Das Konzept der Verrechnungspreise basiert auf der Idee, einen Marktmechanismus innerhalb eines Unternehmens zu etablieren und dezentrale Entscheidungen über ein System von Preisen zu steuern (pretiale Lenkung). Im Rahmen der Verrechnungspreisproblematik muss das dezentrale Management über den Verrechnungspreis zu einem im Sinne der Zentrale optimalen Verhalten angehalten werden. Zwar sind Verrechnungspreise bereits seit langem Gegenstand der betriebswirtschaftlichen Diskussion und nach wie vor relevant für das konzerninterne Rechnungswesen, das Dilemma der pretialen Lenkung konnte bis heute nicht gelöst werden. Dieses Dilemma besteht darin, dass geeignete Verrechnungspreise erst dann vorliegen, wenn sie nicht mehr benötigt werden, weil das Entscheidungsproblem schon zentral gelöst worden ist.
Ziel dieser Arbeit ist es, Leitlinien abzuleiten, die bei der praktischen Anwendung von Verrechnungspreisen als mögliche Orientierungshilfe dienen können. Dazu muss zuerst ein grundlegendes Verständnis für Verrechnungspreise im Unternehmen geschaffen werden. Zudem wird der Frage nach dem Verrechnungspreis als geeignetes Koordina-tionsinstrument im Unternehmen nachgegangen. Deshalb wird zunächst der Begriff Verrechnungspreis definiert, charakterisiert und von den Begriffen Transfer- und Lenkpreis abgegrenzt. Darüber hinaus wird der Begriff Verrechnungspreissystem bestimmt. Weiterhin wird näher auf die Funktionen und Ziele von Verrechnungspreisen eingegangen und auf die Zielkonflikte zwischen den Funktionen hingewiesen.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Koordination als interne Funktion und dem Zielkonflikt zwischen Koordinations- und Erfolgsermittlungsfunktion. Mit der Darstellung von dezentralisierten Unternehmen wird die Voraussetzung bzw. Notwendigkeit der Bildung von Verrechnungspreisen verdeutlicht und der Zusammenhang zwischen Organisationsstruktur und Verrechnungspreis dargestellt. Danach werden die betriebswirtschaftlichen Methoden zur Ermittlung von Verrechnungspreisen thematisiert. Die marktorientierten, kostenbasierten und verhandlungsbasierten Verrechnungspreise werden jeweils erklärt, an Praxisbeispielen veranschaulicht und anschließend im Hinblick auf die Koordinationsfunktion kritisch gewürdigt. Schließlich werden Leitlinien anhand von Erkenntnissen der einschlägigen Literatur abgeleitet. Diese werden nach Sicht der Markt- und Unternehmenssituation, der gegebenen Kapazitäten sowie nach geplanten spezifischen Investitionen gegliedert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen von Verrechnungspreisen
2.1 Charakterisierung von Verrechnungspreisen
2.2 Funktionen und Ziele von Verrechnungspreisen
2.3 Zusammenhang zwischen Verrechnungspreissystem und Organisationsstruktur
3 Ansätze zur Ermittlung von Verrechnungspreisen
3.1 Marktorientierte Verrechnungspreise
3.2 Kostenbasierte Verrechnungspreise
3.3 Verhandlungsbasierte Verrechnungspreise
4 Leitlinien zur Bildung von Verrechnungspreisen
4.1 Systematik der Leitlinien
4.2 Leitlinien in Relation zur Marktsituation
4.3 Leitlinien in Bezug zur gegebenen Kapazitätssituation
4.4 Leitlinien aus unternehmensspezifischer Sicht
4.5 Leitlinien bei geplanten spezifischen Investitionen
4.6 Vorgehensweise bei der Anwendung der Leitlinien
5 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit hat das Ziel, Leitlinien für die praktische Anwendung von Verrechnungspreisen abzuleiten, die als Orientierungshilfe in Unternehmen dienen können. Dabei wird untersucht, wie Verrechnungspreise als Instrument der internen Koordination fungieren und wie sie zur Steuerung dezentraler Entscheidungseinheiten beitragen können, um das Gesamtziel des Unternehmens zu unterstützen.
- Grundlagen und Definitionen von Verrechnungspreisen
- Funktionen von Verrechnungspreisen in der internen Steuerung
- Methoden zur Ermittlung von Verrechnungspreisen (markt-, kosten- und verhandlungsbasiert)
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für unterschiedliche Unternehmens- und Marktsituationen
- Einfluss von spezifischen Investitionen auf die Verrechnungspreisgestaltung
Auszug aus dem Buch
3.1 Marktorientierte Verrechnungspreise
Ausgehend von der Idee der Dezentralisation bietet sich die Ermittlung von Verrechnungspreisen auf Grundlage von Marktpreisen an. Folgende Voraussetzungen sollten für die Anwendung dieser Methode gegeben sein:
1. Es existiert ein Markt für das Zwischenprodukt, der sich u. a. durch folgende Eigenschaften auszeichnet: - Die gehandelten Güter sind homogen und substituierbar - Zwischen den Marktteilnehmern bestehen keine Präferenzen - Alle Marktteilnehmer handeln rational im Sinne ihrer Nutzenmaximierung - Alle Marktteilnehmer besitzen vollständige Informationen (Markttransparenz) - Die Marktkapazität ist praktisch unbeschränkt (keine Absatz- bzw. Bezugsbeschränkungen)
2. Die einzelnen Unternehmensbereiche müssen Marktteilnehmer sein, d. h. sie müssen einen unbeschränkten Marktzugang haben.
3. Die Unternehmensbereiche können den Marktpreis nicht beeinflussen, sind also Mengenanpasser.
4. Es gibt einen einheitlichen Marktpreis, der keinen zu hohen Marktschwankungen unterliegt.
Diese Anforderungen sind aus der Theorie als Modellprämissen eines „vollkommenen Marktes“ bekannt und in der Realität streng genommen nie perfekt erfüllt. Auf einem vollkommenen Markt entspricht der Gleichgewichtspreis den Grenzkosten. Zudem sind die einzelnen Unternehmensbereiche indifferent zwischen einem internen und externen Leistungstransfer und es bestehen keine Synergieeffekte, wodurch eine Koordination über den Markt erreicht wird. Ist der Markt annähernd vollkommen, gewährt die Verwendung von Marktpreisen die Autonomie der Unternehmensbereiche und macht die Zurechenbarkeit der Leistungen möglich. Die Profit-Center können dann entscheiden, ob sie ihre Güter im Hinblick auf die größte Gewinnmarge innerhalb des Unternehmens oder auf dem externen Markt kaufen und verkaufen. Dies bietet die Chance, unprofitable Transaktionen zu identifizieren und die gewinnbringendste Unternehmenssparte zu bestimmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Verrechnungspreises ein, erläutert die Bedeutung der pretialen Lenkung und definiert das Ziel der Arbeit, Leitlinien für die Praxis abzuleiten.
2 Grundlagen von Verrechnungspreisen: Dieses Kapitel charakterisiert Verrechnungspreise, erläutert deren Funktionen und Ziele und stellt den engen Zusammenhang zwischen der Ausgestaltung des Verrechnungspreissystems und der Organisationsstruktur des Unternehmens dar.
3 Ansätze zur Ermittlung von Verrechnungspreisen: Es werden die drei betriebswirtschaftlichen Methoden zur Bestimmung von Verrechnungspreisen – markt-, kosten- und verhandlungsbasiert – detailliert erklärt und kritisch gewürdigt.
4 Leitlinien zur Bildung von Verrechnungspreisen: Hier werden basierend auf Literaturerkenntnissen formale Leitlinien für die Anwendung von Verrechnungspreisen in Abhängigkeit von Marktstruktur, Kapazitätssituation, Unternehmensform und Investitionsentscheidungen entwickelt.
5 Zusammenfassung und Fazit: Das Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammen und zieht ein Fazit über die Bedeutung des Verrechnungspreises als Koordinationsinstrument in der modernen Unternehmenssteuerung.
Schlüsselwörter
Verrechnungspreise, Interne Steuerung, Koordination, Pretiale Lenkung, Profit-Center, Marktpreis, Grenzkosten, Vollkosten, Verhandlungsbasierte Verrechnungspreise, Organisationsstruktur, Investitionsanreize, Hold-up-Problem, Unternehmenssteuerung, Ressourcenallokation, Leistungsverrechnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gestaltung von Verrechnungspreisen als Koordinationsinstrument, um dezentrale Entscheidungseinheiten in Unternehmen so zu steuern, dass sie ihr Handeln am Gesamterfolg des Unternehmens ausrichten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Funktionen von Verrechnungspreisen, die verschiedenen Ermittlungsmethoden (markt-, kosten- und verhandlungsbasiert) sowie die Ableitung von Handlungsempfehlungen für unterschiedliche Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Ableitung von Leitlinien für die operative Anwendung von Verrechnungspreisen, die Praktikern als Orientierungshilfe zur Lösung des Koordinationsproblems dienen sollen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender betriebswirtschaftlicher Erkenntnisse und theoretischer Ansätze zur Verrechnungspreisgestaltung, ergänzt durch Praxisbeispiele zur Veranschaulichung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Methoden, eine kritische Diskussion der Stärken und Schwächen der verschiedenen Ansätze und die systematische Entwicklung von Leitlinien für spezifische Unternehmenssituationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Verrechnungspreise, Koordination, Pretiale Lenkung, Profit-Center und Ressourcenallokation beschreiben.
Welche Rolle spielt die Organisationsstruktur bei der Wahl des Verrechnungspreises?
Die Organisationsstruktur ist maßgeblich, da der Grad der Dezentralisation (z.B. Profit-Center-Organisation) und die Entscheidungsautonomie der Manager direkt bestimmen, welche Verrechnungspreismethode geeignet ist, um Anreizkompatibilität zu wahren.
Wie gehen die Leitlinien mit dem Problem spezifischer Investitionen um?
Die Leitlinien berücksichtigen, dass spezifische Investitionen zu Hold-up-Risiken führen können, und schlagen methodische Anpassungen, wie etwa Gewinnaufschläge bei kostenbasierten Preisen oder den Einsatz verhandlungsorientierter Methoden, zur Förderung notwendiger Investitionen vor.
Warum wird im Fazit von einer alleinigen Konzentration auf den Verrechnungspreis abgeraten?
Das Fazit betont, dass der Verrechnungspreis nur ein Teil der instrumentellen Gesamtheit ist; eine alleinige Konzentration greift zu kurz, da die Koordination im Unternehmen auf das Zusammenspiel verschiedener Steuerungsinstrumente angewiesen ist.
- Citar trabajo
- Madeleine Adam (Autor), 2012, Das Dilemma der pretialen Lenkung. Leitlinien zur Ermittlung von Verrechnungspreisen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279247