Franz Ignaz Wedekind und Georg Friedrich Zentner waren in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts Rechtsgelehrte der Heidelberger Juristischen Fakultät.
Bevor nach dem Leben und Werk dieser beiden Rechtsgelehrten gefragt wird, soll kurz der Zustand und die Entwicklung der Universität Heidelberg im 18. Jahrhundert beleuchtet werden.
Diese galt in dieser Zeit als „Staatsanstalt“, was sich durch die volle Verfügungsgewalt der regierenden Kurfürsten bemerkbar machte. Angetrieben von dem Ziel der Rekatholisierung der Kurpfalz, wandelten eben diese die Heidelberger Universität zügig von einer ehemaligen Hochburg der Reformation zur katholischen Universität um. Dies geschah vornehmlich durch Stellenvergabe an Katholiken; daneben richteten sie Lehrstühle ein, ohne auch nur die Universität zu fragen und kontrollierten den Lehrbetrieb durch Erstellung der Vorlesungsverzeichnisse.
Ferner war die Regierung darauf bedacht, den Eingang aufklärerischen Gedankengutes in die Vorlesungen zu verhindern. So „[blieb] Heidelberg [...] vom Zeitalter der Aufklärung, von der geistigen Jahrhundertmodernisierung, bei der sich die Wissenschaften von der religiösen Vorprägung lösten und die Jurisprudenz die Theologie aus ihrer Führungsrolle verdrängte, weithin abgeschnitten.“
Zudem wurde die finanzielle Lage der Universität in den letzten beiden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts immer desaströser. Durch das kumulative Zusammenspiel einer schlechten Finanzverwaltung einerseits, und den Kriegsereignissen in den 1790er Jahren andererseits, war sie gegen 1799 hochverschuldet.
So konnte der Rektor Franz Anton Mai im Jahre 1798 lediglich resigniert folgende Feststellung treffen: „Die Hohe Schule zu Heidelberg hat die Gebrechen des höchsten Alters: Stumpfheit und Untätigkeit.“
Mit Wedekind und Zentner liegt der Fokus auf zwei Professoren, deren universitärer Wirkbereich sich zeitlich gerade in diese „dunkle Zeit“ der Universitätsgeschichte einfügt. Es stellt sich die spannende Frage ob – und falls ja ,wie – diese versuchten, die geistige Rückständigkeit und finanziellen Defizite zu beheben, sowie das Ansehen der Universität zu verbessern. Dies geschieht im Rahmen der vorliegenden Arbeit sowohl durch Untersuchung ihrer Lehrtätigkeit, als auch der organisatorischen Tätigkeit für die Universität.
Inhaltsverzeichnis
- A. Einführung
- B. Franz Ignaz Wedekind
- I. Lebenslauf
- II. Leistungen an der Universität Heidelberg
- 1. Wissenschaftliches Werk
- a. Lehrtätigkeit an der Universität Heidelberg
- b. Die Schrift „Einladung zu meiner Vorlesung über das Natur- und allgemeine Recht“
- c. Die Schrift,,Von dem besonderen Interesse des Natur- und allgemeinen Staatsrechts durch die Vorfälle der neueren Zeiten“
- d. Die Schrift „Kurze systematische Darstellung des allgemeinen Staatsrechts“
- e. Die Schrift,,Auch eine falsche Quelle der Revolutionen“
- 2. Einordnung in die Aufklärung
- 1. Wissenschaftliches Werk
- III. Bedeutung für die Universität Heidelberg
- C. Georg Friedrich Zentner
- I. Lebenslauf
- II. Leistungen an der Universität Heidelberg
- 1. Organisation und Mitwirkung bei den Jubiläumsfeierlichkeiten der Universität 1786
- 2. Sonstige organisatorische Verdienste
- 3. Wissenschaftliches Werk
- a. Lehrtätigkeit an der Universität
- b. Einordnung in die Aufklärung
- III. Bedeutung für die Universität Heidelberg
- D. Schlusswort
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit der Geschichte der Heidelberger Juristischen Fakultät im 18. Jahrhundert. Sie fokussiert dabei auf die Lebensläufe und Leistungen von Franz Ignaz Wedekind und Georg Friedrich Zentner, zwei bedeutenden Rechtslehrern dieser Zeit. Der Schwerpunkt liegt auf der Einordnung dieser Persönlichkeiten in den Kontext der Aufklärung und ihrer Bedeutung für die Universität Heidelberg.
- Entwicklung der Juristischen Fakultät in Heidelberg im 18. Jahrhundert
- Die Rolle von Franz Ignaz Wedekind und Georg Friedrich Zentner in der Geschichte der Fakultät
- Einfluss der Aufklärung auf die Rechtslehre und universitäre Lehre
- Wissenschaftliches Werk und Bedeutung der beiden Rechtslehrer für die Universität Heidelberg
- Einordnung in die wissenschaftliche und politische Landschaft des 18. Jahrhunderts
Zusammenfassung der Kapitel
Die Seminararbeit bietet eine umfassende Betrachtung der Lebensläufe und Leistungen von Franz Ignaz Wedekind und Georg Friedrich Zentner. Kapitel B beleuchtet Wedekinds wissenschaftliches Werk, seine Lehrtätigkeit und seine Schriften im Kontext der Aufklärung. Kapitel C analysiert Zentners Organisationstalent, seine wissenschaftlichen Beiträge und seine Rolle in den Jubiläumsfeierlichkeiten der Universität. Beide Kapitel heben die Bedeutung der beiden Rechtslehrer für die Universität Heidelberg hervor und setzen ihre Leistungen in den Kontext der politischen und wissenschaftlichen Entwicklung des 18. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Die Seminararbeit konzentriert sich auf die Geschichte der Heidelberger Juristischen Fakultät im 18. Jahrhundert, die Lebensläufe von Franz Ignaz Wedekind und Georg Friedrich Zentner, die Aufklärung, das Naturrecht, die Lehrtätigkeit an der Universität Heidelberg, die wissenschaftlichen Beiträge der beiden Rechtslehrer und ihre Bedeutung für die Universität.
Häufig gestellte Fragen
Wer waren Franz Ignaz Wedekind und Georg Friedrich Zentner?
Sie waren bedeutende Rechtsgelehrte an der Universität Heidelberg im ausgehenden 18. Jahrhundert, deren Wirken in eine Phase des Umbruchs und der finanziellen Krise fiel.
In welchem Zustand befand sich die Universität Heidelberg im 18. Jahrhundert?
Sie galt als "Staatsanstalt" unter voller Kontrolle der Kurfürsten, war stark von der Rekatholisierung geprägt und litt unter finanzieller Not sowie geistiger Rückständigkeit gegenüber der Aufklärung.
Wie versuchten Wedekind und Zentner die Universität zu verbessern?
Durch moderne Lehrtätigkeit, die Einbeziehung aufklärerischen Gedankengutes (wie das Naturrecht) und organisatorisches Engagement, wie etwa bei den Jubiläumsfeierlichkeiten von 1786.
Welche Bedeutung hatte das Naturrecht in Wedekinds Schriften?
Wedekind nutzte das Natur- und allgemeine Staatsrecht, um die rechtlichen Grundlagen vor dem Hintergrund der "neueren Zeiten" und politischen Umwälzungen zu analysieren.
Warum war die Universität Heidelberg von der Aufklärung weitgehend abgeschnitten?
Die kurfürstliche Regierung kontrollierte den Lehrbetrieb streng und verhinderte den Eingang moderner Ideen, um die religiöse Vorprägung und die Vorherrschaft der Theologie zu sichern.
Was sagte Rektor Franz Anton Mai 1798 über die Universität?
Er stellte resigniert fest, dass die Hochschule die "Gebrechen des höchsten Alters" zeige: Stumpfheit und Untätigkeit.
- Arbeit zitieren
- Sarah Sophia Hofmann (Autor:in), 2012, Franz Ignaz Wedekind und Georg Friedrich Zentner. Ihr Wirken an der Heidelberger Juristischen Fakultät im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279075