Diese Ausarbeitung vergleicht die Bildstrategien Lichtenbergs und Lessings anhand zweier bekannter Beispiele miteinander.
Dabei werden sowohl die historischen Hintergründe ihrer Theorien als auch eine jeweils kurze kunstwissenschaftliche Abhandlung über die Laokoonstatue & die Kupferstiche Lichtenbergs dargelegt.
Schlussendlich werden die beiden die Theorien zusammengeführt und zum besseren Verständnis grafisch verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildstrategie Lessings
2.1 Laokoongruppe
2.2 Bild- Text- Beziehung gemäß Lessing
2.3 Schreibweise Lessings
3. Bildstrategie Lichtenbergs
3.1 Hogarths Kupferstiche
3.2 Bild- Text- Beziehung gemäß Lichtenberg
3.3 Schreibweise Lichtenbergs
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht anhand der Bildstrategien von Gotthold Ephraim Lessing und Georg Christoph Lichtenberg die theoretische Fragestellung, ob Bildern aus der Kunst die Fähigkeit innewohnt, narrative Geschichten zu erzählen.
- Vergleich der Kunsttheorien von Lessing und Lichtenberg
- Analyse der Laokoongruppe im Kontext der Lessingschen Ästhetik
- Untersuchung der Kupferstiche von William Hogarth durch Lichtenberg
- Differenzierung zwischen ikonischen und arbiträren Zeichen
- Reflexion über die Rolle des Betrachters bei der Bildinterpretation
Auszug aus dem Buch
Bild- Text- Beziehung gemäß Lessing
Lessing nimmt in seinem Werk „Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie“ Bezug auf die These Winckelmanns, welche besagt, dass die Laokoongruppe als ein Meisterstück der griechischen Malerei und Bildhauerkunst anzusehen sei, welches in seiner Darstellung das antiken Künstlerideal „edle Einfalt und stille Größe“ widerspiegele. Im Rahmen seiner Stellungnahme zu dieser These entwickelt er eine Theorie darüber, in welchem Verhältnis Malerei und Poesie zueinander stehen, beziehungsweise einander repräsentieren könnten.
Gemäß der Auffassung Winckelmanns repräsentierten die Statuen des Laokoon und seiner Söhne die für griechische Figuren typische große, gesetzte Seele, welche über die in ihnen wütenden, starken Emotionen erhaben seien. Doch trotz dieses augenscheinlichen Verständnisses für die Kunst der griechischen Antike erweckt Winckelmann mit der Aussage „Er erhebt kein schreckliches Geschrei, wie Virgil von seinem Laokoon singet […] es ist vielmehr ein ängstliches und beklemmtes Seufzen“ zugleich den Eindruck, als kritisiere er dennoch, dass der Erschaffer der Laokoongruppe nicht genau jene Emotionen abgebildet habe, welche gemäß des Vergilepos als Höhepunkt der Handlung zu erwarten seien. An diesem Aspekt setzt Lessings Theorienbildung an. Im Gegensatz zu Winckelmann hinterfragt er jedoch nicht ausschließlich, mit welcher Begründung jener emotionale Moment des qualvollen Todes in dieser abgeschwächten Form in Marmor festgehalten wurde, sondern Lessing geht darüber hinaus der Frage nach, ob den Figuren noch weitere Erkenntnisse über den Laokoonmythos entnommen werden können. Hierfür wählt Lessing eine deduktive Herangehensweise, indem er von seinem individuellen Zeichenverständnis auf die Beziehung zwischen dem unter anderem von Vergil schriftlich fixierten Epos und der Laokoongruppe schließt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Epoche der Aufklärung ein, erläutert die Relevanz der Antike und definiert das Ziel der Arbeit, die Bildstrategien von Lessing und Lichtenberg im Hinblick auf narrative Aspekte zu vergleichen.
2. Bildstrategie Lessings: Hier wird Lessings Auseinandersetzung mit der Laokoongruppe analysiert, wobei er zwischen Raum- und Zeitkunst unterscheidet und das Konzept des "fruchtbaren Augenblicks" entwickelt.
2.1 Laokoongruppe: Dieser Abschnitt bietet eine archäologisch-historische Einordnung der Laokoongruppe als marmornes Kunstwerk und dessen Bedeutung im Vergleich zu Vergils literarischem Epos.
2.2 Bild- Text- Beziehung gemäß Lessing: Das Kapitel erläutert Lessings theoretische Abgrenzung zwischen den Kompetenzbereichen der Malerei und der Poesie sowie sein Verständnis von ikonischen Zeichen.
2.3 Schreibweise Lessings: Hier wird der sachlich-distanzierte Stil des Lessingschen Traktats beleuchtet, der als Vorläufer des modernen Essays gilt und ein Anschaulichkeitsideal verfolgt.
3. Bildstrategie Lichtenbergs: Dieses Kapitel widmet sich Lichtenbergs Herangehensweise, die sich primär durch individuelle, assoziative Interpretationen von Kunstwerken auszeichnet.
3.1 Hogarths Kupferstiche: Der Abschnitt analysiert die sozialkritischen Karikaturen von William Hogarth, insbesondere die Folge "A Rake’s Progress", als Grundlage für Lichtenbergs Betrachtungen.
3.2 Bild- Text- Beziehung gemäß Lichtenberg: Hier wird Lichtenbergs poetische Methode beschrieben, bei der er durch Hinzufügen von Wissen und Spekulation die narrativen Möglichkeiten der Kupferstiche erweitert.
3.3 Schreibweise Lichtenbergs: Dieses Kapitel thematisiert den ungezwungenen, emotionalen und bildhaften Sprachstil Lichtenbergs, der dem Betrachter interpretativen Freiraum lässt.
4. Fazit: Das Kapitel führt die divergierenden Ansätze zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Betrachtern bei ikonischen Bildern die Möglichkeit offensteht, über das Dargestellte hinaus Geschichten zu rekonstruieren.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Bildstrategie, Lessing, Lichtenberg, Laokoongruppe, Malerei, Poesie, Zeichenverständnis, Ikonizität, Arbitrarität, Hogarth, Kupferstiche, Narrativität, Bildbeschreibung, Interpretation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen bildenden Künsten und narrativen Elementen, indem sie die theoretischen Positionen von Gotthold Ephraim Lessing und Georg Christoph Lichtenberg gegenüberstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Ästhetik der Aufklärung, die Differenz zwischen Raum- und Zeitkünsten sowie die Analyse von Bildbeschreibungen als Form der erzählerischen Interpretation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, anhand der Bildstrategien von Lessing und Lichtenberg zu klären, ob Bildern die Fähigkeit innewohnt, Geschichten zu erzählen, oder ob diese auf den Moment der Darstellung begrenzt sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor verwendet eine komparative Methode, bei der zwei unterschiedliche theoretische Ansätze (Lessing vs. Lichtenberg) an konkreten Kunstwerken (Laokoongruppe vs. Hogarth-Stiche) analysiert und miteinander verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Lessings strengem, zeichentheoretisch begründeten Ansatz und Lichtenbergs offener, assoziativer Interpretationstechnik inklusive ihrer jeweiligen Schreibstile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Lessing, Lichtenberg, Bildstrategie, Zeichenverständnis, Interpretation, Laokoongruppe und Hogarth.
Wie definiert Lessing den "fruchtbaren Augenblick"?
Lessing versteht darunter den Moment in der bildenden Kunst, der die Fantasie des Betrachters so anregt, dass dieser weiterführende Handlungsabläufe jenseits des physisch Dargestellten selbst im Geist konstruieren kann.
Inwiefern unterscheidet sich Lichtenbergs Vorgehen von dem Lessings?
Lichtenberg lässt als Betrachter eine wesentlich höhere Freiheit zu; er kombiniert das visuell Gezeigte mit externem Wissen, Symbolik und Fiktion, um eine eigene Geschichte um das Bild herum aufzubauen, statt es in enge theoretische Grenzen zu zwängen.
Was bedeutet "ikonisches Verhältnis" im Kontext der Arbeit?
Damit ist das Verhältnis zwischen dem Bild (dem Zeichen) und dem in der Realität Abgebildeten gemeint, das bei einem Bild als eindeutiger zuzuordnen betrachtet wird als bei den arbiträren, also willkürlichen Zeichen der Sprache.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur Erzählbarkeit von Bildern?
Das Fazit lautet, dass es Betrachtern durchaus möglich sein kann, Bildern eine Geschichte zu entnehmen, wobei dies nicht zwangsläufig eine vollständige Vor- und Rückschau erfordert, sondern je nach Bild individuell variieren kann.
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- Anonym (Author), 2013, Lessings und Lichtenbergs Bildstrategien im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280382