In unserer heutigen Gesellschaft ist die Sexualität kein Tabuthema mehr. Sie ist präsent in Filmen, Zeitungen, Werbeplakaten und sogar im Schulunterricht. Sie wird weder totgeschwiegen noch verurteilt. Die Gesellschaft in Deutschland zeichnet sich durch eine offene, nicht unterdrückende Sexualmoral aus, auf welche die Kirche keinen großen Einfluss ausübt.
In der folgenden Hausarbeit möchte ich auf eine Gesellschaft eingehen, in welcher dies nicht der Fall ist. Ich werde die repressive Sexualmoral der Welt Margaretes aus Goethes Tragödie „Faust“ detailiert untersuchen und die Konsequenzen und Einflüsse einer solchen auf ihr Leben herausarbeiten. Hinzukommend wird innerhalb dieses Punkt auf den Aspekt der unehelichen Schwangerschaften und deren Folgen für die Betroffenen eingegangen werden. Weiterführend werde ich die Einflüsse der Religion auf die Sexualmoral näher betrachten, um das Zusammenspiel zwischen dieser und der Gesellschaft herauszustellen. Innerhalb dieses Zusammenhanges werde differenziere ich die Institution Kirche und dem Glauben. Um einen erleichterten Einstieg in die Thematik zu geben, werde ich mit einer kurzen Übersicht zu Figur der Margarete beginnen. Hierbei wird genauer die Entstehungsgeschichte, ihre Charakterzüge und ihre Rolle in „Faust I“ bearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Margarete
Geschichtlicher Hintergrund der Margarete in Goethes Faust
Die Rolle der Margarete
Umriss der Gretchen-Tragödie
Sexualmoral in Margaretes Welt
Gesellschaftliche Sexualmoral
Einflüsse der Religion auf die Sexualmoral in Margaretes Welt
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die repressive Sexualmoral in Goethes „Faust I“ und deren verheerende Auswirkungen auf die Protagonistin Margarete. Ziel ist es, das Zusammenspiel zwischen gesellschaftlichen Konventionen, religiösen Normen und dem individuellen Schicksal im 18. Jahrhundert zu analysieren und kritisch mit modernen moralischen Vorstellungen zu vergleichen.
- Analyse der bürgerlichen und kirchlichen Sexualmoral im 18. Jahrhundert
- Die Rolle der Margarete als Verkörperung gesellschaftlicher Erwartungen
- Untersuchung der Kindsmord-Problematik und ihrer soziokulturellen Hintergründe
- Kontrastierung von religiöser Institution und individuellem Glauben
- Vergleich der historischen Situation mit der heutigen gesellschaftlichen Sexualmoral
Auszug aus dem Buch
Gesellschaftliche Sexualmoral
Schon bei der ersten Begegnung von Faust und Margarete wird deutlich, dass die Sexualmoral der Gesellschaft repressiv und von klaren, moralischen Vorstellungen determiniert ist.
Faust sieht Margarete auf der Straße und bietet dieser sein „ Arm und Geleit“ an.22 Weiterhin spricht er sie als schönes Fräulein an. Diese Anrede gilt zu der Zeit als „Ehrenname unverheuratheter adeliger Frauenzimmer“ 23 und ist somit nicht die korrekte Betitelung für eine bürgerliche wie Margarete. Es entspricht also nicht den üblichen Umgangsformen innerhalb der Gesellschaft und ist wohl auf die Veränderung von Fausts Aussehen und Verhalten zurückzuführen, welche von Mephisto beeinflusst wurden.24 Als sie bei der zweiten Begegnung mit Faust auf diesen Vorfall zu sprechen kommt wird offensichtlich, dass es sich hierbei um keine den Konventionen entsprechende Begegnung handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Sexualmoral im historischen und modernen Kontext unter Einbeziehung aktueller Studien.
Margarete: Untersuchung des historischen Hintergrunds der Figur, ihrer Rolle in der Gretchen-Tragödie sowie ihrer Charakterzüge.
Sexualmoral in Margaretes Welt: Analyse der repressiven gesellschaftlichen Normen und der einflussreichen Rolle der Kirche auf die Sexualmoral.
Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Abhängigkeit des Individuums von gesellschaftlichen Normen und Vergleich mit der heutigen Situation.
Schlüsselwörter
Goethe, Faust, Margarete, Gretchen, Sexualmoral, Kindsmord, Religion, Kirche, Gesellschaft, 18. Jahrhundert, Konventionen, Tugend, Moral, Schuld, Sühne
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die repressive Sexualmoral, die in Goethes „Faust“ dargestellt wird, und untersucht, wie diese Normen das Leben der Protagonistin Margarete maßgeblich bestimmen und letztlich zerstören.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die gesellschaftlichen Moralvorstellungen des 18. Jahrhunderts, der Einfluss der Kirche, die Rolle der Frau sowie das spezifische Problem des Kindsmordes in diesem historischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie gesellschaftlicher und religiöser Druck das Leben eines Individuums determiniert und welche verheerenden Folgen ein Verstoß gegen diese Normen damals nach sich zog.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Dramas „Faust I“, ergänzt durch historische Hintergründe, Kommentarliteratur und Vergleiche mit zeitgenössischen Studien zur Sexualmoral.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Figur Margarete, eine Analyse der gesellschaftlichen Sexualmoral und eine Betrachtung des Einflusses der Religion auf diese Moralvorstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Faust, Margarete, Sexualmoral, Kindsmord, gesellschaftliche Konventionen, Kirche, Tugend und der Kontrast zwischen historischer und moderner Moral.
Welche Rolle spielt der Bruder Valentin für das Verständnis der Moral?
Valentin repräsentiert die repressive Allgemeinheit und das bürgerliche Ehrgefühl. Er diffamiert Margarete öffentlich, um seinen eigenen sozialen Status zu schützen, und verdeutlicht damit die Härte der Gesellschaft gegenüber Frauen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Religion und Kirche?
Die Arbeit differenziert zwischen dem persönlichen Glauben (z. B. Margaretes Andacht) und der Institution Kirche, die als Machtinstrument fungiert und eine repressive Moral aktiv durchsetzt.
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- Annika Wichmann (Author), 2014, Die Sexualmoral in Gretchens Welt. Einflüsse der Gesellschaft in Goethes "Faust", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280096