was Bildlichkeit ausmacht. Einen Gegenstand so zu kopieren „wie er ist“, ist kaum möglich, weil es nicht möglich ist, alle „Weisen“ wie der Gegenstand ist, zu erfassen. Eine Kopie eines Gegenstandes unter diesen Bedingungen zu machen, bedeutet, ihm im höchsten Maße ähnlich zu sein. Das größte Vertun liegt wohl in der Annahme über die „Mythen vom unschuldigen Auge“, die besagen, dass die Kopie mit dem neutralen unschuldigen Auge eine Kopie des Gegenstandes ist, die ihm im höchsten Maße ähnlich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Nelson Goodmans Theorie der Symbolik und Abgrenzung gegen die Mimesistheorie.
2. Repräsentation: Erläuterung, warum Ähnlichkeit keine hinreichende Bedingung für Repräsentation ist und warum stattdessen eine Bezugnahme erforderlich ist.
2.1 Denotation: Definition der Denotation als Kern der Repräsentation, die unabhängig von Ähnlichkeit funktioniert.
3. Nachahmungstheorie: Kritische Auseinandersetzung mit der Abbildtheorie und dem Mythos des "unschuldigen Auges".
4. Die bildliche Darstellung von Fiktionen: Analyse, wie Bilder, die keinen realen Gegenstand besitzen (z.B. Einhörner), durch Klassifizierung in Arten dennoch als Repräsentationen funktionieren.
4.1 Repräsentation - als: Untersuchung der speziellen Form der Repräsentation, bei der Gegenstände durch Prädikate auf bestimmte Weise klassifiziert werden.
4.2 Die Etikettierung von bildlicher Darstellung: Beschreibung der Etikettierung als aktiven Prozess, der die Welt organisiert und neue Einsichten ermöglicht.
5. Realismus: Erörterung der Relativität des Realismusbegriffs, der nicht durch Täuschung, sondern durch Lesbarkeit und kulturelle Sehgewohnheiten definiert wird.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über die symbolische Funktion der Kunst und ihre Rolle in der Weltorganisation.
Schlüsselwörter
Nelson Goodman, Repräsentation, Denotation, Nachahmungstheorie, Abbildtheorie, Fiktion, Nulldenotation, Etikettierung, Klassifizierung, Realismus, Sehgewohnheiten, Symboltheorie, Bildlichkeit, Kunstphilosophie, Konstruktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Repräsentationsweise von Bildern nach Nelson Goodman und untersucht, wie diese theoretisch fundiert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kritik an der Nachahmungstheorie, die Funktionsweise von Denotation, die Darstellung von Fiktionen sowie der Begriff des Realismus.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie bildliche Darstellung funktioniert, wenn sie nicht über Ähnlichkeit definiert wird, und wie der Prozess der Weltorganisation durch Bilder stattfindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Text- und Theorieanalyse auf Basis von Goodmans Hauptwerk "Sprachen der Kunst".
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Widerlegung der Ähnlichkeitstheorie, die Einführung der Denotation, die Klassifizierung von fiktiven Bildern sowie die kulturelle Bedingtheit von Realismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Repräsentation, Denotation, Symboltheorie, Realismus und Sehgewohnheiten.
Warum gelten Bilder von Fiktionen nach Goodman als Repräsentationen?
Da sie durch Klassifizierung in bestimmte Arten von Bildern eingeordnet werden, funktionieren sie als Repräsentationen, auch wenn sie keinen existierenden Gegenstand denotieren.
Was bedeutet der Begriff der "Relativität des Realismus"?
Realismus ist nach Goodman nicht absolut, sondern hängt von den Sehgewohnheiten, dem kulturellen Hintergrund und den Konventionen einer Zeit ab.
- Citation du texte
- Luisa Anacker (Auteur), 2013, Wie funktioniert die bildliche Darstellung in Goodmans Schrift "Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278878