Die Entwicklung des Kriegsbildes in Deutschland zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
31 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs: Ein Wandel in der deutschen Kriegsführung
2.1. Das Zeitalter des industriellen Volkskrieges
2.2. Der Versailler Vertrag: Ende und Beginn strategischer Überlegungen
2.3. Das neue Bild des deutschen Heeres und Soldatentums

3. Die deutschen Streitkräfte im NS-Staat: Zwischen Söldnerarmee und Volksheer
3.1. Die Wiederwehrhaftmachung Deutschlands und die nationalsozialistische Anpassung der Reichswehr
3.2. Die Wehrmacht: Ein Volksheer als Waffenträger der Volksgemeinschaft

4. Der Weltanschauungskrieg: Nationalsozialistische Ideologie als militärische Strategie

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit jeher war die militärische Führung, insbesondere deren Strategen darum bemüht aus den Kriegen der Vergangenheit Lehren für die zukünftige Strategie und Taktik abzuleiten. „Die Kunst des Krieges ist für den Staat von entscheidender Bedeutung. Sie ist eine Angelegenheit von Leben und Tod, eine Straße, die zur Sicherheit oder in den Untergang führt. Deshalb darf sie unter keinen Umständen vernachlässigt werden.“[1] Bereits Sun Tsu war sich der Lehren, die aus zurückliegenden Kriegen gewonnen werden konnten, bewusst und sah deren Analyse und die Berücksichtigung der daraus gewonnen Erkenntnisse als Grundvorrausetzung für die Führung neuer Kriege.

Das Bild des Krieges hat sich jedoch aufgrund immer wiederkehrender Einflüsse, wie gesellschaftliche Umbrüche oder technische Innovationen, stetig verändert. Je nach dem Grad dieser Veränderungen zwischen den einzelnen Kriegen war es für die Strategen erforderlich auf diese einzugehen und die zukünftige Kriegführung daran anzupassen. Spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stellten die angesprochenen Einflüsse auf die Kriegführung, insbesondere der technische Fortschritt, die militärische Führung vor immer größere Herausforderungen. Je technisch-industrieller die Gesellschaft und damit auch der Krieg wurden, desto schwieriger war es den nächsten Krieg und dessen Eigenarten anhand der Erfahrungen des letzten vorherzusehen. Die gewaltigen Veränderungen, die sich mit dem Ersten Weltkrieg durch das Anwachsen der Armeen zu Massenheeren, der rapiden Entwicklung der Kommunikations-, Transport- und Waffenarten ergaben, erschwerten der politischen und militärischen Führung den Einfluss dieser neuen Mittel und die Erfordernisse des Zukunftskrieges richtig einzuschätzen.

Doch war die Bestimmung des Kriegsbildes nicht nur durch rein technische und militärische Veränderungen geprägt worden. Vor allem die zur Jahrhundertmitte zunehmende Kombination von militärisch-fachlichen Belangen mit nationalpolitischen und ideologischen Einflüssen, die es selbstverständlich auch schon früher gab, wirkte sich nachhaltig auf das zukünftige Bild des Krieges aber auch auf das der Armee und des einzelnen Soldaten aus. Das nationalpolitische Verständnis der Staaten hatte in jener Zeit eine womöglich noch nie zuvor dagewesen Divergenz zwischen benachbarten Völkern hervorgerufen, was die unerbittliche Kriegführung der Massenheere im Ersten Weltkrieg, die Friedensbestimmungen von Versailles und schließlich die radikalen Forderungen nach Revision dieses als „Schandfrieden“ bezeichneten Vertrages zeigten. Diese ideologischen Einflüsse bestimmten nicht nur die Vorstellungen des Kriegsbildes und die dazugehörigen strategischen Überlegungen, sondern auch die Erziehung der Armee und des einzelnen Soldaten. Diese Prägung sollte letztlich ihren Höhepunkt in der von Rassenlehre und Volkstum bestimmten Weltanschauung der Nationalsozialisten und den daraus resultierenden Zweiten Weltkrieg finden.

Die Aufgabe der vorliegenden Arbeit soll es sein, die zuvor kurz angesprochenen Überlegungen zur Entwicklung des Kriegsbildes in Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen näher zu beleuchten. Die anschließende Untersuchung wird sich demnach auf die Zeitspanne zwischen 1919 und 1939 beschränken und wird sowohl der theoretischen als auch der letztlich verfolgten Zielsetzungen der militärischen und politischen Elite nachgehen. Hierfür ist es erforderlich zunächst auf den vorweg gegangenen Konflikt, den Ersten Weltkrieg einzugehen. Wie sah der große Krieg zu Beginn des neuen Jahrhunderts aus? Welche Auswirkungen hatten dieser Krieg und dessen Ausgang auf die nachfolgenden strategischen Überlegungen und das Bild der zukünftigen Armee in Deutschland? Worin lag die Herausforderung der neuen Kriegführung für Militär und Gesellschaft? Der Schwerpunkt wird hierbei auf die Überlegungen einzelner Vertreter der Reichswehr und deren Ausführungen zum Krieg und der Armee der Zukunft gelegt. Kern dieser Betrachtung wird der Versailler Vertrag bilden, dessen Restriktionen die militärische Planung zunächst bestimmten.

Im Anschluss folgt der zweite Schwerpunkt der Arbeit, in dem den Vorstellungen des zukünftigen Kriegsbildes unter den Nationalsozialisten in Deutschland nachgegangen werden soll. Welchen Einfluss hatte die nationalsozialistische Weltanschauung auf die strategische Planung der militärischen Führung? Inwieweit konnte die Armee für die ideologische Kriegsplanung und deren Ziele instrumentalisiert werden? Welche Ideen hatten die Nationalsozialisten für die Armee der Zukunft? Welche Rolle übernahm der einfache Soldat? Im Mittelpunkt werden hierbei die in dieser Zeit stattfindende Wiederwehrhaftmachung Deutschlands und die Transformation der militärischen aber auch der gesellschaftlich-staatlichen Sphären für die Zwecke des Nationalsozialismus stehen. Zum Abschluss erfolgt eine Betrachtung der direkten strategischen Planung im Bezug auf den in der nationalsozialistischen Ideologie angestrebten Weltanschauungskrieg. Abschließend folgt eine Zusammenfassung der gewonnen Erkenntnisse.

2. Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs: Ein Wande in der deutschen Kriegsführung

2.1. Das Zeitalter des industriellen Volkskrieges

Der Verlauf des Ersten Weltkriegs hatte gezeigt, dass sich das Bild des Krieges zu Beginn des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert hatte. Anstelle eines um Eingrenzung bemühten Kabinettskrieges, dessen Handlung sich auf zwei gegenübergestellte Armeen beschränkte, prallten nun hochgerüstete industrialisierte Volksheere aufeinander, die wie vermutlich noch nie zuvor die Bevölkerung in einen Konflikt miteinbezogen. Der Kampf Mann gegen Mann war verlustreichen Materialschlachten, dem Einsatz von hochtechnologischen Waffensystemen[2] und einer auf die ganze Nation ausgedehnten totalitären Kriegführung gewichen.

Die sich seit den Napoleonischen Kriegen abzeichnende und über das 19. Jahrhundert zusehends stärker gewordene Nationalisierung und Industrialisierung des Krieges hatte bis zum Ersten Weltkrieg einen radikalen Wandel wenn nicht sogar eine Zäsur der bisherigen Kriegführung bewirkt. Der neue Charakter des Krieges zeigte sich schon während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 und machte die Veränderung im bisherigen Kriegsbild deutlich. „Sedan brachte mit dem Jubel auch die unumstößliche Erkenntnis, daß sich irgendetwas grundlegend geändert hatte; daß die bisherigen Vorstellungen von Krieg und Frieden nicht mehr stimmten.“[3]

Der sogenannte National- oder auch Volkskrieg stellte eine enge Verknüpfung zwischen militärischer Führung auf der einen und nationalpolitischer Interessen eines ganzen Volkes auf der anderen Seite dar. Damit war die bisherige Trennung zwischen Militär und Gesellschaft durch die Entfesselung der Volksmassen und der Totalisierung des Krieges aufgehoben worden. Sowohl die Materialschlachten an West- und Ostfront, wie auch die Entbehrungen der Zivilbevölkerung an der Heimatfront wurden zum grausamen Sinnbild des Ersten Weltkrieges, der als industrieller Massenkrieg die Gesellschaft im militärischen und auch um zivilen Bereich unmittelbar berührte.

Diese sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts herausbildende und während des Ersten Weltkriegs stärker gewordene Verbindung zwischen Volkskrieg und fortschreitender Industrialisierung hatte zur Folge, dass das Konzept eines totalen Krieges über den direkten militärischen Bereich hinaus auch die Gesellschaft und die Volkswirtschaft für die Kriegführung instrumentalisierte. Das bedeutete alle zur Verfügung stehenden materiellen und auch menschlichen Ressourcen mit aller Macht für die Kriegsführung einzusetzen, um das totale Kriegsziel, nämlich die moralische wie auch physische Zerschlagung des Gegners, zu erreichen. Hierbei sollte mittels Propaganda und zielgerichteter Lenkung des privaten und öffentlichen Lebens das eigene Volk für die Kriegsführung indoktriniert werden.[4] Die im Ersten Weltkrieg hervortretenden Tendenzen zum totalen Krieg beschreiben einen neuen Typus der Kriegführung, der sich durch die Entgrenzung der Methoden von bisherigen Konflikten deutlich unterschied, wie die Hungerblockaden, der U-Bootkrieg, die Gasangriffe, die Materialschlachten, die kriegsbedingte Regulierung der Wirtschaft oder die Ideologisierung der Bevölkerung zeigten.[5]

Der Krieg wurde demnach zu einem Abnutzungskrieg, der auch vor den heimischen vier Wänden nicht Halt machte. Die Bedeutung der Heimatfront für die Kriegführung war immens gestiegen, da zur Mobilisierung aller Kräfte und zur Entfesselung eines ganzen Volkes eine der Kriegführung wohl gesonnene Stimmung innerhalb der Bevölkerung von Nöten war. Die Aufgabe, das eigene Volk auf den Krieg einzuschwören und stetig für eine entsprechende Moral zu sorgen, stellte die militärische Führung in Deutschland, das Regime der Militärbefehlshaber, vor eine große Herausforderung. Während noch in der Anfangsphase des Krieges eine euphorische Stimmung herrschte, wurde es in den darauf folgenden Jahren trotz der Propaganda im Kaiserreich immer schwieriger den Kampfwillen der deutschen Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Ein Grund dafür war die mangelhafte bis katastrophale Lebensmittelversorgung, die ab spätestens 1916 nicht mehr ausreichend bewältig werden konnte. Die militärische Führung wie auch die Regierung waren der Illusion erlegen, dass der Krieg nicht von langer Dauer sein und innerhalb kürzester Zeit wieder Frieden herrschen würde. In Folge dessen waren nur ungenügend Vorbereitungen für einen langjährigen Konflikt getroffen worden, wie die langen Schlangen vor den Lebensmittelläden schon 1915 zeigten. Der Höhepunkt wurde im Winter 1917 erreicht, als die geradezu chaotischen Verhältnisse in der Lebensmittelversorgung in Form des „Steckrübenwinters“ die Bevölkerung in eine Hungernot getrieben hatten. Aber nicht nur an der Heimatfront, sondern auch bei der Versorgung der Truppen haben sich im gleichen Jahr Engpässe eingestellt.[6]

Die Zuversicht, nur einen kurzen Krieg zu führen, hatte sich mit dem Scheitern des Schlieffen-Plans endgültig zerschlagen. Die militärische Führung musste erkennen, dass der Krieg nur noch als industrieller Massenkrieg zu führen war, womit sich die Probleme in der Versorgung von Bevölkerung und Armee ergaben. Der Versuch, die Heimatfront im Interesse der Kriegführung zu kontrollieren bzw. die zivilen Bedürfnisse den militärischen Anforderungen hinten anzustellen, war aufgrund des sich verlängernden Konfliktzeitraums gescheitert. Die Erfüllung der Kriegsziele als auch die Umsetzung der dafür notwendigen Methoden der Kriegführung basierten aber auf einer stabilen Heimatfront, die durch deren annähernde Totalisierung die militärische Führung unterstützen sollte. Doch konnte die Mobilisierung aller materiellen und auch personellen Ressourcen, die letztlich die Basis des industriellen Volkskriegs darstellten, nicht durch das Militär erreicht werden. Spätestens in der Novemberrevolution von 1918[7], die das Ende der deutschen Kriegführung einleitete, musste die deutsche Militärführung erkennen, dass ohne den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung auch die Kampfmoral der Truppen nicht aufrecht erhalten werden konnte. Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs machten deutlich, dass ohne die entsprechende Bindung zwischen militärischen und gesellschaftlichen Bereichen dieser industrielle Volkskrieg nicht geführt werden kann.

2.2. Der Versailler Vertrag: Ende und Beginn strategischer Überlegungen

Mit dem Friedensvertrag von Versailles war für das deutsche Kaiserreich im Juni 1919 der Krieg formell beendet. Die große Mehrheit der Deutschen empfand den Versailler Frieden als großes Unrecht gegen Deutschland und forderte die Revision des als „Versailler Diktat“ bezeichneten Vertragswerkes. Tatsächlich waren die Bestimmungen gegen Deutschland außerordentlich hart ausgefallen, was nicht zuletzt daran lag, dass laut Paragraph 231, dem sogenannten Kriegsschuldartikel, das deutsche Kaiserreich und seine Verbündeten als alleinige Urheber des Krieges betrachtet wurden.[8] Neben etlichen Gebietsverlusten mussten wirtschaftliche Einschränkungen in Form von hohen Reparationszahlungen und erhebliche militärische Beschränkungen hingenommen werden. Letztere hatte für Preußen-Deutschland und seine militärischen Traditionen aber vor allem für die durch das Militär stark geprägte deutsche Gesellschaft große Auswirkungen.

Durch den Versailler Vertrag wurden die deutschen Streitkräfte auf ein Berufsheer von 100000 Mann und die Marine auf eine Stärke von 15000 Mann, jeweils einschließlich der Offiziere, reduziert. Mit dieser Beschränkung des Heeres gingen auch die Auflösung des Generalstabs und die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht einher. Die Reichswehr sollte ausschließlich zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Staatsinnern und als Grenzschutz eingesetzt werden, was sie schließlich zu einer besseren Polizeitruppe degradierte. Die Dienstzeit der Soldaten beschränkte sich auf 12 Jahre, wobei eine erneute Verpflichtung untersagt war. Um die Zahl gut ausgebildeter Soldaten und den heimlichen Aufbau einer größeren Armee zu unterbinden, war es jährlich nur maximal fünf Prozent der Mannschaften gestattet vorzeitig aus dem Dienst auszuscheiden. Hinzu kam ein Verbot von militärischen Vereinen und allgemeiner Mobilmachungsmaßnahmen, wozu auch jegliche als Vorbereitungen eines Krieges angesehene Schritte zählten. Zudem wurde die Entmilitarisierung des Rheinlands und eines 50 Kilometer breiten Streifens östlich des Rheins beschlossen und die Unterhaltung von Festungsanlagen an den Staatsgrenzen untersagt. Neben den personellen Beschränkungen sahen die Abrüstungsbestimmungen den Verzicht auf schwere Waffen wie Panzer, Flugzeuge, U-Boote oder Schlachtschiffe vor. Damit war gleichermaßen der Wiederaufbau von deutschen Luftstreitkräften verboten worden. Darüber hinaus wurde der Munitionsvorrat der Reichswehr auf ein Minimum beschränkt.[9]

Das dieses Vertragswerk vor allem in den Kreisen der Militärführung auf uneingeschränkte Ablehnung stieß, sollte nicht weiter überraschend sein. Immerhin bedeuteten die Abrüstungsbestimmungen nicht nur den Verlust der Großmachtstellung Deutschlands, sondern auch den Alptraum eines jeden Berufssoldaten. Daher war es um so weniger verwunderlich, dass sich der Großteil der Offiziere öffentlich gegen das „Schanddiktat" von Versailles stellte und die Revision der Friedensbestimmungen forderte. „Wir müssen den Kampf auf Revision des Friedensvertrages aufnehmen, müssen alles vorbereiten, um […] gegen den Feind zu kämpfen.“[10] Der Feind waren die Siegermächte des Ersten Weltkriegs, insbesondere Frankreich, das als Erbfeind bzw. als Todfeind Deutschlands für Versailles abgestraft werden sollte. Und so war es zum einen der Gedanke an einen Revanchekrieg und zum anderen die Vorstellung eines Befreiungskriegs, die beide in den Überlegungen der Militärführung immer wieder auftauchten und an deren Ende die Befreiung von der französischen Unterjochung und die Rache an Frankreich selbst standen.[11] Doch wie würde dieser zukünftige Krieg aussehen? Welche Konsequenzen konnten aus dem vorweggegangenen Krieg, der letztlich verloren wurde, gezogen werden? Und welche Voraussetzungen mussten für einen erneuten Waffengang erfüllt werden?

Oberst Joachim von Stülpnagel, Leiter der Heeresabteilung im Truppenamt des Reichsheeres, beschrieb in seinen Gedanken über den Krieg der Zukunft, eine Art Volkserhebung verbunden mit einem Befreiungskrieg, in dem die Ziele der „Politik und der Wehrmacht in Einklang mit dem nationalen Willen der Mehrheit des Volkes gebracht sind.“[12] Das heißt, dass sowohl innen- wie auch außenpolitisch und unter Einbeziehung der eigenen Bevölkerung entsprechende Vorbereitungen für einen erneuten Waffengang getroffen werden mussten. Laut Stülpnage war es außenpolitisch unerlässlich, den Kontakt zu Großbritannien und Russland zu suchen. Dabei sollte Deutschland aus seiner Isolation befreit und dafür Frankreich entsprechend abgeschottet werden. Innenpolitisch war es erforderlich durch die Prägung eines Staatsgedankens einen zusammenhängenden Volkskörper zu bilden, der unter einer starken Führung staatsfeindliche und undeutsche Elemente ausschließen und somit im Kriegsfall für den nötigen Rückhalt an der Heimatfront sorgen sollte. Besonders wichtig war es, die Bevölkerung und insbesondere die deutsche Jugend einer nationalen und wehrhaften Erziehung zu unterziehen. Nur wenn alle diese Voraussetzungen erfüllt gewesen wären, hätte ein erfolgreicher Befreiungskrieg geführt werden können.[13] Hierbei zeigt sich, dass in den Überlegungen Stülpnagels direkt Konsequenzen aus dem Ersten Weltkrieg gezogen wurden. Stülpnager sieht es als unerlässlich an, sowohl dauerhaft stabile innenpolitische Verhältnisse als auch eine außenpolitisch diplomatische Absicherung zu schaffen. Als Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Führung eines Kriegs sieht er eine innere Einheit mit einer starken Staatsautorität, die den Anstrengungen eines Krieges gewachsen ist.

[...]


[1] Vgl. Clavell, James (Hg.): Sun Tsu. Die Kunst des Krieges, Hamburg 2008, S. 7.

[2] Im Zeitalter der Technik standen den Militärs neue Waffen, wie Maschinengewehre, Flugzeuge, Panzer, U-Boote, verbesserte Artillerie mit einer großen Reichweite oder das Giftgas zur Verfügung. Neben diesen Innovationen der Kriegstechnik war es die auch daraus resultierende Entgrenzung der Gewalt, die die Taktik und die gesamte Kriegführung mitbestimmte. Vgl. Grevelhörster, Ludger: Der Erste Weltkrieg und das Ende des Kaiserreiches. Geschichte und Wirkung, Münster 2005, S. 47-52; 63; 75-84.

[3] Trotz der Kapitulation eines Großteils der französischen Armee und der Gefangennahme des französischen Kaisers, konnte der Krieg im September 1870 nicht beendet werden. Im weiteren Verlauf entwickelte sich der Konflikt auf französischer Seite zu einem Volkskrieg, der zu einer Ausweitung der Kriegführung auf die französische Bevölkerung führte. Vgl. Regling, Volkmar: Grundzüge der Landkriegführung zur Zeit des Absolutismus und im 19. Jahrhundert, in: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hg.): Deutsche Militärgeschichte in sechs Bänden 1648-1939, Band 6, München 1983, S. 421-423.

[4] Vgl. Förster, Stig: Die Weltkriege als Kriege neuen Typs – Einführende Bemerkungen, in: Thoß, Bruno/ Volkmann, Hans-Erich (Hg.): Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg: Ein Vergleich. Krieg, Kriegserlebnis, Kriegserfahrung in Deutschland, Paderborn 2002, S. 35-39.

[5] Vgl. Müller, Rolf-Dieter: Totaler Krieg und Wirtschaftsordnung: Ausnahmezustand oder Chance eines grundlegenden Wandels? Deutsche Experimente in zwei Weltkriegen, Thoß, Bruno/ Volkmann, Hans-Erich (Hg.): Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg: Ein Vergleich. Krieg, Kriegserlebnis, Kriegserfahrung in Deutschland, Paderborn 2002, S. 43-46.

[6] Vgl. Deist, Wilhelm: Das Militär an der Heimatfront 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945, in: Thoß, Bruno/ Volkmann, Hans-Erich (Hg.): Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg: Ein Vergleich. Krieg, Kriegserlebnis, Kriegserfahrung in Deutschland, Paderborn 2002, S. 376-383.

[7] Am 29.10. 1918 brach in Kiel und Wilhelmshaven ein Matrosenaufstand aus, der letztlich den Höhepunkt der stetig sinkenden Kampfmoral der deutschen Armee symbolisierte. In Verbindung mit dem Stimmungsabfall in der Zivilbevölkerung erfasste innerhalb weniger Tage eine Revolution ganz Deutschland. Vgl. Kinder, H./ Hilgemann, W.: dtv-Atlas Weltgeschichte, Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart, Band 2, München 2005, S. 406-409; Grevelhörster, Ludger, S. 128-133.

[8] Vgl. Grevelhörster, Ludger, S. 139-140; Kolb, Eberhard: Der Frieden von Versailles, München 2005, S. 63-65.

[9] Vgl. Kolb, Eberhard, S. 67-68; Dirks, Carl/ Janßen, Karl-Heinz: Der Krieg der Generäle: Hitler als Werkzeug der Wehrmacht, Berlin 1999, S. 15-16; Grevelhörster, Ludger, S. 139-140; Borgert, Heinz-Ludger: Grundzüge der Landkriegführung von Schlieffen bis Guderian, in: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hg.): Deutsche Militärgeschichte in sechs Bänden 1648-1939, Band 6, München 1983, S. 529.

[10] Vgl. Dirks, Carl/ Janßen, Karl-Heinz, S. 16.

[11] Vgl. Stülpnagel, Joachim von: I. Gedanken über den Krieg der Zukunft, in: Dirks, Carl/ Janßen, Karl-Heinz (Hg.): Der Krieg der Generäle: Hitler als Werkzeug der Wehrmacht, Berlin 1999, S. 193-196.

[12] Ebd., S. 195.

[13] Vgl. Förster, Stig, in: Thoß, Bruno/ Volkmann, Hans-Erich (Hg.), (wie Anm. 4), S. 383-384; Stülpnagel, Joachim von, in: Dirks, Carl/ Janßen, Karl-Heinz (Hg.), S. 194-197.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Kriegsbildes in Deutschland zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
31
Katalognummer
V279035
ISBN (eBook)
9783656724391
ISBN (Buch)
9783656724384
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, kriegsbildes, deutschland, ersten, zweiten, weltkrieg
Arbeit zitieren
Thomas Hallmann (Autor), 2009, Die Entwicklung des Kriegsbildes in Deutschland zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279035

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