Diskursanalyse Lehrermangel


Hausarbeit, 2013
12 Seiten, Note: 2,4

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lehrermangel und seine Darstellung in den unterschiedlichen Medien
2.1. Die Welt
2.2. Der Stern
2.3. Die Süddeutsche
2.4. Die Zeit
2.5. Der Focus

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Analyse wird der Diskurs über den "Lehrermangel" genauer in den Blickpunkt genommen. Diverse Redaktionen populärer Zeitungen und Zeitschriften haben sich des Themas angenommen. Allen gemeinsam ist die Ansicht, dass ein Mangel an Lehrkräften vorhanden ist und sich noch verstärken wird. Diese Thematik wird von den Medien jedoch auf unterschiedliche Weise bearbeitet. Auf welche Art und Weise gehen "Die Welt", „Die Süddeutsche Zeitung“, der „Stern", der „Focus" und "Die Zeit" mit diesem Thema um?

2. Lehrermangel und seine Darstellung in den unterschiedlichen Medien

2.1. Die Welt

Der Journalist Thomas Vitzthum hat Geschichte und Politikwissenschaft studiert. Seine Promotion hat er "im Fach Musikwissenschaft über Nationalismus und Internationalismus in der italienischen Musik zwischen 1909 und 1938[1] abgeschlossen. Nach seiner Ausbildung bei der Axel Springer Akademie wurde er Politikredakteur bei "Der Welt". Der Autor ist demnach hochgebildet. Seine Ausrichtung des Studiums ist geisteswissenschaftlich.

Die Welt zählt zu den überregionalen Tageszeitungen in deutscher Sprache. Sie gehört zu der konservativen Axel Springer AG. Sie erscheint von Montag bis Samstag und erreicht eine Menge von ungefähr 0,71 Millionen Lesern. Die Zeitung selbst kann einem konservativen und bürgerlichen Spektrum zugeordnet werden. Betrachtet man die wirtschaftliche Einstellung des Blattes, so kann man diese mit "wirtschaftliberal" beschreiben.[2] Politisch steht die Tageszeitung der CDU/CSU und teilweise der FDP, in wirtschaftspolitischen Fragen, nahe.

Man kann also davon ausgehen, dass der Artikel "Deutschland muss dramatischen Lehrermangel fürchten", geschrieben am 15. Januar 2012, aus einer wirtschaftsnahen oder zumindest konservativen Sichtweise heraus erstellt wurde. Die Adressaten des Artikels werden sich erwartungsgemäß aus gut ausgebildeten Lesern im Alter von 35 und 60 zusammensetzen, denen eine gute Bildung und Ausbildung ihrer Kinder und Enkelkinder am Herzen liegt.

Somit spricht die Überschrift "Deutschland muss dramatischen Lehrermangel fürchten" die Emotionen des Lesers an. Die Worte "Mangel" und "dramatisch" in Kombination sind wohl gewählt. Der Leser nimmt an, dass die Bildungslandschaft und der allgemeine Standard der Bildung in Kürze noch schlechter werden wird.

Das Foto im oberen Teil des Artikel verstärkt den Eindruck des Mangels, da der Lehrer an der hinteren rechte Ecke der Tafel steht, auf der mathematische Formel zu sehen sind. Dies ist meines Erachtens nach eine Anspielung auf den zu erwartenden Mangel in den naturwissenschaftlichen Fächern, der in dem Diskurs über Bildung eine immer größere Rolle spielt.[3]

Ein großer Teil des Artikels beschäftigt sich mit der Überalterung der Lehrer und der Problematik im Osten Deutschlands. Der Artikel zitiert Heinz-Peter Meidinger, den Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes. Er wird zuerst genannt. Der Autor untermauert seine Meinung mit der des Experten.

Dieser meint: " Die Altersstruktur der deutschen Lehrerschaft ein großes Problem."[4]

Direkt danach werden die Fakten genannt:

"Beispielsweise in der Sekundarstufe II und im Gymnasium in den östlichen Bundesländern: Im Jahr 1996 gab es in diesen Schulen 6470 Lehrer unter 40 Jahren. 2010 waren es nur noch 3438. Mitte der Neunziger gab es 3932 Lehrer über 50 Jahre. Heute sind es über 8000 weiß das statistische Bundesamt. Seit 2006 gingen bundesweit jährlich durchschnittlich 19.100 Lehrer in den Ruhestand. Vor 1999 gab es nie mehr als 11.000 Pensionierungen. Fast überall sind die Lehrerkollegien überaltert, je nach Schulart bewegt sich der Durchschnitt meist knapp über oder unter 50"[5]

Die These des Autors ist, dass es bald zu einem deutlich sichtbaren Mangel an Lehrkräften kommen wird, wenn von politischer Seite nicht bald interveniert werde. Der Anlass für den Artikel ist die Berechnung des Bildungsforschers Klaus Klemm. Bis 2020 würden rund 460.000 Lehrer in Rente gehen. Pro Jahr würden aber nicht genug Lehrer eingestellt, um den aktuellen Bedarf zu decken.

"Fast jeder zweite Lehrer in Deutschland ist jenseits der 50 und wird in den kommenden zehn bis 15 Jahren in den Ruhestand gehen. Nach Berechnungen des Bildungswissenschaftlers Klaus Klemm sind dies bis 2020 etwa 460.000 Lehrer. Pro Jahr kommen aber nur 26.000 neue nach."[6]

Nicht alle Fächer werden laut der "Welt" gesucht. Ein Überangebot wird es an Deutschlehrern, aber ein Unterangebot an Pädagogen mit naturwissenschaftlichen Fächern, Latein und Musik geben.

"Schweinezyklen", das heißt Jahre, in denen selbst gut ausgebildete Lehrer keine Chancen hätten, eingestellt zu werden, müssten laut Forscher Meidinger vermieden werden. Die Prognose der Kultusministerkonferenz hat den Lehrerbedarf entgegen der Expertenmeinungen geringer eingeschätzt. Bis 2020 werden 5000 Lehrer weniger benötigt.

Hier wird eine deutliche Kritik an politischen Verhältnissen auf Länderebene deutlich. Eine Vermutung von Meidinger wird genannt: Die Länder hätten kein Interesse daran, den drohenden Mangel zu beheben.[7] Vermutungen über den Grund, wie zum Beispiel ein maroder Haushalt, werden nicht geliefert.

Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Bildung fordert dazu auf, den sogenannten "Schweinezyklus" zu durchbrechen. Nur mit einer ständigen Einstellung von Lehrern könne man eine qualitative Bildung gewährleisten. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Ulrich Thöne nannte den Umstand, dass die Kultusministerkonferenz im Zeitraum von 2003 bis 2007 deutlich weniger Stellen geschaffen habe, als notwendig gewesen wären.[8]

2.2. Der Stern

Der Beitrag der Zeitschrift Stern vom 10. September 2005 bezieht sich auf den oben genannten Artikel. Er hat den Titel "Lehrermangel - Deutschland fehlt der Nachwuchs"[9]. Der Autor des Artikels wird nicht genannt.

Der Stern erscheint einmal in der Woche. Die Zeitschrift erscheint regelmäßig seit 1948 und gehört der Bertelsmann Media Group an. Das Magazin hat eine Auflage von 814.019 Exemplaren und erreicht im Schnitt 7,62 Millionen Leser ab 14 Jahren.[10] Die Sprache des Magazins ist leicht zu lesen. Es richtet sich an ein Publikum, das nicht unbedingt studiert haben muss, sondern sich auch der "Arbeiterklasse" zuordnen kann. Die politische Ausrichtung des Sterns ist mittig, mit einer leichten Tendenz zu linker Politik zu sehen. Dennoch nennt der Artikel den Beitrag der Konkurrenz.

Die Art der Darstellung zeigt den Mangel an Nachwuchs subtil auf. Auf dem Foto, das fast die Hälfte des Beitrags einnimmt, ist eine ältere Lehrerin zu sehen, die eine Klasse Grundschüler unterrichtet. Die Unterzeile lautet "Der Lehrermangel weitet sich auf alle Schularten aus".[11] Im ersten Abschnitt geht der unbekannte Autor auf den Mangel an Lehrern "in etlichen Fächerverbindungen"[12] ein. Spezifische Fächer werden nicht genannt. Auch auf Zahlen und Fakten wird in dem das Thema eher oberflächlich behandelnden Artikel verzichtet.

Im zweiten Teil werden die gesunkenen Anforderungen an Bewerber, die aufgrund der Knappheit an Lehrkräften bestehen, genannt. "Eine feste Stellenzusage habe es zum Teil schon bei einer Staatsexamensnote bis 3,5 gegeben"[13], heißt es in dem Beitrag.

Der Forscher Meidinger wird ebenfalls wieder mit einem Autoritätsargument genannt. Es sei fatal, wenn man die Anforderungen an Lehrer soweit herunter schraube.[14] Die genauen Umstände dieser Entscheidungen werden nicht bekannt, sodass beim Leser der Eindruck entstehen muss, dass die Qualität der Lehrer immer schlechter werde.

[...]


[1] http://www.welt.de/autor/thomas-sebastian-vitzthum

[2] Nicola Pünter: In den Fängen der Ökonomie? Ein kritischer Blick auf die Berichterstattung über Medienunternehmen in der deutschen Tagespresse. Diss. München 2009, Wiesbaden 2010, S. 153

[3] http://www.welt.de/politik/deutschland/article13816489/Deutschland-muss-dramatischen-Lehrermangel-fuerchten.html

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Vgl.: Ebd

[8] http://www.gew.de/GEW_Den_Schweine-Zyklus_durchbrechen.html Pressemitteilung vom 05.03.2009

[9] http://www.stern.de/politik/deutschland/lehrermangel-deutschland-fehlt-der-nachwuchs-545767.html

[10] Vgl. http://daten.ivw.eu/index.php?menuid=1&u=&p=&20132=ON&20131=ON&detail=true&titelnrliste=143;&alle=%5BDetails%5D

[11] http://www.stern.de/politik/deutschland/lehrermangel-deutschland-fehlt-der-nachwuchs-545767.html

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Vgl.ebd.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Diskursanalyse Lehrermangel
Hochschule
Universität zu Köln  (Pädagogisches Seminar)
Veranstaltung
Diskursanalyse
Note
2,4
Autor
Jahr
2013
Seiten
12
Katalognummer
V279352
ISBN (eBook)
9783656733126
ISBN (Buch)
9783656733072
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
diskursanalyse, lehrermangel
Arbeit zitieren
Susanne Heinrichs (Autor), 2013, Diskursanalyse Lehrermangel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279352

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