Der Mohr im Singspiel. Komik, Exotismus, Macht am Beispiel des Osmins aus „Die Entführung aus dem Serail“ und Monostatos aus „Die Zauberflöte“


Hausarbeit, 2013

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Handlung „Die Entführung aus dem Serail“

Handlung „Die Zauberflöte“

Osmin - eine Charakterisierung

Monostatos - eine Charakterisierung

Das „Türkische“ im Singspiel

Die Komik des Mohrs

Der Exotismus des Mohrs

Die Macht des Mohrs

Schluss

Bibliographie

Rechtsverbindliche Erklärung

Einleitung

Was haben Monostatos und Osmin gemeinsam? Beide sind Mohren und Teil von zwei sehr bekannten Werken von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Darstellung von Mohren in Singspiel und Oper war lange Zeit nicht denkbar, da die Mohren mit den Juden gleichgesetzt und so als schuldig für Jesu Christi Tod angesehen wurden. Im 16.Jahrhundert änderte sich dieses Denken und die Mohren wurden als komischer Charakter in die Oper bzw. in das Singspiel integriert. In wie fern sie komisch, exotisch waren und welche Macht sie hatten, darauf werde ich in meiner Hausarbeit eingehen. Ich habe mich bewusst dafür entschieden einen Schwerpunkt auf den Charakter des Osmin zu setzten und Monostatos nur vergleichend und eher sekundär zu verwenden.

Handlung „Die Entführung aus dem Serail“

„Die Entführung aus dem Serail“ ist ein Singspiel von Wolfgang Amadeus Mozart und wurde am 16. Juli 1782 im Wiener Burgtheater erstmals aufgeführt. Darüber hinaus wurde das Werk am 23. November 1787 zur Eröffnung des Stadttheaters in Koblenz aufgeführt.

Die Handlung spielt im Orient im Serail des Bassa Selim, in dem sich auch die von Seeräubern entführte und als Sklavin verkaufte Spanierin Konstanze, sowie ihre englische Zofe Blonde und deren Verlobter Pedrillo befinden. Während Pedrillo und Blonde arbeiten müssen, wird Konstanze von Bassa Selim umgarnt, der sie als seine Frau gewinnen will. Bei dem Überfall der Piraten auf das Schiff, war auch Belmonte, Konstanzes Geliebter an Bord, doch es gelang ihm unentdeckt zu fliehen. Durch einen Brief seines Dieners Pedrillo erfährt er den Aufenthaltsort seiner Braut und reist ihr nach. Das Singspiel beginnt mit Belmontes Ankunft am Serail des Bassa Selim und dem ersten Aufeinandertreffen mit Osmin, dem Aufseher Bassa Selims. Nachdem Belmonte auch Pedrillo begegnet ist, beschließen die beiden Bassa Selim Belmonte als einen Baumeister vorzustellen, um so eine Begegnung zwischen Konstanze und Belmonte zu initiieren und gemeinsam einen Fluchtplan zu entwickeln. Bassa Selim gestattet Belmonte in seinem Serail zu wohnen und nachdem Osmin betäubt wurde, kommt es zum Treffen von Belmonte und Konstanze und zu einem letztendlich gescheiterten Fluchtversuch. Osmin gelingt es die Flucht zu verhindert und setzt Bassa Selim darüber in Kenntnis. Konstanze, Belmonte, Pedrillo und Blonde werden dem Bassa vorgeführt, dem von Belmontes Vater früher großes Unrecht angetan wurde. Dessen bewusst rechnen alle mit einer schlimmen Strafe, doch Bassa Selim beschließt den vieren die Freiheit zu schenken und sie reisen zurück nach Spanien.

Handlung „Die Zauberflöte“

„Die Zauberflöte“ ist eine Oper aus dem Jahre 1791, die ebenfalls von Wolfgang Amadeus Mozart mit dem Libretto von Emanuel Schikaneder komponiert wurde.

Prinz Tamino wird von der Königin der Nacht damit beauftragt ihre Tochter Pamina aus den Händen von Sarastro zu befreien. Tamino hat sich in ein Bild von Pamina verliebt, deshalb ist er auch sofort bereit Pamina zu suchen. Papageno soll ihm dabei helfen. Beide erhalten von der Königin eine Art Waffe: Tamino eine Flöte und Papageno ein Glockenspiel. So beginnen sie die Suche und gelangen bald in Sarastros Reich und begegnen dessen Aufseher Monostatos, der Pamina entführt hat. Zunächst begegnet ihm Papageno und findet so auch Pamina. Monostatos ist von Papagenos Anblick so entsetzt, dass er weg läuft. Bei dem Versuch zu fliehen werden Papageno und Pamina von Monostatos erneut gefunden, der sie gefangen nehmen will. Doch können sie durch Gebrauch des Glockenspiels der Königin der Nacht Monostatos und seine Sklaven entkommen. Anschließend begegnen sie Sarastro und seiner Gefolgschaft und Monostatos nimmt Tamino gefangen. Sarastro beschließt, dass Tamino und Papageno drei Prüfungen bestehen müssen um Pamina zu befreien. Papageno soll dann als Belohnung für das Bestehen der Prüfung auch eine Frau bekommen. Während der Prüfungsphase erscheint die Königin der Nacht in Sarastros Reich, um Pamina dazu zu bringen Sarastro zu töten, um so den siebenfachen Sonnenkreis zu erhalten. Diesen hatte Sarastro von ihrem Mann geerbt. Doch Sarastro kann Pamina davon überzeugen es nicht zu tun. Monostatos schließt sich daraufhin der Königin der Nacht an, um Sarastro zu stürzen und Pamina heiraten zu können.

Am Ende sind Pamina und Tamino und Papagena und Papageno vereint, während die Königin der Nacht und Monostatos besiegt sind.

Osmin - eine Charakterisierung

Osmin arbeitet im Serail Bassa Selims als Aufseher. Er tritt bereits im ersten Aufzug mit einem Lied in Strophenform „Wer ein Mädchen hat gefunden“ auf. In diesem Lied verdeutlicht er den Umgang mit Frauen, die man liebevoll behandeln soll, jedoch immer aufpassen muss, dass sie sich nicht einem anderen Mann zuwendet. Während des Liedes kommt Belmonte hinzu und versucht Osmin zu einer Auskunft zu bewegen. Dieser hingegen hört ihm nicht zu und antwortet zunächst auch nicht. Als er schließlich doch antwortet, geschieht dies sehr einsilbig und zunehmend zornig, da Belmonte ihm kontinuierlich ins Wort fällt. Auch ist seinerseits eine deutliche Gewaltneigung erkennbar, die in seiner folgenden Arie ihren Höhepunkt findet:

„Erst geköpft, dann gehangen,

dann gespießt auf heiße Stangen;

dann verbrannt, dann gebunden,

dann getaucht, zuletzt geschunden.“[1]

Hier bezieht sich Osmin auf das vorangegangene Gespräch mit Belmonte, der sich nach Pedrillo erkundigt und so Osmins Wut schürrt. Dieser durchschaut Belmontes Absicht, Konstanze zu befreien und somit auch Blonde, die er für sich beanspruchen will. In dieser Arie betont Osmin auch ausdrücklich seine Intelligenz, die es ihm ermöglicht Belmontes Absichten leicht zu durchschauen:

„ Mich zu hintergehen,

Müsst ihr früh aufstehen,

Ich hab´ auch Verstand.“[2]

Osmin scheint es sehr wichtig zu sein zu betonen, dass es ihm nicht an Verstand fehlt und er nicht leicht herein zu legen ist. Belmonte und Pedrillo gegenüber ist er sehr skeptisch, deshalb ist er auch vorsichtig als Pedrillo ihm vom Wein anbietet. Doch bemerkt er nicht den Betrug und trinkt von dem mit Schlafmittel versetzten Wein.

Sein Zorn und seine Gewaltbereitschaft lassen ihn sehr dominierend wirken und gleichzeitig aber auch unberechenbar, da er sehr cholerisch ist und sehr unbeherrscht und da es den Menschen, die seinen Zorn auf sich ziehen, nicht zwangsläufig bewusst ist, welches Maß seine Wut erreicht hat. Seine Arie mit der deutlichen Tötungsabsicht beispielsweise, ist ein Monolog und wird von Belmonte, Konstanze, Blonde und Pedrillo nicht gehört. Es bleibt so den außenstehenden Zuschauern vorbehalten den Überblick zu behalten. Diese Gewaltbereitschaft kann auch als Sadismus gewertet werden, der sich zirkulär durch das Singspiel zieht, da er am Anfang und auch am Ende des Singspiels zu finden ist. Am Ende als Bassa Selim Konstanze, Belmonte, Blonde und Pedrillo begnadigt hat, beharrt Osmin wütend auf seiner Meinung und wiederholt seine Tötungsabsicht.

In „Wer ein Mädchen hat gefunden“ plädierte Osmin zunächst noch dafür „ihr (der Frau) all das Leben süsse“[3] zu machen, doch sie stets zu bewachen, da sie nicht treu bleiben kann. Deutlicher wird er in seinem Gespräch mit Blonde. Diese macht anfangs deutlich, wie sie sich das Verhalten der Männer vorstellt:

„Durch Zärtlichkeit und Schmeicheln,

Gefälligkeit und Scherzen

Erobert man die Herzen

Der guten Mädchen leicht.

Doch mürrisches Befehlen,

Und Poltern, Zanken, Plagen

Macht, dass in wenig Tagen

[...]


[1] Batista (2003) N.3 Arie

[2] Batista N. 3

[3] Batista N.2 Lied und Duett

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Mohr im Singspiel. Komik, Exotismus, Macht am Beispiel des Osmins aus „Die Entführung aus dem Serail“ und Monostatos aus „Die Zauberflöte“
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Musikwissenschaftliches Seminar)
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V279106
ISBN (eBook)
9783656719595
ISBN (Buch)
9783656719588
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mohr, singspiel, komik, exotismus, macht, beispiel, osmins, entführung, serail, monostatos, zauberflöte
Arbeit zitieren
Jennifer Böker (Autor), 2013, Der Mohr im Singspiel. Komik, Exotismus, Macht am Beispiel des Osmins aus „Die Entführung aus dem Serail“ und Monostatos aus „Die Zauberflöte“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279106

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Mohr im Singspiel. Komik, Exotismus, Macht am Beispiel des Osmins aus „Die Entführung aus dem Serail“ und Monostatos aus „Die Zauberflöte“



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden