„Die Walther-Reinmar-Fehde“ am Beispiel des Sumerlaten-Liedes


Essay, 2013

7 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung .

2. Der Begriff der ‚Fehde‘ ..

3. Das Sumerlaten-Lied .

4. Fazit .

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dieses Essay befasst sich mit der Fehde zwischen Walther von der Vogelweide und Reinmar dem Alten. Hier soll der Begriff der ‚Fehde‘ näher erläutert werden, um im Anschluss den Kontakt zwischen Walther und Reinmar genauer untersuchen zu können. Dies wird am Beispiel des Sumerlaten-Liedes[1] geschehen. Die Textgrundlage bildet hierzu das Werk von Günther Schweikle. Zum Schluss soll ein kurzes Fazit folgen, welches die allgemeinen Forschungsthesen wie meine eigene Meinung zum Themenkomplex widerspiegelt.

2. Der Begriff der Fehde

Der Begriff der ‚Fehde‘ bezeichnet aus dem heutigen Begriffsverständnis eine mehr oder minder gewaltsame und verfeindete Auseinandersetzung. Dieses Wortverständnis resultiert aus der Verwendung, oft in Bezug auf Konflikte, welchen gewaltsame Auseinandersetzungen folgen.[2] Diese Bedeutung ist im literarischen Kontext anders zu verstehen. Zuerst einmal gehört der Begriff der Fehde zum festen Begriffsarsenal der Literaturgeschichtsschreibung.[3] Aus diesem Grund wird auch mit diesem Begriff eher ein Duell oder Austausch zweier Literaten beschrieben. So kann dieser Begriff in Bezug auf die Konstruktion zwischen Walther und Reinmar als Dichterwettstreit oder auch als literarische Auseinandersetzung ausgelegt werden. Hier spielte die Öffentlichkeit, welche der poetischen Auseinandersetzung beiwohnte, eine wichtige Rolle. So wird zudem deutlich, dass ein gemeinsamer Auftritt der Kontrahenten nötig war. Diese Fehdensituation tritt in der mittelhochdeutschen Lyrik vor allem bei fahrenden Sängern auf. Auftritte waren der wirksamste Weg Bekanntheit zu erlangen und der Wettstreit mit anderen Dichtern und Poeten steigerte den Reiz für das Publikum wie auch das zu erreichende Ansehen beim jeweiligen Künstler.

Insgesamt ist die Reinmar-Walther-Fehde die bekannteste der mittelhochdeutschen Lyrik. Nun soll diese Fehde mit Hilfe des Sumerlaten Liedes genauer beleuchtet werden. Hierbei wird die Kontrahenten-Situation herausgearbeitet.

3. Das Sumerlaten-Lied

Zuerst einmal ist der Ausgangspunkt die Überlieferungssituation, welche in der Bearbeitung von Günther Schweikle hinterlegt ist.[4]

Die Überlieferungssituation zeigt sich wie folgt. Sie besteht erstens aus einem „dreistrophigen Lied in der mutmaßlichen Reinmar-Sammlung b, zweitens einem fünfstrophigen Lied in der Handschrift A, C und E unter dem Namen Walthers von der Vogelweide, drittens zwei Strophen, die b 85 und 87 entsprechen, integriert in die spätmittelalterliche anonyme Ballade vom edlen Möringer[5]. Im Weiteren deutet Lachmann die Überlieferungssituation so, dass er die Lieder in CA Walther zuordnet und die weiteren Texte nur als Ableger wahrnimmt.

Das metrische Gefüge des Aufgesangs ist in ACE bewahrt und doch zeigen sich im Abgesang starke Abweichungen. Speziell in der 3. Strophe zeigt jede Handschrift eine eigene Version, dennoch bleibt der Sinn weitestgehend gleich. Viele Textdifferenzen werden auf das Ergebnis einer fehlenden Ausgestaltung zurückgeführt, des Weiteren werden auch ‚Gebrauchsspuren‘ als möglicher Grund angenommen. Die Überlieferung unter B weist die markantesten Besonderheiten auf. Diese Überlieferung beinhaltet nur 3 Strophen. Der Abgesang hat eine klare Dreigliederung (ACE: zweigliedrig). Der Text und die Strophenform unterscheiden sich deutlich von den Überlieferungen in ACE.[6] Auch in der Thematisierung zentraler Aspekte und bei der Ausrichtung der Textkonnotation zeigen sich markante Unterschiede. In der Überlieferung von Walther wird von „guote liute“[7] gesprochen und der Dichter wendet sich diesen zu. Dem gegenüber wird bei Reinmar von „schoene frouwen“[8] gesprochen. Aus diesem Grund wirkt die ‚frouwe‘ übermütig ohne, dass der Dichter durch sein Zutun dies weiter steigert. In ACE wird das Schweigen als Drohung und Druckmittel eingesetzt. So wirkt B insgesamt resignierender mit einer aggressiven Schlusssequenz.[9] In ACE stellt sich die Situation anders dar. Als derber Scherz wird die Züchtigung der liebeslistigen Alten ausgelegt. Das traditionelle Motivgut des Minnesangs, der sogenannte Minnekrieg/Minneerbe, wird hier verwendet und zerstört die Illusion, die zuvor durch die Dichter erstellt wurde.

[...]


[1] Schweikle, Günther: Steckt im Sumerlaten-Lied Walthers von der Vogelweide ein Gedicht Reinmar des Alten? In: Zeitschrift für deutsche Philologie. Bd. 87 Sonderheft. S. 131-153.

[2] Eingesehen am 13.12.2012. http://www.duden.de/rechtschreibung/Fehde.

[3] Schweikle, Günther: Die Fehde zwischen Walther von der Vogelweide und Reinmar dem Alten. In: Zeitschrift für deutsche Altertum und deutsche Literatur. Bd. 115. S.235-253.

[4] Reinmar: Lieder. Nach der Weingartner Liederhandschrift (B), Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Hrsg. von Günther Schweikle. Philipp Reclam Jun. Stuttgart 1986. S. 384.

[5] Ebd.

[6] Schweikle, Günther: Die Fehde zwischen Walther von der Vogelweide und Reinmar dem Alten. In: Zeitschrift für deutsche Altertum und deutsche Literatur. Bd. 115. S. 235-253.

[7] Reinmar: Lieder. Nach der Weingartner Liederhandschrift (B), Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Hrsg. von Günther Schweikle. Philipp Reclam Jun. Stuttgart 1986. S. 286.

[8] Ebd. S.282.

[9] Ebd. S.292.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
„Die Walther-Reinmar-Fehde“ am Beispiel des Sumerlaten-Liedes
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft - Lehrstuhl für Ältere Deutsche Literatur)
Veranstaltung
„Die Lieddichtung Reinmars“
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
7
Katalognummer
V280010
ISBN (eBook)
9783656738954
ISBN (Buch)
9783656738909
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
walther-reinmar-fehde, beispiel, sumerlaten-liedes
Arbeit zitieren
Thorsten Kade (Autor), 2013, „Die Walther-Reinmar-Fehde“ am Beispiel des Sumerlaten-Liedes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280010

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