Taktik und Taktiktraining im Mannschaftssport


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

20 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition: Taktik/ Strategie

3. Modelle taktischen Verhaltens( Phaseneinteilung)

4. Methodische Überlegungen zum Taktiktraining
4.1. Ziele des Taktiktrainings
4.2. Die Vermittlung und der Erwerb taktischer Kenntnisse
4.3 Das Training der Taktik
4.3.1. Das Training taktischer Fähigkeiten
4.3.2. Das Training taktischer Fertigkeiten

5. Fazit/ Schlussbemerkung

6. Bibliographie

1. Einleitung

Die Arbeit soll eingehend einen differenzierten Überblick über die gängigen Definitionen des Taktikbegriffs geben. Durch Vergleiche in der Literatur wird versucht, sämtliche Auslegungen darzustellen und miteinander zu vergleichen. Außerdem werden die beiden Begriffe Taktik/ Strategie gegenübergestellt und ausreichend erklärt.

Anschließend erfolgt eine genaue Darstellung der vorhandenen Modelle taktischen Verhaltens in der Literatur, sowie deren Einordnung unter funktionalen Gesichtspunkten.

Des Weiteren werden methodische Überlegungen zum Taktiktraining angestellt, die das Training der Taktik, die Vermittlung taktischer Kenntnisse und das Training taktischer Fähigkeiten aufzeigen. Es werden ferner didaktische Mittel zur Vermittlung taktischer Fähigkeiten präsentiert.

Ausgehend von der Vermittlung der theoretischen Kenntnisse, sowie dem Erwerb von taktischen Kenntnissen befasst sich der Hauptteil der Arbeit mit der Anwendung der Taktikkenntnisse auf ein konkretes Beispiel aus dem Mannschaftssport Fußball.

Ziel dieser Arbeit ist die Vermittlung des klassischen 4-4-2 Systems. Dazu werden vorab Grundbegriffe des Taktikbegriffs speziell im Fußball erläutert, wie auch eine Idealvorstellung des 4-4-2 Systems dargereicht. Es werden ebenfalls die Aufgaben und die Bewegungsabläufe der einzelnen Spieler bei der Realisierung der Idealvorstellung gezeigt.

Um ein exaktes Bild der Vorgehensweise und Methodik zu vermitteln, wird der Gesamtzustand, die taktischen Vorkenntnisse, sowie der physisch/ psychische Leistungszustand der Beispielmannschaft beleuchtet.

Dann wird das System en gros vermittelt und dessen Methodik zur Vermittlung demonstriert.

Im Folgenden wird speziell die Wissensvermittlung bei einzelnen Spielern betrachtet und auf die Vermittlungsweisen des taktischen Verhaltens hingewiesen.

In der Schlussbetrachtung wird ein Fazit des Hauptteils gezogen und entsprechend eingeordnet. Abschließend wird nochmals auf zentrale Punkte des Taktiktrainings eingegangen und nach deren Rolle im Sport untersucht.

2. Begriffsdefinition: Taktik/ Strategie

„Taktik bezeichnet den Einsatz eines Systems von Handlungsplänen und Entscheidungsalternativen, das Handlungen so zu regeln gestattet, dass ein optimaler sportlicher Erfolg möglich wird.“[1]

Ausgehend von dieser gängigen Definition findet man in der Literatur ähnliche Beschreibungen. Taktik bedeutet also im weiteren Sinne, dass die Lösung einer Bewegungsaufgabe nach wirkungsvollen Gesichtspunkten gelöst werden soll. Dabei ist zu beachten, dass die gestellte Aufgabe möglichst schnell und aufgabenspezifisch optimal zu lösen sei.

Der optimale Erfolg ist erreicht, wenn „die subjektive und die objektive Erfolgswahrscheinlichkeit einerseits und die Erfolgsprognose und das Wettkampfergebnis andererseits übereinstimmen“ (vgl. Hagedorn 1992, S.646).

Sonach braucht ein Sportspieler „neben dem taktischen Wissen Fähigkeiten für die Reizaufnahme sowie- selektion( Wahrnehmung, Aufmerksamkeit), für die Entscheidungsfindung( kognitive, taktische Denkfähigkeit) und für die adäquate Umsetzung in Bewegungen( motorische Fähig- und Fertigkeiten)“[2].

Hohmann, Lames und Letzelter gliedern den Taktikbegriff zusätzlich auf, indem sie eine Unterteilung in Trainings- und Wettkampftaktik vornehmen( in Hinsicht auf die sportmotorische Leistungsfähigkeit).

Demnach erfolgt eine Ausdifferenzierung des Taktikbegriffs in Bezug auf seine Ansprüche.

Die Wettkampftaktik in den Mannschaftssportarten wird weiter untergliedert in mannschaftliche Spielsysteme, gruppentaktische Spielkombinationen und individualtaktische Spielhandlungen.[3]

Mannschaftliche Spielsysteme sind Taktiksystem, die innerhalb der Mannschaft greifen. Es erfolgt eine klare Vorgabe der Taktik und der Spielweise, vorab des Wettkampfes, an die sich jeder einzelne Spieler halten muss. So zählt man das 4-4-2 Spielsystem im Fußball zu einem mannschaftlichen Spielsystem.

Gruppentaktische Spielsysteme sind gesonderte Taktiksysteme innerhalb der Mannschaft, die aber nur bestimmte Spieler betreffen. So erfolgt eine spezielle Taktikschulung für die Angreifer in einer Fußballmannschaft. Die Mannschaft im Fußball wird demnach grob unterteilt in Abwehr, Mittelfeld und Sturm. Jeder einzelne Mannschaftsteil kriegt ihre eigene Taktikschulung im Besonderen und als Mannschaftstaktik im Übergeordneten. Also eine Absprache untereinander und in Bezug zur gesamten Mannschaftstaktik.

Mit dem individualtaktischen Spielverhalten ist das Verhalten eines einzelnen Sportlers bezeichnet.

Harre erweitert den „Taktikbegriff“, indem er die taktischen Handlungen zusätzlich aufschlüsselt. Er spricht einerseits von taktischen Handlungen unter kybernetischer Sicht und andererseits von taktischen Handlungen unter psychologischer Sicht. Das erstere ist ein „zielsuchendes System, das unter den möglichen Zielen nicht nur das günstigste aussucht, sondern das sich im Prozess der Lösung der Aufgabe vervollkommnet.“[4].

„Unter psychologischer Sicht ist die taktische Handlung das Produkt komplizierter psycho-motorischer Vorgänge, die in einer zeitlichen Beziehung zueinander stehen, also nacheinander und miteinander verlaufen“.[5]

Strategie bezieht sich auf die taktischen Planungen und Absprachen vor einem Wettkampf.

Daraus ergibt sich, dass die Strategie eher statisch und wenig variabel ist. Vorab des Wettkampfes wird eine Grundstrategie angefertigt, nach der probiert wird sich zu richten. Taktik bezeichnet folgendermaßen die spezielle Umsetzung im Wettkampf

3. Modelle taktischen Verhaltens( Phaseneinteilung)

In der einschlägigen Literatur findet man diverse Modelle taktischen Verhaltens. Jeder Autor betrachtet die Modelle aus anderen Blickwinkeln, sodass es zu verschiedenen Modellen kommt.

„[…]. Tätigkeiten zum Erreichen eines sportlichen Ziels sind demzufolge grundsätzlich sportliche Handlungen. Unterteilt man diese in mehr physisch und motorisch und in mehr kognitiv bestimmte Komponenten, dann überwiegen bei taktischen Handlungen die kognitiven Leistungskomponenten.“[6]

Jedes taktische Verhalten im Sport basiert demnach auf den Abruf des Bewegungsgedächtnisses in einer Spielsituation. Um die gegebene Aufgabe optimal lösen zu können, bedient sich der Sportler seines Erfahrungsschatzes und gleicht die gestellte Situation mit einer vergleichbaren Situation aus seinem Bewegungsgedächtnis ab.

Da jede komplexe Spielsituation nicht identisch ist, bewertet man die vorliegende Situation und ruft sich eine ähnliche, mit vergleichbaren Faktoren, schon einmal durchlebte Situation ins Gedächtnis, um die Aufgabe schnellstmöglich und angemessen zu lösen.

Um diesen Prozess entsprechen aufzuteilen, schlagen Martin, Carl und Lehnertz vor, die Handlung in fünf Phasen zu unterteilen.[7]

In der ersten Phase, dem sensorischen Abschnitt, steht die Wahrnehmung der Situation im Vordergrund. In dieser Phase werden folglich die Raumpositionen der Variablen berechnet und ein grober Überblick über das Spielgeschehen angestellt.

Die zweite Phase, der diskriminatorische Abschnitt, beschreibt die gedankliche Lösung und die Analyse der Situation. Es werden also alle möglichen Lösungsvorschläge diskutiert und auf ihre Realisierbarkeit hin überprüft. Dabei spielt die Beobachtung und Einschätzung des Gegners eine wichtige Rolle.

In der dritten Phase konkretisiert sich die bevorzugte Aufgabenlösung und der Spieler setzt sich aktiv mit der Durchführung der geplanten Aktion auseinander. Daher wird diese Phase auch als kombinatorischer Abschnitt bezeichnet, da die Erstellung eines Handlungsplanes hier tragend ist.

Die vierte Phase stellt die Umsetzung der Handlung dar(operativer Abschnitt). Gleichzeitig werden die Parameter ständig neu beurteilt und mit dem vorher überlegten Plan verglichen.

Die Ergebnisanalyse erfolgt in der fünften Phase, dem auswertenden Abschnitt, in der eine subjektive Einschätzung des Ergebnisses stattfindet. Die erlebte Situation wird gedanklich verarbeitet und nach Verbesserungsvorschlägen hin bewertet.

Schnabel, Harre und Borde klassifizieren das Modell taktischen Verhaltens wie folgt:

tätigkeits- bzw. handlungstheoretische Konzepte

kybernetisch-spieltheoretische Konzepte

neurobiologische Konzepte

zu 1.: Die tätigkeits- bzw. handlungstheoretischen Konzepte beziehen sich auf die Phaseneinteilungen von Handlungen. So werden drei Phasen der taktischen Handlung unterschieden(1.: Die Wahrnehmung und Analyse der Situation, 2.: Die gedankliche Lösung der taktischen Aufgabe, 3.: Die motorische Lösung der Aufgabe).

Jede Phase ist von der anderen abhängig und das Resultat der einzelnen Phase bewirkt den Erfolg der darauffolgenden Phase. Des Weiteren muss jede Phase vollständig abgeschlossen sein, um zu der anderen Phase zu gelangen.

Schnabel, Harre und Borde sprechen von einer „hierarchisch-sequentiell geordneten Phasenstruktur“[8]

Außerdem muss der Lernende zum Bewusstsein kommen, dass er die Situation aktiv durchlebt und seine Handlungsstrategie zur Lösung der Aufgabe beiträgt. Der Zweck der Handlung muss dem Sportler absolut klar sein, um ein Lernprozess in Gang zu bringen. Nur so verfügt der Sportler irgendwann über ein Lösungsrepertoire, der es ihm ermöglicht in schnellstmöglicher Zeit die optimale Lösung für eine Bewegungsaufgabe zu finden. Die bewusste Handlung muss zielorientiert, zweckgerichtet und wertbezogen sein.[9]

Durch die Bewusstmachung der erlebten Situation stellt sich ein größerer Lerneffekt ein.[10]

zu 2.: Die kybernetisch-spieltheoretischen Konzepte werden nochmals in eine „Drei-Ebenen-Struktur unterteilt, in der die automatische, die emotionale und die kognitive Regulationsebene unterschieden wird.“ [11]

Dies besagt, dass taktisches Handeln nicht automatisch internalisiert werden kann und abermals ein Prozess des Lernens darstellt.

Person und Umwelt werden in dem kybernetisch- spieltheoretischen Modell als System angesehen, die miteinander in enger Beziehung stehen.

Zu 3.: Das neurobiologische Konzept beschreibt die Prozesse der Wahrnehmung, die Verarbeitung und die Speicherung der Bewegungsaufgabe.[12]

Nach Mahlo gliedert sich die taktische Handlung ebenfalls in drei Phasen:

1. Handlungsantizipationsphase
2. Handlungsrealisationsphase
3. Handlungsinterpretationsphase

In der Handlungsantizipationsphase steht die Situationswahrnehmung und –analyse im Mittelpunkt. „ Leistungsdifferenzen zwischen leistungsstärkeren und leistungsschwächeren bzw. erfahrenen und weniger erfahrenen Sportlern/ innen können hauptsächlich auf Unterschiede bei der Informationsaufnahme und –verarbeitung zurückgeführt werden“( Westphal, Gasse, Richtering, 1987, S. 57.)

Das besagt, dass erfahrene Sportler eine ausgeprägtere Antizipationsfähigkeit besitzen und demnach gestellte Bewegungsaufgaben schneller und effizienter lösen können als weniger erfahrene.

Sie sind somit in der Lage bestimmte Handlungsergebnisse zu prognostizieren und Variable in ihren Entscheidungsprozess mit zu berücksichtigen und angemessen darauf zu reagieren.

Jeder Autor unterteilt die Antizipationsphase nach seiner Meinung. Rüssel differenziert diese Phase in eine Wahrnehmungs- und Erfahrungsantizipation[13], wohingegen Meinel und Schnabel die Antizipationsphase in Situations-, Ziel-, und Programmantizipation unterscheiden.[14]

In der Handlungsrealisationsphase erfolgt die gedankliche Auseinandersetzung der Aufgabe, gefolgt von der motorischen Lösung. Anschließend wird die durchlebte Situation bewertet und entsprechend eingeordnet. Diese Phase bedingt demnach den motorisch-taktischen Lernprozess.

[...]


[1] Martin, Carl, Lehnertz: Handbuch Trainingslehre, Verlag Hofmann Schorndorff,2001, S.229

[2] Raab, Markus: SMART, Techniken des Taktiktrainings/ Taktik des Techniktrainings, Sport und Buch Strauß, Köln,2001, S.8.

[3] Hohmann, Lames, Letzelter: Einführung in die Trainingswissenschaft, Limpert Verlag, Wiebelsheim, 2003, S.123.

[4] Harre, D u.a.: Trainingslehre, Sportverlag Berlin, 1969, S.202.

[5] Harre, D u.a.: Trainingslehre, Sportverlag Berlin, 1969, S.202.

[6] Martin, Carl, Lehnertz: Handbuch Trainingslehre, Verlag Hofmann Schorndorff,2001, S.235.

[7] Martin, Carl, Lehnertz: Handbuch Trainingslehre, Verlag Hofmann Schorndorff,2001, S.235.

[8] Schnabel, G.; Harre, D.; Borde, A.: Trainingswissenschaft, Sportverlag Berlin.1994.

[9] Schnabel, G.; Harre, D.; Borde, A.: Trainingswissenschaft, Sportverlag Berlin.1994.

[10] Raab, Markus: SMART, Techniken des Taktiktrainings/ Taktik des Techniktrainings, Sport und Buch Strauß, Köln,2001, S.8.

[11] Raab, Markus: SMART, Techniken des Taktiktrainings/ Taktik des Techniktrainings, Sport und Buch Strauß, Köln,2001, S.9..

[12] Schnabel, G.; Harre, D.; Borde, A.: Trainingswissenschaft, Sportverlag Berlin.1994.

[13] Rüssel, A.: Psychomotorik, Darmstadt, 1976, S.87 ff.

[14] Meinel, K/ Schnabel, G.: Bewegungslehre- Sportmotorik, Sportverlag Berlin,1987, S 80 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Taktik und Taktiktraining im Mannschaftssport
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1.3
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V279456
ISBN (eBook)
9783656732808
ISBN (Buch)
9783656732792
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
taktik, taktiktraining, mannschaftssport
Arbeit zitieren
Peter Müller (Autor), 2005, Taktik und Taktiktraining im Mannschaftssport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279456

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