Das St. Klara Kloster in Nürnberg. Die Geschichte und Struktur des Konvents


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 2,0

Friedrich Mühlstein (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Gründungsphase
2.1 Magdalenenkloster
2.2 Inkorporation in den Klarissenorden

3 Konsolidierungsphase

4 Die Binnenstruktur des Konvents

5 Anhang
5.1. Quellenverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis
5.3. Karten und Bilder.

1. Einleitung

Das Ziel der Veranstaltung, in welchem diese Hausarbeit vorgelegt wird, war die Untersuchung der Beziehungen zwischen den Frauen- und Männerzweigen des Franziskanerordens. Erweiternd dazu sollte das Verhältnis zu bürgerlichen, fürstlichen- und königlichen Familien problematisiert werden.

Während der Vorstellung verschiedener Kloster im Rahmen der Veranstaltung und eigener Recherche stellte sich heraus, dass es zwar viele Unterschiede in der Geschichte der einzelnen Kloster gibt, aber das dennoch das Klarissenkloster in Nürnberg einen Sonderfall1 darstellt, der auch die Gliederung der vorliegenden Arbeit prägen wird. Denn die Frauengemeinschaft, die bei der Beteiligung des Klarissenkonvents beteiligt war, gehört erst einer anderen Ordens- gemeinschaft an, dem Orden der Magdalenen. Da die Entwicklungen des Magdalenenkon- vents in Nürnberg eine Grundlage zum Verständnis der Geschichte des St. Klara Konventes sind, soll die Historie der Magdalenen von Nürnberg im ersten Teil der Arbeit erläutert zu werden um sie dann in Zusammenhang mit der Gründungsphase des Klarissenklosters zu stellen. Nach Darlegung der Gründungsphase sollen dann die sozialen Strukturen des Konventes erläutert werden, die dann in Verbindung mit der sozialen- und politischen Struktur der Stadt Nürnberg gebracht werden sollen.

Bei der Recherche zu der vorliegenden Arbeit sollte versucht werden, den aktuellen Forschungsstand zu reflektieren und kritisch zu bewerten. Insbesondere wurde dabei mit der Monographie von Johannes Kist gearbeitet, die im Jahre 1929 erschienen ist. Daneben wird mit den originalen Quellentexten gearbeitet, die größtenteils aus dem Urkundenbuch der Stadt Nürnberg stammen.

2. Gründungsphase

2.1. Magdalenenkloster

Um die Gründungsphase des Klarissenklosters in Nürnberg zu erläutern, muss zuerst die Ge- schichte des Magdalenen Konventes betrachtet werden, der später den Klarissenkonvent in Nürnberg bildete. Das Magdalenenkloster wird zum ersten Mal im Jahre 1240 urkundlich2 er- wähnt, könnte jedoch schon ab 12323 existiert haben. Die Klostergründung wurde von Papst Gregor dem 4. genehmigt. Gestiftet wurde das Kloster von Ulrich von Königstein, dieser stiftete dem Kloster unter anderem drei Eigentumshöfe4, welche eine wirtschaftliche Grundlage für den Konvent bildeten. Der eigentliche Konvent ließ sich im Umfeld einer Magdalena Kapelle, einem Wallfahrtsort außerhalb von Nürnberg, nieder. In der damaligen Umgangssprache wurden die Nonnen des Magdalenenordens als „Reuerinnen“ bezeichnet. Diese Betitelung zielte auf deren Vergangenheit ab, in welcher viele dieser Nonnen unehrenhaften Tätigkeiten nachgegangen waren, wie zum Beispiel Prostitution.

„ Diese aus der großen Beginenbewegung hervorgehende Orientierung für Frauen aus den Problembereichen der Städte ( … ). “ 5

Sie traten zur Buße in den Orden der Magdalenen ein, welcher nach der Regel des hl. Antoni- us lebte, durch den Eintritt in einen Magdalenenkonvent wurden sie vom Kirchenbann befreit, der auf Straßendirnen lag. Die Intention des Magdalenenordens hängt mit der Geschichte der hl. Magdalena im 2. Testament, die dort als bekehrte Sünderin auftritt, zusammen. Es muss an dieser Stelle überlegt werden, inwiefern die Vergangenheit der Nonnen des Mag- dalenenordens mit der topografischen Lage des Klosters zusammenhing. Es ist hier einerseits zu bemerken, dass sich der Konvent an einem Wallfahrtsort niederließ, der eben dadurch wie- derbelebt werden könnte und dem Kloster wirtschaftliche Vorteile gebracht hat, die jedoch auch durch eine Ablassverkündung aus dem Jahre 1253 vorhanden waren6. Auf der anderen Seite könnte es möglich sein, dass sich innerhalb der politischen Strukturen der Stadt Nürn- berg dagegen ausgesprochen wurde, gerade so einen Orden, der von der Gesellschaft verach- tete Personen aufnimmt aus den Stadtmauern heraus zu halten. Dies ist jedoch lediglich eine Vermutung, die durch keine Quelle belegt werden kann.

Aus der Zeit des Magdalenenklosters sind einige Urkunden erhalten, unter anderem die schon aufgeführte „ Ablassverkündigung für die Wohltäter der Nürnberger Magdalenen “ 7, des wei- teren findet sich 1254 eine Urkunde in der Hilteboldus von Rotenberge8 dem Magdalenen- kloster einen Hof schenkt oder auch die Schenkung eines „ Gutes zu Rüsselbach “ 9 im Januar 1255. Auch hier zu erwähnen sind zwei Urkunden aus dem Jahr 1263 und eine aus 126410, die den „ Verzicht auf Güter zugunsten der Magdalenerinnen in Nürnberg “ 11 bekunden. Die hier aufgeführten Beispiele sprechen für einen großen Reichtum des Magdalenenklosters. Für die weitere Geschichte des Nürnberger-, aber auch Regensburger Magdalenenkonvents spielt das 2. Konzil von Lyon12, welches von Papst Gregor dem 5. einberufen worden war, eine wichtige Rolle. Dieses fand vom 7. bis 17. Juli im Jahre 1274 statt und hatte sich als Ziel die Reformierung der katholischen Kirche gesetzt.

Ein Ergebnis dieses Konzils war die Konstitution: „ Religionum Diversitatem “ 13, in diesem wurde es allen Bettelorden, mit Ausnahme der Franziskaner, Klarissen, Dominikaner und Augustiner, verboten neue Ordensmitglieder aufzunehmen. Burkhard Roberg erwähnt in diesem Zusammenhang ein „Diskussionsprotokoll“ vom Konzil in Lyon mit dem Namen „ De relgiosis et multitudine eorundem. De ordine apostolorum “ 14, in welchem es heißt:

„ Ordines mendicantes introducti post prohibicionem concilii generalis reuocentur preter or dinem Predicatorum, Minorum et Heremitarum sancti Augustini, et persone de ordinibus reuocatis transeant ad aliquem de ordinibus antiquis et approbatis illis tribus reseruatis. Loca uero et bona si qua habent, ordinacioni sedis apostolice reseruentur. “ 15

Somit betraf dieses Konzil das Magdalenenkloster in Nürnberg, welches jetzt zwei Möglichkeiten hatte:

(1) „ Aber sie konnten wohl Magdalenerinnen bleiben, mussten aber dann aus der Reihe der Mendikantenorden ausscheiden und Ordensleben und Ordenszweck wie dieübrigen Frauenklöster gestalten. “ 16
(2) Der Magdalenen Konvent schließt sich einer anderen Frauengemeinschaft an, die nach dem zweiten Konzil von Lyon noch durch den Papst erlaubt war.

Das Magdalenenkloster zu Nürnberg entschied sich für die zweite der hier aufgeführten Mög- lichkeiten und beschloss sich dem Klarissenorden, dem weiblichen Zweig der Franziskaner an zu schließen. Doch ging die endgültige Intention sich an den Klarissenorden zu inkorporieren nicht direkt vom Kloster aus und wurde letztlich vom heiligen Vater selber bestimmt, der den Bischof von Bamberg mit der Inkorporation beauftragte17.

2.2. Inkorporation in den Klarissenorden

Zu dem Anschluss des Magdalenen Konvents an den Klarissenorden existieren drei wichtige Urkunden:

(1) Genehmigung des Anschlusses der Reuerinnen18 an den Klarissenorden, 6. Juli 1278 (päpstliche Bulle): „ Papst Nikolaus der 3. beauftragt den Bischof von Bamberg das Kloster der Reuerinnen in Nürnberg dem Klarissenorden zu inkorporieren, da der Konvent selbst darum gebeten habe und König Rudolf von Habsburg und dessen Gemahlin Anna diese Bitte unterstützt hätten. “ 19 20
(2) Mandat des Bischofs Berthold von Leiningen von Bamberg, 13.Oktober 1278: „ Bischof Berthold von Bamberg beauftragt den Domdekan Emicho von Leiningen, Fr. Albert, den Kustos der Minoriten in Bayern, und Fr. Andreas, Lektor in Bamberg, an seiner Stelle die von Papst Nikolaus dem 3. angeordnete Inkorporation vorzuneh- men. “ 21 22
(3) Inkorporation des Nürnberger Reuerinnenklosters in den Klarissenorden, 29. Januar 1279: „ Bischof Berthold von Bamberg beurkundet den geschehen Anschluss des Nürnberger Reuerinnenkonventes an den Klarissenorden. “ 23 24

Die Inkorporation lässt sich in vier Phasen einteilen. Die erste ist der Bittgesuch, den die Magdalenen „ unter ihrer Priorin Kunigunde Vörchtel durch die Vermittlung des Königs Ru- dolf von Habsburg “ 25 an Papst Nikolaus den 3. stellten, in dem sie darum baten nach ihren al - ten Regeln weiter leben zu dürfen. Dieser jedoch, auf die Umsetzung des 2. Konzils von Lyon bedacht beauftragte den Bischof von Bamberg den Magdalenenkonvent an den Klarissenorden an zu schließen und leitet damit die zweite Phase der Inkorporation ein. Die Formulierung „ da der Konvent selbst darum gebeten hat “ 26 ist in Hinblick auf den gestellten Bittgesuch an den Papst kritisch zu betrachten.

In der dritten Phase wird die, an den Bischof von Bamberg gestellte Aufgabe, den Konvent an den Klarissenorden an zu schließen an den Domdekan Emicho von Leiningen, Fr. Alert (Kus- tos der Minoriten von Bayern) und einen Lektor von Bamberg, Fr. Andreas, übertragen. Diese drei Beauftragten berufen zunächst 1279 Nonnen aus dem Klarissenkloster in Söflingen bei Ulm, diese sollten die ehemaligen Magdalenen in die neuen Ordensregeln einführen. Kist beschreibt in diesem Zusammenhang, dass es Probleme gegeben haben soll, dass sich ei- nige ehemalige Magdalenen gegen die neue Ordensregeln gewehrt haben, daraufhin musste der Bischof von Bamberg selber nach Nürnberg kommen um den Anschluss zu unterstützen27. Die letzte Phase wird durch die Ausstellung der Urkunde zur „ Inkorporation des Nürnberger Reuerinnenklosters in den Klarissenorden “ 28 vom 29. Januar 1279 gekennzeichnet. Der neue Klarissenkonvent wurde in der Struktur des Franziskanerordens der Straßburger Provinz zugeordnet.

Schon vor der Inkorporation des ehemaligen Magdalenenklosters in den Klarissenorden wurde das Kloster innerhalb in die Stadtmauern von Nürnberg verlegt:

„Ü ber die ersten Klostergebäude sind wir nicht näher unterrichtet. Aber allem Anschein nach entsprachen sie um das Jahr 1270 nicht mehr ihrem Zweck. Denn um diese Zeit begannen die Frauen nach der Klosterüberlieferung mit finanzieller Unterstützung der Nürnberger Patrizier Familie vor dem Frauentor den Neubau des Klosters. “ 29

[...]


1 Auch in Regensburg gab es die Inkorporation in den Klarissenorden.

2 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929, S.3.

3 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929, S.3.

4 Hier entweder Kist oder Urkundenbuch von Nürnberg zitieren

5 Jürgensmeier, Friedhelm (Hrsg.), Handbuch der Mainzer Kirchengeschichte. Teil 2: Christliche Antike und Mittelalter, Würzburg 2000, S. 698.

6 Nürnberger Urkundenbuch, 1. Band, Urk. 350. „ Ablassverkündigung für die Wohltäter der Nürnberger Magdalenerinnen. “

7 Nürnberger Urkundenbuch, 1. Band, Urk. 350.

8 Nürnberger Urkundenbuch, 1. Band, Urk. 356. „ ( … ) ego Hiltebodus de Rotenberge duxi perferendum, ( … ) “ .

9 Nürnberger Urkundenbuch, 1. Band, Urk. 358.

10 Nürnberger Urkundenbuch, 1. Band, Urk. 402.

11 Nürnberger Urkundenbuch, 1. Band, Urk. 398 u. 399.

12 Roberg, Burkhard, Das zweite Konzil von Lyon (1274), Paderborn 1990.

13 Religionum Diversitatem = Die Verschiedenheit/ Unterschiedlichkeit der Religiosität

14 Roberg, Burkhard, Das zweite Konzil von Lyon (1274), Paderborn 1990, S.335.

15 Roberg, Burkhard, Das zweite Konzil von Lyon (1274), Paderborn 1990, S.335-336.

16 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929, S.8.

17 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929, S.8.

18 Bemerkenswert an dieser Stelle ist, dass sich die Bezeichnung der Magdalenen als sogenannte „Reuerinnen“ auch in den Urkunden durchsetzte. „Reuerinnen“ lat. = poenitentes

19 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929, S. 142-143.

20 Nürnberger Urkundenbuch, 1. Band, Urk. 579.

21 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929, S. 143.

22 Nürnberger Urkundenbuch, 1. Band, Urk. 582.

23 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929, S. 144.

24 Nürnberger Urkundenbuch, 1. Band, Urk. 599.

25 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929. S.8.

26 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929, S. 144.

27 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929, S. 9.

28 Nürnberger Urkundenbuch, 1. Band, Urk. 599.

29 Kist, Johannes, Das Klarissenkloster in Nürnberg bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Nürnberg 1929, S.6.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das St. Klara Kloster in Nürnberg. Die Geschichte und Struktur des Konvents
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Beziehungen zwischen Franziskaner- und Klarissenklöstern sowie bürgerlichen, fürstlichen und königlichen Familien
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V280190
ISBN (eBook)
9783656734567
ISBN (Buch)
9783656734543
Dateigröße
1432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
klara, kloster, nürnberg, geschichte, struktur, konvents
Arbeit zitieren
Friedrich Mühlstein (Autor), 2014, Das St. Klara Kloster in Nürnberg. Die Geschichte und Struktur des Konvents, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280190

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