Leitzinssenkung 2014. Bedeutung, Hintergründe, Informationen und Perspektiven sowie die Zukunft des Euro und der Eurozone

Für Unternehmen, Banken, Anleger, Investoren, Konsumenten


Ausarbeitung, 2014

120 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Vorwort

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1. Destinationen, Direktiven und Definitionen
1.1 Die Europäische Zentralbank oder des Währungshüters Fatum
1.2 Die Inflation macht Portemonnaies voller und Einkaufskörbe leerer
1.3 Deflation ist ein Paradies für Gläubiger, doch die Hölle für Schuldner
1.4 Die Einlagenfazilität, Haupt- und Spitzenrefinanzierungsgeschäfte

2. Verzinsung, Steuerung und Verteuerung
2.1 Mehr Wirtschaftsförderung durch das Maßnahmenpaket der EZB
2.2 Sparen ist mehr, als die Mitte zwischen Geiz und Verschwendung
2.3 Das Risiko, kein Risiko eingehen zu wollen, ist stets recht riskant
2.4 Nicht alles, was wirtschaftlich zählt, ist auch in Zahlen erfassbar
2.5 Eurokritiker kennen meist jeden Preis, nicht aber den Wert

3. Je größer der wirtschaftliche Eigennutz, desto verzwickter die Methoden
3.1 Für Geld rauben Amateure Banken aus, Profis gründen eine
3.2 Bremse oder Motor – die Kompromisswirtschaft der EU-Banken
3.3 Warum sich der Wert des Geldes stets erst beim Verleihen offenbart
3.4 Angeblich sichere Anlagespekulationen gehen fast immer schief
3.5 Wo zwei spekulieren, kann stets nur einer gewinnen
3.6 Eine gute Beratung kostet viel, eine schlechte meist umso mehr
3.7 Der Libor oder großer Betrug ist stets auch großer Gewinn
3.8 Die europäische Bankenkrise, der Bankentest und die Bankenunion

4. Warum Investitionen in Wirtschaftswissen stets bessere Zinsen bringen
4.1 Politik plus Lobby gleich Interessenvertreter mit eigenen Interessen
4.2 Anleihen und Exporten ohne Bürge und Pfand fehlt der Verstand
4.3 Keiner mag den Euro, aber jeden will ihn haben
4.4 Geld ist wie Dünger und nichts wert, bis es auf Fonds verteilt wächst
4.5 Die Euroabwertung oder kurzfristige Ideen sind kurzfristige Kosten

5. Schlussbetrachtungen, Einblicke und Ausblicke

Literaturquellen

Abstract

Die Leitzinssenkung am fünften Juni 2014 war signifikant für viele Finanzressorts. Für die europäischen Großbanken bedeutete sie extrem günstige Kredite bei der EZB, für Börsianer immense DAX-Werte und für Spekulanten ein größeres Investitionsvolumen. Doch was haben KMU, Konsumenten und Kleinanleger davon? Sind Hausbankkredite etwa mit einem Male für jeden erschwinglich, rutschen Preise für hochwertige Produkte jedweder Couleur plötzlich in den Keller oder werden Ersparnisse von hier auf jetzt höher verzinst? Wohl kaum, da laut EZB allerorts die große Deflationsangst umgeht. Aber ist das so? Während Privatpersonen der Senkung nämlich kaum Bedeutung zumessen, sieht das bei EU-Politikern, international aufgestellten Großkonzernen oder deren Lobbyisten schon ganz anders aus. Zu recht?

Wirtschaftsexperten vertreten derweil die These, dass durch den Libor Skandal und die vielen Bankenrettungen das Vertrauen internationaler Geldgeber in die Finanzmärkte Europas nachhaltig geschädigt wurde und beispielsweise neuerliche EU-Verbriefungen oder ETFs deshalb auch eher eine wirtschaftliche Abwärtsspirale in Gang setzen, denn förderlich für die Konjunktur in der Eurozone sein könnten. Gleichzeitig haben Steuerzahler angeblich Angst vor weiteren Rettungsschirmbelastungen oder einer Rezession, während Banken ihrerseits Alpträume beim Gedanken an Stresstests oder die Bankenunion bekommen. Getoppt wird das Ganze schließlich durch mediale Berichterstattungen, wonach bald schon das Platzen einer europäischen Immobilienblase droht. Doch was ist davon letzten Endes wahr? Ist Sparen tatsächlich die Gunst der Stunde oder sollte eher investiert werden? Sind gewählte Politiker auf Seiten der Steuerzahler oder nur Marionetten von den Lobbyisten und Großbanken? Welche geldpolitischen Instrumentarien besitzt die EZB, wie setzt sie diese ein und was wird dadurch faktisch bewirkt? Warum gibt es noch immer keine Finanztransaktionssteuer und wie bzw. was wäre Europa ohne den Euro?

Diese und viele weitere Fragen, Hintergründe, Prognosen, Fakten und Informationen zur europäischen Finanzwirtschaft und Politik, deren Protagonisten, Geschäftspraktika und wie infolgedessen ein Zahnrad in das andere hinein greift werden auf den nun folgen Seiten ausführlich illustriert und für jedermann leicht verständlich erläutert.

Frank Wilkens

2014: Die Leitzinssenkung oder das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes Bedeutung, Hintergründe, Informationen und Perspektiven für Unternehmen, Banken, Anleger, Investoren, Konsumenten sowie die Zukunft des Euro und der Eurozone

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Der ungeliebte Euro

Vorwort

Hurra! Als die europäische Notenbank den Leitzins abermals absenkte, dachten die Europäer voller Vorfreude, dass nun vieles günstiger wird. Kredite, Versicherungen, Hypothekenzinsen und Preise für tägliche Gebrauchs- oder Konsumgüter. Doch weit gefehlt. Die geldpolitischen Maßnahmen der EZB zielten nämlich nicht darauf ab, alles billiger, sondern teurer zu machen. Nach dem Willen von Politik und Wirtschaft soll dadurch die Deflation, also das Absinken der Preise gestoppt und eine Verteuerung nebst höherer Inflation erreicht werden. Somit wird aus dem Hurra rasch ein Oha.

Natürlich wäre eine solche Maßnahme durchaus nachvollziehbar, wenn Unternehmen im Gegenzug günstigere Kredite für Investitionen erhalten würden, um Kapazitäten ausbauen, Forschungen finanzieren, Arbeitsplätze schaffen und somit höhere Löhne für die angeblich überall so fieberhaft gesuchten Fachkräfte zahlen zu können. Gleichzeitig würden dadurch ebenfalls die Steuereinnahmen des Staates sprudeln, wodurch wiederum der Steuerzahler auf Steuersenkungen hoffen könnte. Langfristig gesehen zumindest. Doch wie so oft kommt es erstens anders als gedacht und zweitens nicht so, wie gehofft. Viele Banken geben lieber ähnliche Erklärungen ab, wie der deutsche Finanzminister und sagen, das sie plötzlich ein größeres Eigenkapital benötigten, weshalb die Zinssenkung auch nur bedingt beim Verbraucher ankäme. Klingt wie Lohnsteuersenkung bei gleichzeitiger Gesundheitsversicherungserhöhung. Also weder Hand noch Fuß.

Was also bringt die Leitzinssenkung? Was ändert sich wie und wodurch? Wer ist Nutznießer und wer Verlierer bzw. gibt es da überhaupt einen Unterschied? Dieser Frage nachzugehen, war sehr interessant, denn je mehr in die Materie eingedrungen wird, desto mehr erschließen sich Fakten und Erkenntnisse, bis schließlich ein Aha das Oha wieder ablöst. In diesem Sinne ist das vorliegende Werk sukzessiv entstanden und zeigt die unterschiedlichen Facetten von wirtschaftlichen, politischen und unternehmerischen Interessen auf, welche sich dabei je nach Betrachtung als zielführend für die Zukunft aller oder lediglich als das individuelle Bedürfnis einzelner entpuppen.

Frank Wilkens, Juli 2014

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Der ungeliebte Euro

Abb.2 Beispiel der EZB-M3 Geldmengensteuerung durch Zinsänderung

Abb.3 Die Entwicklung des Leitzinssatzes von 2000 bis 2014

Abb.4 Preise für Altbauten in Großstädten ab 500.000 Einwohnern (2014)

Abb.5 Preise für Neubauten in Großstädten ab 500.000 Einwohnern (2014)

Abb.6 Dispo-Zinsen im Vergleich (2014)

Abb.7 Jugendarbeitslosenquote in Europa von Januar 2011 bis Juni 2014

Abb.8 Die Inflationsrate in Deutschland zur Zeit der DM und des Euro

Abb.9 Konjunkturverlauf mit Expansions- und Kontraktionsphase

Abb.10 Vertragsgestaltungsmöglichkeit beim Cross Border Leasing

Abb.11 Funktionsweise des Rettungsschirms ESM

Abb.12 Haftungssumme der einzelnen Euroländer im EFSF

Abb.13 Eigenkapitalanteil europäischer Kreditinstitute 2008

Abb.14 Bankenbilanz der Euroländer in Mrd. €, Stand Januar 2013

Abb.15 Die größten Banken Deutschlands im Dez. 2012, Angaben in Mio. €

Abb.16 Vermögenswerte europäischer Kreditinstitute in Mio. €, Stand Januar 2013

Abb.17 Der Euro: Schrecken ohne Ende oder Ende mit Schrecken

Abb.18 Gesamtvolumen aller an der Wallstreet gehandelten ETFs in Mio. $

Abb.19 Früher war alles leichter, günstiger und einfacher

Abb.20 Die Entwicklung des Wechselkurses Dollar zu Mark bzw. Euro

Abb.21 Deutsche Im- und Exporte von 1991 bis 2011

Abb.22 Frankfurt, der Euro und Großbankengedanken

Einleitung

Es wurde schon lange darüber spekuliert, ob es eine Leitzinssenkung oder eventuell sogar eine Erhöhung geben wird. Wirtschaftsexperten rätselten, doch waren sie sich bereits seit geraumer Zeit in zumindest einem Punkt einig, nämlich das in Europa rasch gehandelt werden müsse, da neuerliche Konjunkturdaten explizit darauf verwiesen, das etwas grundlegend falsch lief in der Eurozone. Ein Grund war sicher jenes, in der Vergangenheit gegenüber europäischen Kreditinstituten stets in großen Mengen zugeteilte Zentralbankgeld. Dieses war ursprünglich dazu gedacht, der europäischen Wirtschaft Flügel wachsen zu lassen, indem Banken das von der EZB erhaltene Kapital den Unternehmen in Form von billigen Krediten kredenzen sollten. Leider traf der gute Glaube der EZB nicht auf fruchtbaren Boden, denn jene Geldmittel kamen scheinbar nicht dort an, wo sie eigentlich hätten landen sollen: in der Wirtschaft. Stattdessen wurde damit meist eher nach gut dünken, denn nach großer Weisheit spekuliert, weil Banken das Risiko eines geplatzten Kredits für Privatpersonen oder Großunternehmen schlicht als weitaus höher ansahen, als den in ihren Augen absolut sicheren Handel mit ausländischen Staatsanleihen. Außerdem versprach ein solcher Handel ohnehin eine viel bessere Rendite und Aktionäre wollten schließlich hohe Dividenden, der Chef ein neues Auto und der Lobbyist für seine Dienste angemessen entlohnt werden. Kurzum wurden deshalb die erhaltenen EZB-Gelder entweder zum risikoreichen Zocken genutzt oder gleich wieder auf interne Konten bei der EZB eingelagert. Natürlich nebst geringen, doch ebenso sicheren Zinsen für die Bank. Das ein solches Schneeballsystem kein sehr ausgeklügeltes oder gar auf Dauer ausgelegtes Unterfangen für wirtschaftliche Erfolge sein dürfte, leuchtet sicherlich ein. Daher verlangten die europapolitisch ambitionierten Abgeordneten der Euroländer eine Änderung zwecks besserer und zielorientierterer Verteilung der Finanzmittel. Angestoßen wurde dieses Ansinnen in erster Linie durch die Steuerzahler, denen nach diversen Rettungsschirmen und Zeitungsberichten über die von Banken getätigte Praxis der Geldmittelbeschaffung jene mehr und mehr suspekt erschien. Kurz vor der Europawahl musste daher eine zündende Idee her, welche sich bald schon in Form einer nicht sonderlich genial neuen, wohl aber historischen Leitzinssenkung manifestierte. Diese hatte synchron die Vergabe neuer Mengentender mit einer Gesamthöhe von vierhundert Milliarden Euro und ebenso Strafzinsen auf die seitens der Banken bei der EZB eingelagerten Geldreserven im Gefolge.

Ebenso verkündete der EZB-Chef stolz gegenüber gebannt seinen Worten lauschenden Journalisten, das zukünftig zugeteilte Geldmengen zweckgebunden seien, wodurch die drohende Deflationsgefahr gebändigt und Unternehmen synchron mehr frisches Kapital für Investitionen erhalten würden. Da die Zweckbindung jedoch bis dato nicht weiter fixiert und eher nebulös, denn klar definiert wurde, dürfte sich zwar im Bereich der Einlagerung überschüssiger Gelder etwas tun, nicht aber bezüglich der Kreditklemme, welche derzeit die Unternehmen der Eurozone so derart plagt. Natürlich nicht die Großkonzerne, die hätten schließlich immer noch die Option, einfach einen Standortwechsel einzuleiten bzw. auszuwandern und in einem Land ihrer Wahl einfach neu zu beginnen. In einem mit weniger Auflagen, geringerer Steuerlast und mehr Gewinnmöglichkeiten, versteht sich. Eine interessante Variante, wenngleich auch eine, von der KMU oder Privatpersonen nur träumen können. Letztere haben es nämlich auch nach wie vor schwer, eine seitens der Kreditunternehmen forcierte Zurückhaltung bei der Vergabe von Krediten zu überwinden. Die Liquidität der Banken soll jedoch keineswegs mit Hilfe des verbilligten EZB-Geldes gestärkt werden, damit diese es wie bisher in Aktien, Rentenfonds, Immobilien und Anleihen investieren oder gar als Dividende an die Aktionäre auszahlen. Ein Nebeneffekt jenes bis dato praktizierten Mitteleinsatzes war gewiss die Senkung der Zinsen für südliche Staaten, allerdings gab dies der heimischen Wirtschaft keinerlei neue Impulse, weshalb beispielsweise die vieldiskutierten Eurobonds auch kein Allheilmittel für jene dort noch immer hinterher hinkende Konjunktur darstellen dürfte. Gleiches gilt für europäische Arbeitsmärkte, denn ob nun Deflationsbefürchtung oder Inflationssteigerung, das Geld liegt nun einmal nicht auf der Straße, sondern auf diversen Konten der Banken. Ob diese nun Kredite verweigern, um Bilanzen zu schönen und damit der Bankenunion1 sowie dem damit verbundenen, unliebsamen Stresstest vorzubeugen oder sie schlicht keinen Sinn darin sehen, einem lahmen Gaul weiter teures Futter zu geben, wenn aus diesem ohnehin kein Rennpferd mehr wird, soll auf den nun folgenden Seiten investigativ untersucht und nachhaltig beantwortet werden. Neben dem Bankmanagement Europas, Aktienindizes, der Börse, Anlagestrategien und politischen Verknüpfungen zu Lobbyverbänden, sollen dabei ebenso die Ursachen und Hintergründe sowie Möglichkeiten und Gefahren aufgezeigt werden, welche sich zukünftig durch die Leitzinssenkung und des von der EZB verabschiedeten Maßnahmenkatalogs für Finanzwirtschaft, Investitionen, Konsumenten und Steuerzahler der Eurozone ergeben.

1. Destinationen, Direktiven und Definitionen

1.1 Die Europäische Zentralbank oder des Währungshüters Fatum

Als zum ersten Januar 1999 die dritte Stufe des WWU in Kraft trat, begann die Arbeit der Europäischen Zentralbank, deren vorrangiges Ziel es ist, durch die Bestimmung des zukünftigen Geldangebots eine Inflation bzw. Deflation in der Eurozone zu vermeiden. Um den derzeitigen Geldangebotsbedarf zu ermitteln, bedient sich die EZB gegenwärtiger Konjunkturprognosen, Preistendenzen und Inflationsraten. Führt beispielsweise eine verbesserte Konjunkturlage innerhalb der Eurozone zur Erhöhung der Inflationsrate, verfügt die EZB zur Bekämpfung der wachsenden Inflation über das geldpolitische Mittel2 der Leitzinserhöhung. Kommt es hingegen zur Verschlechterung der Konjunktur und sinkt die Inflationsrate, besteht die Gefahr der Deflation, was wiederum die Leitzinssenkung nach sich zieht.

Alle seitens der EZB eingesetzten Instrumentarien werden tangiert durch time lag’s, d. h. zwischen den geldpolitischen Maßnahmen und dem Einsetzen der Wirkung verstreichen meist Zeitperioden von ein bis zwei Jahren. Da die Eurozone sowohl Länder mit wirtschaftlichem Boom beinhaltet, als auch jene, welche sich just mit einer Rezession plagen3, bestehen logischerweise genau an diesem Punkt die Grenzen der antizyklischen, geldpolitischen Maßnahmen seitens der EZB. Diese kann eine bestimmte Ausrichtung gegenüber unterschiedlichen Konjunkturverläufen in der Eurozone einnehmen oder sich dem politischen Handlungsdruck betroffener Euroländer beugen, wodurch allerdings auch stets die Gefahr der Konjunkturdämpfung besteht. Die politischen Gremien der jeweiligen Länder haben dabei unlängst die Neigung zu Leitzinssenkungen entwickelt und das trotz inflationärer Tendenzen des eigenen Gesamtkonjunkturverlaufs. Nicht betroffene Euroländer stellen dann ihrerseits gerne die EZB als Sündenbock an den Pranger, sodann es zur Krisenverschärfung nach unpopulären Leitzinsentscheidungen kommt. Die EZB sitzt von daher stets zwischen zwei Stühlen. War die Entscheidung bezüglich der Leitzinsänderung beispielsweise erfolgreich, so kann der weitere Konjunkturverlauf in Ruhe und mit dem Wissen, das richtige gegen die Stimmen der Politik durchgesetzt zu haben, beobachtet werden.

Folgt jedoch eine Verschärfung der Krise, muss quasi in Ruhe zuerst analysiert und dann optimiert werden, ehe der Druck von außen größer wird oder Schnellschüsse nur zu noch mehr Ungemach führen würden. Es handelt sich somit für die Währungshüter keineswegs um eine einfache Aufgabe, ihre geldpolitischen Zielsetzungen zu erreichen. Das wäre neben der inneren und äußeren Stabilität des Euro, auch die Preisniveaustabilität und die Förderung des Eurozonen-Wirtschaftswachstums.4 Die Grundlage der für die Geldpolitik5 zuständigen EZB ist seit der Euro Einführung 2002 das angebotsorientierte Konzept der Geldmengensteuerung6, welches von Milton Friedmann stammt. Friedmanns Konzept hat eine präventive Wirkung und setzt vor allem auf wirtschaftspolitische Stabilität durch Preisstabilität. Die Wirtschaft soll durch die EZB mit einer Geldmenge ausgestattet werden, welche der wirtschaftlichen Entwicklung bzw. dem BIP der Eurozonenländer entspricht. Geldpolitische Ziele der EZB sekundieren daher die Steuerung der verfügbaren Geldmenge in der Eurozone durch einen Geldmengenkorridor7, in dem sich die Geldmengen konjunkturbezogen stetig weiter entwickeln sollen. Die Zielkorridorbegrenzung erfolgt seitens der EZB durch Festlegung des Wachstums der Geldmengen. Gesteuert wird der Zielkorridor über die Zinsen, was jedoch nur für das Sekundärgeld gilt. Dabei handelt es sich um Gelder, die Geschäftsbanken durch Kreditvergaben generieren und welche durch Zinsvorgaben der europäischen Notenbanken kontrolliert werden.

Die eigentliche Geldmenge wird ferner durch unterschiedliche Faktoren bestimmt. Primär uneingeschränkt durch die Menge, welche die EZB an Geschäftsbanken, Sparkassen oder private Kreditinstitutionen abgibt, sekundär durch die Menge, welche die Empfänger der EZB-Gelder an ihre Kunden in Form von Krediten weiterleiten und somit ebenfalls durch den Kunden und dessen Zahlung etwaiger Verpflichtungen selbst. Das können sowohl Miete, Rechnungen als auch Investitionen in Konsumgüter sein. Spart der Kunde etwas von dem Geld auf seinem Sparbuch und wird jenes Kapital von der Bank an andere Kunden als Kredit weitergereicht, so mehrt sich die seitens der EZB ausgegebene Geldmenge. Dieser Vorgang nennt sich Geldschöpfung. Je mehr und schneller das Geld vom einen zum anderen weitergereicht wird, desto mehr steigen die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, die Geldschöpfung und ebenso die sich im Umlauf befindliche Geldmenge an.

Somit ist die Geldmenge unabhängig davon, wie viel Geld die EZB tatsächlich an die Geschäftsbanken abgegeben hat. Aus diesem Umstand ist zu erkennen, dass die EZB die Geldmenge nicht über jene Menge steuern kann, welche sie an Geschäftsbanken abgibt, da alles weitere von Wirtschaft, Unternehmen, Konsumenten und anderen Geldschöpfern abhängig ist. Damit die EZB trotzdem messen kann, wie hoch die sich im Umlauf befindliche Geldmenge, samt Spargeldern oder Kreditgeldern innerhalb der Euroländer ist, konzipierte sie die Geldmengendefinition M. M0 bezeichnet den aktuellen Bargeldumlauf, welcher momentan etwa sieben Prozent beträgt. Die Geldmenge M1 entspricht etwa dreiunddreißig Prozent und beinhaltet sowohl M0, als auch die täglich fälligen Einlagen. Dazu zählen beispielsweise Giro- und Geldmarktkonten. M2 wiederum beinhaltet die Geldmenge M1 inklusive der Spareinlagen. Zu etwa zwanzig Prozent bestehen diese aus Spareinlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren sowie aus solchen, mit einer Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten. Beide zusammen machen derzeit einen Anteil von achtundzwanzig Prozent aus. Die finale Geldmenge M3 enthält neben M2 alle weiteren Finanzgeschäftsaktivitäten. Dies sind mit etwa vier Prozent Repo Geschäfte, also die seitens der EZB verliehenen Gelder an Geschäftsbanken, zu sechs Prozent Geldmarktfondpapiere und zu guter letzt Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Letztere machen einen Anteil von zwei Prozent der im Umlauf befindlichen Geldmenge aus. Die Geldmenge M3 ist die entscheidende Größe für die Steuerung der Geldmenge und wird von der EZB mittels der europäischen Geschäftsbankenstatistiken festgestellt. Zur Steuerung der Geldmenge ändert die EZB den Zinssatz des Geldmengenkorridors für Gelder, die sie an Geschäftsbanken verleiht. Wird der Zinssatz angehoben, reduziert sich die Geldmenge, wird er gesenkt, erhöht sie sich.

Die wöchentlichen Reaktionsintervalle aller Gegensteuerungsmaßnahmen und eingesetzten Instrumentarien der EZB beruhen dabei vorrangig auf Grenzwerten, die vierteljährlich aufgrund aktueller wirtschaftlicher Konjunktur- und Finanzkennzahlen sowie zukünftiger Prognosen erstellt werden, in welche auch die jeweiligen Vorjahreswerte einfließen. Zielsetzung ist, die jeweils betreffenden Zinssätze möglichst langfristig auf gleichem Niveau zu halten, um dadurch die wirtschaftsorientierte Planungs- und Gestaltungssicherheit aller Geschäftsbanken der Euroländer nachhaltig fördern und gewährleisten zu können.

Der Geldmengenkorridor umfasst drei Bereiche (Abb.2). Im oberen Bereich befindet sich der Spitzenrefinanzierungssatz, für den sich klamme Banken über Nacht zu hohen Zinssätzen Geld bei der EZB leihen können. Im unteren Bereich befindet sich der Einlagenzinssatz bzw. die Einlagenfazilität. Dort können Banken nicht benötigte Gelder zwischenlagern und erhalten dafür minimale Zinsen. In der Mitte befindet sich schließlich der Leitzinssatz, der ausschlaggebend für Hauptrefinanzierungsgeschäfte europäischer Kreditinstitute ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Beispiel der EZB-M3 Geldmengensteuerung durch Zinsänderung

1.2 Die Inflation macht Portemonnaies voller und Einkaufskörbe leerer

Inflation bedeutet Geldentwertung, wobei die Kaufkraft des Geldwertes sinkt. Da der Zahl-, bzw. Geldwert auf Münzen und Scheinen gleich bleibt, steigt das Preisniveau und Produkte werden teurer.8 Saisonal bedingte Preisschwankungen werden bei der Ermittlung der aktuellen Inflationsrate allerdings nicht berücksichtigt. Es gibt verschiedene Arten der Inflation. Unter Verbraucherpreisinflation wird beispielsweise der HVPI verstanden, bei dem anhand eines statistischen Warenkorbs die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten eines Haushalts mit vier Personen ermittelt werden, jedoch ohne Trendprodukte wie beispielsweise Elektronik- oder Modeartikel.

Eine Cost-Push Inflation entsteht, wenn steigende Preise für Produktionsfaktoren eine Kostensteigerung im Produktionsprozess der Güter verursachen. Ein Sonderfall ist die durch Steigerung der Löhne bedingte Kostensteigerung, die in einer Lohn-Preis-Spirale enden kann. Bei der Erzeugerpreisinflation, welche als Frühindikator der eigentlichen Verbraucherpreise anzusehen ist, werden die Vorleistungen der industriellen Fertigung ermittelt und ausgewertet. Importierte Vorleistungen sorgen dabei für eine importierte Inflation, z. B. bei Schmiermitteln für Produktionsstätten. Die importierte Inflation ist vor allem bei Preissteigerungen durch vom Ausland importierte Produktionsfaktoren bedingt. Dabei besteht gleichzeitig die Gefahr einer Übertragung von vorherrschenden, inflationären Tendenzen vom einen zum anderen Euroland. Bedingt durch diesen Umstand sorgt eine importierte Inflation ebenso für die Abwertung der Eigenwährung. Eine Profit-Push Inflation wird verursacht durch das Streben der Produzenten nach höherem Gewinn, welcher wiederum durch eigens kalkulierte Preissteigerungen ermöglicht werden soll. Die Vermögenspreisinflation wird über den API ermittelt und hat ebenfalls Auswirkungen auf Verbraucherpreise, jene für Wertpapiere, Edelmetalle oder Immobilien. Erhöhen sich beispielsweise die Mietkosten aufgrund steigender Grundstückspreise, wäre dies einerseits gut für den Vermieter, andererseits jedoch schlecht für den Mieter. Eine offizielle Inflation beinhaltet die gegenwärtige Verbraucherpreisinflation und wird vom statistischen Bundesamt EUROSTAC ermittelt.9 Abzüglich allgemeiner Energiekosten und Nahrungsmittelpreisentwicklungen, stellt sie gleichzeitig die Kerninflation dar. Bedingt durch eine Übernachfrage auf dem Markt entsteht wiederum die sogenannte Demand-Pull Inflation. Bei dieser Variante wird seitens der Produzenten das Angebot nicht durch eine Erhöhung der Produktion angepasst, sondern lediglich die allgemeine Kaufkraft durch eine Erhöhung der Preise abgeschöpft, wodurch sich zwangsläufig eine inflationäre Wirkung entfaltet. Zu guter letzt gibt es schließlich noch die oftmals nicht direkt wahrnehmbare gefühlte Inflation. Diese ist stets größer als die offizielle Inflation. Das liegt vor allem daran, dass Konsumenten Güter des täglichen Bedarfs, welche meist stärkere, preisliche Steigerungen als die Durchschnittsrate aufweisen, besser vergleichen können, weil sie täglich damit konfrontiert werden. Entgegengesetzt verhält sich dieses Gefühl bei langlebigen Konsumgütern wie Fernseher oder Kühlschränke, welche realwirtschaftlich tendenziell zwar eher im Preis sinken, doch da sie in der Regel lange halten und daher ebenfalls rasch an Beachtung verlieren, fällt dies den Konsumenten meist kaum auf.

Das Volumen langlebiger Konsumgüter entspricht einem wesentlich höheren Anteil am Einkommen, als das der Güter des täglichen Bedarfs. In Deutschland liegt der Anteil von Lebensmittelausgaben am Gesamtvolumen bei annähernd fünfzehn Prozent, weshalb der Kaufkraftgewinn von täglichen Gütern die der Kaufkraftverluste auch überlagert.10 Gleichzeitig verlieren Nominalkredite sowie Kreditforderungen mit fester Zinsbindung bei hoher Inflation schnell an Wert. Das bedeutet, Schuldner können sich bei Inflationen leichter verschulden und werden begünstigt, während die Gläubiger benachteiligt werden, denn sie verlieren an Kaufkraft. Die wirtschaftlichen Folgen wären die Entwertung von Geldvermögen, eine ausufernde Flucht in Sachwerte, Kapitalflucht ins Ausland und schließlich eine restriktivere Kreditvergaberichtlinie seitens der EZB. Die sinkende Bonität eines Eurolandes mit hoher Staatsverschuldung sorgt zusätzlich für höhere Zinskosten und schlechtere Konditionen bei Neukrediten sowie ebenfalls für eine Herabstufung seitens der Rating-Agenturen. Entscheidender Basisauslöser der Inflationsindikatoren ist daher ein zu hohes Geldangebot, wodurch die Geldmengeninflation entsteht. Eine Geldmengenausweitung kann beispielsweise durch Rohstoffspekulanten ausgelöst werden. Das Tempo der Inflation wird ferner zwischen säkularer, schleichender, galoppierender und der Hyper-Inflation unterschieden, wobei die Grenzen zwischen den jeweiligen Phasen der Inflation recht fließend sind. Ebenso spielt die Lohnentwicklung eine wichtige Rolle bei der Inflationsausweitung.11 Speziell die Entwicklung von Tariflöhnen, da hohe Tarifabschlüsse zwangsläufig steigende Löhne nach sich ziehen. Die steigenden Arbeitskosten sorgen dafür, dass hohe Produktionskosten auf Endverbraucherpreise umgelegt werden. Zeitgleich entsteht dadurch ein Zeitrundeneffekt, d. h. Preissteigerungen folgen anderen Preissteigerungen. Steigende Vorleistungskosten werden ebenfalls auf die Güterpreise umgewälzt, da importierte Rohstoffe teurer werden. Dies trifft vor allem Länder, die auf den Import von Rohstoffen angewiesen sind, wodurch die importierte Inflation weiter anwächst und in einer Abwertung des Wechselkurses gegenüber der Inlandswährung mündet. Steigende Importpreise bedeuten ebenso steigende Exportraten bei verstärkter Exportnachfrage, da die Exporte nunmehr günstiger und Importe teurer werden. Um die teuren Importkosten aufzufangen, muss deshalb mehr und vor allem günstiger als in anderen Euroländern produziert werden. Negative Allokationseffekte wären die Folge.

Das Mischungsverhältnis zwischen Angebot, Konsum und Verbrauch stellt dabei den negativen, betriebsbedingten Output der Produktionsergebnisse dar, wobei Lohn- und Transferleistungserhöhungen sich stets immer erst ex post auf Preiserhöhungen und somit auf die heimische Konjunktur auswirken. Sinkt die Inflationsrate kontinuierlich bzw. bleibt diese stabil auf niedrigem Niveau, muss seitens der Verbraucher jährlich mehr für die Konsumgüter bezahlt werden, wohingegen die Warenteuerungsrate stetig abnimmt. Daraus folgt ein stetes Absinken der Zinsen für Sparguthaben und Hypotheken, während Anlagebörsen und Aktienmärkte freundlich tendieren bzw. auf neue Allzeithochs zusteuern. Für den Sparer ergibt sich somit als einzig rentable Anlageform die Aktie, da Zinsen für andere Investitionen weiterhin niedrig bleiben. Gleichzeitig müssen Immobilienkäufer bei den Hypothekenkrediten auf vertraglich zugesicherte, variable Zinsstrukturen achten, um von weiter sinkenden Zinsen zu profitieren. Inflation führt deshalb vorrangig zur Störung der gesamten Wirtschaftsrechnung bzw. der ganzen wirtschaftlichen Tätigkeit einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft. Daraus entsteht in kürzester Zeit eine Vermögensumverteilung zugunsten der Inhaber von Sachvermögen und zu Lasten der Inhaber von Geldvermögen. Gleichzeitig erfolgt ein zeitliches Auseinanderdriften von Preissteigerung und Einkommensanpassung, woraus letztlich ein entsprechend großer Kaufkraftschwund der Nachfrager resultiert. Da die Inflation stets eine gewisse Eigendynamik besitzt, kommt es auch beim Wegfall der inflatorischen Gründe zu weiteren Preissteigerungen, da sich Nachfrager bereits an diese gewöhnt haben. Im Extremfall wird die Flucht in Sachwerte ausgelöscht und der Euro verliert seine Tauschmitteleigenschaft, wodurch es erneut, wie bereits im Jahre 1946, zum Natural- bzw. Zigarettentausch käme.

1.3 Deflation ist ein Paradies für Gläubiger, doch die Hölle für Schuldner

Deflation ist praktisch die Gegenseite der Inflation. Das Preisniveau sinkt, die Produkte werden also billiger, wodurch die Kaufkraft des Geldes ansteigt. Es entsteht rasch eine Deflationsspirale, wird nicht seitens der EZB mit geldpolitischen Maßnahmen gegengelenkt. Das BIP betroffener Staaten der Eurozone fällt im Zuge der Deflation langsam ab, gleichzeitig sinken die Preise weiter und die Gewinnmarge der Unternehmen verringert sich zusehends, was bald darauf gleichermaßen auf deren Investitionsbereitschaft zutrifft. Weniger Investitionen bedeuten weniger Beschäftigung, wodurch das Faktor-Einkommen geringer wird.

Dadurch sinkt die Produktion, der Konsum bricht ein und die Preise sinken weiter, bis das Unternehmen schließlich Insolvent ist oder im Management ein Standortabbau nebst der Neuansiedlung in einem anderen Staat der Eurozone forciert wird. Somit reduziert sich das verfügbare Gesamteinkommen stärker als die Preise, welche ohnehin bereits im Sinkflug begriffen sind und eine massive Kapitalflucht in benachbarte Landesbanken oder Steueroasen setzt ein. Innerhalb der Eurozone käme es durch fortwährende, deflationäre Tendenzen zu einer erheblichen Verlangsamung der Konjunktur, welche daraus resultierend auch negativ wachsen könnte.

1.4 Die Einlagenfazilität, Haupt- und Spitzenrefinanzierungsgeschäfte

Der stets in den Medien präsente und damit bekannteste Zinssatz ist der Leitzins, welcher seitens der EZB für Hauptrefinanzierungsgeschäfte von den europäischen Kreditinstitutionen verlangt wird. Gleichzeitig ist der Leitzins ein Steuerungsinstrument für den Interbankenmarkt, der einen internationalen Finanzmarktplatz darstellt, auf dem sich Banken untereinander Geld leihen oder anlegen können. Geschäftsbanken bieten der EZB bei deren wöchentlichen Tender-Auktionen eigens errechnete Zinssätze an, um im Rahmen dieser Werte möglichst viel günstig verzinstes Geld zu erhalten. Mitbieten können alle Banken, die zuvor den Mindestreservesatz eingezahlt haben. Die EZB verteilt die liquiden Mittel dann je nach Zinsangebot der Banken, Anzahl der Bieter und Menge der angeforderten Finanzmittel an die Kredithäuser der Eurozone. Bieter mit dem höchsten Zinssatz erhalten den größten und jene mit dem geringsten Zinssatz die kleinste Marge. Seit dem US-Finanzcrash ist der Leitzins der Mindestzinssatz, den Banken anbieten mussten, um an liquide Mittel zu gelangen. Somit stellt der Leitzins jenen Zinssatz dar, welchen die Kredithäuser für Zentralbankgelder mindestens zu entrichten haben. Ein sinkender Leitzins verbilligt die Refinanzierungsgeschäfte der Banken, wodurch sich in gleichem Maße die Verzinsung von Geschäftsbankguthaben bei der EZB und ebenso die Zinslast für allgemeine Hypothekenkredite verringern. Günstigere Kredite deuten synchron auf ein Anziehen der Kreditnachfrage im geschäftlichen und privaten Sektor hin. Dadurch wird neben dem Konsum ebenfalls die Investitionsbereitschaft stimuliert, welche mitsamt dem daraus resultierenden Preisgefälle ansteigen. Auf diese Weise erhöhen sich ebenfalls die Finanzmittel der Banken. Überschüssige Gelder können dann von Kredithäusern auf Konten bei der EZB eingelagert werden, was als Einlagenfazilität bezeichnet wird. Dafür erhält die Bank einen Einlagenzinssatz, der jedoch deutlich geringer ausfällt, als der Leitzinssatz.

Mit den geringen Zinsen möchte die EZB verhindern, dass Banken überschüssige Gelder lediglich zwischenparken und dann auf bessere Gelegenheiten warten, um es gewinnbringend anzulegen. Die Banken der Euroländer sollen vielmehr ihre Gelder entsprechend der Geldmengennachfrage auf dem Interbankenmarkt anbieten, damit sich die finanzielle Nachfrage somit ganz von selbst reguliert. Nach der Pleite der Lehman Brothers im Land der unbegrenzten Möglichkeiten trauen sich internationale Banken jedoch nicht mehr so recht über den Weg und ehe einem Kredithaus die gegenüber einer anderen Bank verliehenen Gelder vielleicht aufgrund einer ähnlichen Pleite verloren gehen könnten, wird das nicht im Wirtschaftskreislauf investierte Geld lieber auf das Konto bei der EZB transferiert. Für Kreditinstitute bedeuten die dafür gezahlten, geringen Zinsen zumindest noch geringe Gewinne, außerdem besitzen Banken bekanntlich auch keine Matratzen, unter welchen sie sonst jene Gelder zwischenparken könnten. Und letzteres auch noch ohne Verzinsung? Für die Managementebene der Finanzhäuser gewiss kaum vorstellbar. Da es nun jedoch Strafzinsen für die Einlagenfazilität gibt, verringert sich das Volumen der Finanzmittel sogar noch, was konträr dazu wäre, wenn die Bank es einfach unter die Matratze legen würde. Dort bliebe die Summe wenigstens stabil auf gleichem Niveau bestehen. Deshalb sind Banken nun dazu gezwungen, sich wieder mehr Geld untereinander zu verleihen, bevor die liquiden Mittel aufgrund des negativen Zinssatzes kleiner, anstatt größer werden. Somit wäre dies eine sinnvolle Maßnahme, um der Konjunktur in der Eurozone weiteren Auftrieb zu verschaffen. Neben dem längerfristigen Anlegen und Ausleihen der Geldmengen gewährt die EZB Banken kurzfristige über Nacht Kredite. Diesen werden Kredithäuser jedoch nur in Krisenzeiten, wie etwa der Subprime Krise oder nach dem Zerbersten der dot.com Blase in Anspruch nehmen, um schnell frisches Kapital zu erhalten. Grund sind die hohen Kosten des Spitzenrefinanzierungssatzes, der stets über dem des Leitzinssatzes liegt. Diese Gelder können allerdings auch nur jene Banken in Anspruch nehmen, die über entsprechende Sicherheiten verfügen und seitens der EZB-Gremien als solvent angesehen werden. Gleiches gilt ebenso, wenn eine inländische Notenbank diese Gelder für ein heimisches Kreditinstitut anfordert. Zusätzlich muss dann der Rat der EZB die Genehmigung zur Auszahlung erteilen und es darf ferner mit einer höheren Zinslast seitens des Kredithauses gerechnet werden, da die inländische Notenbank ebenfalls Zinsen dafür verlangen wird. Somit läge die Gesamtzinslast des Kreditinstituts sogar noch weitaus höher, als bei Inanspruchnahme des Spitzenrefinanzierungssatzes der EZB. Ein entscheidender Grund also, weshalb jenes Szenario auch nur höchst selten in der Realität vorkommen dürfte.

2. Verzinsung, Steuerung und Verteuerung

2.1 Mehr Wirtschaftsförderung durch das Maßnahmenpaket der EZB

Am fünften Juni 2014 gab der oberste Währungshüter nach einer der vielen vorangegangenen, monatlichen Ratssitzungen endlich bekannt, das der Leitzinssatz in der Eurozone auf den historischen Tiefstwert von Null Komma fünfzehn Prozentpunkten (Abb. 3) abgesenkt würde. Die Finanzwelt jubelte und neben einer schier überschäumenden Euphorie der Geschäftsbanken, kam es ebenfalls zu immensen Kursschwankungen an den internationalen Finanz- und Devisenbörsen. Der Deutsche Aktienindex kletterte am selben Tag auf ein neues Allzeithoch von über zehntausend Punkten.12 Nachdem der Leitindex DAX vor rund fünfundzwanzig Jahren mit Deutschlands dreißig größten Aktiengesellschaften bei lediglich tausenddreihundert Punkten startete, dachte nach all dem auf und ab der vergangenen Jahrzehnte niemand mehr wirklich daran, dass dieser Wert, speziell nach der Finanzmarktkrise von 2008, jemals Realität werden könnte. Doch es traf ein. Das freute Börsianer und Aktionäre natürlich umso mehr.

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Abb.3 Die Entwicklung des Leitzinssatzes von 2000 bis 2014

Durch das seitens der EZB initiierte Maßnahmenpaket wurde jedoch synchron neben dem gesunkenen Leitzinssatz,13 für den sich europäische Geschäftsbanken mit Geld für Kreditvergaben eindecken können, ein Strafzinssatz für all diejenigen Kreditinstitute verabschiedet, welche ihre Gelder statt für Kredite lieber bei der EZB zwischenparken, um dadurch Zinsen einzustreichen. Das ist eine allgemein gängige Methode der Banken, um nicht abgefragte Geldbestände gewinnbringend auf Konten der EZB anzulegen. Durch den neuerlichen Strafzinssatz von minus null Komma eins Prozent wird dies nun unrentabel, wobei der Einlagensatz ohnehin seit geraumer Zeit bei null Prozent stagnierte.14 Die EZB beabsichtigt mit Hilfe dieser Stützungsmaßnahme die bislang recht schwache Kreditvergabepraxis der Banken zusätzlich mit Milliarden von Euro zu befeuern,15 denn wenn es sie etwas kostet, nicht benötigte Gelder lediglich zwischenzulagern, werden die im Wirtschaftskreislauf dringend benötigten Gelder gewiss erst recht in Form von Krediten an Unternehmen der Eurozone weitergereicht. So zumindest die Theorie des EZB-Chefs, der gleichzeitig eine Reduzierung des Ausleihungssatzes für die seitens europäischer Banken geliehenen Gelder auf null Komma vier Prozent verkündete. Der negative Einlagensatz für Banken ist indes nicht neu. Skandinavische Notenbanken führten dies bereits vor einiger Zeit ein, um so die heimische Wirtschaft anzukurbeln.16 Eine solche Maßnahme kann europaübergreifend zwar zur Schwächung des Euro führen, doch da dessen hoher Wert augenblicklich wirtschaftliche Interessen sowie weitere Expansionen europäischer Unternehmen eher hemmt und die schwache Vergabe von Geschäftsbankkrediten nur ausdehnt, wird dieser Umstand trotz allem gerne in Kauf genommen. Der starke Euro stellt von sofern eine Konjunkturbremse dar, weil sowohl Exporte teurer, als auch Importe günstiger werden. Das zieht wiederum einen enormen Druck auf das Preis / Leistungsverhältnis innerhalb der Eurozone nach sich. Banken könnten bei einem zu starken Euro außerdem leicht auf die Idee kommen, die Gebühren des negativen Einlagensatzes einfach auf die Kreditnehmer abzuwälzen. Ähnlich verfahren Banken bereits seit längerem mit sogenannten Bearbeitungsgebühren für Verbraucherkredite. Letzteres wurde deshalb auch jüngst durch ein Urteil des BGH für unwirksam erklärt.17 Durch horrende Gebühren würden nach Ansicht der Richter die Kreditzinsen nur weiter ansteigen und daraus folglich eine noch geringere Nachfrage entstehen.

Europäische Geschäftsbanken sind in diesem Sinne gewiss als Wirtschaftssubjekte zu sehen und darum ebenso wie das produzierende Gewerbe darauf angewiesen, entsprechende Gewinne zu erwirtschaften, um sowohl rentabel, als auch für zukünftige Investitionen gewappnet zu sein. Deren Kredit- und Einlagengeschäft würde jedoch aufgrund der niedrigen Zinsen eine Ertragsschwäche erfahren und somit beeinträchtigt, was wiederum die Kapitalausstattung negativ tangiert und Kredithäuser folglich zu risikoreicheren Investitionen oder Anlagen verleiten könnte. Ein solches Szenario führt zur Verringerung des Wirtschaftswachstums und zu höheren Inflationsraten in den wirtschaftlich besser positionierten Staaten Europas. Beispielsweise wird Deutschlands Gesamtwachstumsrate für dieses Jahr auf gut null Komma sieben Prozent geschätzt, während indes südliche Länder von einer weitreichenden Deflation bedroht werden. Da bei der Deflation konträr zur Inflation die Preise fallen, würden südlichere Unternehmen aufgrund des geringeren Umsatzes weniger investieren und auch weniger produzieren, wodurch Geschäftspartner weniger kaufen bzw. diese Unternehmen liefern könnten. Verbraucher würden in diesem Sinne natürlich zuerst mehr kaufen können, doch beim Ausbleiben der Ware sicher beispielsweise via Internet nach Ersatzangeboten anderer europäischer Produzenten suchen. Das Geld für den Konsum fließt somit nicht mehr in den Handel des eigenen Landes, weil das Angebot fehlt. Dadurch müssten dann die noch dort produzierenden Unternehmen ihre Waren günstiger anbieten, die Preise würden stetig weiter fallen, das konjunkturelle Wachstum sinken, Entgelte geringer werden, Arbeitsplätze verloren gehen und letztlich die Arbeitslosigkeit steigen, wodurch sukzessiv Kaufkraft verloren geht. Deshalb erhöht sich eine Inflationsrate auch nur innerhalb einer Wachstumsphase. Ein größerer Ankauf von privaten oder öffentlichen Wertpapieren der betroffenen Staaten, was dem Zweck der wirtschaftlichen Förderung und der Beseitigung einer Kreditklemme im Sinne des QE entspräche, wird jedoch seitens der EZB kategorisch ausgeschlossen. Allerdings nur solange, wie die Inflation dem prognostizierten Zielverlauf von EZB, Volkswirten und OECD entsprechen würde. Zur Verhinderung einer Deflations-Abwärtsspirale dienen vielmehr verbilligte Kredite für Banken, Unternehmen und Verbraucher, weshalb die EZB dafür im Maßnahmenpaket auch rund vierhundert Milliarden Euro für Banken und deren Refinanzierungsgeschäfte integrierte. Dies ist notwendig, da vor allem südliche Euroländer im Laufe der letzten Jahre viele Ausgaben einsparten, um den Schuldenabbau voran zu bringen. Auf diese Weise sollte ebenfalls die eigene Wettbewerbsfähigkeit angekurbelt werden, wodurch aber gleichzeitig die heimische Konjunktur ausgebremst wurde, da staatliche Aufträge für große Infrastrukturprojekte ausblieben.

Daher wird von der EZB auch eher die Überschreitung der Verschuldungsdefizitgrenze in Kauf genommen,18 solange eine zweiprozentige Differenz zwischen Deflations- und Inflationsrate bestehen bleibt. Das Erreichen dieser Zielmarke würde nach Meinung der EZB die angestrebte Preisstabilität innerhalb der Euroländer langfristig gewährleisten.19 Die Banken der Euroländer erhalten zudem die Möglichkeit, sich bei der EZB Geld in Höhe von sieben Prozent der jeweiligen Gesamtkreditvergabesumme zu leihen, wobei die Kosten null Komma eins Prozentpunkte zuzüglich des Leitzinssatzes betragen. Die zusätzlichen Gelder sollen nach dem Willen der EZB vor allem die Kreditvergabe an KMU forcieren und nicht wie bislang möglich, von Kreditinstituten spekulativ in neue Staatsanleihen investiert werden. Um dies zu verhindern, wird es Kredithäusern sogar erlaubt, sich gegen entsprechende Sicherheiten nicht nur bis Juli 2015, sondern nunmehr bis einschließlich Dezember 2016 LTRO-Zentralbankgelder in jeweils benötigter Höhe aushändigen zu lassen. Die zeitliche Deckelung dieser Vollzuteilung erfolgte aufgrund des im Juni 2012 innerhalb des Interbankenmarktes20 aufgedeckten LIBOR-Skandals21, bei dem sich viele Kreditinstitute durch Manipulationen der Referenzzinssätze LIBOR, EURIBOR und TIBOR auf internationaler Ebene Vorteile in globalen Finanzmarktgeschäften verschafften.22 Dazu zählten unter anderem die Bank of America, Barclays, Credit Suisse, HSBC, Royal Bank of Scotland und die Deutsche Bank. Mit der Leitzinsänderung wurde zeitgleich die Liquidität der Interbankenmärkte um mehr als einhundert Milliarden Euro aufgestockt, indem die EZB darauf verzichtete, dem Bankensektor Gelder aus Staatsanleihekäufen, die nach dem SMP Programm abliefen, wieder zu entziehen. Stattdessen nahm sie einfach alle daraus entstandenen Geldmittel vom Markt, um Spekulationen einer eventuell daraus resultierenden, rasch ansteigenden Inflationsrate innerhalb des Euroraums auszuschließen. Zielsetzung der EZB war dabei vor allem die vertrauensbildende, nachhaltig orientierte Maßnahme für interne und externe Investoren der Eurozone. Weitere Staatsanleihekäufe, die Kritiker des europäischen Parlaments eher als versteckte Staatsfinanzierung ansehen, gehören laut EZB-Chef Draghi allerdings auch künftig zu den einzusetzenden Instrumentarien, um krisengeschüttelten Euroländern helfen sowie eine ausufernde Deflation bzw. Inflation innerhalb der Eurozone verhindern zu können.23

Der Leitzinssatz soll gleichzeitig für eine längere Periode auf dem derzeit niedrigen Niveau verbleiben, was jedoch zeitlich seitens der EZB nicht weiter eingegrenzt wurde. Ferner ist der Markt für Kreditverbriefungen Bestandteil des Maßnahmenpakets24 bzw. der Erwerb besicherter Wertpapiere durch die EZB. Dieser recht undurchsichtige Markt kam allerdings gewiss nicht ohne Grund bereits während der Finanzkrise 2008 zuerst in den USA und nur wenig später in der Eurozone zum erliegen.

2.2 Sparen ist mehr, als die Mitte zwischen Geiz und Verschwendung

Im Falle der seitens EZB befürchteten Deflation würden sich Sparer und Konsumenten anfangs überaus glücklich schätzen, denn Verbraucherpreise würden weiter sinken und ihr Erspartes besäße gleichzeitig eine wesentlich höhere Kaufkraft.25 Soweit, so gut. Würden Sparer nun allerdings aufgrund der Erwartung weniger kaufen, das die Preise weiter fallen und somit noch mehr sparen, entstünde ein größeres Angebot gegenüber einer ungleich geringeren Nachfrage. Die Preise fielen zwar tatsächlich weiter, doch gleichzeitig würden ebenso Arbeitsentgelte, Unternehmensgewinne und Aktienkurse weiter schrumpfen. Das zieht eine Drosselung der Produktion nach sich, wodurch Jobs wegfallen, sich der Wert des Geldes jedoch immer weiter erhöht und die heimische Wirtschaft schließlich in die Rezession rutscht. Um gegenüber einem solchen Szenario bestmöglich gewappnet zu sein, empfiehlt es sich, Geldmittel breit gefächert zu streuen, d.h. in verschiedene Anlagenformen zu investieren. In Edelsteine wäre gewiss die beste Variante, da deren Wert auch zukünftig sehr hoch bleibt. Andererseits wäre dies auch die teuerste Alternative, da hier das Prinzip weniger ist mehr gilt. Zudem lassen sich Edelsteine schwerlich wieder zu Geld machen, da meist nur Händler über den tatsächlichen Wert im Bilde sein dürften bzw. überhaupt erst einmal ein entsprechend liquider Abnehmer gefunden werden muss. Edelmetalle wie Gold wären auch eine Option, doch das ist heutzutage sehr teuer geworden. Zudem wollen ebenso Verkäufer oder Händler ihre Schäfchen im Trockenen wissen und verlangen vielerorts meist unangemessen hohe Preise dafür.26 Um sich der Sicherheit einer Edelmetallinvestition auch längerfristig erfreuen zu können, wird zudem ein Tresor oder Bankschließfach benötigt, was ebenfalls mit Kosten verbunden ist. Dem gegenüber werden Sparbücher stets als beste Methode von Banken angepriesen, um im Falle eines Falles einen Notgroschen zu besitzen.

Für größere Anschaffungen, als Sicherheit im Alter oder schlicht zur Geldmehrung. Letzteres dürfte sich langfristig allerdings kaum realisieren lassen, denn die Senkung des Leitzinses hat für Sparer zur Folge, dass sie weniger Zinsen für Ersparnisse erhalten.27 Zudem liegt ebenfalls der Zinssatz für Tagesgelder meist weit unter der Inflationsrate, wodurch auch diese Geldanlage alles andere als sinnvoll erscheint. Momentan gibt es in Deutschland durchschnittlich Null Komma siebenundsechzig Prozent Zinsen auf Tagesgeldkonten, lediglich Direktbanken liegen im Schnitt bei über einem Prozent.28 Von sofern verbleibt Sparern meist nur die Investition in möglichst langlaufende Festgelder. Dazu zählen z. B. Anleihen oder Bundesobligationen, welche zwar nur wenig mehr an Zinsen bieten, aber durch die Laufzeit zumindest eine halbwegs ansprechende Rendite erzielen.29 Bleibt die seitens der EZB angestrebte Differenz zwischen Deflation und Inflation jedoch weitestgehend konstant, könnten Sparer bald wieder mit höheren Zinsen rechnen.30 Allerdings gilt zu bedenken, das die EZB keineswegs die Aufgabe hat, durch Zinsänderungen Sparern in guten wie in schlechten wirtschaftlichen Zeiten eine angemessene Rendite für deren meist risikoarme Sparguthaben zu garantieren.31 Es ist vielmehr Aufgabe der heimischen Kreditinstitute, Zinsänderungen an ihre Kunden weiterzugeben, wozu diese jedoch meist eher im negativen, denn im positiven Sinne bereit sind. Dispo-Zinserhöhungen oder Beratungsprovisionen werden dabei gewiss ebenso ausgespart, wie eine Gebührenerhöhung im Anlagen- und Girogeldbereich. Diese Bereiche sind schlicht zu sensibel bzw. Kunden reagieren bei Erhöhungen entsprechend und eine Bank ist schließlich auf Kredite abzahlende bzw. Spargelder einzahlende Kunden angewiesen. Vielerorts sind zudem bereits heute Dispo-Zinsen von weit über zehn Prozent durchaus üblich.32 Erhöhen dürften sich indes bonitätsabhängige Kredite, welche jedoch weniger die Sparer, denn vielmehr KMU tangieren. Durch sinkende Zinsen wird es für Sparer außerdem sukzessiv schwerer, die eigene Altersvorsorge zu realisieren, da synchron Energiepreise und Lebenshaltungskosten weiter ansteigen werden.33 Volkswirte großer internationaler Kredit- und Wirtschaftsunternehmen prognostizieren indes, der Leitzinssatz würde mindestens für die nächsten zwei bis drei Jahre auf dem derzeitigen Niveau verbleiben. Hört, hört.

Welches geheimnisvolle Orakel dabei befragt wurde, bleibt natürlich deren Geheimnis, speziell vor dem Hintergrund, das sich alleine in den letzten beiden Jahren jene Zinssätze bereits zig Mal geändert haben. Von sofern ist diese Prognose überaus erstaunlich. Ebenso darf bezweifelt werden, ob eine solche Aussage zwangsläufig dazu führt, dass private Investoren mehr Geld in die Wirtschaft pumpen. Da viele Investitionen zudem nicht nur teuer, sondern für Privatpersonen auch alles andere als leicht zu durchschauen oder gar auszuführen sein dürften, wäre das Anlegen eines etwaigen Vermögens in Aktien oder ausländische Währungen ein wesentlich sinnvollerer Weg, um auf einfache Weise eine gute Rendite zu erzielen. Sicher wären beispielsweise Kanadische Dollar, Schweizer Franken oder norwegische Kronen, wobei auch diese derzeit alles andere als günstig sind. Andere Fremdwährungen sind bedeutend günstiger, wobei gerade bei diesen meist größere Chargen geordert und somit auch entsprechend höhere Verluste einkalkuliert werden müssen. Eine sichere Geldanlage ist selbstverständlich nur selten günstig zu bekommen, denn wäre dem so, würde jeder diese besitzen wollen und spätestens dann, wenn jeder sie besäße, wäre sie zwar günstig, aber meist auch ebenso wertlos. Daher versprechen risikoreichere Investitionen, wie Aktien, Geschäfts- oder Rentenfonds, Immobilien und Anleihen nach wie vor hohe Renditen, allerdings sind diese oftmals mit längerfristigen Engagements und hochspekulativen Risiken behaftet.34 Festzustellen ist daher, dass die Zinssenkung zwar eine wichtige Wende am internationalen Kapitalmarkt einleitet, bei Privatpersonen allerdings kaum eine in Euphorie ausartende Kauf- oder Investitionsbereitschaft auslösen wird.35 Banker, Aktionäre und Investmentberater sind zudem ohnehin stets besser als Sparer informiert, die sich ohnehin kaum eingängig mit neuen Möglichkeiten auf dem Investitionssektor beschäftigen werden. Das Sparbuch ist vielen immer noch heilig und sie bleiben dabei, auch wenn es nur wenig Zinsgewinn generiert. Allerdings ist das Risiko einer Investition in global aufgelegte Aktienfonds meist auch sehr überschaubar, da die Abhängigkeit vom Euroraum und somit der Umfang der Verluste durch Deflation oder Inflation stets verschwindend gering sein dürfte. Beim Wort Inflation beginnen viele allerdings bereits überaus hektisch zu werden. Panik macht sich breit, da Geld eventuell bald nicht mehr den derzeitigen Wert besitzen könnte. Schnell werden dann neue, meist sehr risikobehaftete Investitionsmöglichkeiten ausgekundschaftet, um damit zumindest die eigene Bonität in Form eines anderen Gutes für die Zukunft erhalten zu können.

2.3 Das Risiko, kein Risiko eingehen zu wollen, ist stets recht riskant

Eventuell ist der Kauf einer Immobilie immer noch die sicherste Variante, doch wer überstürzt handelt, kann dabei schnell sehr viel Geld verlieren. Eine Regel der Immobilienbranche ist deshalb bares Geld wert, nach welcher der Preis eines Mietobjekts, welches selbst bewohnt oder aber vermietet werden soll, stets nur dann als adäquat gilt, wenn dieser in etwa dem zwanzigfachen einer Jahreskaltmiete entspricht. Bei den derzeit günstigen Zinssätzen empfiehlt es sich ebenfalls, bestehende Hypothekendarlehen, die nur noch wenige Jahre laufen, längerfristig durch ein Forward Darlehen abzusichern. Dadurch wird die Zinslast auf dem derzeitigen Niveau eingefroren, egal wie sich die Zinssätze zukünftig ändern. Nachdem 2008 die US-Immobilienblase platzte, verlief der Preisanstieg für eigenfinanzierte Immobilien, oft auch als Flucht ins Betongold bezeichnet, in vielen deutschen Städten recht moderat. Immobilienhändler erwarten daher für dieses Jahr lediglich kleinere Preissteigerungen zwischen zwei bis vier Prozent, was in etwa dem Anstieg des durchschnittlichen Entgeltes in Deutschland entsprechen würde.36 Die Preise für ältere Eigenheime und Eigentumswohnungen blieben indes seit dem Jahr 2000 nahezu konstant, wobei dies allerdings nicht für den Süden Deutschlands gilt, da hier fortwährend ein geringes Immobilienangebot einer stets recht großen Nachfrage gegenübersteht. Gegenteilig verhält sich das in den östlichen Wohngebieten Deutschlands, wo einem großen Immobilienangebot stets eine sehr überschaubare Nachfrage gegenübersteht. Höhere Immobilienpreise gelten in diesem Sinne auch eher im Umland beliebter deutscher Großstädte sowie bei entsprechend malerischen, wenig industriell besiedelten und nicht mit Bahn- oder Fluglärm belasteten Landstrichen. Desto weniger Lärm und je besser die Nachbarschaft, umso mehr muss meist in die Tasche gegriffen werden, so das Credo vieler Immobilienmakler. Damit dürften sie zweifelsohne Recht behalten, denn wenn das einzigartige Abenteuer des Hauskaufs angegangen wird, sind Erkundigungen bezüglich des allgemeinen Umfelds der Immobilie eigentlich selbstverständlich. Für viele ist dabei vorrangig der Weg zur Arbeit, zur Schule der Kinder, zum nächsten Arzt, zum Shoppen oder zu Freunden ausschlaggebend. Allerdings sollte für viele ebenso die Nachbarschaft entsprechend situiert sein bzw. zum neuen Besitzer der Immobilie passen.

Am günstigsten sind Neu- oder Altbauten beispielsweise in Bremen, Leipzig, Dresden oder Dortmund, wobei Neubauten allerdings meist auch circa zwanzig Prozent teurer sind, als Altbauten (Abb.4).

Abb.4 Preise für Altbauten in Großstädten ab 500.000 Einwohnern (2014)

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Während in München die gleiche Größe an Wohnraum zur Verfügung stehen würde, schlägt eine entsprechende Immobilie mit siebenhunderttausend, statt wie in Bremen mit zweihunderttausend Euro zu Buche. Ebenso verhält es sich mit Grundstücken oder Landflächen, welche nach wie vor stets recht knapp und teuer sind. Viele Gemeinden verlangen dabei oft im Sinne einer andauernden, zukünftig ausgerichteten und somit vor allem nachhaltigen landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Flächen, dass diese beim Verkauf eines Betriebes, bei dem Ländereien anhängig sind, selbige lediglich für diesen Zweck genutzt werden dürfen. Einerseits soll dadurch der ländliche Charakter erhalten bleiben und andererseits die eventuell von der Gemeinde eruierten Planungen zur Erschließung von Neuansiedlungsgebieten nicht negativ tangiert werden. Das hängt dann wiederum meist mit bereits bestehenden Plänen für Biogasanlagen, Windparks, Autobahnanbindungen oder dergleichen zusammen. In der Nähe jener Bauten eine Immobilie zu besitzen, wünscht sich gewiss kaum jemand, weshalb dies auch stets als Industrieansiedlungsfläche ausgewiesen wird. Zudem ließe sich ein Grundstück im Gegensatz zur Immobilie auch nicht endlos weiter ausdehnen.

Während im Süden circa vierhundert bis fünfhundert Euro pro Quadratmeter Wohnraum in Rechnung gestellt werden, sind es im Norden lediglich einhundert bis einhundert dreißig Euro. Im Osten sind die Preise mit durchschnittlich achtzig Euro am geringsten, in München mit bis zu eintausend dreihundert Euro am teuersten. Eine Immobilie zu erwerben oder gar neu zu bauen (Abb.5) ist ohne das notwendige Eigenkapital von mindestens zwanzig Prozent der veranschlagten Bausumme jedoch kaum sinnvoll, da die Zinslasten einfach viel zu hoch ausfallen würden.

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Abb.5 Preise für Neubauten in Großstädten ab 500.000 Einwohnern (2014)

Ebenso darf nicht nur der Anschaffungs-, bzw. Investitionspreis ausschlaggebend sein, wenn Kapital vom Konto in die Immobilie wandert. Der Immobilienwert sinkt zwar nicht wie der einer Aktie, welche durch Handel an den internationalen Wertpapierbörsen oder durch globale Finanzmarktturbulenzen rasch an Wert einbüßen könnte, aber auch sie verliert im Laufe der Jahre an Substanz, wenngleich auch nur sehr schleichend. Angefangen mit feuchten Wänden, Kellern, Leckagen in Dach oder Rohrleitungen, undichten Fenstern oder defekten Isolierungen. Die Liste ist lang.

Um den Wert der Immobilie nicht gen Null tendieren zu lassen, müssen notwendige Reparaturen oder Instandhaltungskosten daher stets in die Kalkulation einbezogen werden. Nicht beachtete und infolgedessen weiter vor sich hin dümpelnde Schadstellen führen ansonsten rasch zum unkalkulierbaren Totalschaden. Eine stete Beachtung und Beobachtung der Folgekosten ist somit das essentielle Credo, wobei der Instandhaltungsbedarf bei Ein- oder Zweifamilienhäusern selbstverständlich größer ist, als bei Mehrfamilienhäusern. Der Bedarf entsteht vor allem aufgrund diverser Außenanlagen wie Kameras, Fenstern, dem Garten, Garagen, zu hohen oder durch Stürme geschädigten Bäumen, Außenwandanstrichen, Zäune, dem Winterdienst, der Rasenpflege, Bedachungen und so weiter. Von sofern rentiert es sich, jeden Monat ein wenig Geld für etwaige Reparaturmaßnahmen oder unvorhergesehene Ereignisse zurückzulegen. Der Regelsatz wäre je ein Euro pro bewohnten Quadratmeter. Zu den überraschenden Ereignissen zählen auch durch Behörden angesetzte Sanierungen, z. B. der Ausbau von Anliegerstraßen, eines neuen Fuß- oder Radweges sowie die Installation von Beleuchtungs-, Kabel- oder Kanalisationsanlagen. Eckgrundstücke sind dabei stets mehr von den Kosten der Maßnahmen betroffen, als Randgrundstücke, weshalb auch dies stets ein entscheidendes Kriterium für die Immobilie sein sollte. Ferner sollte die Immobilie alle zwei Jahre selbst in Augenschein genommen werden. Ist kein diesbezügliches Fachwissen zum Auffinden etwaiger Schadstellen vorhanden, empfiehlt es sich, Handwerker oder unabhängige Sachverständige mit der Inspektion zu beauftragen. Beide nehmen natürlich Geld dafür und da Handwerksbetriebe eher an einer sich ergebenden Reparaturbeauftragung interessiert sind, Sachverständige aber lediglich Empfehlungen aussprechen, dürfte sich ein vorheriger Kostenvergleich schon alleine deshalb lohnen. Zudem beurteilen Sachverständige den Zustand meist ganz im Sinne des Besitzers, Handwerker eher mit einem großen Euro-Zeichen im Auge. Doch zurück zur eigentlichen Investition. Ein Investor möchte in der Regel kaum ein Haus für den Enkel kaufen oder errichten, sondern für sich und bei Zinssätzen, welche sich im Konsens zu Inflation oder Deflation ergeben bzw. ändern, bleiben Immobilienkredite oder Hypothekenschulden in der Eurozone eigentlich stets in etwa gleich. Allerdings gilt zu bedenken, das beide auch bei Änderungen des Entgeltes weiter gezahlt werden müssen. Wird plötzlich der Arbeitsplatz eingespart, geht das Unternehmen in Konkurs oder wird die Ehe geschieden, ändert sich rasch die Bonität. Eventuell kann mit dem Bankmitarbeiter eine Kreditverlängerung ausgehandelt oder eine andere Sicherheit hinterlegt werden. Falls nicht, droht neben der Zwangsversteigerung schnell auch das finanzielle Ende.

Vor allem dann, wenn jene durch die Zwangsversteigerung erzielte Summe nicht zur Tilgung des Kredits ausreicht. Das dürfte leider oftmals der Fall sein. Daher raten gute Immobilienberater vom Kauf ab, wenn das Kapital nicht ausreicht und schlagen dem Investor stattdessen eine weniger kostspielige und in kürzerer Zeit Gewinne generierende Methode vor. Dies läuft häufig auf den Einstig ins Aktiengeschäft hinaus. Aktien werden gegenüber Sparguthaben oder Anleihen auch zukünftig rentabler bleiben, da Nachfrage und Kurs stets im selben Maße ansteigen. Letzteres war auch der Fall, als die Leitzinssenkung bekannt gegeben wurde, allerdings konnten weder Analysten, noch Börsianer erklären, weshalb der DAX sich kurz darauf so dermaßen gut positionierte.37 Bekanntlich werden Aktien schließlich eher dann gekauft, wenn die Kurse niedrig sind und nicht, wenn sie im Steigen begriffen sind. Das war von daher irgendwie unlogisch. Des Rätsels Lösung ist allerdings keineswegs in den unlauteren Machenschaften eines in aller Stille die Fäden ziehenden Gordon Gekko38 zu sehen, sondern vielmehr in Aktienhandelsverstrickungen globaler Zentral- und Notenbanken. Diese investierten nämlich innerhalb weniger Tage in sämtlichen, globalen Aktien- und Rohstoffbörsen die astronomische Summe von mehreren Billionen Dollar. So auch in Europa und vor allem in Deutschland, weshalb der DAX auch völlig unerwartet die zehntausend Punkte Marke übersprang. Die Erklärung für diesen Schritt ist denkbar einfach: Noten- und Zentralbanken besitzen global die niedrigsten Zinsen aller Zeiten, weshalb sie mit verliehenem Geld unlängst kaum mehr große Renditen erwirtschaften können. Deshalb investieren sie die Gelder auf globalen Marktplätzen, wodurch sich jene unverhältnismäßig aufblähen und die Aktienwerte nach oben getrieben werden. Im Sinne der Gewinnmaximierung wäre eine solche Maßnahme gewiss vertretbar, nur besitzen die Notenbanken dieser Welt kein eigenes, sondern lediglich Staatsgelder und die Einlagengelder der Banken. In Europa entsprächen jene Staatsgelder denen des ESM, die wiederum Steuergelder sind. Was würde wohl rein hypothetisch geschehen, wenn morgen etwas Unvorhergesehenes passiert, z. B. der Ausbruch eines Krieges, einer Seuche oder globale Wetterkapriolen, die alle Länder heimsuchen und deren Ernten vernichten? Ein globaler Finanzcrash wäre die Folge, durch den schlagartig gewaltige Geldmengen vernichtet würden. Auch die der Notenbanken. Mal abgesehen von den Hamster- und Panikkäufen - wer rettet dann eigentlich die nicht mehr liquiden oder insolventen Notenbanken oder lässt der globale Finanzmarkt sie dann einfach pleite gehen? Ein Szenario, das wohl kein Notenbankchef beim Spekulieren bedachte.

Investieren sollte daher nur, wer das dafür notwendige Kapital auch tatsächlich besitzt, denn geliehenes und dazu noch verspekuliertes Geld ist bekanntlich doppeltes Pech. Ein breit gestreutes Kapital ist überdies stets die beste Alternative, um gegenüber Inflation oder Deflation gewappnet zu sein. Ergo: investieren in Immobilien, Aktien und Fremdwährungen zu je einem Drittel des finanziellen Rahmens. Natürlich ist es ebenso sinnvoll, sein Konto nicht dauerhaft zu überziehen, da Dispo-Zinsen mancherorts recht hoch sind, was wiederum schnell zum Aufzehren des frischen Kapitals führt (Abb.6).39

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Abb.6 Dispo-Zinsen im Vergleich (2014)40

2.4 Nicht alles, was wirtschaftlich zählt, ist auch in Zahlen erfassbar

Traut man den Angaben der neuesten OECD-Prognose, welche bezüglich der globalen wirtschaftlichen Entwicklung berechnet wurde, so wird die deutsche Wirtschaft auch in diesem Jahr wieder kräftig an Fahrt gewinnen.

In der Prognose wird Deutschlands BIP41 für 2014 mit einem Wachstum von eins Komma neun Prozent und für 2015 mit eins Komma acht Prozent eingeschätzt. Für die gesamte Eurozone wären dies hingegen nur eins Komma zwei für 2014 und eins Komma sieben Prozent für 2015.42 43 Die Wirtschaftsaktivitäten wurden im ersten Quartal des Jahres als außerordentlich gut bewertet, was auf den milden Winter, steigende Immobilienpreise und einer deshalb guten Auftragslage im Baugewerbe zurückzuführen sei. Gleichzeitig wurde und wird die Export-Nachfrage nach deutschen Waren in der Eurozone weiter gesteigert, weshalb Deutschlands Wachstumsprognose auch weiterhin beständig über jener der Eurozone liegen dürfte.44 Zeitgleich werden die Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland weiter zunehmen, wogegen das in anderen Euroländern eher gleichbleibend, bis sogar abnehmend prognostiziert wird, vor allem im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit (Abb.7).

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Abb.7 Jugendarbeitslosenquote in Europa von Januar 2011 bis Juni 2014

Neue Arbeitsverhältnisse werden zur Verknappung am deutschen Arbeitsmarkt und Steigerung des Lohnniveaus führen, nicht zuletzt aufgrund des jüngst beschlossenen Mindestlohns. Auf diese Weise werden die Verbraucherpreise 2014 um eins Komma eins Prozent und 2015 um eins Komma fünf Prozent, sowie die derzeitige Inflationsrate von null Komma neun bis 2016 auf eins Komma neun Prozent ansteigen.45 Volkswirte gehen indes in diesem Jahr gegenüber den Prognosen der OECD46 von einem BIP um eins Komma neun und für 2015 sogar von zwei Prozent aus.47 Ein wichtiger Punkt sei dabei die anziehende Binnenwirtschaft und eine zunehmend verbesserte Konjunktur im Euroraum. Das die Inflationsrate im Gegensatz zu vorherigen Jahren leicht rückläufig ist, liegt neben recht günstigen Energie- und Lebensmittelpreisen vor allem am starken Euro.48 Dessen starker Wechselkurs verbilligt die Importe und hält dadurch das Niveau der Inflation relativ niedrig. Belastend für die deutsche Konjunktur ist allerdings, dass dadurch im Inland produzierte Güter auf globalen Marktplätzen teurer werden. Viele deutsche Unternehmen wünschen sich deshalb von der EZB eine geldpolitisch gesteuerte Absenkung des Euro-Wechselkurses. Dies würde jedoch schon alleine deswegen nicht funktionieren, weil die EZB keine Wechsel- oder Währungspolitischen Aufgabenbereiche inne hat. Die stärksten Instrumentarien49 der EZB sind neben der Leitzinsänderung lediglich der Ankauf von Anleihen oder die Abgabe günstiger Gelder an europäische Geschäftsbanken.50 Aufgrund der Leitzinssenkung wird die Konjunktur Deutschlands bzw. der Eurozone51 gleichzeitig weiter entlastet und angeschoben. Dies vor allem deshalb, weil Unternehmenskredite bzw. Investitionen günstiger refinanziert werden können und sich Sparen bei niedrigeren Zinssätzen für Verbraucher kaum noch lohnt. Diese werden aufgrund der verbilligten Kredite, welche Banken sicher in Bälde anzubieten in der Lage sein werden, selbige in Anspruch nehmen und dadurch zur weiteren Ankurbelung des Konsums in und um Deutschland beitragen. So hofft zumindest EZB-Chef Draghi.52 Klingt logisch, denn wenn sich Sparen nicht mehr lohnt, wird das Geld entweder investiert oder für den Konsum ausgegeben. Wirtschaftlich gesehen wäre damit alles im grünen Bereich, weil Deflation verhindert und Inflation gefördert würde. Eine interessante Vorstellung, zumindest für die Finanzbranche. Aber ist es wirklich so? Wie denken Sparer, Verbraucher und Konsumenten wohl darüber?

2.5 Eurokritiker kennen meist jeden Preis, nicht aber den Wert

Was für Wirtschaft und Politik durchaus verständlich erscheinen mag, auch wenn dies oftmals anders wirkt, sieht der Verbraucher bzw. eurokritische Bürger meist aus einem vollkommen anderen Blickwinkel. Dies dürfte vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass viele wirtschaftliche Zusammenhänge schlicht nicht erkannt oder aber verstanden werden.53 Würde beispielsweise heute eine Volksabstimmung über Deutschlands Verbleib in der Eurozone bzw. über den Erhalt des Euro als Währung durchgeführt werden, so hätte die Politik mit Sicherheit große Schwierigkeiten damit, den Bürgern einen Verbleib mit halbwegs realistischen Szenarien oder gar zukunftsorientierten Argumenten schmackhaft zu machen. Die Gründe dafür sind recht vielfältig. Ein gutes Argument, weshalb ein Austritt finanzielle, politische und sogar wirtschaftliche Vorteile bringen würde, ließe sich vor allem an der vor kurzem durchgeführten Europawahl festzurren. Nach der Wahl hätte eigentlich vieles klarer sein sollen und etliche europapolitische Entscheidungen anhand des Bürgervotums weiter optimiert werden können. Stattdessen wurden bereits in der Wahlnacht Positionen, Zugeständnisse oder Versprechungen von den frisch gewählten Parlamentariern gewechselt, ausgetauscht oder plötzlich wieder zurückgezogen. Ebenfalls erschien es manchen Volksvertretern ganz offensichtlich weitaus wichtiger zu sein, parteiübergreifend um lukrative Posten zu Schachern, als zum Wohle der Eurozone bzw. deren Bevölkerung zukunftsweisende Gedanken zu äußern oder gar Entscheidungen zu fällen. In Foren, Zeitungen und TV wurden daher unlängst Stimmen laut, die wissen wollten, wozu ein Gremium wie das Europaparlament überhaupt nötig sei, wo doch stets irgendwer ein Veto einlegt, wenn es um schnelle Hilfe bei wirtschaftlichen oder politischen Fehlentwicklungen geht bzw. diese dann irgendwann einfach vertagt wird. Ebenso sei es für viele illusorisch zu glauben, das jemals eine gewisse Einigkeit bei wichtigen, ganz Europa betreffenden Fragen besteht, die zudem alle kulturellen, traditionellen oder regionalen Unterschiede berücksichtigt, da die Völker bzw. Länder der Eurozone dazu einfach immer noch viel zu verschieden seien. Das bedeutet im Umkehrschluss, das lange geredet und wenig umgesetzt wird bzw. werden kann. Dem Wähler missfällt ebenso die Warterei bei der Ernennung des Parlamentspräsidenten, der letztlich schon vor der Wahl bestimmt wurde und es besteht der Wunsch, die Uneinigkeit zwischen den Parteien zu beenden, weniger parteiinterne, taktische Spielchen zu treiben und lieber eine gemeinsame Linie zu finden, um Europa endlich wieder in die Spur zurück zu bringen.

[...]


1 Vgl. Wagener / Eger (2014) S.423 ff

2 Vgl. Spahn (2011) S.100 f

3 Vgl. Sieg (2012) S.282

4 Vgl. Koch et al (2014) S.240 ff

5 Vgl. Wagener / Eger (2014) S.403 f

6 Vgl. Koch et al (2014) S.220

7 Vgl. Spahn (2011) S.98

8 Vgl. Sieg (2012) S.182

9 Vgl. Koch et al (2014) S.232 f

10 Vgl. Allen / Khadem (2014) S.180

11 Vgl. Spahn (2011) S.124

12 Vgl. wiwo.de, 05.06.2014

13 Vgl. Spahn (2011) S.132 f

14 Vgl. wiwo.de, 05.06.2014

15 Vgl. Görgens et al (2014) S.272 ff

16 Vgl. heise.de, 04.09.2009

17 Vgl. BGH Az.: XI ZR 170/13, XI ZR 405/12

18 Vgl. Jahndorf (2003) S.231 f

19 Vgl. wiwo.de, 05.06.2014

20 Vgl. Berens (2014) S.99 f

21 Vgl. Weik / Friedrich (2014) S.49

22 Vgl. Koch et al (2014) S.227

23 Vgl. Berens (2014) S.245 f

24 Vgl. nytimes.com, 05.06.2014

25 Vgl. Görgens et al (2014) S.287

26 Vgl. wiwo.de, 01.07.2014

27 Vgl. dsgv.de, 05.06.2014

28 Vgl. faz.net, 24.06.2014

29 Vgl. Bösch (2011) S.219 f

30 Vgl. wiwo.de, 05.06.2014

31 Vgl. Görgens et al (2014) S.98 f

32 Vgl. faz.net, 14.06.2014

33 Vgl. bvr.de, 05.06.2014

34 Vgl. Weik / Friedrich (2014) S.83

35 Vgl. Görgens et al (2014) S.138 ff

36 Vgl. Weik / Friedrich (2014) S.254

37 Vgl. wiwo.de, 25.06.2014

38 Vgl. manager-magazin.de, 16.06.2014

39 Vgl. handelsblatt.com, 02.03.2014

40 Vgl. konto.com, 04.07.2014

41 Vgl. Sieg (2012) S.215 f

42 Vgl. Weissmann (2014) S.15 f

43 Vgl. welt.de, 15.05.2014

44 Vgl. rp-online.de, 10.04.2014

45 Vgl. statista.com, 20.05.2014

46 Vgl. handelsblatt.com, 11.03.2014

47 Vgl. sueddeutsche.de, 15.05.2014

48 Vgl. Wagener / Eger (2014) S.382 ff

49 Vgl. Koch et al (2014) S.252 ff

50 Vgl. Spahn (2011) S.89 f

51 Vgl. Koch et al (2014) S.112

52 Vgl. Sieg (2012) S.273

53 Vgl. Weik / Friedrich (2014) S.133 ff

Ende der Leseprobe aus 120 Seiten

Details

Titel
Leitzinssenkung 2014. Bedeutung, Hintergründe, Informationen und Perspektiven sowie die Zukunft des Euro und der Eurozone
Untertitel
Für Unternehmen, Banken, Anleger, Investoren, Konsumenten
Autor
Jahr
2014
Seiten
120
Katalognummer
V280052
ISBN (eBook)
9783656739821
ISBN (Buch)
9783656739791
Dateigröße
3532 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
2014: Die Leitzinssenkung oder das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes
Schlagworte
BWL, Finanzierung, Leitzins, EZB, DAX, Index, Bankenunion, Stresstest, Finanztransaktionssteuer, ETF, Europa, Euroländer, Export, Import, Finanzwirtschaft, Lobby, Banken, Deutsche Bank, Rettungsschirm, Zypern, Griechenland, Inflation, Deflation, Tendergeschäfte, Einlagenfazilität, KMU, Spekulanten, Kleinanleger, Aktien, Fonds, Mindestlohn, Deutsche Mark, Euro, BaFin, European System of Central Banks, EFSF, European Financial Stability Facility, OECD, Draghi, Quantitative Easing, Leitzinssenkung, Rezession, Immobilienblase, Immobilie, SoFFin, Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, Wirtschaftsforschung, ESM, Kreditinstitut, Sparer, Wechselkurs, Kredit, Geld, Geldpolitik, Investition, Notenbank, Maßnahmenpaket, Steuer, Deutschland, Bankberater, IWF, Staatsanleihen, Kapitalmarkt, Konsumgesellschaft
Arbeit zitieren
BA Frank Wilkens (Autor), 2014, Leitzinssenkung 2014. Bedeutung, Hintergründe, Informationen und Perspektiven sowie die Zukunft des Euro und der Eurozone, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280052

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