Der Kurs „Good Governance“ vertieft das entwicklungstheoretische Thema, indem er zunächst das Leitbild der Entwicklung aus der Perspektive unterschiedlicher Entwicklungsträger vorstellt. In der Diskussion von Ursachen fehlgeschlagener Entwicklung und Lösungsperspektive unterstreicht dieser Ansatz die zentrale Rolle politischer Steuerung. Der Beitrag von Bad Governance als Ausdruck von Korruption, Klientelismus und Misswirtschaft zu Entwicklungsstörungen wird dabei ebenso verdeutlicht wie das Potential von Good Governance gebündelt in der Vorstellung von Rechtsstaat und Partizipation zu deren Lösung. Verschiedene Beiträge in diesem Reader untersuchen daher die Möglichkeiten Good Governance zu fördern.
Ausführliche Zusammenfassung ohne Literaturverzeichnis.
Inhaltsverzeichnis
I Konzepte von Good Governance
Adam, Markus: Die Enstehung des Governance-Konzepts bei Weltbank und UN. Die EZ wird politischer
Governance-Begriff der Weltbank
Vier Bereiche von Governance (Good Governance-Begriff der Weltbank)
Definition Governance der Weltbank
Governance-Begriff bei UNDP und OECD
UNDP unterscheidet vier Typen von Governance
Ein neues Leitbild
International Monetary Fund: Good Governance. The IMF’s Role
Richtlinien des IWF
Orientierung für IMF-Beteiligung
Kriterien für IWF-Beteiligung
UNDP: Reconceptualising Governance
Was ist nachhaltige Entwicklung?
Definition Governance
Drei Typen von Governance
Ziele von Governance
Wie hängt Governance und nachhaltige Entwicklung zusammen?
Was ist Good Governance?
Bereiche von Governance und deren Bedeutung für nachhaltige Entwicklung
BMZ: Förderung von Good Governance in der deutschen Entwicklungspolitik
Gestaltungsprinzipen bei Förderung von Good Governance
Warum fördert BMZ Good Governance?
Verständnis von Good Governance
BMZ-Kriterienkatalog für Bewertung der Entwicklungsorientierung
Ziele der deutschen Entwicklungspolitik
Bezüge zu internationalen Abkommen und europäischer Entwicklungspolitik
Gestaltungsprinzipien für die Förderung von Good Governance
Handlungsebenen
Pflichtentrias: Achtung, Schutz und Gewährleistung aller Menschenrechte
Demokratie
Rechtsstaatlichkeit
Medien
Gleichberechtigung der Geschlechter
Verwaltungsreform
Dezentralisierung
Good Financial Governance
Korruptionsbekämpfung
Transparenz im Rohstoffsektor
Strategische Zusammenarbeit mit multilateralen Organisationen und der EU
Wirkungsprüfung und Erfolgskontrolle
Ausblick
EU: Die Governance im Rahmen des Europäischen Konsenses über die Entwicklungspolitik
VERSTÄRKTES UND INNOVATIVES KONZEPT FÜR DEMOKRATISCHE GOVERNANCE
Die vielen Facetten der Governance
Governance-Initiative: Die AKP-Länder und die Strategie für Afrika
Dialog und Programme im Rahmen der Zusammenarbeit mit anderen Ländern und Regionen
Schlussfolgerung
Diskussion des Konzeptes: Conzelmann: Auf der Suche nach einem Phänomen. Good Governance in der EU-Politk
Good Governance in der Weltbank und im DAC
Diskussion um „Good Governance“ in der EU
Durchsetzungsmechanismen
Bewertung
II Folgen von Good Governance
Faust, Jörg: Mancur Olson (1932-1998) Warum sind manche Länder arm und andere reich? Rolle von Institutionen und Good Governance
I. Leben
II. Werk: Die Rolle von Interessengruppen
Aufstieg und Niedergang von Nationen
Die Rolle der Institutionen
III. Wirkung
Nanda, Ved P.: The „Good Governance“ Concept Revisited
Weltbank und Good Governance
IWF und Good Governance
USA und Good Governance
Fazit
Kaufmann, Daniel: 10 Myth about Governance and Corruption
III Förderung von Good Governance: Instrumente, Erfolg und Misserfolg
Stephan Knack: Aid Dependence and the Quality of Governance: A Cross-Country Empirical Analysis
Wie externe Hilfe Governance beeinflussen kann
Daten zu externer Hilfe und Qualität von Governance
Auswirkung von Politik
Wright, Joseph (2009): How Foreign Aid Can Foster Democratization in Authoritarian Regimes
Grävingholt, Jörn et al. (2009): Demokratieförderung: Quo vadis?
GTZ: Staatsentwicklung im Kontext fragiler Staatlichkeit und schlechter Regierungsführung. Lernerfahrungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
EU: Abkommen von Contonou
Taylor, Ian: Governance and the Relations between the European Union and Africa: The Case of NEPAD
NEPADs Inhalte
IV Messung von Governance
Kaufmann, Daniel et al.: Governance Matters VIII. Aggregate and Individual Governance Indicators 1996-2008
Methodik und Datenquellen für 2008
Governance-Bewertung 1996-2008
Langbein, Laura and Stephan Knack: The Worldwide Governance Indicators and Tautology: Causally Related Seperable Concepts, Indicators of a Common Cause or Both?
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept von „Good Governance“ im Kontext der internationalen Entwicklungspolitik, insbesondere mit Fokus auf die Strategien der Weltbank, des IWF, der UNDP sowie der deutschen und europäischen Entwicklungszusammenarbeit. Ziel der Untersuchung ist es, das Verständnis von Governance-Strukturen, deren Einfluss auf wirtschaftliches Wachstum und demokratische Prozesse sowie die methodischen Herausforderungen bei deren Messung und Implementierung kritisch zu beleuchten.
- Theoretische Grundlagen und Genese des Governance-Begriffs in internationalen Organisationen
- Die Rolle von Institutionen und Interessengruppen für nachhaltige Entwicklung
- Governance-Förderung in fragilen Staaten und unter autoritären Regimes
- Methodische Ansätze zur Messung von Governance und die Kritik an Governance-Indikatoren
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Institutionen
Zentrale These: In allen politischen Systemen gibt es Versuche des Rentseeking. Ob sich diese durchsetzen, hänge entscheidend von politischen Spielregeln, den Institutionen des politischen Systems, ab. Zentrale Frage der gegenwärtigen Good-governance-Diskussion: Welches sind die geeigneten Spielregeln einer Gesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher Entwicklung?
Autokratien können über gewissen Zeitraum zwar beachtliche Wachstumsraten erzielen, langfristig sind Autokratien jedoch den liberalen Demokratien aus vier Gründen unterlegen: Rechtssicherheit in Autokratie ist begrenzt auf Verhältnis zwischen Bürgern, gilt aber nicht zwischen Bürgern und Staat. Durch Möglichkeit der willkürlichen Änderung politischer Spielregeln ist Erwartungssicherheit der Bürger geringer als in liberaler Demokratie – dort sind Eingriffsrechte der Regierenden an Gesetz gebunden und werden von unabhängiger Gerichtsbarkeit überwacht. Verschärft wird Problem der Unsicherheit in Autokratien durch schwer zu regelnde Nachfolgefrage: Werden nach Abgang des Herrschers noch die gleichen Spielregeln gelten? Autokratische Gesellschaften sind gespalten in herrschende Verteilungskoalition und Bürger, denen nicht das gleiche Maß an Rechten zusteht. Verteilungsdisparitäten, die besonders häufig in Autokratien anzutreffen sind, beruhen darauf, dass Autokrat und seine staatlichen und gesellschaftlichen "Partner" über nicht reguliertes Monopol politischer Herrschaft verfügen.
Zusammenfassung der Kapitel
I Konzepte von Good Governance: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung und Definition des Governance-Begriffs bei internationalen Organisationen wie der Weltbank, dem IWF, dem UNDP und der EU sowie deren Bedeutung für die Entwicklungszusammenarbeit.
II Folgen von Good Governance: Hier werden die theoretischen Überlegungen von Mancur Olson zur Rolle von Institutionen und Interessengruppen dargestellt und deren Bedeutung für das wirtschaftliche und politische Schicksal von Nationen diskutiert.
III Förderung von Good Governance: Instrumente, Erfolg und Misserfolg: Dieser Abschnitt analysiert die Wirksamkeit der externen Hilfe, die Demokratieförderung in verschiedenen politischen Kontexten sowie konkrete Lernerfahrungen aus der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in fragilen Staaten.
IV Messung von Governance: Das abschließende Kapitel befasst sich mit den methodischen Grundlagen der Messung von Governance, insbesondere den Worldwide Governance Indicators (WGI), und der wissenschaftlichen Kritik an deren Aussagekraft und möglichen tautologischen Zusammenhängen.
Schlüsselwörter
Good Governance, Entwicklungspolitik, Institutionenökonomik, Demokratieförderung, Weltbank, IWF, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Rentseeking, Nachhaltige Entwicklung, Governance-Indikatoren, Fragile Staaten, Politische Partizipation, Korruptionsbekämpfung, Entwicklungszusammenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine umfassende Analyse des „Good Governance“-Konzepts in der internationalen Entwicklungspolitik, von den theoretischen Anfängen bis zur praktischen Anwendung durch verschiedene Geberorganisationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Definition von Governance, der Zusammenhang zwischen Regierungsführung und wirtschaftlichem Erfolg, die Rolle der Institutionen sowie die Demokratieförderung in unterschiedlichen politischen Systemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, das Konzept Good Governance kritisch zu hinterfragen, dessen inhaltliche Unbestimmtheit aufzuzeigen und die Herausforderungen bei der Operationalisierung in der Entwicklungszusammenarbeit zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur, die Analyse von Konzeptpapieren internationaler Organisationen sowie die Auswertung von empirischen Studien und Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der verschiedenen Governance-Konzepte, eine Diskussion der institutionellen Auswirkungen, eine Bewertung der Förderinstrumente und eine kritische Auseinandersetzung mit der Governance-Messung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Good Governance, Institutionen, Demokratieförderung, Entwicklungszusammenarbeit und Korruptionsbekämpfung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich das Verständnis von Governance zwischen Weltbank und OECD/DAC?
Während die Weltbank eher einen ökonomisch-technischen Fokus auf effizientes Management und makroökonomische Stabilität legt, verfolgt die OECD/DAC einen breiteren Ansatz, der explizit politische Strukturen, Demokratie und die Zivilgesellschaft einbezieht.
Warum ist die Messung von Governance mittels Indikatoren umstritten?
Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Breite der Konzepte, die Gefahr der Tautologie bei der Konstruktion der Indizes sowie die inhaltliche Überlappung der Variablen, die eine objektive Abgrenzung einzelner Governance-Aspekte erschwert.
- Citation du texte
- Michaela Sankowsky (Auteur), 2012, Good Governance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279194