„Ein Lied kann eine Brücke sein“, sang Joy Fleming im Jahre 1975 beim Eurovision Song Contest (ESC). Ebenso lautet auch der Titel eines der rar gesäten, deutschsprachigen Publikationen, die sich mit dem internationalen Sangeswettbewerb beschäftigen. Diese Parallele existiert nicht zufällig, denn ein besonders wertvolles Charakteristikum der Musik ist, dass sie eine völkerverbindende und grenzüberschreitende Kunst ist. Die Begegnung der europäischen und auch außer-europäischen Nationen zum Zweck der musikalischen Verständigung kann als Kernaspekt des Eurovision Song Contest verstanden werden. Ein Motiv für die Gründung des ESC im Jahre 1955 war zwar, das damals noch neue Medium Fernsehen der europäischen Bevölkerung näher zu bringen, jedoch war der Hauptgrund die Symbolisierung eines wachsenden Zusammengehörigkeitsgefühls (West-) Europas auf populärkultureller Ebene.
Vielleicht gerade deshalb erfreut sich der traditionsreiche Grand Prix Eurovision, wie er in Deutschland lange genannt wurde, heute mehr denn je einer großen Beliebtheit und Aktualität. Seine Teilnehmer betreffend war und ist der Grand Prix seiner Zeit immer schon ein Stück voraus. Dort fühlen sich - zumindest in musikalischer Hinsicht - Estland, Litauen, Polen, Ungarn und andere aktuelle Beitrittsländer der Europäischen Union vom 1. Mai 2004 schon seit 1994 als Teil der europäischen Gemeinschaft, oder treffen Griechenland, die Türkei und Zypern seit vielen Jahren im musikalischen Wettstreit friedlich aufeinander. Vor dem Hintergrund des europäischen Zusammenwachsens besitzt dieser Wettbewerb eine Symbolhaftigkeit, denn er bringt den jährlich circa 100 Millionen Zuschauern im Kontext des musikalischen Miteinander - und Gegeneinander - die ihnen noch unbekannten Nationen und deren musikalisches Verständnis von populärem Liedgut ein wenig näher. Wie klingt Popmusik auf Finnisch? Wovon singen Lettland, Polen und Malta?
Inhaltsverzeichnis
A Fragestellung und Forschungsstand
B Vorarbeiten
1.1 Die European Broadcasting Union: Geschichtlicher Überblick und zentrale Tätigkeitsfelder
1.2 Rechte und Pflichten der „Aktiven Mitglieder“ der EBU
2.1 Der Eurovision Song Contest: Entstehungsgeschichte und Teilnehmer des Wettbewerbes
2.2 Das Wertungssystem und der Abstimmungsmodus beim ESC
2.3 Die Sprachenregelung beim ESC in der Vergangenheit und heute
2.4 Die Modernisierung des ESC und des deutschen ESC-Vorentscheids
3 Die deutsche Sprache und ihre internationale Bedeutung
C Möglichkeiten empirische Forschung
1 Zentrale Fragestellung und bisherige Sekundärforschung
Exkurs: Lösungsvorschlag am Beispiel des „Conjoint-Measurments“
D Analyse der ESC-Jahrgänge 1999-2004
1.1 Die nationalen Vorentscheide 1999
1.2 Das ESC-Finale 1999: Jerusalem
2.1 Die nationalen Vorentscheide 2000
2.2 Das ESC-Finale 2000: Stockholm
3.1 Die nationalen Vorentscheide 2001
3.2 Das ESC-Finale 2001: Kopenhagen
4.1 Die nationalen Vorentscheide 2002
4.2 Das ESC-Finale 2002: Tallinn
5.1 Die nationalen Vorentscheide 2003
5.2 Das ESC-Finale 2003: Riga
6.1 Die nationalen Vorentscheide 2004
6.2 Das ESC-Finale 2004: Istanbul
7 Zusammenfassung der Analyseergebnisse
E Übergreifende Bewertung und kontextuelle Einordnung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Aufhebung der Sprachenregelung beim Eurovision Song Contest (ESC) auf die Sprachenwahl der Teilnehmerländer im Zeitraum von 1999 bis 2004. Dabei wird insbesondere der Trend zum Englischen analysiert, die Rolle des deutschen Vorentscheids beleuchtet und die internationale Bedeutung der deutschen Sprache in den Kontext des Wettbewerbs gestellt.
- Historische Entwicklung und Reglement der EBU und des ESC
- Analyse der Sprachenwahl beim ESC nach der Liberalisierung 1999
- Untersuchung des Einflusses der Sprache auf das Abschneiden beim Wettbewerb
- Modernisierungstendenzen des deutschen ESC-Vorentscheids
- Empirische Einordnung der deutschen Sprache im internationalen Kontext
Auszug aus dem Buch
Die European Broadcasting Union: Geschichtlicher Überblick und zentrale Tätigkeitsfelder
Die European Broadcasting Union (EBU) ist die europäische Vereinigung der nationalen Rundfunkanstalten und rief als diese den Eurovision Song Contest (ESC) im Jahre 1956 ins Leben. In der für den ESC zuständigen „Eurovisions-Kommission“ der EBU werden alle zentralen Entscheidungen bezüglich des Reglements der Veranstaltung getroffen. Folglich fällt auch die Sprachenregelung in den Verantwortungsbereich der Rundfunkvereinigung. Die EBU bezeichnet sich selbst als „the largest professional association of national broadcasters in the world“.(EBU Yearbook 2001: 64) In der Tat verfügt die EBU heute über ein weltumspannendes Netzwerk bestehend aus 71 „Aktiven Mitgliedern“ und 46 „Assoziierten Mitgliedern“, mit denen und für die sie ein breitgefächertes Spektrum an Operationen durchführt. Doch zunächst folgt ein kurzer Überblick zu den Anfängen der EBU.
Bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert existierte in Europa eine Kooperation der Rundfunkbetreibenden Organisationen, die jedoch durch die Vorkommnisse und Konsequenzen des II Weltkrieges stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die politische und ideologische Spaltung Europas in Ost und West setzte sich auf der Ebene der europäischen Rundfunkanstalten fort und resultierte bald in einer Aufgliederung dieser in eine westlich orientierte Organisation (EBU) und eine Union der Ostblockstaaten. Die Rundfunkanstalten der sozialistischen Staaten bildeten 1946 die „Organisation Internationale de Radiodiffusion et de Télévision“ (OIRT) mit Sitz in Prag. Die Gründung des westeuropäischen Pendants wurde daraufhin im Jahre 1950 in Torquay, Großbritannien beschlossen. Die 23 Gründungsmitglieder der EBU sind geografisch in der, von der „International Telecommunications Union“ (ITU) definierten, „Europäischen Rundfunkzone“ beheimatet. Diese schließt neben Europa vom Atlantik bis zum Ural auch den Mittelmeerraum ein, wodurch auch nordafrikanische, arabische und israelische Rundfunkveranstalter Mitglieder einer europäischen Rundfunkunion sind.
Zusammenfassung der Kapitel
A Fragestellung und Forschungsstand: Einleitung in die Thematik der Sprachenwahl beim ESC und Darstellung des Forschungsstandes sowie der Zielsetzung.
B Vorarbeiten: Vermittlung der Grundlagen zu EBU und ESC sowie der historischen Entwicklung der Sprachregeln.
3 Die deutsche Sprache und ihre internationale Bedeutung: Analyse der internationalen Stellung des Deutschen und dessen ökonomischer sowie numerischer Bedeutung.
C Möglichkeiten empirische Forschung: Methodische Herangehensweisen zur Untersuchung des Einflusses von Sprache auf den Erfolg beim ESC, inklusive eines Exkurses zu Conjoint-Analysen.
D Analyse der ESC-Jahrgänge 1999-2004: Detaillierte Untersuchung der nationalen Vorentscheide und der internationalen Finals der Jahre 1999 bis 2004 hinsichtlich der Sprachenwahl.
7 Zusammenfassung der Analyseergebnisse: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse aus der Analyse der ESC-Jahrgänge.
E Übergreifende Bewertung und kontextuelle Einordnung der Ergebnisse: Kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund ökonomischer Interessen und nationaler Musikmärkte.
Schlüsselwörter
Eurovision Song Contest, EBU, Sprachenwahl, Englisch als Lingua franca, deutscher ESC-Vorentscheid, Rundfunk, Popmusik, Medienereignis, Nationenwertung, Televoting, kulturelle Identität, Musikindustrie, internationale Kommunikation, Pop-Event, Marketingstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit befasst sich mit der Entwicklung der Sprachenwahl beim Eurovision Song Contest nach der Aufhebung der verbindlichen Sprachenregelung im Jahr 1999.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Einfluss der englischen Sprache auf den Wettbewerb, die Rolle der deutschen Delegation und die Frage, ob die Sprache einen messbaren Erfolg bei der Punktevergabe durch das Publikum beeinflusst.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Freiheit bei der Sprachwahl auf die musikalische Vielfalt auswirkt und inwieweit ökonomische Faktoren bei der Entscheidung für eine Sprache eine Rolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine deskriptive Analyse der ESC-Jahrgänge 1999-2004 mit einer Auswertung der Forschungsliteratur und diskutiert Ansätze wie die Conjoint-Analyse zur empirischen Erforschung von Zuschauerpräferenzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die Organisationsstrukturen der EBU und die Geschichte des ESC als auch die konkrete Analyse jedes einzelnen ESC-Jahrgangs von 1999 bis 2004 detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Eurovision Song Contest, EBU, Sprachenwahl, Popmusik-Markt, Medienereignis und kulturelle Identität charakterisiert.
Welche Rolle spielt der deutsche Vorentscheid für die Argumentation?
Der deutsche Vorentscheid dient als Fallbeispiel, an dem die bewusste Modernisierung durch den NDR und die Initiativen zur Abschaffung der Sprachregel verdeutlicht werden.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Englischen als Siegertitel-Garant?
Die Autorin zeigt auf, dass Englisch zwar statistisch dominant ist, aber kein automatischer Garant für den kommerziellen Erfolg oder den Sieg ist, da auch andere Faktoren wie Inszenierung und nationale Sympathien eine Rolle spielen.
- Quote paper
- Eva-Maria Klapheck (Author), 2004, Die Sprachenwahl beim Eurovision Song Contest und ihr Auswirkungen und Konsequenten - Untersuchungen zum Zeitraum 1999-2004, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27895