Bereits einige Jahre vor Einsetzen der aktuellen Diskussion um das Thema Inklusion und dessen Umsetzung in Schule und Gesellschaft in Deutschland taucht der Begriff ‚inklusiv‘ 2006 im Konzept der damals neu zu gründenden evangelischen Grundschule, Heinrich-Albertz-Schule, auf. Profilbildendes Merkmal dieser Schule sollte – ganz im Sinne der ‚Pädagogik der Vielfalt‘ – die Einbeziehung aller Kinder in ihrer individuellen Unterschiedlichkeit als gleichwertige Mitglieder der Schulgemeinschaft sein, ohne dabei vordergründig Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarfen im Blick zu haben.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den ‚Index für Inklusion‘ als Instrument zur Planung und Evaluation für die Schulentwicklung am Beispiel der evangelischen Heinrich-Albertz-Grundschule vorzustellen. Dazu erfolgt in Kapitel 2 eine kurze Beschreibung der Heinrich-Albertz-Schule, an der der Index für Inklusion eingesetzt wird. Kapitel 3 widmet sich zunächst der Klärung und Eingrenzung des Begriffs Inklusion (3.1), um anschließend den ‚Index für Inklusion‘ (Index) vorzustellen (3.2). In Kapitel 4 wird ausführlich dargestellt, wie mit dem Index an der Schule gearbeitet und er als Instrument im Rahmen von Schulentwicklung genutzt wird. Dabei werden die Phasen bei der Arbeit mit dem Index mit ihren Ergebnissen dargestellt und diskutiert: Phase 1 – Mit dem Index beginnen (4.1), Phase 2 – Die Schulsituation beleuchten (4.2) und Phase 3 – Ein inklusives Schulprogramm entwerfen (4.3). Im Rahmen der Phase 2 wird in die Konzeption der empirischen Erhebung eingeführt, deren Ergebnisse (4.2.1) als beispielhaft und um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, auf die Darstellung der Schulkultur (Dimension A), die als „Herzstück einer inklusiven Schule" gilt, beschränkt wird. Der ‚Schulentwicklungstag‘ bildet den Übergang von Phase 2 zu Phase 3 bei der Arbeit mit dem ‚Index‘ und wird daher mit seinen Ergebnissen in Kapitel 4.2.2 ausführlich beschrieben.
Der Abschnitt ‚Fazit und Ausblick‘ (Kap. 5) geht der Frage nach, welche Vorteile aber auch welche Schwierigkeiten sich bei der Arbeit mit dem ‚Index für Inklusion‘ ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Heinrich-Albertz-Schule
3 Inklusion
3.1 Begriffsklärung
3.2 Der ‚Index für Inklusion‘
4 Die Arbeit mit dem Index für Inklusion
4.1 Phase 1: Mit dem Index beginnen
4.1.1 Hintergrund
4.1.2 Umsetzung an der Heinrich-Albertz-Schule
4.1.3 Ergebnisse
4.1.3.1 Bereits erfolgreich an der Schule umgesetzte Indikatoren des Index
4.1.3.2 Für die Schule irrelevante Indikatoren des Index
4.1.3.3 Indikatoren des Index mit Entwicklungsbedarf an der Schule
4.1.4 Konsequenzen und weitere Schritte
4.2 Phase 2: Die Schulsituation beleuchten
4.2.1 Empirische Bestandsaufnahme
4.2.1.1 Methoden
4.2.1.2 Fragebögen und Operationalisierung
4.2.1.3 Datenerhebung, -erfassung und -auswertung
4.2.1.4 Ergebnisse
4.2.1.5 Diskussion
4.2.2 Der Schulentwicklungstag
4.2.2.1 Hintergrund
4.2.2.2 Durchführung
4.2.2.3 Ergebnisse
4.3 Phase 3: Ein inklusives Schulprogramm entwerfen
4.3.1 Hintergrund und Vorgehen
4.3.2 SMARTE Ziele
4.3.3 Umsetzungsplanung
4.3.4 Ergebnisse des Schulentwicklungstages und Stand der Umsetzung
5 Fazit und Ausblick
6 Literatur
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit ist es, den ‚Index für Inklusion‘ als Instrument zur Planung und Evaluation von Schulentwicklungsprozessen am Beispiel der evangelischen Heinrich-Albertz-Grundschule vorzustellen und praktisch anzuwenden. Die Forschungsfrage untersucht, ob an der Schule eine inklusive Kultur besteht, die durch gegenseitige Wertschätzung, Anerkennung und Kooperation geprägt ist.
- Analyse der Schulkultur als Fundament inklusiver Schulentwicklung
- Empirische Untersuchung mittels mehrwelliger Befragungen bei Schülern und Eltern
- Umsetzung des Index-Prozesses in drei Phasen
- Bedeutung der Kommunikation und Kooperation für das Schulklima
- Einsatz von Netzplantechnik und SMARTen Zielen für nachhaltige Schulentwicklung
Auszug aus dem Buch
4.2.1.5 Diskussion
Besteht nun an der Heinrich-Albertz-Schule innerhalb der Eltern- und Schülerschaft eine inklusive Kultur, die durch gegenseitige Wertschätzung, Anerkennung und Kooperation gekennzeichnet ist? Um diese Frage zu beantworten, wurde eine empirische Untersuchung in Form einer dreiwelligen schriftlichen Befragung von Schülerinnen/Schülern der Schule und deren Eltern/Erziehungsberechtigten durchgeführt. Die Befragung der Schülerinnen/Schüler fand im Lerngruppenverband unter Aufsicht des Untersuchungsleiters statt, die Befragung der Eltern wurde im Rahmen von Veranstaltungen für alle Eltern/Erziehungsberechtigten der Schule vorgenommen. Es wurde je ein Fragebogen für Eltern/Erziehungsberechtigte und Schülerinnen/Schüler entwickelt, der Begriff ‚inklusive Kultur‘ wurde über Items zu folgenden sechs Aspekten operationalisiert: (1) Information über die Heinrich-Albertz-Schule, (2) Willkommen fühlen, (3) Wertschätzung durch die Schule, (4) Wertschätzung untereinander (5), Kooperation und Hilfe (soziale Kompetenz), (6) Heterogenität.
Population. Die Untersuchung sollte repräsentativ für die Eltern- und Schülerschaft der Schule sein. Die Ziehung einer systematischen Zufallsstichprobe wäre zu aufwändig gewesen, zudem ist die Population zu klein und zu heterogen (s.o.), daher kann die Vollerhebung hier als geeignete Methode beurteilt werden (vgl. Bortz und Döring 2006, S. 394ff).
Kinder. Bei den Kindern kann mit einer Teilnahmerate von 74% in Welle 1 und 85% bzw. 86% in den Wellen 2 und 3 die Vollerhebung als gelungen bezeichnet werden. Nur einzelne Kinder fehlten, und das aufgrund von Fehltagen aus Krankheitsgründen. In der Schule gibt es keine Kinder, die besonders häufig aufgrund von Krankheiten oder auch speziellen Krankheiten fehlen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass es sich bei den Teilnehmern an der Befragung aller drei Wellen um eine unverzerrte Auswahl (Bortz und Döring 2006, S. 398) aus den Schülerinnen und Schülern der Schule handelt und die Aussagen als „repräsentativ“ gelten können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Schule und der Relevanz des ‚Index für Inklusion‘ als Instrument zur Weiterentwicklung des evangelischen Schulprofils.
2 Die Heinrich-Albertz-Schule: Darstellung der Gründung, der Konzeption sowie des Leitbildes und Slogans als Basis des Lebens und Lernens in der Schule.
3 Inklusion: Klärung und Einordnung des Inklusionsbegriffs sowie Vorstellung des ‚Index für Inklusion‘ mit seinen vier Elementen.
4 Die Arbeit mit dem Index für Inklusion: Detaillierte Beschreibung der praktischen Anwendung des Index-Prozesses in drei Phasen an der Schule, inklusive empirischer Bestandsaufnahme.
5 Fazit und Ausblick: Kritische Würdigung der Arbeit mit dem Index und Reflexion der nächsten Schritte für die weitere Schulentwicklung.
6 Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Inklusion, Index für Inklusion, Schulentwicklung, inklusive Kultur, Heinrich-Albertz-Schule, Schulpraxis, empirische Bestandsaufnahme, Kooperation, Wertschätzung, soziale Kompetenz, Heterogenität, Jahrgangsmischung, SMARTE Ziele, Netzplantechnik, Selbstevaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der praktischen Anwendung des ‚Index für Inklusion‘ an der evangelischen Grundschule Heinrich-Albertz-Schule, um Schulentwicklungsprozesse zu planen und zu evaluieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Prozess der Inklusion in der Bildung, die Schulkulturentwicklung, die empirische Bestandsaufnahme mittels Befragungen und die zielgerichtete Planung von Schulentwicklungsvorhaben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den ‚Index für Inklusion‘ als Instrument zur Schulentwicklung vorzustellen und am Beispiel der Schule zu zeigen, wie dieser Prozess in Phasen methodisch umgesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine erkundende, dreiwellige (Follow-up) schriftliche Befragung bei Eltern und Kindern als Vollerhebung durch, die statistisch deskriptiv ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beschreibt die drei Phasen der Arbeit mit dem Index: den Beginn, die empirische Schulsituationsanalyse mittels Fragebögen und den Schulentwicklungstag sowie die Entwürfe für ein inklusives Schulprogramm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Inklusion, Schulentwicklung, inklusive Kultur, empirische Bestandsaufnahme, soziale Kompetenz und Jahrgangsmischung.
Warum wurde eine Vollerhebung durchgeführt?
Aufgrund der vergleichsweise geringen Schülerzahl der Heinrich-Albertz-Schule wurde eine Vollerhebung als organisatorisch angemessen und statistisch repräsentativer als eine Zufallsstichprobe bewertet.
Welche Bedeutung hat der ‚Schulentwicklungstag‘?
Er dient als methodisches Bindeglied zwischen der empirischen Ist-Analyse (Phase 2) und der Erarbeitung konkreter inklusiver Schulprogrammziele (Phase 3).
Wie geht der Autor mit der "Implementations-Lücke" um?
Um der Lücke zwischen Vision und Umsetzung zu begegnen, nutzt die Schule SMARTE Zielformulierungen und die Netzplantechnik, um Vorhaben konkret planbar und kontrollierbar zu machen.
- Citation du texte
- Gerd Meiborg (Auteur), 2013, Der ‚Index für Inklusion‘ als Instrument zur Evaluation und Planung von Schulentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/278946