Familien in Migrationssituationen und die Bildungsbenachteiligung ihrer Kinder


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Familien in Migrationssituationen

3. Kinder und Jugendliche im Migrationskontext

4. Bildungsbenachteiligung

5. Integration von Kindern mit Migrationshintergrund

Literatur

1. Einleitung

Im Jahr 2008 gab es in Deutschland circa vier Millionen Familien, bei denen mindestens ein Familienmitglied Migrationshintergrund hat.

„Der Begriff Migrationshintergrund bezieht sich auf Personen, die selbst oder innerhalb der Familie, eine Migration von dem ursprünglichen Herkunftsland in ein anderes Land erlebt haben oder in dem Aufnahmeland der vorherigen Generation geboren wurden. In diesem Zusammenhang bedeutet es, dass eine zweite Sprache als Familien- beziehungsweise Alltagssprache im direkten Umfeld prägend praktiziert wird.“

(Roy, Andrea 2010)

Aber diese Familien haben neben der Gemeinsamkeit nach Deutschland eingewandert zu sein auch viele Faktoren in denen sie sich voneinander unterscheiden. Die Erfahrungen mit Migration und deren nationale sowie ethnische Zusammensetzung ist der erste Punkt in dem sie sich voneinander abgrenzen. Ein weiterer Faktor, der die Familien voneinander unterscheiden lässt, sind die Ressourcen und Motivationen mit denen die jeweiligen Familien ausgewandert sind. Es kommt dann auch noch deren aufenthaltsrechtlicher Status dazu sowie die soziale Integration, was wiederrum die Platzierung in der gesellschaftlichen Struktur des Einwanderungslandes beeinflusst (Herwartz-Emden; Schurt; Waburg 2010, S.23). Was sich allerdings zum größten Teil verallgemeinern lässt, ist, dass die meisten Migrantenfamilien aus ärmeren Ländern stammen und in westliche Staaten einwandern, um ihre Lebensumstände zu verbessern. Deren Ressourcen sind auf allen Ebenen eher geringfügig. Das heißt sie besitzen wenig ökonomisches Kapital, was auf deren finanzielle Rücklagen bezogen ist und auch wenig kulturelles sowie soziales Kapital. Um zu verstehen, welche Leistungen die Einwanderer erbringen müssen, kommt der Begriff der Akkulturation zum Tragen (vgl. ebd., S. 24). Die Akkulturation beschreibt den Prozess der Anpassung, den Migranten erbringen, um sich mit der neuen fremden Kultur vertraut zu machen. Dabei können die Familien vier verschiedene Akkulturationsstrategien verfolgen.

Die erste Strategie ist die Assimilation, bei der sich die Einwanderer der Kultur des Aufnahmelandes ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen. Eine weitere Art sich zu akkulturieren, ist die Segregation. Hier wird die Aufnahmekultur völlig abgelehnt, um die eigene Kultur aufrechterhalten zu können. Die Integration ist die nächste Strategie, die angewendet werden kann, um beide Kulturen zu verbinden und so ein gutes Mittelmaß zu finden. Die vierte Akkulturationsstrategie ist die Ignoranz beider Kulturen, wozu es dazu kommt, dass die Ausführenden an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden (vgl. Herwartz-Emden; Schurt; Waburg 2010, S.49) und somit die Anpassung an eine bestimmte Kultur völlig verfehlt haben, indem sie dann zu ,gesellschaftlichen Außenseitern‘ werden.

In der folgenden Ausarbeitung wird im Einzelnen darauf eingegangen, wie Familien in Migrationssituationen agieren und mit der Veränderung umgehen. Der Schwerpunkt dieser Seminararbeit liegt dabei auf den Kindern und Jugendlichen im Migrationskontext und deren Bildungsbenachteiligung. Ebenso wird abschließend eine Zusammenfassung gegeben, wie sich die Integration der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Schule und Ausbildung vollzieht und wie sie sich vollziehen sollte.

2. Familien in Migrationssituationen

Die Familie ist besonders für Migranten der Ort für alltägliches Überleben, denn sie bietet ihnen in gewisser Weise Schutz und Raum für deren ethnische Identifikation in der neuen ausländischen Umgebung (vgl. Herwartz-Emden; Schurt; Waburg 2010, S.53). Das bedeutet, dass sie zu Hause innerhalb der Familie die Möglichkeit haben, so zu sein wie sie es gewohnt sind und sich nicht darauf konzentrieren müssen nach der Aufnahmekultur zu denken sowie zu handeln. Für die Entwicklung der Bewältigungskompetenzen haben familiäre Beziehungen einen sehr hohen Stellenwert, da dort die eventuell auftretenden Probleme mit Integration und Sozialisation besprochen werden können. So kann der Umgang mit diesen Faktoren geklärt werden und Lösungen beziehungsweise Handlungsanweisungen können durch die Familie gegeben werden. Deshalb ist die Familie für Migranten die wichtigste und unverzichtbarste Ressource. Die Migrantenfamilien zeichnen sich durch ihren großen familiären Zusammenhalt aus, somit sind sie enger miteinander verbunden als deutsche Familien, in denen meistens jedes Familienmitglied selbstständig ist. Trotz dieser großen Verbundenheit haben die Eltern oft sehr hohe Ansprüche an ihre Kinder. In den Migrantenfamilien herrscht ein regelrechter Familialismus (ebd., S. 55), da ein enger Kreis von Familie, Verwandten und Freunden existiert. Dieser Familialismus kommt zum größten Teil durch die Auswanderung zu Stande, denn die Verbindung zur Heimat und dessen Kultur soll gewahrt werden. Die Kollektive, die sich dadurch zusammenfinden, haben, wie oben beschrieben, eine Schutzfunktion für jedes einzelne Mitglied dieser Gruppe. Der Zusammenhalt hilft aber auch den ungewohnten Alltag im Einreiseland zu bewältigen und Stand halten zu können. Durch den hohen Grad an Interaktion innerhalb des Familienkreises kommt es weniger zu segregativen Beziehungen zwischen den Generationen. Das heißt, dass sich Migrantenkinder weniger als die Einheimischen besonders in der Pubertät von ihren Eltern isolieren, um ihre Identität selbst zu finden. Daher hat nach eigener Empfindung der innerfamiliäre Zusammenhalt für die ausländischen Jugendlichen einen höheren Stellenwert, als für die Deutschen. Jedoch ist zu bemerken, dass der intergenerationale Zusammenhalt zwischen Familien unterschiedlicher Herkunft kulturell bedingt variiert (vgl. Herwartz-Emden; Schurt; Waburg 2010, S. 56). So ist zum Beispiel bei türkischen Auswandererfamilien der Zusammenhalt viel größer, als vergleichsweise bei griechischen Migrantenfamilien. Die Eltern gelten bei den Jugendlichen als wichtige emotionale Bezugsperson. Allerdings sind diese Vorstellungen in manchen Migrantenfamilien im Umbruch, denn die Kinder wollen selbstständiger werden, was sie nur können, wenn die Eltern ihnen die Freiheit zur Entwicklung eigener Bewältigungsstrategien von Alltagssituationen lassen. Da es vermehrt zu Konflikten zwischen den Generationen kommt, die auf altersspezifischen Ursachen gründen, wenden sich immer mehr junge Leute von ihren Eltern ab und haben eher ihre Geschwister sowie Freunde als enge Bezugspersonen (vgl. ebd., S. 57), weil die jugendlichen Gruppierungen untereinander besser als die ältere Generation nachvollziehen können, was gerade in dem Gegenüber vorgeht.

3. Kinder und Jugendliche im Migrationskontext

Die Kinder der Immigranten haben, auch wenn sie selbst nicht gewandert sind und in Deutschland geboren sind, noch viel größere Akkulturationsleistungen zu erbringen, als deren Eltern. Der Anpassungsprozess an die neue Kultur wird von den familiären Umständen beeinflusst, aber auch durch die Bereitschaft der Gesellschaft aufgenommen zu werden (vgl. Herwartz-Emden; Schurt; Waburg 2010, S.60). Kinder und Jugendliche müssen zusätzlich zur Bewältigung des Alltags noch die Hürden der altersbedingten Entwicklungsaufgaben überwinden. Dazu zählen aus meiner Sicht die Anerkennung in der Schule sowie Freunde und Partner zu finden und auch die Pubertät, was den Prozess der Eingewöhnung in eine Gesellschaft entscheidend erschweren kann, da die Jugendlichen in dieser Phase zusätzlich noch zu sich selbst finden müssen. Es kommt noch hinzu, dass Kinder sich in verschiedene kulturelle und sprachliche Situationen integrieren müssen (vgl. ebd., S.61), da sie Anerkennung in der Familie und Verwandtschaft mit der Heimatkultur erlangen sollen, aber auch in der Aufnahmekultur einen gewissen Status erreichen müssen, um entsprechend integriert zu werden. Im Vordergrund des alltäglichen Erlebens der Teenager stehen Probleme, wie eine fehlende Anerkennung des Umfelds durch Sprachschwierigkeiten. Weiterhin kommt dazu, dass die Kinder wegen ihres andersartigen Aussehens möglicherweise diskriminiert werden (vgl. ebd., S.68). All diese Faktoren kommen zusammen, was mich zu dem Schluss kommen lässt, dass Migrantenkinder einen wesentlich schwereren Start im Einreiseland haben, als deren Eltern. Nach Herwartz-Emden, Schurt und Waburg reagieren die Jungen anders als die Mädchen auf die alltägliche Konfrontation mit den Hindernissen der neuen Kultur. Junge Frauen und Mädchen haben dabei jedoch noch größere Hindernisse zu überwinden, da diese meistens mit widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert werden (vgl. ebd., S.76). Mädchen werden von der Familie eher traditionell erzogen, was von ihnen fordert, die traditionelle Rolle der Frau in der Familie zu übernehmen. Dies steht aber im kompletten Gegenteil zu dem Bild der Frau, welches in Deutschland vorherrscht. Die Frauen in Deutschland sind bemüht unabhängig von ihren Familien sowie von den Männern zu leben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Familien in Migrationssituationen und die Bildungsbenachteiligung ihrer Kinder
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V280173
ISBN (eBook)
9783656743224
ISBN (Buch)
9783656743194
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
familien, migrationssituationen, bildungsbenachteiligung, kinder
Arbeit zitieren
Vicky Sorge (Autor), 2011, Familien in Migrationssituationen und die Bildungsbenachteiligung ihrer Kinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280173

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