Executive Summary
Durch eine Zusammentragung der grössten Probleme staatlicher und privater Fachhochschulen (FHs) bei der Organisation ihrer Ausbildungsprogramme als Vorgabe für die weiteren Untersuchungen stellt sich in der vorliegenden Arbeit heraus, dass vor allem hohe Bewerberzahlen, knappe und oft stark reglementierte finanzielle Mittel, eine eingeschränkte Lehrbefugnis für staatliche und hohe Studiengebühren an privaten FHs zu den grössten Leistungsdefiziten des Status Quo gehören.
Anhand einer Analyse von drei Fallbeispielen wird aufgezeigt, dass partnerschaftliche Organisationsformen zwischen Staat und Markt Lösungsmöglichkeiten für diese Probleme bieten: Aus den Fallstudien ableitend wird empfohlen, Auswahlverfahren durch Partnerunternehmen der Praxis zur Vermeidung der Überfüllung von Hochschulen einzusetzen, stärkere Anreize für die Beteiligung der Privatwirtschaft an der Finanzierung von Ausbildungsprogrammen zu schaffen, Reglementierungen im Personal- und Finanzbereich zu lockern und die Erhebung von Studiengebühren durch eine Zusammenarbeit von Staat und Markt auch langfristig zu vermeiden.
In einer Schlussbetrachtung wird konstatiert, dass die Einräumung neuer Freiheiten notwendig erscheint, die Stärken des Staates aber nicht leichtfertig aufgegeben werden sollten. Letztere werden vor allem im etablierten und transparenten Professorensystem und der Möglichkeit des Staates zur Sicherstellung einer solidarischen Finanzierung von Bildung gesehen.
Offen bleiben muss die Frage nach der idealen institutionellen Wahl partnerschaftlich organisierter FHs. Allerdings wird aus den durch die Fallstudien gewonnenen Erkenntnissen gefolgert, dass sich in Hinblick auf eine möglichst hohe Qualität der Ausbildung weniger die Frage nach der optimalen institutionellen Wahl als jene nach der geeigneten Art und einem sinnvollen Umfang der inhaltlichen Beteiligung geeigneter Partner aus der Privatwirtschaft an Ausbildungsprogrammen stellt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. EINGRENZUNG DER FORSCHUNGSFRAGE UND DARSTELLUNG DER METHODIK
3. DIE RAHMENBEDINGUNGEN PARTNERSCHAFTLICHER AUSBILDUNGSPROGRAMME
3a. Der rechtliche Rahmen der Organisation von Bildung auf FH-Stufe in Deutschland.
3b. Konkrete Probleme der staatlichen FHs bei der Organisation ihrer Ausbildungsgänge
3c. Die Diskussion um private Hochschulen in Bildungspolitik und Verwaltungsreformdebatte
3d. Konkrete Probleme der privaten FHs bei der Organisation ihrer Ausbildungsgänge
4. DREI PARTNERSCHAFTLICHE PROGRAMME IM VERGLEICH
4a. Elektro- und Informationstechnik an der staatlichen FH Ingolstadt.
4b. Fahrzeugelektronik und Informationssysteme bei BA Ravensburg und Audi AG
4c. Elektrotechnik an der privaten FH Heidelberg
5. LÖSUNGSANSÄTZE DER DREI VORGESTELLTEN PROGRAMME FÜR KONKRETE PROBLEME IM TRADITIONELLEN SYSTEM
6. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR DIE ORGANISATORISCHE OPTIMIERUNG VON BILDUNG AUF FH-EBENE
7. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht drei partnerschaftlich organisierte, deutsche Ausbildungsprogramme auf Fachhochschulebene, um Stärken und Schwächen zu identifizieren und Optimierungsmöglichkeiten für die Organisation von Hochschulbildung zwischen Staat und Markt in Deutschland abzuleiten.
- Analyse der Rahmenbedingungen für partnerschaftliche Ausbildungsprogramme.
- Untersuchung von Leistungsdefiziten in traditionellen staatlichen und privaten Fachhochschulen.
- Vergleichende Fallstudien zur praktischen Umsetzung von Partnerschaften (Staat und Privatwirtschaft).
- Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur organisatorischen Optimierung der Hochschulbildung.
Auszug aus dem Buch
4b. Fahrzeugelektronik und Informationssysteme bei BA Ravensburg und Audi AG
Im dualen Ausbildungsprogramm der Berufsakademie Ravensburg und der Audi AG „Diplomingenieur/in BA Fahrzeugelektronik und Informationssysteme“ werden die Studenten wissenschaftlich-theoretisch in der BA Ravensburg und zugleich in besonders hohem Masse praktisch bei der Audi AG zu Ingenieuren ausgebildet. Zwar handelt es sich dabei nicht um das Programm einer FH, die nötigen Voraussetzungen für Studienbewerber sind aber mindestens so hoch wie für jene an FHs und die Diplome der Baden-Württembergischen BAs werden europaweit wie Hochschuldiplome anerkannt. Das Programm soll deshalb hier auch auf der Ebene der FHs in Deutschland diskutiert werden.
Was das Programm für die vorliegende Arbeit interessant macht, ist seine grundlegend partnerschaftliche Organisation zwischen Staat und Markt, welche mit dem dualen System der Lehrlingsausbildung in Deutschland verglichen werden kann: Zum einen ist der Anteil der theoretischen Ausbildung in der Hochschule quantitativ nicht stärker gewichtet als der praktische Teil im Unternehmen. Zum anderen kann hier auch organisatorisch von einer Partnerschaft zwischen staatlichem und privatem Akteur im engeren Sinne gesprochen werden: Die Hochschule verfügt über einen dualen Senat mit Mitgliedern aus der BA Ravensburg und solchen der Audi AG. Wer sich bei Audi AG und BA zum/zur Diplom Ingenieur/in (BA) Fahrzeugelektronik und Informationssysteme ausbilden lässt, ist nicht nur Student der BA Ravensburg, sondern zugleich auszubildender Mitarbeiter bei der Audi AG.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die Defizite in der Organisation von Hochschulbildung und definiert die Forschungsfrage zur Optimierung des Bildungssystems zwischen Staat und Markt.
2. EINGRENZUNG DER FORSCHUNGSFRAGE UND DARSTELLUNG DER METHODIK: Dieses Kapitel nimmt wesentliche Einschränkungen vor, definiert den Begriff der partnerschaftlich organisierten Ausbildungsprogramme und erläutert das methodische Vorgehen mittels Fallstudien.
3. DIE RAHMENBEDINGUNGEN PARTNERSCHAFTLICHER AUSBILDUNGSPROGRAMME: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen, die spezifischen Probleme staatlicher und privater Fachhochschulen sowie die bildungspolitische Diskussion um Privatisierungen dargestellt.
4. DREI PARTNERSCHAFTLICHE PROGRAMME IM VERGLEICH: In diesem Kapitel werden drei konkrete Fallbeispiele – FH Ingolstadt, BA Ravensburg mit Audi AG sowie FH Heidelberg – hinsichtlich ihrer partnerschaftlichen Organisation untersucht.
5. LÖSUNGSANSÄTZE DER DREI VORGESTELLTEN PROGRAMME FÜR KONKRETE PROBLEME IM TRADITIONELLEN SYSTEM: Dieser Abschnitt analysiert, wie die drei vorgestellten Programme die zuvor identifizierten Probleme wie Bewerberzahlen, Finanzierung und Reglementierungen angehen.
6. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR DIE ORGANISATORISCHE OPTIMIERUNG VON BILDUNG AUF FH-EBENE: Basierend auf den Analysen werden konkrete Empfehlungen für eine optimierte Organisation der Hochschulbildung abgeleitet.
7. SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, in der konstatiert wird, dass der Qualitätserfolg weniger von der Institutionsform, sondern maßgeblich vom Grad der Einbindung privater Partner abhängt.
Schlüsselwörter
Fachhochschule, Bildung, Staat, Markt, Public Private Partnership, Hochschulreform, Ausbildungsprogramme, Studiengebühren, Finanzierung, Lehrbefugnis, Berufspraxis, Qualitätssicherung, Kooperation, Hochschulorganisation, Arbeitsmarktorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Organisation von Hochschulbildung in Deutschland mit Fokus auf das Spannungsfeld zwischen staatlicher Steuerung und privatwirtschaftlicher Beteiligung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die rechtlichen Rahmenbedingungen für Fachhochschulen, die Probleme staatlicher und privater Hochschulen sowie die Wirksamkeit partnerschaftlicher Modelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie die Organisation von Bildung auf Fachhochschulebene durch partnerschaftliche Programme zwischen Staat und Markt optimiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Analyse von drei ausgewählten Fallbeispielen und ergänzt diese durch Experteninterviews, um Lösungsansätze für aktuelle Strukturprobleme zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Rahmenbedingungen, vergleicht drei unterschiedliche Programme und leitet aus deren Erfahrungen Handlungsempfehlungen ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Public Private Partnership, Fachhochschule, Hochschulreform und Qualitätssicherung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich das Modell der BA Ravensburg und Audi AG von rein staatlichen FHs?
Dieses Modell zeichnet sich durch eine formelle partnerschaftliche Organisation aus, bei der die Studierenden zugleich Mitarbeiter bei Audi AG sind, was eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis sowie eine effiziente Finanzierung ermöglicht.
Warum wird die Erhebung von Studiengebühren in der Arbeit kritisch betrachtet?
Studiengebühren werden als potenziell qualitätsfremdes Selektionskriterium gesehen, das die Chancengleichheit gefährden kann, weshalb die Arbeit Kooperationsmodelle zur Vermeidung von Gebühren bevorzugt.
- Quote paper
- Gian Schelling (Author), 2003, Organisation von Bildung zwischen Staat und Markt. Analyse partnerschaftlicher Ausbildungsprogramme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28002