In der vorliegenden Hausarbeit geht es um die Fragestellung, wie geänderte Mediengewohnheiten und ein veränderter Medienkonsum sich in der sprachlichen Gestaltung in zeitgenössischer Prosa manifestieren, und wie diese Texte produktiv im DaF-Unterricht „zur Steigerung der Handlungskompetenz auch in der Fremdsprache“ eingesetzt werden können. Hierfür soll das 7. Kapitel „Ein Beitrag zur Debatte“ aus Daniel Kehlmanns Roman "Ruhm", erschienen im Jahr 2009, exemplarisch herangezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Siebers Begriff des `Parlando`
3. Analyse: „Ein Beitrag zur Debatte“
3.1 Syntax
3.2 Lexik: Anglizismen / Neologismen
4. Methodisch-didaktische Überlegungen
4.1 Kreative Arbeitsaufträge / Fazit
5. Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie veränderte Mediengewohnheiten die sprachliche Gestaltung zeitgenössischer Prosa beeinflussen, und zeigt auf, wie diese Texte produktiv zur Förderung der handlungsbezogenen Sprachkompetenz im DaF-Unterricht eingesetzt werden können.
- Analyse des Einflusses digitaler Kommunikation auf moderne Textmuster
- Untersuchung des Konzepts „Parlando in Texten“ nach Peter Sieber
- Exemplarische Analyse von Daniel Kehlmanns Roman „Ruhm“ (Kapitel 7)
- Entwicklung handlungs- und produktionsorientierter didaktischer Szenarien
- Reflexion über Sprachreflexion und Authentizität im Fremdsprachenunterricht
Auszug aus dem Buch
3.2 Lexik: Anglizismen / Neologismen
Mollwitt postet exzessiv in Internetforen wie literature4you, oder movieforum. Der gesamte Sprachduktus ist stark am Englischen ausgerichtet, sowohl in Syntax als auch in der Lexik. So macht Kollege Lobenmeier „sein Workzeug und unterbricht nur, um mir das Auge zu geben“ (134, to give somebody the eye). Er übernimmt also idiomatische Redewendungen, Phraseologien, und überträgt sie 1:1 in die Muttersprache.
Der neugierige Erzfeind Lobenmeier „will mir auf den Screen glancen“ (135), aber Mollwitt ist immer schneller. „Nur einmal musste ich sehr dringend Restroom […] und als ich zurück, saß er mit riesen Smile auf meinem Stuhl.“ (135)
Als Charakteristika für eine Sprache der Nähe, für das Phänomen Parlando nennt Sieber u.a. spontane Ad-hoc-Bildungen von Wörtern. Für Mollwitts höchst idiosynkratischen Stil scheinen diese Neologismen beinahe ein krankhafter Zwang zu sein, so sehr häufen sich Wortneubildungen wie: „exaktgenau, immertäglich pünktlich, immerja fleißig“, (134), womit er Emphase und Betonung auf Sachverhalte legt, die ihm wichtig sind und die ihn emotional mitnehmen. Idiosynkratisch ist auch die Art und Weise, wie Steigerung grammatikalisch gebildet wird: „ziemlich sehr groß“ (134), „Voller Container Fehlermeldung“ (wenn er nicht mehr posten kann, 136); „Ich war jetzt voller Container visible!“ (137), „Voller Container Herzklopf.“ (wenn er nervös ist, bevor er zum Chef muss, 138) „Regen, voller Container.“ (142)
Positive sowie negative Verstärkung drückt er meist mit Neologismen aus: „Stahlidee, stahldunkel, stahlehrlich.“ (138) Kollokationen wie: „Geldverdienmist, Lifesense, Polizeizeug, Workzeug“ (134) drücken oft negative Konnotationen aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie mediale Einflüsse auf die Prosa für den DaF-Unterricht genutzt werden können, um Handlungskompetenzen zu steigern.
2. Siebers Begriff des `Parlando`: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des „Parlando“ und dessen Bedeutung für die Erweiterung des Sprachbewusstseins sowie die soziologische Identitätsentwicklung.
3. Analyse: „Ein Beitrag zur Debatte“: Hier wird das Kapitel aus Kehlmanns „Ruhm“ hinsichtlich seiner syntaktischen und lexikalischen Besonderheiten detailliert untersucht.
3.1 Syntax: Das Kapitel analysiert die spontane, mündlich geprägte Syntax in Mollwitts Sprachgebrauch, die ein hektisches Tempo suggeriert.
3.2 Lexik: Anglizismen / Neologismen: Hier werden die exzessive Verwendung von Anglizismen und die idiosynkratischen Ad-hoc-Wortneubildungen des Protagonisten thematisiert.
4. Methodisch-didaktische Überlegungen: Dieses Kapitel stellt Ansätze für einen handlungs- und produktionsorientierten Unterricht vor, der kreative Schreib- und Sprechanlässe priorisiert.
4.1 Kreative Arbeitsaufträge / Fazit: Dies ist eine Sammlung konkreter Aufgabenbeispiele, die den Lernern helfen, ihre eigene Medienkompetenz und Sprache zu reflektieren.
5. Literaturliste: Diese Liste enthält die im Text zitierten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
DaF-Unterricht, Parlando, Medienkonsum, Kehlmann, Ruhm, Sprachkompetenz, Syntax, Anglizismen, Neologismen, handlungsorientiert, Medienpädagogik, Fremdsprachenerwerb, Schreibentwicklung, Kommunikation, Authentizität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich veränderte Mediengewohnheiten in der modernen Literatur widerspiegeln und wie dieses Phänomen didaktisch genutzt werden kann, um Lernende im DaF-Unterricht zur produktiven Spracharbeit zu motivieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die medienpädagogische Förderung von Schreib- und Sprechkompetenz, die linguistische Analyse von „Parlando“-Elementen in Texten und die Integration authentischer, zeitgenössischer Prosa in den Fremdsprachenunterricht.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, einen kompetenzorientierten Unterricht zu entwerfen, der die Lebenswelt der Lernenden einbezieht und durch die Analyse literarischer Normabweichungen ein tieferes Sprachverständnis fördert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die linguistische Textanalyse nach Peter Sieber, um sprachliche Muster, wie Syntaxverkürzungen und Neologismen, in Daniel Kehlmanns Roman „Ruhm“ zu identifizieren und didaktisch aufzubereiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die spezifische Sprache der Romanfigur Mollwitt, insbesondere dessen „konzeptionelle Mündlichkeit“, die durch Anglizismen, Ad-hoc-Wortbildungen und eine stakkatoartige Syntax geprägt ist.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind DaF-Unterricht, Parlando, Medienpädagogik, Schreibkompetenz und Handlungsorientierung.
Wie trägt die Figur Mollwitt zur Zielsetzung der Arbeit bei?
Die Figur dient als Modell, um den Lernenden einen authentischen, wenn auch übersteigerten Umgang mit Sprache vor Augen zu führen und sie dazu zu provozieren, eigene Positionen zu Internetkultur und Mediennutzung zu beziehen.
Welche Rolle spielen die vorgeschlagenen kreativen Arbeitsaufträge?
Sie dienen dazu, die theoretischen Erkenntnisse praktisch umzusetzen, indem sie die Lernenden auffordern, Rollen zu übernehmen, eigene Mediennutzung zu reflektieren und spielerisch mit syntaktischen Regeln zu experimentieren.
- Arbeit zitieren
- Maria Mendel (Autor:in), 2014, Medienpädagogische Ansätze zur Förderung der schriftlichen und mündlichen Produktion im DaF-Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279915