Thomas Manns „Zauberberg“

Ein Vergleich des Romans und dessen Verfilmung auf Basis der Hauptcharaktere und Leitmotive


Hausarbeit, 2013
16 Seiten, Note: 2,3
Franziska Schmidt (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Roman
2.1 Hans Castorp und weitere Hauptcharaktere
2.2 Die Leitmotive

3 Die Verfilmung
3.1 Hans Castorp und weitere Hauptcharaktere
3.2 Die Leitmotive

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„[…] Literaturverfilmungen [gehören] seit langem schon zum alltäglichen Angebot der audiovisuellen Medien; Kino und Fernsehen bieten regelmäßig eine Vielzahl von Filmen nach literarischen Werken an und versäumen es auch nicht, oftmals betont auf das literarische Vorbild hinzuweisen […].“[1]

Schon seit den 1950er Jahren wird in Deutschland Literatur verfilmt, die Zahl der Literaturadaptionen steigt stetig. Bis heute haben vor allem literarische „Klassiker“ als Adaptionsgrundlage an Bedeutung nichts verloren. „Adaption bedeutet die Bearbeitung eines (fiktionalen) Stoffes für ein anderes Medium. Der Wechsel findet statt zwischen Medien derselben Kunstform oder Medien unterschiedlicher Kunstformen. […].“[2] Im Folgenden sollen Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ aus dem Jahre 1924 und dessen Filmadaption aus dem Jahr 1982 analysiert und verglichen werden. Die Schwierigkeit hierbei ist, dass „[…] bislang keine gültigen Kriterien entwickelt [wurden], die eine ästhetische Einschätzung der Adaption unter Berücksichtigung ihrer Vorlage ermöglichen würden […].“[3] Um also den Vergleich einzugrenzen, geht es zum einen um die Betrachtung der Hauptcharaktere Hans Castorp, Lodovico Settembrini und Clawdia Chauchat, insbesondere die Gestaltung als Person; und zum anderen um die wichtigsten Leitmotive des Romans und der Verfilmung. „Der Zauberberg“ zählt zu den berühmtesten Werken Thomas Manns. Seine zahlreichen Romane setzen sich mit historischen und sozialen Problematiken auseinander und betrachten unterschiedlichste Charaktere. Vor allem aber polarisieren seine Romane. Thomas Mann äußert direkt oder auch indirekt Kritik am Zeitgeschehen oder seinen Mitmenschen und geht dabei genauestens ins Detail. Die Interpretation und Analyse seiner Texte wird dadurch vielschichtig und lässt zahlreiche Hypothesen zu. Auch die Verfilmungen seiner Werke nehmen die Vielschichtigkeit und Komplexität auf, soll doch schließlich die Adaption nicht an Informations- und Unterhaltungswert verlieren. Für die Autoren der Literaturverfilmungen ist es dabei von enormer Bedeutung, auf das ursprüngliche Werk aufmerksam zu machen. „[Es wird] oftmals betont auf das literarische Vorbild [hingewiesen], so als gelte es, dem Programm durch die Prädikatsverleihung Literaturverfilmung ein besonderes Qualitätssiegel aufzudrücken.“[4] In welcher Hinsicht die Literaturverfilmung vom Zauberberg an das Original angepasst wurde, welche Unterschiede es geben und vor allem, welche Besonderheiten Buch und Film aufweisen, soll die folgende Arbeit darstellen.

2 Der Roman 1924

2.1 Hans Castorp und weitere Hauptcharaktere

Der Protagonist in Manns Roman ist unverkennbar Hans Castorp. Ihm werden zu Beginn des Romans die meisten Charakterisierungen gewidmet, seine Lebensumstände sind es, die das Interesse des Lesers wecken sollen. Castorp wird im Verlauf des Romans in vielerlei Hinsicht seine Wertvorstellungen verändern, sein ursprünglich so fester Charakter wird stark beeinflusst, nicht zuletzt von den so markanten Persönlichkeiten, die ihm begegnen und schließlich wird das Schicksal, welches sich Krieg nennt, ihn aus seiner Routine reißen und eine Zeit beenden, die er wohl am liebsten angehalten hätte.

Hans Castorp kommt als junger gutaussehender Sohn eines Patriziers nach Davos. Er will seinen lungenkranken Vetter Joachim Ziemßen im Sanatorium besuchen.

Nach dem Tod seiner Eltern lebt er in Hamburg bei seinem Großonkel, dem Konsul Tienappel, in einer finanziell gut situierten Familie und erfährt alle Annehmlichkeiten eines Stadtkindes. Nach dem Schulabschluss will er ein Schiffsbaustudium beginnen, welches ihm von seinen Bekanntschaften im Hafen Hamburgs empfohlen wurde. „Der Mensch lebt nicht nur sein persönliches Leben als Einzelwesen, sondern, bewußt oder unbewußt, auch das seiner Epoche und Zeitgenossenschaft […].“[5] Im Verlauf des Romans werden Castorps gesellschaftliche Züge sich immer mehr verändern. So repräsentiert Castorp zwar sehr deutlich seine Epoche, bietet aber auch Projektionsfläche und lässt sich sehr leicht beeinflussen. Diese Beeinflussbarkeit macht ihn zu einem klassischen Mitläufer, was vor allem in seinen „Beziehungen“ zu Madame Chauchat und Settembrini auffällt. Sein Charakter ist nicht sehr stark und somit verliert Castorp auch mit der Zeit seine anfänglich vermutete markante Persönlichkeit.

In der Forschung zu Thomas Mann wird vermutet, dass „der „Träumer-Hans“ […] geradewegs aus dem bekanntesten deutschen Kinderlied vom „Hänschen klein“ [kommt], auf dessen Strophen mehrfach überdeutlich verwiesen wird: singend, „hochgemut“ mit Stock und Hut, zieht Manns „deutsches Hänschen“ in „die Welt hinein“ und bringt sieben Jahre in der Fremde zu.“[6]

Eine weitere Hauptfigur im Roman ist Clawdia Chauchat. Ihr auffälligstes Merkmal ist, dass sie beim Betreten des Speisesaals dessen Eingangstür laut zuschlagen lässt. Ihr Vorname verweist außerdem auf das englische Wort „claw“, welches auf Deutsch „Kralle“ bedeutet. Madame Chauchat wird gerne als katzenartiges Wesen bezeichnet aufgrund ihrer „schleichenden“ Art. „[…] Sie ging ohne Laut, was zu dem Lärm ihres Eintritts in wunderlichem Gegensatz stand, ging eigentümlich schleichend […]“[7] Beschrieben wird Clawdia Chauchat außerdem als: „[…] ein junges Mädchen wohl eher, nur mittelgroß, […] mit rötlichblondem Haar, das sie einfach in Zöpfen um den Kopf gelegt trug.“[8] Ihr Äußerliches wirkt auf den ersten Blick damenhaft, Hans Castorp entdeckt aber auch primitive und kindliche Züge an ihr. Vor allem in Bezug auf ihn hat sie im Laufe der Zeit eine sehr anziehende Wirkung und hinterlässt dabei immer noch einen geheimnisvollen Eindruck. Castorp und Madame Chauchat verbringen später eine Liebesnacht, auf die Beziehung der Beiden wird im Kapitel der Leitmotive noch einmal genauer eingegangen.

Hans Castorps intellektueller „Gegner“ ist der italienische Lodovico Settembrini, ein Humanist und Literat, der Castorp von Anfang an in seinen Bann zieht und ihn intellektuell beeinflussen will. Im Roman wird er charakterisiert als: „Sein Alter wäre schwer zu schätzen gewesen, zwischen dreißig und vierzig mußte es wohl liegen […], so war sein Haupthaar doch an den Schläfen schon silbrig durchsetzt. […] Sein Anzug, diese weiten, hellgelblich karierten Hosen und ein flausartiger zu langer Rock mit zwei Reihen Knöpfen und sehr großen Aufschlägen, war weit entfernt, Anspruch auf Eleganz zu erheben […].“[9] Settembrinis humanistische Überzeugung führt im Laufe des Romans noch zu Konflikten, die ebenfalls im Kapitel der Leitmotive genauer erläutert werden.

2.2 Die Leitmotive

Die im Roman verwendete Leitmotivtechnik von Thomas Mann macht die verschiedenen Beziehungen der Personen zueinander erst sichtbar. So soll der Leser eine Art Wiedererkennungswert vorfinden und Zusammenhänge besser verstehen. Da die Zahl der angewendeten Leitmotive im Roman unzählig ist, soll in diesem und im Kapitel der Leitmotive des Films nur auf die drei auffälligsten Motive eingegangen werden.

Eines der wichtigsten Leitmotive ist die Wiederholung. Sie bildet den Grundstein des Romans, denn durch die Wiederholungen von Handlungen und Situationen oder auch sich wiederholende Textpassagen entsteht erst die Handlung im Ganzen. Das auffälligste Wiederholungsmotiv findet sich im Vorgang des Bleistiftleihens. Zum ersten Mal tritt es auf, als sich Castorp daran erinnert wie er sich von seinem Mitschüler Hippe einen Bleistift leiht, dieser Traum wiederholt sich im Kapitel Hippe und tritt schließlich im Zusammenhang mit Clawdia Chauchat im Kapitel Walpurgisnacht auf, als sich Castorp von ihr einen Bleistift leiht, diese ihn im gleichen Zug dazu auffordert ihr doch den Bleistift schnellstmöglich zurückzugeben. Diese mehrfachen Situationswiederholungen werden als situationales Leitmotiv beschrieben. Der Bleistift ist eine Anspielung auf die homoerotischen Züge Castorps, der zwar vorgibt Clawdia Chauchat zu lieben, dabei jedoch indirekt einen Gedankengang in Bezug auf Hippe hat. „[…] durch die spätere Mitteilung des Erzählers, daß Hans ihr den Bleistift wirklich zurückgegeben habe […], [erfährt man von der Liebesnacht].[10] Hinzu kommt, dass es Hinweise auf die ähnliche Augenfarbe von Hippe und Clawdia Chauchat gibt, die in Castorps Träumen ein verschwommenes Bild der Beiden erscheinen lässt. „[…] wobei Hans Castorp flüchtig bemerkte, daß sie breite Backenknochen und schmale Augen hatte… Eine vage Erinnerung an irgend etwas und irgendwen berührte ihn leicht und vorübergehend, als das sah…“[11] Diese Art der personalen Dopplung zählt auch zum Leitmotiv der Wiederholung.

Ein zweites auffälliges Leitmotiv ist das Du-/Sie-Motiv. Im Sanatorium sprechen sich im Allgemeinen alle mit „Sie“ an, nur zur Faschingsfeier, im Kapitel Walpurgisnacht duzen sich alle. Bei einem Gespräch zwischen Hans Castorp und Settembrini gibt es über diesen Umstand jedoch eine deutliche Widerrede Settembrinis, als Castorp ihn auch duzt. „Hören Sie, Ingenieur, lassen Sie das! […] Bedienen Sie sich der im gebildeten Abendlande üblichen Form der Anrede, der dritten Person pluralis, wenn ich bitten darf! Es steht Ihnen gar nicht zu Gesicht, worin Sie sich da versuchen.“[12] Während für Settembrini das „Du“ enrom widerstrebt, nutzt es Castorp bei den Menschen, die ihm besonders nahe stehen. So auch bei Madame Chauchat, die er zur Faschingsfeier zum duzt, als er sie nach dem besagten Bleistift fragt. Madame Chauchat geht wohlwollend darauf ein, was ein offensichtlich vertrautes Verhältnis zwischen Castorp und ihr darstellt. Als Clawdia Chauchat einige Zeit das Sanatorium verlässt, verliert Castorp den Bezug zu ihr. „Es ist deshalb keine Belanglosigkeit, daß Clawdia am Ende ihres zweiten Auftretens mit Peeperkorn gesiezt wird. sondern es bedeutet Castorps Rückkehr aus der Metaphysik in die Gesellschaft.“[13] Eine weitere Wende in diesem Motiv unternimmt Settembrini, der Hans Castorp bei seinem Abschied ins Flachland duzt und damit nun doch seine Menschlichkeit ausdrückt. Dieses Motiv macht hauptsächlich die Gegensätze zwischen Realität und Traum im Sanatorium, zwischen hoher Gesellschaft oder niederem Verhalten dieser nach Meinung von Settembrini und den Verbindungen einzelner Charaktere, wie Castorp und Madame Chauchat deutlich.

Ein drittes unverkennbar auffälliges Motiv ist das Russisch-Motiv. Im Roman kommt es erstmals zur Sprache, als Hans Castorp erst wenige Tage im Sanatorium lebt und sich im Zimmer neben ihm ein russisches Paar vergnügt. „Und plötzlich errötete er unter seinem Puder, denn was er deutlich hatte kommen sehen, war gekommen und das Spiel nun ohne allen Zweifel ins Tierische übergegangen.“[14] Die angedeutete negative Bewertung kommt auch im Restaurant zur Sprache, als einige Bewohner des Sanatoriums vom sogenannten „Russentisch“ abwertend sprechen. Hinzu kommt, dass Clawdia Chauchat Russin ist und auch sie bei einigen Bewohnern keinen durchweg positiven Eindruck hinterlässt. Das Motiv wird im Kapitel Walpurgisnacht wieder aufgegriffen, als Castorp mit Madame Chauchat französisch spricht, dabei wird jedoch leitmotivisch eine Verbindung zum Russischen geschaffen, da seine Aussprache sehr undeutlich und die gesamte Artikulation schlecht wirkt In die deutsche Sprache zurück wechselt Castorp erst, als Madame Chauchat ihm von ihrer Abreise berichtet und er damit aus seiner Illusion aufwacht. Das Deutsche wird im Roman als klar und gesellschaftlich anerkennend bewertet.

Die Fülle an eingesetzten Leitmotiven ist im Roman auf vielen Ebenen zu erkennen. Die eben analysierten Motive tauchen auch in der Verfilmung sehr auffällig auf und bieten daher eine Grundlage zum Vergleich.

[...]


[1] Hurst, 1996, S. 1

[2] Schwab,2006, S.29.

[3] Hurst, 1996, S. 4.

[4] Hurst, 1996, S. 1.

[5] Mann, 1994, S. 47.

[6] URL: http://www.focus.de/kultur/buecher/literatur-der-entzauberte-berg_aid_193461.html (19.09.2013)

[7] Mann, 1994, S. 107.

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. ebd., S. 79f.

[10] Kurzke, 2010, S. 203.

[11] Mann, 1994, S. 108.

[12] Mann, 1994, S. 450.

[13] Kurzke, 2010, S. 206.

[14] Mann, 1994, S. 57.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Thomas Manns „Zauberberg“
Untertitel
Ein Vergleich des Romans und dessen Verfilmung auf Basis der Hauptcharaktere und Leitmotive
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V279712
ISBN (eBook)
9783656726029
ISBN (Buch)
9783656725992
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
thomas, manns, zauberberg, vergleich, romans, verfilmung, basis, hauptcharaktere, leitmotive
Arbeit zitieren
Franziska Schmidt (Autor), 2013, Thomas Manns „Zauberberg“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279712

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