Das Pantheon in Rom. Baugeschichtlicher Überblick, Beschreibung und Rolle des "opus caementium"


Hausarbeit, 2014

17 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Ein baugeschichtlicher Überblick

Baubeschreibung

Der römische Beton „opus caementitium“

Die Verwendung von opus caementitium am Pantheon

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Eines der bedeutendsten, bekanntesten sowie eindrucksvollsten Bauwerke der Menschheitsgeschichte ist das Pantheon in Rom. Durch die perfektionierte Beherrschung und den Bau der damaligen Gewölbekonstruktionen, erreichten die antiken Baumeister eine Innovation in der bisherigen Baukunst. Diese Innovation wird jedoch vor allem durch den ursprünglich „römischen Beton“ suggeriert. F.W. Deichmann formuliert in seinem Werk eine „Revolution der Bautechnik“[1]. Gemeint ist hiermit der römische Beton, der unter dem lateinischen Begriff opus caementitium bekannt ist. Opus was soviel bedeutet wie Bauwerk oder Bauteil und caementitium von caementum, was übersetzt soviel bedeutet wie „der behauene Stein“ oder auch „Bruchstein“; dem heutigen Begriff nach Zement.[2] Demnach wird der damalige Zement mit der damaligen Bezeichnung materia [3] gemischt und ergibt nach dem Abbindeprozess ein Konglomerat – Gestein.[4] Die wesentlichen Bestandteile des heut zu Tage bekannten Betons sind Zement, Wasser sowie Zuschläge aus Sand und Steinen. Dieses Mischverhältnis ergibt die Bausubstanz aus der nahezu 50% aller Bauwerke bestehen. Ob dabei die Thematik der Zwecksmäßigkeit oder der Schönheit im Fokus steht, sei dahingestellt.

Im Fokus dieser wissenschaftlichen Arbeit, die im Rahmen des Seminars „Hoffentlich ist es Beton. Ein Baustoff und die Denkmalpflege“ entstanden ist, steht das Pantheon. Zunächst wird ein baugeschichtlicher Überblick und die allgemeine Baubeschreibung suggeriert. Im Anschluss wird der Baustoff opus caementitium an Hand des Bauwerks Pantheon detailgenau analysiert. Hierbei soll unter anderem geklärt werden, inwiefern und an welchen Stellen des Gebäudes der römische Beton opus caementitium verarbeitet wurde, welche Hilfsmittel während der Bauphase genutzt wurden und welche Problematiken dabei auftauchten. Zudem soll in einem abschließenden Fazit geklärt werden, inwiefern man opus caementitium bzw. den römischen Leichtbeton mit der heutigen Bausubstanz in Bezug auf seine Rohdichte vergleichen kann.

Ein baugeschichtlicher Überblick

Die Urfassung des Pantheon geht auf M.V. Agrippa zurück. Die Datierung wird ungefähr auf 27 und 25 v. Chr. gelegt. Bei diesem ersten Bau handelte es sich vermutlich um eine Hallenkonstruktion, die ursprünglich als Hauptgebäude des Komplexes der Agrippa Thermen angedacht war. Hierbei handelte es sich um einen 19,82m breiten und 43,76m langen Tempel, der im Gegensatz zum jetzigen Pantheon nach Süden gerichtet war. Agrippa war der damalige Schwiegersohn des Augustus und beauftragte die Neugestaltung des gesamten Viertels. Nach einem Feuer bzw. einem Blitzeinschlag 22 n. Chr. sowie 80 n. Chr. wird das Pantheon unter der Leitung von Titus neu errichtet. Von der zweiten Bauphase, der unter Domitian errichtet wurde, ist in der Literatur nichts überliefert. Durch einen erneuten Blitzeinschlag wurde das Pantheon um 110 n.Chr.[5] so schwer beschädigt, dass Hadrian den Bau der als heutiges Pantheon bekannt ist, vollendete. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit kann man Appollodorus von Damaskus als den Architekten des Pantheon erwähnen. Ihm werden viele Bauten in der Zeit Trajan in Rom zugesprochen wie zB. Die Trajansthermen, das Trajansforum, sowie die Donau-Brücke bei Debrecen (102- 105 n.Chr.).[6] Das Verhältnis zwischen Kaiser Trajan und Apolodorus war sehr konstruktiv, hingegen war das Verhältnis zwischen dem Nachfolger Hadrian ernüchternd, sodass es zu gestörten Bauabläufen gekommen sein soll. Der Literatur Lamprechts nach, soll Apollodorus in einem Konflikt zu Hadrian gesagt haben: „Geh und male Deine Kürbisse, denn hiervon verstehst du nichts!“[7] /[8] Bei dem hadrianischen Wiederaufbau wurde die ursprüngliche Anlage vollständig verändert. Der heutige Bau entspricht aus diesem Anlass nicht mehr dem Zustand der Antike. Aus Platzgründen, wurde die Fassade um 180 Grad nach Norden verlegt, an der Stelle des ursprünglichen Tempels wurde die Vorhalle platziert und in den Zwischenraum zur Basilika des Neptun wurde der Rundbau eingefügt. Hadrian erweist seinem Vorgänger Agrippa die große Ehre und bringt seinen Namen über dem Eingansportal an(Abb.1). Der Tatsache, dass sich das Pantheon bis heute in einem gut überlieferten Zustand befindet, verdanken wir Papst Bonifaz III, der das Bauwerk 609 n.Chr übernahm und zu einer katholischen Kirche umfunktionierte, die bis heute der heiligen Maria geweiht ist. Ursprünglich war dieser Bau ein allen Göttern geheiligtes Heiligtum. Bis heute bleibt jedoch fraglich, welche Götter hier einst verehrt wurden.

Baubeschreibung

Nähert man sich dem Pantheon, wird man zunächst von einer mächtigen Giebelfront eingenommen. Die Säulenhalle erstreckt sich über eine Breite von 33,1m und erreicht eine Tiefe von 15,5m. Betrachtet man die Fassade zunächst nur von außen, gliedern sich acht, aus einem Stück gehauene Säulen rhythmisch aneinander. Die Säulen bestehen aus grauem Granit; sind mit einem korinthischen Kapitell und Säulenbasen aus weißem Marmor bekrönt und haben einen Durchmesser von 1,5m sowie eine Höhe von 15m (Abb.1,2). Hinter der ersten, der dritten, der sechsten sowie der achten Säule befinden sich zwei weitere, in die Tiefe gestaffelte Säulen, sodass hier eine Dreischiffigkeit entsteht. Insgesamt kommt das Eingansportal also auf eine Gesamtzahl von 16 Säulen (Abb. 3)[9]. Das breite Mittelschiff führt auf das Eingangsportal mit einer sechs Meter hohen Bronzetür zu. Hierbei handelt es sich um eine wieder verwendete Tür aus dem Bau des Agrippa. Die beiden äußeren Schiffe führen jeweils auf eine Statue zu die zum einen Augustus und zum anderen Hadrian darstellen. Dem eben beschriebenen Pronaos folgt ein massiver Ziegelbau, der als Verbindung zwischen der Vorhalle und dem Rundbau fungiert. An den Seiten waren jeweils funktionale Treppen, die den Aufstieg zu der Außenseite der Kuppel ermöglichten. Erhalten ist jedoch nur die Treppe auf der linken Seite. Dieser Teil des Pantheons hat keine Lichtquelle. Eine weitere bautypologische Funktion dieses Gebäudeteils ist weitestgehend unbekannt. Der wichtigste Bestandteil des Pantheons ist der überwölbte Rundbau, der auf einer massiven Fundamentierung, von einer Breite von 7,3m und einer Tiefe von 4,5m besteht[10] (Abb.4). Der dreigeschossig gegliederte Innenraum, weist im Untergeschoss alternierend rechteckige sowie runde Nischen auf, die durch acht große Pfeiler voneinander getrennt sind (Abb.5,6). Betrachtet man die dreigeschossig gegliederten Abschnitte genauer, fällt auf, dass die Gliederung der Kuppel nicht bündig bzw. exakt mit der Gliederung der Wandarchitektur übereinstimmt (Abb.7). Die eben erwähnten acht Nischen, sowie die acht Wandabschnitte fallen unter das mathematische Teilungssystem. Hierbei handelt es sich um die vier Himmelsrichtungen die in der antike eine besondere Rolle spielten. Die obere Wandzone greift dieses System mit ihren 16 Fenstern wieder auf. Die sich in der Zone befindenden Fenster sind den jeweiligen Nischen sowie den Wandabschnitten axial zugeordnet (Abb.7). Betrachtet man an der Stelle die Kuppel, fällt ebenfalls auf, dass auch die Kassetten diesem System nicht folgen. Der Literatur nach gibt dieses ein Indiz darauf, dass die Kuppel nicht als Teil der sich darunter befindenden Wandgliederung konzipiert wurde. Somit könnte man die Kuppel als eigenständiges Formelement deuten.

Betritt man die Rotunde, fällt gleich die einzige Lichtquelle im oberen Zenit auf, das Opaion[11]. Eine kreisrunde Öffnung mit einem Durchmesser von neun Metern (Abb.8,9). Steht man in der Rotunde erhält man den Eindruck man stünde unter einer nach unten geöffneten Halbkugel. Dabei wiederholt sich die Höhe der Rotunde in dem Durchmesser des Grundkreises. Die Kugel thematisiert in der Geometrielehre der Alten Welt seit Platon die vollkommenste Figur überhaupt. Der Durchmesser der Kuppel beträgt 43,3m und ist mit fünf konzentrischen Kassettenreihen verziert (Abb.8,10). In jeder Reihe gliedern sich 28 Kassetten aneinander, die sich nach oben hin zur Lichtquelle verkleinern. Die größten Kassetten die sich direkt am Hauptgesims befinden, haben eine Abmessung von ca. 4m mal 4,5m. Dies entspricht einer Fläche von 18m². Die Tiefe aller 140 Kassetten beträgt 0,65m.[12] Ursprünglich waren die einzelnen Kassetten bemalt und mit einem bronzenen oder goldenen Stern versehen. Der Eindruck einer Rotunde wird im Innenraum zusätzlich zur Kuppel von der umlaufenden Saalwand unterstützt. Die acht Nischen[13] werden an ihren Eingängen von Eckpilastern eingefasst. Zwischen den Pilastern befinden sich jeweils zwei korinthische Säulen, die gemeinsam mit den Pilastern ein vollständiges Gebälk üblicher Art tragen.[14] Eine andere Ansicht bietet hingegen die Nische, die sich gegenüber der Sichtachse des Eingangsportals befindet (Abb.7). Diese Nische öffnet sich und durchbricht das Deckengewölbe in der ganzen Breite. Diese gesonderte Ausführung der Südnische ist also ein Kennzeichen dafür, dass es sich hier um einen besonderen Raum handelt. Zum einen entsteht hier eine axiale Sichtachse zum Eingangsportal und zum anderen bekommt die Information, dass Hadrian zu seiner Zeit im Pantheon mit dem Senat zusammen Gericht gehalten hat, eine besondere Bedeutung. Somit diente die Nische eventuell als Platz an dem er bei Verhandlungen gesessen hat. Die Attikazone umschließt die Innenwand wie ein breiter Gürtel. Die jeweiligen Fenster bzw. rechteckigen Vertiefungen werden von einem Dreiecksgiebel bekrönt. Das heute vorzufindende Wanddekor stammt aus dem 18. Jahrhundert, jedoch konnte ein Teil des Dekorums in seine ursprüngliche Form zurückversetzt werden. Der Literatur nach, entsteht hier eine optische Täuschung. Der Betrachter bekommt von dem Inneren des Pantheons den Eindruck als würde er auf eine Außenfassade eines anderen Gebäudes schauen (Abb. 7).

Der Fußboden des Pantheons ist durchgestaltet durch alternierend quadratische sowie kreisrunde Marmorplatten (Abb. 11). Verwendet wurden hier identisch dieselben Marmorsorten, wie in der architektonischen Dekoration.[15] Ein wichtiges architektonisches Detail, bildet der sich zur Mitte hin aufwölbende Fußboden. Zum einem diente die Wölbung dem Ablaufen des Regenwassers und zum anderen repräsentiert der gewölbte Boden die gekrümmte Erdoberfläche als Pendant zu der gewölbten Himmelsphäre[16]. Der Innenraum wird somit zu einem Abbild des Kosmos. Betritt man das Pantheon heute, befindet sich im mittleren Teil ein abgesperrter Bereich indem kleine Löcher in den Fußboden integriert wurden. Punktuell wird hier ein Ablaufen des Regenwassers gewährleistet. Dieses ist ein weiteres Indiz für eine durchdachte Architektur.

Der römische Beton „opus caementitium“

Wie eingangs schon beschrieben handelt es sich bei dem opus caementitium um ein Gemisch aus Mörtel und Steinen, sowie die Funktion eines Bindemittels. Hierbei spielt Kalk eine große Rolle. Jedoch kann man den Texten Vitruvs entnehmen, dass es auch weitere Möglichkeiten unabhängig des eben erwähnten Kalks gibt. Hierbei handelt es sich um Puzzolane oder Ziegelmehl. „Unter Puzzolan verstand man ursprünglich den vulkanischen Tuffboden des Gebietes um Pozzuoli und Baiae bei Neapel.“[17] Durch eine Schale aus weiteren Steinen oder einer Holzkonstruktion wird die gewünschte Form in die richtige Position gebracht.[18] Nach der kompletten Erhärtung wird die äußere Schale wieder entfernt und kann erneut verwendet werden. Es gibt jedoch verschiedene Bauverfahren wie z.B. opus incertum, opus reticulatum und opus testaceum sowie opus mixtum. Diese Verfahren ermöglichten den Römern zum einen eine preisgünstige Bauweise und zum anderen ermöglichte es den damaligen Baumeistern eine Innovation in der Gestaltung der Architektur; opus caementitium machte somit erstmalig eine Überkuppelung der Architekturen möglich. Bei der damaligen Planung eines Gebäudes mit dem Material musste zunächst getestet werden, wie die Beschaffenheit der Bodenverhältnisse ist und welche Traglast man dem zu bebauenden Terrain aussetzen kann. Bei standfesten Böden wie z.B. felsigen Untergrund genügt eine Lage aus gestampften Schotter.[19] Bei nicht ausreichender Tragfähigkeit wird eine Pfahlgründung platziert um eine tragfähige Schicht zu gewährleisten.

[...]


[1] Deichmann, F.W.: Westliche Bautechnik im römischen und rhomäischen Osten in: Mitteilungen des Deutschen Archäologen Instituts, Römische Abteilung, Bd. 86, Mainz 1979, S. 473f.

[2] Lamprecht: Opus Cementitium, Bautechnik der Römer, Düsseldorf 1984, Seite 21.

[3] Damalige Bezeichnung für Mörtel.

[4] Vgl. Lamprecht: Opus Cementitium, Bautechnik der Römer, Düsseldorf 1984, Seite 21.

[5] Zu dem damaligen Zeitpunkt wurde die Renovierung durch Trajan veranlasst.

[6] Lamprecht: Opus Cementitium, Bautechnik der Römer, Düsseldorf 1984, Seite193.

[7] Lamprecht: Opus Cementitium, Bautechnik der Römer, Düsseldorf 1984, Seite193

[8] Der Begriff Kürbisse soll in diesem Zusammenhang mit den bei Hadrian beliebten Kuppelbauten definiert werden.

[9] Gut zu erkenne ist dieses im angefügten Grundriss, Abbildung 5.

[10] Hierbei handelt es sich um ein breites Gussmauerwerk.

[11] Opaion bedeutet aus dem Griechischen übersetzt soviel wie Rauchöffnung

[12] Durch die steil von oben kommende Lichtführung erscheint die jeweilige Tiefe der einzelnen Flächen der Kassette tiefer. Bei dieser Thematik widerspricht sich die Literatur, ob die Kassetten zur Gewichtsreduzierung der Kuppel dienen. So behauptet Schleich, dass es eine Gewichtreduktion von 5% ergibt.

[13] Wobei eine als Eingansportal zählt

[14] Diese Konstellation dieser Art ist eigentlich von kleineren Bauten bekannt (Typus Antentempel), gehören jedoch eigentlich nicht zu dem Typus einer dekorativen Raumausstattung.

[15] Verwendete Marmorsorten: Porphyr, Granit, Pavonazzetto und Giallo Antico. Porphyr ist ein nordafrikanisches Gestein in der kaiserlichen Purpurfarbe.

[16] Hier suggeriert durch die Kuppel.

[17] Vgl. Lamprecht, Heinz Otto: Opus Caementitium, Bautechnik der Römer, Düsseldorf 1984, S.32.

[18] Es entsteht also unter anderem eine aus Quadern gemauerte Schale, die mit opus caementitum befüllt wird.

[19] Vgl. Lamprecht, Heinz Otto: Opus Caementitium, Bautechnik der Römer, Düsseldorf 1984, S.34.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Pantheon in Rom. Baugeschichtlicher Überblick, Beschreibung und Rolle des "opus caementium"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V279984
ISBN (eBook)
9783668150324
ISBN (Buch)
9783668150331
Dateigröße
2129 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Das Pantheon, Kunstgeschichte
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Das Pantheon in Rom. Baugeschichtlicher Überblick, Beschreibung und Rolle des "opus caementium", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/279984

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