Erziehungsberatung. Methoden, Aufgaben, Ziele


Hausarbeit, 2014
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung

2. Begriffsklärungen
2.1. Beratung
2.2. Erziehungsberatung

3. Geschichtliche Entwicklung

4. Rahmenbedingungen und gesetzliche Grundlagen

5. Aufgaben, Ziele und Methoden
5.1. Ablauf des Beratungsprozesses
5.2. Die Rolle des Kindes

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung:

Beratung hat sich inzwischen zu einem bedeutenden Dienstleistungssektor entwickelt. Es gibt mittlerweile für viele verschiedene Bereiche eine entsprechende Beratungseinrichtung, hierzu seien unter anderem die Ehe-, Schuldner-, Berufs- und Schwangerschaftsberatung zu nennen. (vgl. Walte 2008) Der kontinuierliche Anstieg des Beratungsbedarfes aufgrund gesellschaftlicher Pluralisierungs- und Individualisierungsprozesse wird auch deutlich sichtbar an dem Zuwachs von Ratgeberliteratur, Beratungssendungen im Fernsehen und Beratungsforen.

Auch Erziehung ist ein öffentliches Thema und hat in den letzten Jahren enorm an Aufmerksamkeit gewonnen. Die Erziehungsberatung ist seit langer Zeit in Deutschland eine feste Institution, die Eltern Unterstützung und Hilfe in Fragen zur Erziehung ihrer Kinder, aber auch zu familiären Problemen bietet. (vgl. Glitsch 2011, S.1) Immer mehr Eltern suchen Erziehungsberatungsstellen auf, weil sie sich mit ihrem Erziehungsauftrag überfordert fühlen und sie nicht wissen, wie sie die Probleme mit ihren Kindern alleine lösen sollen. Unter der vielfältigen Bandbreite an Beratungssektoren hat die Erziehungsberatung einen ganz wichtigen Platz eingenommen, denn sie zählt zu den bekanntesten und etabliertesten Sektoren. Dies sieht man nicht zuletzt an ihrer Medienpräsenz, beispielsweise an der Ausstrahlung von Fernsehshows wie „Super Nanny“ oder „Supermamas“. Hier wird gezeigt, wie Erziehung „richtig“ funktioniert und die Konflikte zwischen Eltern und Kindern analysiert und lösungsorientiert besprochen. Auch die vielen Erziehungsratgeber für „normale“ und überforderte Eltern können als Belege angeführt werden. (vgl. Schrapper/Zimmer 2006, S.7)

Das Kinder- und Jugendhilfegesetz bildet die Grundlage für die Erziehungsberatung. Dieses fordert, „junge Menschen in individuellen und sozialen Entwicklungen zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden und abzubauen bzw. dazu beizutragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine Kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen“ (§1 KJHG in Schellhorn et al. 2007).

Aus diesem Grund ist Erziehungsberatung heutzutage ein wichtiges und notwendiges Beratungsfeld.

In meiner Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, welche Methoden und Aufgaben die Erziehungsberatung hat. Wie gliedert sich der Erziehungsberatungsprozess und welche Rolle spielt das Kind dabei?

Um einen besseren Einstieg in die Thematik zu bekommen, werde ich zunächst den Begriff der Beratung und der Erziehungsberatung erläutern. Anschließend gehe ich kurz auf die geschichtliche Entwicklung von Erziehungsberatung ein und werde auf die gesetzlichen Grundlagen zu sprechen kommen, die von großer Bedeutung sind, da sie nicht nur eine enorme Stütze, sondern auch die Grundlage für die Arbeit in einer Erziehungsberatung bilden. In Kapitel 5 werde ich dann auf die Ziele, Methoden und Aufgaben einer Erziehungsberatungsstelle zu sprechen kommen und anschließend verstärkt auf den Beratungsablauf eingehen, da ich diesen für einen der wichtigsten Kriterien institutioneller Erziehungsberatung halte. Hierzu werde ich außerdem erläutern, welche Rolle dem Kind in dem Beratungsprozess zugeschrieben wird und zum Abschluss die Ergebnisse nochmals zusammenfassen.

2. Begriffsklärung:

2.1. Beratung:

In dem Wort Erziehungsberatung steckt das Wort „Beratung“, welches schon Aufschluss über das Aufgabenfeld der Institution gibt. Deshalb halte ich es für sinnvoll, zunächst einmal den Begriff „Beratung“ zu definieren, bevor ich dann spezieller auf die Erziehungsberatung eingehe.

Nach Tiefel ist pädagogische Beratung „eine ergebnisoffene, lebens- und arbeitsweltbezogene Hilfe bei (alltäglichen) Orientierungs-, Planungs,- Bewältigungs-, und Reflexionsprozessen und ergänzt damit präventiv rehabilitierende und therapeutisch- kurative Beratungskonzepte.“ (Tiefel 2012) Auch von Nittel liegt eine umfassende Definition vor. Für ihn ist Beratung eine „absichtsvolle Veränderung des kognitiven und emotionalen Verhältnisses einer Person ( ) zu einem Ausschnitt der sozialen und/oder der objektiven Wirklichkeit sowie die Lösung eines wie immer gearteten partikularen lebenspraktischen Problems, so dass der Ratsuchende nach der Umsetzung des Ratschlags an den gewohnten Routinen seiner Lebensführung anknüpfen und seine Handlungskapazitäten unter den veränderten Umständen eines modifizierten Lernplateaus optimaler zur Geltung bringen kann“(Nittel 2009, S. 10).

Auch sagt Nittel, dass Beratung eine „ausdifferenzierte, sequentiell geordnete und durch selbstreflexive Abschnitte flankierte Handlungsform der Erkenntnisgenerierung“ ist (ebd.)

2.2. Erziehungsberatung:

Nachdem ich nun zwei Definitionen von Beratung aufgeführt habe, kommen wir nun spezieller auf die Erziehungsberatung zu sprechen. Die Definition und Bestimmung von Erziehungsberatung ergibt sich aus den gesetzlichen Vorgaben sowie aus der Praxis, welche wie folgt definiert wird: „Erziehungsberatung ist eine diagnostische, beratende und gegebenenfalls therapeutische Hilfestellung für Kinder, Jugendliche und ihre Erziehungs - bzw. Sorgeberechtigten in pädagogischen, psychologischen und sozialen (gelegentlich auch medizinischen) Fragen der Erziehung und der persönlichen Beziehungen im häuslichen wie außerhäuslichen Umfeld" (Halbach 2003) „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die ihnen zuvörderst obliegende Pflicht. Die Jugendhilfe soll durch beratende, unterstützende und fördernde Hilfe zur Verwirklichung des o.g. Zieles beitragen“. (vgl. KGSt 1993 S.11 in Abel 1998)

3. Geschichtliche Entwicklung:

Die Anfänge der institutionellen Erziehungsberatung reichen bis etwas zu Beginn des 20.Jahrhunderts zurück. Kennzeichnend für die Arbeit in den Beratungsstellen war die Jugendfürsorge und verschiedene Disziplinen wie die Sonder- und Heilpädagogik, die Medizin und die Entwicklungspsychologie. (vgl. Belardi 2005, zit. nach Gruhn 2007, S.28) Schon 1903 gründete Cimbal in Hamburg eine Beratungsstelle mit heilpädagogischem Schwerpunkt. Schon drei später wurde auch in Berlin eine ähnliche Einrichtung von Fürstenheim errichtet, die sich „medico-pädagogische Poliklinik für Kinderforschung, Erziehungsberatung“ nannte. Derselbe Gründer eröffnete 1916 dann schließlich auch in Frankfurt eine „Jugendsichtigungsstelle“. Nach dem 1.Weltkrieg wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Vielzahl von Erziehungsberatungsstellen gegründet. Allein in Wien gab es 1920 schon 23 dieser Einrichtungen. (vgl. Daumenlang/Andre 1983, S.75-76) Das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz (RJWG) aus dem Jahre 1922 hat in §4 Beratung in Fragen der Erziehung gesetzlich verankert. 1928 gab es im Deutschland bereits 42 Erziehungsberatungsstellen. (vgl. Hundsalz 1995, S.22) In den darauffolgenden Jahren hatten vor allem die poltischen Geschehen einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Erziehungsberatungsstellen. Die psychologische Ausrichtung der Beratungsstellen widersprach den erzieherischen Vorstellungen der nationalsozialistischen Herrscher. Aus deren Sicht war Erziehung eine familieninterne Angelegenheit, für die es keine Unterstützung von außen geben sollte. Die bis dahin existierenden Beratungsstellen sollten nun geschlossen oder umfunktioniert werden. Gefördert wurden hingegen die psychiatrisch orientierten Einrichtungen, die meistens an Kliniken angeschlossen waren. Diese hatten in erster Linie eine Selektionsfunktion, dienten also vor allem zur Auslese und Ausgrenzung. (vgl. Belardi 2005 zit. n. Gruhn 2007, S.29)

Nach Ende des zweiten Weltkrieges nahmen vor allem die Amerikaner die Gestaltung und Arbeit in den Erziehungsberatungsstellen in die Hand und unterstützen Deutschland finanziell. Die Arbeitsweisen in den Erziehungsberatungsstellen lehnten sich an dem Modell der „Child-Guidance-Clinic“, welche im Jahre 1909 in Chicago gegründet wurde, an. Das Besondere hieran war u.a. das multiprofessionelle Team, welches aus Psychiatern, Psychologen und psychiatrisch ausgebildeten Fürsorgern bestand. Diese arbeiteten auf sozialtherapeutische Art und Weise basierend auf psychoanalytischen Theorien (vgl. Presting 1991 zit. n. Gruhn 2007, S.30) Der amerikanische Einfluss beschränkte sich in den darauffolgenden Jahren auf die Durchführung und Leitung von Tagungen zu Theorie und Organisation von Erziehungsarbeit. Desweiteren wurden Fortbildungen von deutschen Erziehungsberatern in den USA gefördert, die sich dort mit dem Modell der „Child- Guidance-Clinic“ auseinandersetzen konnten. (vgl. ebd., S.31)

Mit dem 1991 in Kraft getretenen Kinder - und Jugendhilfegesetz (KJHG) wurde Erziehungsberatung dann schließlich als gesonderte „Hilfe zur Erziehung“ angenommen und somit eine feste Stelle im System der Jugendhilfe zugwiesen (vgl. Hundsalz 1995, S.36)

4. Rahmenbedingungen und gesetzliche Grundlagen:

Wie schon oben erwähnt, ist die Erziehungsberatung „eine Leistung der Jugendhilfe bzw. eine Hilfe zur Erziehung, die darauf abzielt, die Personensorgeberechtigten in ihrer Erziehungsverantwortung zu unterstützen, um eine dem Wohl des Kindes entsprechende Erziehung sicherzustellen.“ (§ 27 KJHG in Schellhorn et.al 2007)

Die Erziehungsberatung erhält seine Begründungen und spezifische Aufgabenstellung durch rechtliche Bestimmungen, was besonders seit der Einführung des Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) der Fall ist. Für die institutionelle Erziehungsberatung ist es dabei nicht nur notwendig, die grundlegenden Gesetztestexte zu interpretieren, um das eigene Handeln zu legitimieren, sondern sie muss auch selbst aktiv an der Vorbereitung und Formulierung der für sie wichtigen Bestimmungen beteiligt sein. Gerade im Kontext von Trennung und Scheidung führte seit der Einführung des KJHG zu einer engeren Zusammenarbeit mit Gerichten, Familienrichter und Rechtsanwälten, um ein gemeinsames Aufgabenverständnis zu erarbeiten. Dies macht eine Kooperation der verschiedenen Berufsgruppen untereinander erst möglich. Hierbei ist es notwendig, sich mit den rechtlich begründeten Positionen der anderen Berufsgruppen auseinanderzusetzen. (vgl. Hundsalz 1995,S. 57)

Ziel der Jugendhilfe ist immer das Kindeswohl. Wenn die private Fürsorge durch die Eltern nicht gewährleistet werden kann, kommt die Jugendhilfe zum Einsatz. (vgl. Abel 1998, S.87)

Laut des Kinder- und Jugendhilfegesetzes sollen Erziehungsberatungsstellen Kinder, Jugendlichen und auch Erziehungsberechtigten bei folgenden Dingen unterstützen:

- bei der Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme
- bei der Lösung von Erziehungsfragen
- bei Trennung und Scheidung (§28 KJHG) (vgl. Hundsalz 1995, S.15)

Diese gesetzlich vorgegebene Definition wird ergänzt durch die jeweilige Fragestellung, mit denen die Ratsuchenden in die Erziehungsberatung kommen. Diese können ganz unterschiedlich sein, von akuten Krisen bis hin zu dauerhaften Beeinträchtigungen. Nach Menne (1994) gibt es folgende Anlässe sich an eine Erziehungsberatungsstelle zu wenden:

- emotionale Probleme (z.B. Ängste, Einsamkeit, depressive Zustände)
- soziale Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Kontaktschwierigkeiten, Aggressivität)
- Schwierigkeiten in der Schule (z.B. Leistungsversagen, Schulschwänzen)
- Probleme in der Familie (Gesprächsverweigerung, körperliche Züchtigungen)

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Erziehungsberatung. Methoden, Aufgaben, Ziele
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V279674
ISBN (eBook)
9783656725596
ISBN (Buch)
9783656725572
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erziehungsberatung, methoden, aufgaben, ziele
Arbeit zitieren
Melanie Schewtschenko (Autor), 2014, Erziehungsberatung. Methoden, Aufgaben, Ziele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279674

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