Die irreparable Mutter-Tochter-Beziehung in den Filmen "Tacones lejanos" und "Herbstsonate" im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Ödipuskomplex und die Mutter-Tochter-Beziehung

3. Analyse Tacones lejanos

4. Analyse Herbstsonate

5. Vergleich Tacones lejanos und Herbstsonate

6. Fazit und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Mutter und Tochter in Pedro Almodóvars Tacones lejanos und Ingmar Bergmans Herbstsonate. Hierbei soll anhand der Analysen zu beiden Filmen und deren Vergleich erarbeitet werden, inwiefern es sich hierbei um eine irreparable Beziehung zwischen den Protagonistinnen handelt.

Dabei soll vorerst auf den positiven und negativen Ödipuskomplex nach Freud und auf die verschiedenen Rollen, die eine Mutter in der Beziehung zu ihrer Tochter einnehmen kann eingegangen werden.

Im Anschluss folgen die Analysen zu Tacones lejanos und Herbstsonate. Neben den Analysen zu den einzelnen Protagnistinnen sollen auch die wichtigsten Aspekte der Mutter-Tochter-Beziehung herausgearbeitet werden. Außerdem soll dargelegt werden welche Art von Mutter Charlotte und Rebeca darstellen.

Im anschließenden Vergleich sollen ebenfalls die Rollen der beiden Töchter Rebeca und Eva und die der beiden Mütter analysiert werden um im Anschluss die Beziehungen zwischen Mutter und Tochter zu vergleichen. Des Weiteren soll dargestellt werden, ob und wieso es sich bei den beschriebenen Mutter-Tochter-Beziehungen um irreparable Beziehungen handelt.

Im Fazit soll zusammenfassend abgehandelt werden was die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Rebeca und Becky und Eva und Charlotte in den Filmen Tacones lejanos und Herbstsonate ausmacht. Anschließend soll ein kurzer Ausblick Aufschluss über die zukünftigen Beziehungen der Protagonistinnen geben.

Abschließend sei gesagt, dass es im Rahmen dieser Hausarbeit nicht möglich war eine komplette Analyse der beiden Filme zu erstellen und aufgrund dessen in der folgenden Arbeit nur die wichtigsten Punkte der Beziehung zwischen Mutter und Tochter abgehandelt werden können.

2. Der Ödipuskomplex und die Mutter-Tochter-Beziehung

Laut Freud beginnt im dritten bis fünften Lebensjahr eines Kindes die phallische oder auch ödipale Phase[1]. Seit seiner Geburt ist die Mutter eine wichtige Bezugsperson des Kindes. Es empfindet im Unbewussten ihr gegenüber ein sexuelles Begehren, welches auf die Triebbefriedigung durch die mütterliche Brust zurückzuführen ist.[2]

Der positive Ödipuskomplex verläuft bei Jungen und Mädchen unterschiedlich. Der Junge kämpft mit dem Vater um die Gunst der Mutter und versucht seinen Platz einzunehmen. Das Kind wünscht sich also unbewusst den Inzest herbei. Nachdem der Junge aber erkennt, dass die Mutter keinen Penis besitzt, kommt er zu dem Schluss sie sei kastriert worden. Aus Angst ihm könne das Selbe widerfahren, verzichtet das Kind auf den Inzestwunsch und erkennt den Vater als Autoritätsperson an, die er nachahmen will. Da der Vater nun als Vorbild dient, mit dem der Junge sich identifiziert, möchte er es dem Vater gleichtun und jemanden wie die eigene Mutter besitzen.[3]

Auch das Mädchen sieht die Mutter als erstes Liebesobjekt. Solange bis es erkennt, dass es kastriert wurde, also keinen Penis besitzt. Dafür macht es die Mutter verantwortlich und „gibt [sie] […] als Liebesobjekt auf“[4]. Wodurch der Vater zum Objekt der sexuellen Begierde wird und es die Mutter gleichzeitig unbewusst rivalisiert.[5] Das Mädchen findet sich damit ab, keinen Penis zu haben und wünscht sich dafür ein Kind von seinen Vater als Penisersatz.[6]

Beim negativen Ödipuskomplex überträgt das Mädchen die sexuelle Begierde auf die Mutter. Diese muss, aufgrund der Abwesenheit des Vaters, auch die väterliche Rolle übernehmen. Die Auflösung dieses Ödipuskomplexes erfolgt dadurch, dass das Kind sich mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil identifiziert. Da das Kind nun das gleiche Geschlecht idealisiert, spricht man hier auch vom homosexuellen Ödipuskomplex.[7]

Dabei spielt es für das Kind eine große Rolle, wie seine Mutter ist. Einer Frau muss sich, wenn sie Mutter wird entscheiden, welche Rolle sie spielen will. Hier hat sie zwei Möglichkeiten. Sie kann entweder Mutter und Frau sein oder Frau und Mutter.[8] D.h. „sie kann sich [entweder] hingebungsvoll den anderen aufopfern oder sich fortwährend dem Programm der eigenen Vervollkommnung widmen.“[9]

Schafft eine solche Mutter es nicht, ihrer Tochter beizubringen sie selbst zu sein, wird die Tochter immer die lebendige Puppe ihrer Mutter bleiben. Das Kind muss sich von seiner Mutter loslösen können, um ein eigenes Selbst zu entwickeln.[10]

Frauen die eher Frau als Mutter sind, widmen sich einer anderen Passion. Das kann ein Mann, ein Beruf oder eine Berufung sein. Töchter dieser Mutter stehen als Ausgeschlossene da, da ihre Mütter ein fehlendes Interesse gegenüber ihren Töchtern zeigen, was fatale Folgen für die Tochter haben kann. Durch die Abwesenheit der Mutter ist es der Tochter nicht möglich Selbstbestätigung und Selbstliebe zu finden. Ihr bleit nichts anderes übrig als die unmögliche Liebe ihren Müttern gegenüber in Hass umzuwandeln.[11]

3. Analyse Tacones lejanos

Im Folgenden soll der Film Tacones lejanos auf die Beziehung zwischen Mutter und Tochter analysiert werden. In diesem Film ist die Beziehung zwischen Mutter und Tochter und vor allem die übermäßige Liebe Rebecas ihrer Mutter gegenüber hervorstechend. Rebeca idealisiert nicht, wie es nach dem Ödipuskomplex sein sollte ihren Vater, sondern die Mutter. Sie sieht in ihrer Mutter ein Vorbild, dass sie versucht nachahmen. Das beginnt schon als sie ein kleines Mädchen ist. So trägt sie z.B. auf der Insel Margarita wie ihre Mutter einen Hut. Außerdem möchte sie die gleichen Ohrringe wie ihre Mutter, um diese gefällig zu stimmen. Sie fragt ihre Mutter beispielsweise: „¿Te gusto?“[12]. Daran ist auch ihre Unsicherheit zu erkennen und dass ihr die Meinung der Mutter wichtig ist. Auch als Erwachsene versucht sie noch immer ihre Mutter alles gleich zu tun. Sie trägt, wie die Mutter, teure Kostüme. Jedoch nicht Armani wie ihre Mutter sondern „nur“ Chanel. Die Imitation der Mutter ist ihr nicht ganz geglückt. Die Mutter ist immer noch erfolgreicher als sie, sie kommt nicht an sie heran. Auch ihre Berufswahl geht auf den Wunsch zurück der Mutter ähnlich zu sein. Zwar ist sie keine Sängerin wie Becky, jedoch aber eine Nachrichtensprecherin im Fernsehen. Beide Berufe haben also etwas mit der Stimme zu tun. Sie hat zwar sicherlich auch einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, aber an den Ruhm der Mutter kann sie nicht anknüpfen.

Ein andere wichtiger Aspekt ist die Ehe mit Manuel und die Rivalität um ihn. Denn Manuel war auch ein Geliebter ihrer Mutter. Auch in dieser Hinsicht ahmt Rebeca ihre Mutter nach. Sie sucht nicht nur einen Mann, der ist wie die Männer ihrer Mutter, sondern einen Mann der auch schon mit der Mutter liiert war. So ist er das einzige was ihr von ihrer Mutter geblieben ist. Obwohl sie Manuel liebt, wie sie selbst sagt, hat sie seit Monaten nicht mehr mit ihm geschlafen. Aus Angst ihre Mutter könnte ihr Manuel nehmen und Manuel könnte ihr die Mutter nehmen, tötet Rebeca schließlich Manuel. Wie damals schon den Stiefvater um ihre Mutter für sich zu haben.

Das Geständnis an Manuels Mord legt Rebeca öffentlich in ihrer Nachrichtensendung ab. Mit diesem öffentlichem Geständnis bestraft Rebeca sich nicht nur selbst, sondern auch ihre Mutter. Sie nutzt dieses Geständnis, um ihre Mutter öffentlich zu demütigen und sie so für ihren Liebesentzug zu bestrafen. In dieser Tat verbirgt sich Rebecas Wunsch nach Liebe und Zuneigung.

Das Transvestit Femme Letal stellt eine perfekte Imitation von Becky dar. So ist es kein Wunder, dass Rebeca in ihm eine Art Mutterersatz sieht. Auch hier ist zu sehen wie weit Rebecas Liebe zu ihrer Mutter geht. Sie schläft mit Letal. Das bedarf zwar einer Überredung seitens Letal, doch schließlich lässt Rebeca es geschehen. Dabei ist die Frage wieso sie dies geschehen lässt. Denn sie schläft hier einerseits mit ihrer Mutter, denn Letal ist nichts anderes als eine Imitation Beckys. Andererseits aber auch mit sich selbst, denn auch sie ist in gewisser weise eine Imitation ihrer Mutter. Hier ist der negative Ödipuskomplex schön zu erkennen. Rebeca idealisiert nicht ihren Vater, da dieser in ihrer Kindheit abwesend ist (ihre Eltern sind geschieden), sondern ihre Mutter, die so das Objekt ihrer sexuellen Begierde wird. So wird sie von ihrer Mutter, wenn auch nur im übertragenen Sinne, endlich geliebt. Genau das hat sie ihr ganzes Leben lang versucht zu erreichen, die Liebe und die Anerkennung ihrer Mutter.

Schon als kleines Mädchen rivalisiert Rebeca mit ihrem Stiefvater. Sie kann es nicht ertragen, dass sie ihre Mutter mit ihm teilen muss. Als er im Scherz mit den Einheimischen auf der Isla Margarita um sie feilscht, schlägt sie ihn und läuft davon, als ihre Mutter nicht Partei für sie ergreift. Später verursacht sie der Mutter zu Liebe und aus Eifersucht seinen Unfalltod. Das tut sie nicht nur um mit ihrer Mutter allein zu sein, sondern auch um ihrer Mutter und ihr die Karriere zu ermöglichen, die ihr später die Mutter nimmt. Nachdem sie jahrelang ohne Mutter leben muss findet sie in Letal eine „Ersatzmutter“, die sie immer besuchen kann, wenn sie ihre Mutter besonders vermisst. Dort hört sie dann die Lieder ihrer Mutter, mit denen sie sich identifiziert. Wie z.B. „ Un Año de Amor[13], das von der Sehnsucht nach einer geliebten Person handelt und auffordert sich, wenn man einsam ist, an die glücklichen und vergangen Tage mit dieser Person zu erinnern. Die Lieder Beckys bedeuten für Rebeca Schmerz denn sie erinnern sie immer wieder an die abwesende Mutter so auch in „ Piensa en Mí[14], welches von einer einsamen Person handelt, die ohne ihre Liebe nicht weiterleben möchte. Auch mit diesem Lied identifiziert sich Rebeca. Sie sieht in der einsamen Person sich, die nach ihrer Mutter verlangt.

[...]


[1] Freud 1989, S.

[2] Vgl. Freud 1989, S. 299.

[3] Vgl. Chaudhuri 2007, S. 21.

[4] Vgl. Brech/ Bell / Marahrens-Schürg, S. 51.

[5] Vgl. Freud 1989, S. 300.

[6] Vgl. Schäfer 1999, S. 90.

[7] Vgl. Kinder 1993, S.198.

[8] Vgl. Eliacheff/ Heinrich 2004, S.17.

[9] Ebd.

[10] Vgl. ebd. S. 51f.

[11] Vgl. ebd. S.85.

[12] Tacones lejanos, 3:40.

[13] Tacones lejanos, 21:47.

[14] Tacones lejanos, 49:07.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die irreparable Mutter-Tochter-Beziehung in den Filmen "Tacones lejanos" und "Herbstsonate" im Vergleich
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V279373
ISBN (eBook)
9783656732280
ISBN (Buch)
9783656732266
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mutter-tochter-beziehung, filmen, tacones, herbstsonate, vergleich
Arbeit zitieren
Clarissa Hermani (Autor), 2014, Die irreparable Mutter-Tochter-Beziehung in den Filmen "Tacones lejanos" und "Herbstsonate" im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279373

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