L-M4: Bildungssysteme und Bildungsentwicklung in Deutschland

Klausurvorbereitung in Stichpunkten


Prüfungsvorbereitung, 2014

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

L-M4: Bildungssysteme und Bildungsentwicklung in Deutschland

1. Charakteristische Annahmen zur deutschen Bildungsgeschichte (FALSCHE ANNAHMEN!!):

1. Institutionalisierung (Errichtung) „von unten nach oben“ – von der Elementar- zur höheren Bildung
2. Der Staat als Träger und Initiator von Bildung/Bildungseinrichtungen
3. Mit der Einführung von Schulen existiert auch die Schulpflicht
4. Die Muttersprache ist das Medium des Unterrichts

2. Charakteristische Annahmen zur deutschen Bildungsgeschichte (TATSÄCHLICHE ANNAHMEN!!):

1. Umgekehrte Errichtung („von oben nach unten“): Die Vorläufer der Gymnasien und der Universitäten als älteste „Schicht“, die Grundschule als eine der jüngeren Institutionen - der Umfang unseres Schulsystems wird wegen der demokratischen Entwicklung abnehmen (es gibt immer mehr weniger Kinder), dafür wird es mehr Angebote im Hinblick auf die Weiterbildungen und nachberufliche Bildungen geben, da es immer mehr ältere Menschen gibt

2. Die Kirche als Träger von Bildung, staatliche Einrichtungen im Wesentlichen erst seit der Reformation

3. Normierung der Schul- bzw. Unterrichtspflicht im 18. Jahrhundert, die Realisierung ist gegen Ende des 19. Jahrhunderts abgeschlossen

4. Dominanz der lateinischen Sprache

- (es ging lange nur um Latein und nicht um deutsch)

3. Die Entstehung der organisierten Unterweisung in der Antike

1. In früheren Kulturen vollziehen sich Erziehung und Lernen ohne besondere Veranstaltungen (Institutionen oder Organisationen) als Bestandteil der alltäglichen Lebenswelt
2. Organisierte Unterweisung entsteht vor allem dort wo es um die Schulung oder um die Ausbildung spezialisierter Kompetenzen (Lesen und Schreiben) geht oder um den Zugang zu spezialisierten Wissensfeldern (Philosophie, Religion, Astronomie)
3. Aufgrund dessen finden sich in antiken Hochkulturen viele Beispiele für solche Formen – in der Regel im Zusammenhang mit der Existenz einer Schriftkultur.
4. Alle diese Einrichtungen haben einen kleinen Adressatenkreis, dadurch entstehen bereits früh ein gefährliches doppeltes Problem was noch heute existiert: Schulbesuch als Privileg und Privilegierung durch Schulbesuch

4. Ursprünge des Begriffs „Gymnasiums“

1. Der Begriff des Gymnasiums taucht erstmalig im 6. Jahrhundert vor Christus in Griechenland auf, später auch im römischen Reich

2. Ursprünglich handelte es sich bei dem Begriff Gymnasium um Sportstätten und Sportschulen. Körperliche Ertüchtigung hatte eine herausragende kulturelle Bedeutung

3. Etwa seit dem 2. Jahrhundert vor Christus bezeichnete der Begriff auf Einrichtungen intellektuell-ästhetischer Bildung (z.B.: Philosophenschulen, Sprachschulen oder Rethorikschulen)

. Es gab zu dieser Zeit bereits erste Ansätze einer Stufung des Lernens – aber nicht im modernen Sinne. Die Stufen waren Folgende:

- Elementarunterricht
- Grammatik/Rethorikunterricht
- Akademien (Platons Philosophenschule)

5. Auch erst die Vorstellungen eines Lehrplans oder eines Fächernkanons (septem artes liberales = 7 freie Fächer/Disziplinen) (es ist das Grundgerüst des Lehrplans) tauchen schon in der Antike auf. Obwohl es unterschiedliche Entwürfe gab, war der Kanon schon früh relativ prominent.

- (alles basiert auf Abschlüssen, Zertifikaten, Berechtigungen, etc.)
- der Fächerkanon ist die Grundbildung des freien Staatsbürgers

(Unterschied Curriculum und Lehrplan:Daneben gibt es in einigen Bundesländern auch die Bezeichnungen Rahmenplan oder Rahmenlehrplan. Sie betonen stärker die Planungsfreiheiten der Lehrkräfte im Rahmen des Plans. Ein Curriculum umfasst darüber hinaus das ganze Konzept der Lehr- und Erziehungsmethoden und -zielsetzungen einer Bildungseinrichtung. )

6. Der Kanon wird in zwei Stufen geteilt (septem artes liberales:

- einem trivium (Grammatik, Rethorik und Dialektik)
- und einem quadrivium (Arithmetik (Rechnen mit Zahlen), Astronomie,
Geometrie und Musik)

7. Aber: In der Antike gab es weder eine systematische Schulpolitik noch eine Flächendeckende Versorgung mit Bildungseinrichtungen

5. Bedeutung des Christentums für die okzidentale (westlich/abendländisch) Bildungsentwicklung

1. Das Christentum hatte einen großen Einfluss auf die okzidentale Bildungsentwicklung
2. Eine der Besonderheiten des Christentums ist seine Überlieferung/Weitergabe als Buchreligion
3. Der christliche Einfluss auf die Entwicklung des Lehrens und Lernens hat die antiken Bildungstraditionen aufgenommen
4. Mit der in die lateinische Sprache übersetzten Bibel wird die Beherrschung der lateinischen Sprache als Grundlage des Christentums zur europäischen Bildungssprache. Das Erlernen der lateinischen Sprache wird somit zum Zentrum des Lehrens und Lernens

6. Anfänge organisierter Unterweisung im deutschen Sprach- und Kulturraum im 8. Jahrhundert (Karolingerzeit) à Beginn der Strukturierung der Bildung (Organisation im Gymnasium und Schule im Allgemeinen)

1. Übergang zur Ausbildung einer Schriftkultur als Teil der Christianisierung (Buchreligion lateinische Bibel)
2. Erfordernis einer kleinen Bildungselite schriftkundiger Experten (Lesefähigkeit und Schreibfähigkeit) à z.B. Lehrer
3. Erste Schulen/Unterrichtseinrichtungen entstehen als Teil dieses allmählichen Übergangs bzw. Aufkommens einer Schriftkultur
4. Der Klerus (Gesamtheit der Angehörigen eines geistlichen Standes; „Alle Menschen, die in der Kirche Tätig sind“) insbesondere Mönchstum als Träger der Schriftkultur – keine weltliche Intelligenz
5. Bedeutung der lateinischen Sprache als Kirchen-, Amts- und Wissenschaftssprache, Latein (nicht die Muttersprache) als Kommunikationsmedium der christlichen Kultur
6. Sprachbeherrschung als soziales Unterscheidungsmerkmal zwischen Laien und Klerus
7. Frühere Bildungseinrichtungen als Veranstaltungen für die Ausbildung des Klerikernachwuchses, nicht für ein Laienpublikum und auch nicht für dean Adel

7. Bildungseinrichtungen in Deutschland in der Zeit des Mittelalters entwickeln sich in 4 Schichten

1. Schicht: Kloster- und Domschulen (= kirchliche Lateinschulen): Klosterschulen gibt es seit dem 8. Jahrhundert und Domschulen gibt es später

2. Schicht: Universitäten bzw. Einrichtungen zum Studieren: gibt es in Deutschland seitdem 14. Jahrhundert und in Europa seit dem 12. Jahrhundert

- früher wurde das Studium über die Kompetenzen beurteilt, heute über
den Titel (den Erwerb von Titeln), es war unklar welche Kompetenzen
die Person überhaupt hatte
- Baccalarius = Bachelor und war früher Geselle
- Magister = Master und war früher Meister

3. Schicht: Trivial-, Rats-, Pfarr- oder Stadtschulen: Stadtschulen (städtische lateinschulen) existieren seit dem 13. Jahrhundert. Sie werden auch Partikularschulen genannt

- es gingen nur Minderheiten zur Schule, die Kirche spielte eine
wichtige Roll

4. Schicht: Deutsche Schreib- und Rechenschulen: es gibt sie seit dem 15. Jahrhundert (nicht so wichtig) à die ersten drei Schichten verkörpern die lateinische Kultur des Mittelalters (als Kommunikationssprache, nicht nur als Schriftsprache) à in diesen 4 Schichten hat sich das Bildungssystem entwickelt

8. Kloster- und Domschulen

1. Mehrfache Aufforderung zur Gründung von Schulen
2. Kirchliche, keine selbstständigen oder öffentliche Einrichtungen
3. Es gab keine institutionelle Normierung, aufgrund dessen gab es erhebliche regionale Unterschiede und jede Schule war ihr eigener Prototyp
4. Ziel: Die Ausbildung des geistlichen Nachwuchses
5. Ausbildungsziele: Beherrschung der lateinischen Sprache in Wort und Schrift

- Elementarziel: Lesen
- mittleres Ziel: Schreiben
- Advanced-Level: die Auslegung von Texten des Alten und Neuen Testaments der Bibel

6. Vier Unterrichtsstufen:

- Trivium der artes
- Quadrivium der artes
- theologisches Studium
- Einüben der Buchstaben, Lesen, Schreiben, Auswendig lernen, Gesang

7. Lehrbücher

8. Klerus als Träger der Schriftkultur

9. Verhältnis von Universitäten und Lateinschulen im Mittelalter

1. Dominanz der septem artes liberales
2. Geringe curricurale Differenzierung zwischen schulischer Vorbildung und akademischem Studium
3. Strikte rechtliche Trennung zwischen Universitäten (überregionale Einrichtungen mit privilegiertem Status) und Schulen (regionale Einrichtungen ohne Privilegien)

10. Universitäten im Mittelalter

Formen der Universität:

- die ältesten Universitäten wurden nicht gegründet sondern entstanden in einem längeren Bildungs- und Formierungsprozess
- sie entstanden oft aus vorhandenen Schulen heraus
- zwei Universitätstypen waren zu unterscheiden:

1. Universitäten aus Gewohnheit:

- in einem „Akt der Selbsthilfe“ schlossen sich wandernde Gelehrte (Magister) und ihre Schüler zu Korporationen zusammen, um ihren rechtlichen und sozialen Status durch Verhandlungen mit kirchlichen Institutionen zu regeln. Dazu zählten z.B.: Schutzrechte, Privilegien (Aufenthaltsrechte) und Steuern à auf diese Weise formte sich allmählich die Universität als Institution

- Die Bedeutung von Korporationen: Die Entstehung der Universität steht sozial und rechtsgeschichtlich in einer Reihe mit anderen vergleichbaren Formen von Gruppenbildungen im Mittelalter (z.B.: Zünfte) - diese Korporationen bzw. Körperschaften hatten das Recht ihre eigenen Angelegenheiten zu ordnen
à daher resltiert der Ursprung der Vorstellung der Hochschulautonomie, die zunächst keine Lehr-, Lern- oder Forschungsfreiheit meinte, sondern eine korporative Selbstständigkeit

- Name der Universität
- die Universität trug ursprünglich zwei Bezeichnungen:
- Gemeinschaft bzw. Genossenschaft im körperschaftlichem
Sinne
- Universität als Lehranstalt
- Konsequenzen der „Universität als Lehranstalt“:
- Sonderstellung der Universität als Institution einer eigenen Art obwohl die große Mehrzahl ihrer Angehörigen Kleriker waren

2. Gründungsuniversitäten Aufbau der Universität und Studium:

- eine vollständige Universität bestand aus 4 Fakultäten:
- Artistenfakultät als untere Fakultät
- es gab drei obere Fakultäten: Theologie, Jura und Medizin
- Grade:
- Baccalarius (Geselle)
- Magister (Meister)
- doctor
- die Vorlesung war der wichtigste Lehrveranstaltungstyp

[...]

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
L-M4: Bildungssysteme und Bildungsentwicklung in Deutschland
Untertitel
Klausurvorbereitung in Stichpunkten
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Bildungssysteme und Bildungsentwicklung in Deutschland
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V279224
ISBN (eBook)
9783656730019
ISBN (Buch)
9783656730002
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
l-m4, bildungssysteme, bildungsentwicklung, deutschland, klausurvorbereitung, stichpunkten
Arbeit zitieren
Lea Lorena Jerns (Autor), 2014, L-M4: Bildungssysteme und Bildungsentwicklung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279224

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