In dem Modul wird ein Überblick über den Themenbereich Governance gegeben. Ziel ist es, die Studierenden mit den Problemstellungen, die Governance impliziert, sowie mit den unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Definitionen vertraut zu machen. Ferner sollen erste Einblicke in Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Governance-Diskussion in unterschiedlichen Disziplinen und Praxisfeldern dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
Governance-Analyse
Deskriptiver Begriff
Normativer Begriff
Praktisches Konzept
Analytischer Gebrauch
Governance-Modi: Mechanismen und Formen
Formen
Mechanismen
Governance-Modi
Hierarchie
Netzwerk
Verhandlung
Wettbewerb
Markt
Politischer Wettbewerb
Gemeinschaft
Mixed modes of governance
Störungen
Governance-Dynamik
Endogene Dynamik
Exogene Dynamik
Hierarchie
Erscheinungsformen
Hierarchie als Governance-Form
Hierarchie und Demokratie
Kontrolle der Verwaltung
Grenzen des Hierarchieprinzips
Hierarchie im Verhältnis von Staat und Gesellschaft
Schatten der Hierarchie
Hierarchie und Governance
Fazit
Netzwerke
Markt und Tausch
Vorteil von Hierarchie
Vorteil von Netzwerken
Merkmal Vertrauen
Netzwerkeffekte im Markt
Netzwerkeffekte in Hierarchien
Netzwerke in Interorganisationsbeziehungen
Ursachen und Wirkungen von Netzwerkeffekten
Soziales Kapital
Fazit
Verhandlungen
Verhandlungstheorien
Normen
Gruppenbindungen
Politikwissenschaftliche Verhandlungstheorien
Normative Theorien
Verhandlungsbereitschaft
Drohpunkt
Dilemmasituation
Verhandlungsmechanismus
Verhandlungsmodi
Dynamik des Verhandlungsprozesses
Regressive Entwicklung
Verhandlungsstrukturen
Verhandlungen durch Vertreter
Dilemma: Taktische Spiele von Vertretern
Verhandlungen in Governance-Regimen
Politischer Wettbewerb
Besonderheit
Formen des politischen Wettbewerbs
Wettbewerb um Ämter, Parteienwettbewerb
Unterschied zum Markt
Leistungen und Grenzen
Steuerwettbewerb
Funktion des Steuerwettbewerbs
Regulierungswettbewerb
Anbieterwettbewerb
Leistungswettbewerb (Qualität der Politikergebnisse)
Systemwettbewerb
Probleme von Systemwettbewerb
Voraussetzungen und Folgen des Wettbewerbs
Markt
Markttausch als Transaktionstypus
Gabentausch
Institutionelle Regulierung
Theorie des Marktes
Idealmodell des „vollkommenen Marktes“
Liberale Wettbewerbstheorie
Kapitalismus
Transaktionskostenökonomik
Realgeschichte des Markttausches
Marktregulierung im modernen Staat
Theorie der Marktregulierung
Grenzenlose Markterweiterung?
Folge: Zunehmende staatliche Regulierung
Ausweitung des Marktes auf Sektoren
Varianten des Kapitalismus
Offene Fragen
Gemeinschaft
Wandel bei Begriffsveränderung
Soziale Ordnung der Gemeinschaft
Merkmale von Gemeinschaften
Überlagerung von Gemeinschaften
Ordnungsleistung
Institutionalismus und institutioneller Wandel
Institutionengestaltung und Institutionendynamiken
Eigendynamik und Gestaltung von Institutionen
Soziologischer Neoinstitutionalismus
Mechanismen der Institutionendynamik
Institutionenökonomik
Principal-agent-Theorie
Property-rights-Ansatz
Rational-Choice-Institutionalismus
Interessenkonflikte zwischen Akteuren mit drei Abstufungen der Konflikthaltigkeit
Konfliktbewältigung durch Institutionen
Institutionen werden, ob intentional oder transintentional, produziert und reproduziert, weil sie wiederkehrende Probleme der Interdependenzbewältigung lösen helfen
Historischer Institutionalismus
Akteurzentrierter Institutionalismus
Fazit
Pfadabhängigkeit
Phänomen der pfadabhängigen Ausbreitung einer Technologie (Polya-Urnen-Modell)
Mechanismen
Sozialwissenschaftliche Erweiterung des Konzeptes
Prozessen der Selbstverstärkung
Typologie pfadabhängiger Erklärungen institutioneller Reproduktion
Entwicklungssequenz
Reaktive Sequenzen
Wert- oder Leitvorstellungen
Kritik der Pfadabhängigkeit
Möglichkeit des Wandels
Arten von Wandel
Pfadkreation
Fazit
Policy-Transfer und Policy-Diffusion
Policy-Diffusion
Policy-Transfer
Policy-Konvergenz
Unterschiedliche Grade von Transfer
Mechanismen des Transfers
Zwang in Hierarchien
Wettbewerb
Verhandlungen
Deliberation
Policy-Shopping
Kombinationen von Mechanismen
Endogene Bedingungsfaktoren
Exogene Bedingungsfaktoren
Transfer agents
Transferobjekt
Fazit
Governance und Wandel des Staates
Merkmale des Nationalstaats als institutionalisierte Herrschaftsordnung
Governance im Staat
Grenzprobleme des Staates
Governance der Demokratie
Politischer Wettbewerb
Verhandlungssysteme
Verhandlungen zwischen Regierung und Interessengruppen
Verhandlungen im Schatten der Hierarchie
Wandel demokratischer Governance
Governance in der Bürokratie
New Public Management
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Governance-Analyse als theoretischen Rahmen zur Untersuchung moderner Koordinationsformen in Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu systematisieren und deren Dynamiken im Kontext staatlicher Transformation zu durchleuchten.
- Grundlegende Definition und analytische Verwendung des Governance-Begriffs
- Systematik der Koordinationsmodi: Hierarchie, Markt, Netzwerk, Verhandlung, Wettbewerb und Gemeinschaft
- Mechanismen des institutionellen Wandels, insbesondere Pfadabhängigkeit und Policy-Transfer
- Transformation staatlicher Herrschaftsordnungen durch nicht-hierarchische Steuerung und Koordinationsprobleme
Auszug aus dem Buch
Governance-Modi: Mechanismen und Formen
Formen
• Strukturen der Interaktion (geprägt durch dauerhaftes Zusammenwirken, durch formale Regeln institutionalisiert)
• Betreffen Interaktionen zwischen Akteuren und ihre kausale Verknüpfung zu kollektiven Handlungen und Entscheidungen
Mechanismen
• Prozessverläufe, die sich kausal im Rahmen dieser Formen ergeben
• Strukturen, Machtverteilung und formalen und informellen Regeln, die Handlungen und Interaktionen beeinflussen
Funktionsweise und Dynamik von Governance ergibt sich aus dem Zusammenwirken von Mechanismen und Strukturen
Elementare Mechanismen
• Handlungskoordinierung erfolgt
o über Anpassung auf der Grundlage von Beobachtung
o durch Einfluss auf der Grundlage von Kommunikation oder Interdependenzen
o durch Vereinbarungen auf der Basis von Verhandeln
• Anpassung und Einfluss können ein- oder wechselseitig erfolgen (Governance beruht auf Interaktionen, deshalb sind wechselseitige Verhaltensänderungen zu erwarten)
• In komplexeren Governance-Formen wirken meist spezifische Kombinationen dieser Mechanismen, wobei in aller Regel jeweils einer dominiert
• Governance bedeutet damit, dass Akteure in verbundenen Strukturen interagieren, in denen verschiedene Koordinationsmodi kombiniert werden
Zusammenfassung der Kapitel
Governance-Analyse: Dieser Abschnitt führt den Governance-Begriff ein und differenziert ihn in deskriptive, normative und analytische Bedeutungsebenen, während er die grundlegende Funktionsweise durch das Zusammenwirken von Strukturen und Mechanismen erläutert.
Governance-Modi: Hier werden die zentralen Koordinationsweisen wie Hierarchie, Markt, Netzwerk, Verhandlung, Wettbewerb und Gemeinschaft detailliert beschrieben und ihre spezifischen Mechanismen sowie Vor- und Nachteile gegenübergestellt.
Wettbewerb: Das Kapitel analysiert Wettbewerb als Koordinationsmechanismus, der Akteure zu wechselseitiger Anpassung veranlasst, und unterscheidet dabei zwischen ökonomischen Märkten, politischem Wettbewerb und Leistungswettbewerben.
Markt: Hier werden die Voraussetzungen für Markttausch, das Idealmodell des vollkommenen Marktes sowie theoretische Ansätze zur Marktregulierung und die damit verbundenen staatlichen Eingriffe diskutiert.
Gemeinschaft: Dieser Abschnitt betrachtet Gemeinschaften als auf Normen und kollektiver Identität beruhende soziale Ordnungen, die zwar effektiv koordinieren, aber schwer gestaltbar und veränderbar sind.
Institutionalismus und institutioneller Wandel: Das Kapitel widmet sich der Dynamik von Institutionen, wobei Konzepte wie der soziologische Neoinstitutionalismus und verschiedene Rational-Choice-Ansätze zur Interdependenzbewältigung erklärt werden.
Pfadabhängigkeit: Hier wird untersucht, wie vergangene Ereignisse und Entscheidungen zukünftige Entwicklungspfade determinieren und warum ineffiziente Standards dennoch bestehen bleiben können.
Policy-Transfer und Policy-Diffusion: Dieser Teil analysiert die Prozesse der Verbreitung und des Imports politischer Innovationen zwischen verschiedenen Systemen sowie die Rolle von Change Agents und Transferobjekten.
Governance und Wandel des Staates: Das Schlusskapitel betrachtet die Transformation des Nationalstaates durch neue Interaktionsformen und diskutiert, ob Governance zu einer Zerfaserung oder zu einer notwendigen funktionalen Anpassung staatlicher Herrschaft führt.
Schlüsselwörter
Governance, Institutionen, Koordination, Hierarchie, Netzwerk, Verhandlung, Wettbewerb, Markt, Pfadabhängigkeit, Policy-Transfer, Staat, Interdependenz, Institutioneller Wandel, Transformation, Kollektives Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Analyse von Governance als theoretischem Konzept, um zu verstehen, wie kollektives Handeln in modernen Gesellschaften koordiniert wird, wenn traditionelle staatliche Steuerung nicht mehr ausreicht.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die verschiedenen Koordinationsmodi (Hierarchie, Markt, Netzwerk, etc.), Theorien zum institutionellen Wandel sowie die Transformation von Staatlichkeit durch neue Interaktionsformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Vielfalt der Governance-Formen zu systematisieren und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Mechanismen zur Bewältigung von Interdependenzproblemen zwischen Akteuren beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine analytische Governance-Perspektive, die durch institutionentheoretische Ansätze und Konzepte der Policy-Forschung ergänzt wird, um komplexe Interaktionsgefüge zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erarbeitet detailliert die einzelnen Governance-Modi, die Mechanismen der Pfadabhängigkeit und des Policy-Transfers sowie deren Anwendung auf moderne politische und ökonomische Systeme.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Governance, Koordination, Pfadabhängigkeit, Institutionen, Interdependenz und der Wandel staatlicher Steuerungsformen.
Wie unterscheidet sich die Hierarchie von anderen Koordinationsmodi?
Hierarchie zeichnet sich durch formale Regeln, asymmetrische Machtverteilung und Weisungsbefugnisse aus, während andere Modi wie Netzwerke auf Vertrauen oder der Markt auf Preismechanismen basieren.
Warum ist das Konzept der Pfadabhängigkeit für Governance wichtig?
Es erklärt, warum Institutionen und Technologien oft veränderungsresistent sind und warum politische Entscheidungen nicht rein ökonomisch-effizient, sondern in historisch kontingente Pfade eingebettet sind.
Welche Rolle spielt Vertrauen in Netzwerken?
Vertrauen dient in Netzwerken als entscheidender Governance-Mechanismus, der Kooperation ohne formale Zwangsmittel ermöglicht und Informationsprobleme reduzieren kann.
Führt Governance zwangsläufig zur Schwächung des Nationalstaates?
Nein, die Governance-Forschung zeigt, dass der Staat lediglich seine Funktionsweisen anpasst und neue Interaktionsformen nutzt, anstatt seine Herrschaftsform vollständig aufzugeben.
- Arbeit zitieren
- Michaela Sankowsky (Autor:in), 2011, Grundlagen der Governance-Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279183