Intermedialität im Tanztheater


Hausarbeit, 2014
12 Seiten, Note: 12

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pina Bausch und das Tanztheater
2.1. Die Choreographin Pina Bausch
2.2. „Tanz kann fast alles sein“

3. Medieneinflüsse auf die Tanzästhetik
3.1. Zum Begriff der Intermedialität
3.2. Ästhetik der Montage im Tanztheater
3.3. Walzer (1982)
3.3. Tanz im Film: Pina (2011) von Wim Wenders

4. Zusammenfassung der intermedialen Beziehungen im Tanztheater

5. Literatur/Quellen

1.Einleitung

Das Tanztheater etablierte sich in den 1970 er Jahren als Gegenbewegung zum klassischen Tanz der Nachkriegszeit. Diese neue Tanzform, die sich mit den Jahren entwickelte, eine Mischung aus Tanz und Theater, war für viele zunächst ungewohnt, setzte sich aber dennoch mit der Zeit durch und etablierte sich in der Kunstszene. Der Tanz allein war nicht mehr nur auf das Tanzen beschränkt. Das Ensemble des Tanztheaters tanzte nicht nur, sie redeten, sangen, lachten oder manchmal weinten sie auch.

Währenddessen erfreute sich das Medium Video/Film in der Kunst im Laufe der 80 er Jahren enormer Beliebtheit und fand Verwendung im Tanz und vielen anderen Künsten. Filmische Medien beeinflussten Choreographien, bereicherten diese und ließen neue Arten von Tanzwerken entstehen. Der zunehmende Diskurs zur Intermedialität in den Literatur,- Kultur- und Medienwissenschaften schafft auch für den Tanz vielfältige Beziehungsfelder zwischen Mediengeschichte und moderner Tanzästhetik. In vielen Bühnentanzstücken, insbesondere in denen von Pina Bausch, der Begründerin des Tanztheaters, finden Videoprojektionen oder andere filmische Techniken Verwendung.

Meine Hausarbeit „Intermedialität im Tanz- Tanztheater und seine intermedialen Einflüsse“ soll sich zur Aufgabe machen, Tanz als intermediales Geschehen begreifen zu können. Die Arbeit soll einen Einblick in die Arbeit von Pina Bausch geben und ihr Tanztheater auf intermediale Bezüge untersuchen. Dabei wurden von mir bewusst zwei unterschiedliche Werke herangezogen, die als Vorlage für diese Hausarbeit dienen sollen.

Das spannende Feld der intermedialen Beziehungen zwischen Mediengeschichte und Tanzästhetik ist äußerst umfangreich und kann unmöglich im Rahmen dieser Hausarbeit vollständig bearbeitet werden. Daher lege ich den Fokus gezielt auf das Tanztheater von Pina Bausch und hier auch nur auf eines ihrer Werke, nämlich das Stück „Walzer“ aus dem Jahre 1982. In einem weiteren Punkt werde ich dann noch auf den Regisseur Wim Wenders eingehen, welcher einen Meilenstein in der Tanzfilmgeschichte mit seinem Film „Pina, tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“ (2011) geschaffen hat.

In einem letzten Punkt werde ich die Erkenntnisse, die in der Hausarbeit gewonnen wurden, zusammenfassen.

2. Pina Bausch und das Tanztheater

Pina Bausch. Dieser Name steht nicht nur für eine weltweit anerkannte und berühmte Choreographin, sondern steht sinnbildlich für ein ganzes Genre: das Tanztheater.

1973 entwickelte Pina Bausch gemeinsam mit ihrem Ensemble an den Wuppertaler Bühnen eine neue Art des tänzerischen Ausdrucks und nannte es Tanztheater. Sie schuf mehr als 40 Stücke und revolutionierte den Tanz, indem sie ihn durch Sprache, Gesang, Schauspiel und Einflüssen aus der ganzen Welt bereicherte.[1]

2.1. Die Choreographin Pina Bausch

Die Tänzerin und Choreographin Pina Bausch wurde am 27.07.1940 in Solingen geboren und entwickelte schon früh ein herausragendes, tänzerisches Talent. Sie studierte Tanz in Essen und in New York und übernahm 1973 als Leiterin des Balletts das Tanzensembles Wuppertal. Sie schuf nicht nur einen neuen Tanzstil, sondern definierte mit ihrem Tanztheater den Begriff des Tanzes völlig neu. Theater, Oper und Film fanden Platz im Tanztheater und brachten Veränderung in die stagnierende Entwicklung der deutschen Ballettszene.[2] Nach anfänglicher Ablehnung des Publikums dem Neuen gegenüber, begeistern die Stücke Pina Bausch`s nach wie vor Zuschauer weltweit. Nach einer beispiellosen Karriere stirbt Pina Bausch unerwartet im Alter von 68 Jahren am 30.06.2009 in Wuppertal und hinterlässt ein beeindruckendes Lebenswerk.

2.2 „Tanz kann fast alles sein“

Tanz kann fast alles sein[3] sagte Pina Bausch einmal in einem Interview und meinte weiter: „ Es hat mit einem bestimmten Bewusstsein, einer bestimmten inneren, körperlichen Haltung, einer ganz großen Genauigkeit zu tun: Wissen, Atmen, jedes Detail. (…) Es gibt so viele Dinge, die Tanz sind, auch ganz gegensätzliche Dinge.“[4]

Für Pina Bausch war Tanz ein weiter Begriff, der Bewegungen genauso wie Gefühle umfasst und sich einer vielschichtigen Tanzsprache bedient. Es ging ihr um die Ausweitung des Tanzverständnisses und lässt sich wie folgt beschreiben : „ Das Tanztheater bildete sich aus zu etwas, was man ein Theater der Erfahrung bezeichnen könnte, zu einem Theater, das Wirklichkeit ästhetisch vermittelt, in direkter Konfrontation als Körperwirklichkeit erlebbar macht.“[5]

Ihre Stücke handeln von Menschen und ihren gesellschaftlichen Verstrickungen und Erfahrungen. Sie behandeln Themen wie Liebe und Sehnsucht, Verlust und Erinnerung, Traum und Realität. Pina Bausch sagte einmal über ihre Arbeit: „Mich interessiert nicht, wie Menschen sich bewegen, sondern was sie bewegt“ [6] und trifft damit den Kern der Grundüberlegungen zum Tanztheater.

3. Medieneinflüsse auf die Tanzästhetik

Die im 20. Jahrhundert aufkommenden Bildmedien Fotografie und Film haben zweifellos Auswirkungen auf die Ästhetik des Tanzes, insbesondere des modernen Tanzes und verändern dessen Form- und Bildsprache. Doch auch schon in der Antike lässt sich zurückverfolgen, dass Tanz, Theater und Medien zu einer Einheit verschmelzen. Mit einer stetig wachsenden Technisierung verändern sich beispielsweise die Illusionsmöglichkeiten des Theaters oder die Licht-und Tonverhältnisse im Tanz. Diese mediale Verschmelzung der verschiedenen Kunstformen hat wiederum zur Folge, dass Theater, Tanz und Technologie/Medien nicht getrennt voneinander betrachtet werden können. Die künstlerischen Medien stehen also in einer unmittelbaren Beziehung zu dem Geschehen an sich, den Künstlern und auch den Zuschauern.[7]

3.1. Zum Begriff der Intermedialität

Der Begriff der Intermedialität wird immer häufiger in den Literatur-, Medien und Kulturwissenschaften verwendet und kann ganz allgemein als „ Zusammenspiel verschiedener Medien oder etwas differenzierter als konzeptionelles Miteinander von gekoppelten Medien"[8] definiert werden.

In einer immer stärker ausgerichteten digitalisierten Welt werden unsere Empfindungen und Sinneseindrücke zunehmend von medialen Einflüssen begleitet. Vor allem Kommunikationsmedien spielen eine tragende Rolle im alltäglichen Leben jedes Einzelnen. Auch der Tanz unterliegt diesem Wandel und ist eine Kunstform intermedialen Geschehens geworden. Mit dem Begriff der Intermedialität besteht die Möglichkeit die Kunst der Moderne im Austausch mit ihren ästhetischen Merkmalen zu sehen und mit Kunstformen verschiedenster Art in Beziehung zu setzen.[9] Es verknüpft Künste wie beispielsweise Malerei, Plastik, Musik, Film, Literatur, Theater, Tanz und diverse Technologien miteinander. Irina Rajewsky beschreibt den Begriff der Intermedialität als „ Mediengrenzen überschreitende Phänomene, die mindestens zwei konventionell als distinkt wahrgenommene Medien involvieren“.[10]

[...]


[1] Meyer, Marion, Pina Bausch Tanz kann fast alles sein. Remscheid: Bergischer Verlag 2012.

[2] Servos, Norbert, Pina Bausch Tanztheater. München: K. Kieser Verlag 2003.

[3] Meyer, Marion, Pina Bausch Tanz kann fast alles sein. Remscheid: Bergischer Verlag 2012.

[4] Vgl. Meyer, Marion, S.15.

[5] Vgl. Servos, Norbert, S. 22.

[6] Ebd.

[7] Fischer-Lichte, Erika, Theaterwissenschaft. Stuttgart / Weimar: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH 2005.

[8] Rosiny, Claudia, Tanz Film. Bielefeld: transcript Verlag 2013.

[9] Vgl. Rosiny, Claudia, S. 21-24.

[10] Rajewsky, Irina, Intermedialität. Stuttgart: UTP 2002.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Intermedialität im Tanztheater
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
12
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V279842
ISBN (eBook)
9783656728917
ISBN (Buch)
9783656728924
Dateigröße
1051 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
intermedialität, tanztheater
Arbeit zitieren
Sarah Benzing (Autor), 2014, Intermedialität im Tanztheater, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279842

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