Mit der Zunahme der Reptilienhaltung in Deutschland sind auch die von Reptilien auf den Menschen übertragbaren Krankheiten, Zoonosen, in den Blickpunkt geraten. Daher ist die Kritik an der Reptilienhaltung gewachsen. In dieser Arbeit sollen die Zoonosen behandelt werden und vor allem eine Bewertung des Gefahrenpotentials für die Gesellschaft vorgenommen werden.
Es werden Charakteristika, Epidemiologie beschrieben sowie Risiken und Prophylaxemaßnahmen für den Menschen erarbeitet bzw. bewertet.
Es wird unterschieden zwischen Anthropozoonosen (Übertragungsweg von Mensch auf Tier) und Zooanthroponose (Tier auf Mensch) (Mutschmann, 2012, S. 26). Letztere sind Objekt dieser Arbeit. Als mögliche Infektionserreger einer Zoonose kommen theoretisch Bakterien, Viren, Pilze, Prionen sowie die zu den parasitären Zoonosen gehörenden Protozoen, Helminthen und Arthropoden in Frage. Prionen wurden bisher noch nicht als Zoonoseerreger durch Reptilien beim Menschen beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
Überblick der Zoonosen und Bewertung des Gefahrenpotentials
Protozoen
Kryptosporidien
Amöben
Helminthen
Cestoden (Bandwürmer)
Sparganose
Trematoden (Saugwürmer)
Alaria alata
Pentastomiden (Zungenwürmer)
Milben
Mykosen
Virale Zoonosen
Bakterielle Zoonosen
Aeromonas
Campylobacter
Mycobakterien
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, einen umfassenden Überblick über potenzielle Zoonosen im Kontext der privaten Reptilienhaltung zu geben und das damit verbundene Gefahrenpotenzial für den Menschen kritisch zu bewerten.
- Definition und wissenschaftliche Einordnung von Zoonosen
- Übersicht über parasitäre, mykotische, virale und bakterielle Erreger
- Bewertung der Übertragungsrisiken durch Kontakt mit Reptilien
- Identifikation von Risikogruppen
- Erarbeitung von Prophylaxe- und Hygienemaßnahmen
Auszug aus dem Buch
Kryptosporidien
Kryptosporidien sind einzellige Parasiten der Gattung Cryptosporidium (Protozoa : Apicomplexa : Conoidasida : Eucoccidiorida : Cryptosporidiidae). Sie wurden lange Zeit taxonomisch zu den Kokzidien gezält doch weisen sie viele Ähnlichkeiten zu den Gregarinen auf. Die Lebensweise jedoch ähnelt eher denen von Kokzidien. Sie haben eine direkte Entwicklung, also benötigen sie keinen Zwischenwirt, und führen dadurch zur möglichen Autoinfektion bzw. Superinfektionen. Sie können zwei verschieden Sorten von Oozysten bilden. Dünnwandigen Oozysten infizieren benachbarte Wirtszellen im Magen-Darm-Trakt, die dickwandigen Oozysten werden über den Kot ausgeschieden und können so neue Infektionsquellen in der Umwelt darstellen. Genetische Untersuchungen haben Gemeinsamkeiten mit Gregarinen ergeben, so wurde erst kürzlich bekannt, dass Kryptosporidien wie die Gregarinen keine Apikoplasten besitzen. Apikoplasten sind Zellorganellen, die plastidähnlich für die Fettsäuresynthese verantwortlich sind.
Das Fehlen von Apikoplasten als ein Angriffort von Triazinderivaten z.B. von Toltrazuril könnte das Therapieversagen dieser Wirkstoffklasse erklären (Schneller & Pantchev, 2011, S. 161).
Zusammenfassung der Kapitel
Überblick der Zoonosen und Bewertung des Gefahrenpotentials: Einführung in die Thematik der Zoonosen bei Reptilien unter Berücksichtigung der wachsenden Beliebtheit dieser Haustiere und der Relevanz für die öffentliche Gesundheit.
Protozoen: Untersuchung von einzelligen Parasiten wie Kryptosporidien und Amöben, deren Lebenszyklen und deren Übertragbarkeit auf den Menschen.
Helminthen: Analyse von Bandwürmern und deren Entwicklungsstadien, wobei das Infektionspotenzial für den Menschen als eher gering eingestuft wird.
Trematoden (Saugwürmer): Betrachtung von Saugwürmern wie Alaria alata und Zungenwürmern unter Bewertung der jeweiligen Übertragungswege und Risiken für Tierhalter.
Milben: Erörterung der Bedeutung der roten Schlangenmilbe als Vektor für bakterielle Erreger und deren Einordnung als geringes Gefahrenrisiko durch Hygienemaßnahmen.
Mykosen: Detaillierte Darstellung verschiedener Pilzerkrankungen, deren zoonotisches Potenzial sowie die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit infizierten Tieren.
Virale Zoonosen: Diskussion über das noch nicht abschließend geklärte Reservoirpotenzial von Reptilien für Viren wie das WEE-Virus oder West-Nil-Virus.
Bakterielle Zoonosen: Umfassende Analyse der bedeutendsten Zoonosen durch Bakterien wie Aeromonas, Campylobacter, Mycobakterien und insbesondere Salmonellen unter Berücksichtigung hygienischer Aspekte.
Schlüsselwörter
Zoonosen, Reptilienhaltung, Public Health, Infektionskrankheiten, Parasiten, Mykosen, virale Zoonosen, bakterielle Zoonosen, Salmonellen, Hygiene, Übertragungsrisiko, Prävention, Reptilien, Haustiere, Gefahrenpotenzial
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von Zoonosen, also von Tier zu Mensch übertragbaren Infektionskrankheiten, im Kontext der Haltung von Reptilien als Haustiere.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Das Spektrum umfasst parasitäre, mykotische, virale und bakterielle Erreger sowie eine Bewertung des tatsächlichen Risikos für den Menschen bei der Haltung dieser Tiere.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über die bekannten Zoonoseerreger bei Reptilien zu geben und das Gefahrenpotenzial unter Berücksichtigung von Epidemiologie und Hygienemaßnahmen kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Übersichtsarbeit, die auf der Analyse aktueller Fachliteratur und wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Zoonoseforschung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Erregergruppen, von Protozoen über Helminthen und Pilze bis hin zu Viren und Bakterien, deren Charakteristika und potenzielle Übertragungswege für den Menschen dargestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Zoonosen, Reptilienhaltung, Salmonellen, Übertragungsrisiko, Hygiene und verschiedene Erregergruppen wie Protozoen, Mykosen und Bakterien.
Warum wird insbesondere bei Salmonellen zur Sachlichkeit aufgerufen?
Die Autorin betont, dass die öffentliche Diskussion oft emotional geführt wird, während statistische Daten darauf hindeuten, dass das Risiko von Salmonelleninfektionen durch Reptilien trotz steigender Bestandszahlen nicht signifikant gestiegen ist.
Welche einfachen Maßnahmen können das Infektionsrisiko minimieren?
Das konsequente Händewaschen nach dem Kontakt, der Verzicht auf oralen Kontakt mit Reptilien und die Einhaltung grundlegender Hygieneregeln bei der Terrarienpflege reichen meist aus, um das Risiko nahezu zu eliminieren.
- Quote paper
- Nicolai Sternberg (Author), 2014, Die Bedeutung von Zoonosen in der Reptilienhaltung für das "Public Health". Überblick und Bewertung des Gefahrenpotentials, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280214