John F. Kennedy und die "BILD". Die mediale Aufbereitung der Ausland- und Deutschlandpolitik


Hausarbeit, 2011

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Analyse verschiedener BILD-Artikel und deren historische Einordnung
2.1. Artikel des Jahres
2.2. Artikel des Jahres
2.3. Artikel des Jahres

3. Die amerikanische Deutschland-/Außenpolitik
3.1. Die Deutschland-/Außenpolitik unter Eisenhower
3.2. Die Deutschland-/Außenpolitik unter Kennedy

4. Das Fazit

5. Literatur-/Quellenverzeichnis

1. Einleitung

John Fitzgerald Kennedy befand sich bei seinem Amtsantritt 1961 in keiner einfachen Situation. Wie sollte seine Haltung gegenüber der Sowjetunion aussehen? Anfangs hatte es den Anschein, als würde er sich nur in rüstungspolitischen Fragen von seinem Vorgänger Dwight David Eisenhower unterscheiden. Aber schnell stellte sich heraus, dass er diese Position der nuklearen Abschreckung nicht risikolos vertreten konnte, was wiederum auf Kosten der Interessen der westlichen Verbündeten ging. Kennedy war also zwischen der Entspannungspolitik im Osten und der Bewahrung seiner Glaubwürdigkeit im Westen hin und her gerissen.

In der folgenden Arbeit wird genauer auf die mediale Wirkung von Kennedys Deutschland- und Außenpolitik eingegangen, dabei wird sich der Blick auf seine Darstellung durch die BILD-Zeitung fixieren.

Kennedy war vor seinem Deutschlandbesuch 1963 nicht sonderlich beliebt in Bonn, da er zu wichtigen Ereignissen, etwa dem Mauerbau, nicht die in der BRD und ihrer Bevölkerung erwünschte Stellung bezogen hatte. Dies spiegelte sich in den Zeitungen wider. So tauchten viele Kennedy- und Amerika-kritische Artikel und Schlagzeilen auf, wie zum Beispiel: „BILD sagt wie es ist: Schuld hat Kennedy“[1] oder auch: „Der Westen tut NICHTS!“[2]. Somit ist es zunächst sehr überraschend, dass Kennedy während seines Besuches nicht weiter öffentlich hinterfragt wurde, obwohl er zuvor in der Kritik gestanden hatte. Die Gründe hierfür sind zum einen sein außergewöhnliches Charisma und zum anderen mangelnder kritischer Journalismus.

Dabei ist die Darstellung der BILD besonders interessant, da laut Axel Springer „die Masse, nicht die Intellektuellen“ die Zielgruppe sei. Zudem fiel und fällt die Bild-Zeitung durch ebenso kurze wie prägnante boulevardjournalistische Artikel, übergroße Schlagzeilen sowie durch nahezu Seiten füllende Bilder, welche ihr auch den Namen gaben, auf. Dies sind wohl die Hauptmerkmale, welche die BILD-Zeitung, die sich selbst auch als volkstümliche Kaufzeitung beschreibt[3], von den anderen großen deutschen Zeitungen unterscheiden. Somit ermöglicht die Konzentration auf die BILD-Zeitung einen einzigartigen Blick auf die breiteste westdeutsche Leserschaft. Im Weiteren wird auch eine mögliche politische Grundeinstellung der BILD Anfang der 60er Jahre beleuchtet. Mit welchen stilistischen Besonderheiten die BILD ihre Meinung transportiert, wird ebenfalls an einigen ausgewählten Artikeln aus der für das Thema relevanten Zeit erörtert.

Meine Leitthese lautet wie folgt: Die BILD-Zeitung stellte Kennedys Deutschlandbesuch positiv dar, weil seine Haltung der UdSSR gegenüber mit der Haltung der BILD deckungsgleich zu sein schien.

2. Analyse verschiedener BILD-Artikel und deren historische Einordnung

Im Folgenden werden unterschiedliche BILD-Artikel analysiert. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf den Inhalt und den Stil fallen. Zudem werden die Artikel in ihren historischen Kontext eingeordnet, um festzustellen, welche Position die BILD-Zeitung jeweils einnahm.

2.1. Artikel des Jahres 1961

Das Jahr 1961 war vor allem durch den Mauerbau geprägt. Dies schlug sich natürlich auch in den Medien nieder. Mit dem Mauerbau ging eine entsprechend negative Berichterstattung über die Untätigkeit der alliierten Machthaber einher, wie die folgenden ausgewählten Artikel aus dieser Zeit zeigen.

Am 27.07. erschienen in der BILD Auszüge aus Kennedys TV-Rede zur dritten Berlinkrise, die er am 25.07 „… um 10 Uhr abends […] aus dem Oval Office an seine internationale Zuhörerschaft“[4] gerichtet hatte. Die Kernpunkte dieser Rede, die von der BILD wiedergegeben wurden, bezogen sich zum einen auf die klare Schuldzuweisung an die UdSSR („Der Ursprung der Unruhen und der Spannungen in der Welt ist Moskau und nicht Berlin. Sollte ein Krieg beginnen, dann beginnt er in Moskau und nicht in Berlin.“[5] ), zum anderen auf Kennedys Beharren auf dem Status quo Berlins („Berlin ist kein Teil Ostdeutschlands, sondern ein separates Territorium unter der Kontrolle der alliierten Mächte. Daher sind unsere Rechte dort klar und tief verwurzelt.“[6] ) und seine Zusicherung der Verteidigung Westberlins an die BRD („Wir müssen […] bereit sein der Gewalt Widerstand zu leisten, wenn uns gegenüber Gewalt angewendet wird.“[7] ). Zudem betonte Kennedy seine Verhandlungsbereitschaft, aber auch, dass alles nun von Chruschtschow abhänge (Überschrift: „Chruschtschow hat die Wahl…“).

Kennedys Rede sollte den Westdeutschen ein Sicherheitsgefühl suggerieren, nämlich die Sicherheit, die USA an ihrer Seite zu wissen, was BILD nicht weiter hinterfragte. Außerdem bezeichnet diese Rede einen Wendepunkt in der amerikanischen Außenpolitik. Erstmals zeigte sich die USA offen als verhandlungsbereit, auch was Fragen der Deutschlandpolitik anging. Darüber hinaus wurde das Interesse an West-Berlin auf nur drei essentielle Punkte/Forderungen reduziert, von denen die USA fortan nicht mehr abweichen würden.[8]

In derselben Ausgabe lautete die Schlagzeile auf der Titelseite wie folgt: „Ein Wille! Ein Weg! Ein Ziel!“[9]. Im Artikel werden die durchweg positiven Reaktionen der Westalliierten auf die Kennedy-Ansprache sowie Reaktionen aus Bonn und Berlin wiedergegeben.[10] Im unteren Drittel findet sich eine Stellungnahme mit dem Titel: „Freiheit ist nicht billig!“, in der die BILD Kennedy bedingungslos Recht gibt. Außerdem werden die künftigen Opfer, die die amerikanische Bevölkerung für den Frieden bringen wird, hervorgehoben. Chruschtschow wird davor gewarnt, eine ähnliche Situation wie in Ungarn zu provozieren. Dabei bezieht sich die BLD auf den ungarischen Volksaufstand von 1956, bei dem breite Schichten der ungarischen Bevölkerung gegen die kommunistische Regierung und die sowjetische Besatzung demonstriert hatten. Der Aufstand wurde von der Sowjetarmee blutig niedergeschlagen.

Am 16.08. lautete die Schlagzeile der BILD wie folgt: „Der Osten handelt – was tut der Westen? Der Westen tut NICHTS!“[11]. Diese Ausgabe war mit einem Stacheldraht-Layout umrandet, ein stilistisches Mittel, das die BILD oft verwendete, wenn es um die sowjetische Besatzungszone ging. Der dazugehörige Artikel bezog sich auf den Mauerbau, der erst drei Tage zuvor begonnen hatte. Darin heißt es: „Präsident Kennedy schweigt“, „Macmillan geht auf Jagd“ und „…und Adenauer schimpft auf Willy Brandt“. Diese Aussagen sind mit Photos der entsprechenden Personen begleitet.

[...]


[1] BILD-Zeitung; Hamburg, 16.04.1962, S. 2.

[2] BILD-Zeitung; Hamburg, 16.08.1961, S. 1.

[3] Vgl. Walden, Matthias/ Ein Bild von BILD – Wie BILD entsteht und wer BILD macht/ Berlin; 1985, S. 142

[4] Münger, Christof/ Ich bin ein West-Berliner – Der Wandel der amerikanischen Berlinpolitik während der Präsidentschaft John F. Kennedys/ Zürich; 1999, S. 80.

[5] BILD-Zeitung; 27.07.1961 S. 5.

[6] Ebenda. S. 5.

[7] Ebenda. S. 5.

[8] Diese werden im Kap. 2.2. genauer erörtert.

[9] Ebenda. S. 1.

[10] Die sowjetische Regierung hatte zu dem Zeitpunkt noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben.

[11] BILD-Zeitung; 16.08.1961, S. 1.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
John F. Kennedy und die "BILD". Die mediale Aufbereitung der Ausland- und Deutschlandpolitik
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V279082
ISBN (eBook)
9783656719878
ISBN (Buch)
9783656719854
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kennedy, bild
Arbeit zitieren
David Kühlcke (Autor), 2011, John F. Kennedy und die "BILD". Die mediale Aufbereitung der Ausland- und Deutschlandpolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279082

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: John F. Kennedy und die "BILD". Die mediale Aufbereitung der Ausland- und Deutschlandpolitik



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden