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Wolfgang Herrndorfs "Tschick". Eine normalistische Narration

Titre: Wolfgang Herrndorfs "Tschick". Eine normalistische Narration

Dossier / Travail de Séminaire , 2012 , 22 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Franziska Täger (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Résumé Extrait Résumé des informations

Unter der Überschrift „Pfundig“ veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung kürzlich einen Artikel, der die Vorteile von Übergewicht behandelte. Dem Artikel war eine Tabelle zum Body-Mass-Index angefügt, die darüber Aufschluss gab, ab welcher Körpergröße und welchem Körpergewicht ein Mensch als unter-, normal- oder übergewichtig gilt. Als Leser dieses Artikels hält man unwillkürlich inne, um sich selbst in dieses Raster einzuordnen und festzustellen, ob man der Normalität entspricht oder nicht. Der BMI ist nur eins von vielen Beispielen für Normalität, die unseren Alltagsdiskurs prägen. Was aber ist Normalität? Jürgen Link bezeichnet mit diesem Begriff „auf Verdatung gegründete[s], statistisch tingierte[s] Orientierungswissen“. In unserer modernen Gesellschaft, so Link, wird dieses Wissen von einer Vielzahl von „diskursiven sowie praktisch-intervenierenden Verfahren, Dispositiven, Instanzen und Institutionen produziert und reproduziert“. Wie (re-)produziert Literatur als eines dieser Dispositive Normalität? Welchen Umgang mit Normalität kann sie dem Leser aufzeigen? Diesen Fragen soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit anhand des 2009 erschienenen Romans "Tschick" nachgegangen werden. Als theoretische Grundlage werden hierfür zunächst die Grundbegriffe des Normalismus nach Jürgen Link kurz dargestellt. Anschließend wird auf die Charakteristika des Road-Movie eingegangen. Unter der Maßgabe, dass die literarischen Narrationen nicht-normaler Fahrten nach den gleichen Prinzipien verlaufen wie die filmischen Narrationen, werden diese Merkmale auf die Road-Novel übertragen. Daran anknüpfend werden dann die beiden Protagonisten des Romans, der Verlauf ihrer Reise und zwei sich im Rahmen dieser Fahrt ereignende Begegnungen unter normalistischer Perspektive analysiert.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Literatur als Dispositiv zur (Re-)Produktion von Normalität

2 Normalismus als Interpretationsansatz moderner Narrationen

3 Das Road-Movie als normalistisches Modell

4 Tschick – Eine normalistische Heldenfahrt

4.1 Superstars und Idioten – Das Normalfeld Schule

4.2 Der ‚Psycho’ und der ‚Asi’ – Maik und Tschick im Normalfeld

4.3 „Du musst auffallen, Mann!“ – Das Ausbrechen aus dem Normalfeld

4.4 „Karten sind für Muschis“ – Die Fahrtverlauf

4.5 Unterwegs in Brandenburg – Nicht-normale Begegnungen

4.5.1Friedemann und Co. – Normalität in Bezug auf Familie

4.5.2Isa – Normalität in Bezug auf Liebe und Sexualität

4.6 Rückkehr in die Normalität

5 Literatur als Applikationsvorlage im Umgang mit Normalität

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“ unter der theoretischen Perspektive des Normalismus nach Jürgen Link. Ziel der Analyse ist es aufzuzeigen, wie Literatur als Dispositiv zur (Re-)Produktion von Normalität fungiert und welche Strategien zur Denormalisierung und anschließenden Selbstbestimmung der Protagonisten im Kontext einer „normalistischen Heldenfahrt“ Anwendung finden.

  • Normalismus und Normalität als theoretischer Interpretationsrahmen
  • Das Road-Movie bzw. die Road-Novel als Modell zur Visualisierung von Normalitätsgrenzen
  • Die Transformation der Helden Maik und Tschick durch Grenzübertritte
  • Untersuchung von Begegnungen im Hinblick auf Familie, Liebe und Sexualität
  • Die Funktion von Literatur als Applikationsvorlage für das soziale Verhalten des Lesers

Auszug aus dem Buch

4.2 DER ‚PSYCHO’ UND DER ‚ASI’ – MAIK UND TSCHICK IM NORMALFELD

Die Helden des Road-Movies sind

[...] häufig an den Rändern der Gesellschaft oder bereits jenseits der Normalitätsgrenze situiert oder erleben während ihrer Fahrt den Fall beziehungsweise den Abstieg dorthin. [...] Es handelt sich um soziale Unterprivilegierte, Dropouts, Ausgeflippte, Aussteiger, Kriminelle oder Killer oder um Figuren, die sich zu solchen verwandeln oder dazu gemacht werden.

Dies gilt auch für Maik und Tschick, wie im folgenden Kapitel nachgewiesen wird. Maiks Position im Normalfeld befindet sich an der Grenze zur Subnormalität. Während selbst die Marginalisierten seiner Klasse noch einen Beinamen haben, wie „Hans, der Nazi, der Fußballtrottel“ oder Kallenbach, „der Klassentrottel“, ist er zu Beginn seiner Erzählung selbst dafür zu nichtssagend.

Ich hatte nie einen Spitznamen. Ich meine an der Schule. Aber auch sonst nicht. Mein Name ist Maik Klingenberg. Maik. [...] Es kann sein, dass man langweilig ist oder keine Freunde hat. Und ich fürchte, das ist mein Problem.

Eigentlich war ihm seine Außenseiterposition gleichgültig. Seit er aber in Tatjana verliebt ist, strebt er nach einem Aufstieg im Normalfeld. Dieses Streben nach Normalität ist der Motor seiner Handlungen:

Zusammenfassung der Kapitel

1 Literatur als Dispositiv zur (Re-)Produktion von Normalität: Einführung in das theoretische Konzept des Normalismus nach Jürgen Link und dessen Übertragung auf die literarische Analyse des Romans „Tschick“.

2 Normalismus als Interpretationsansatz moderner Narrationen: Erläuterung der Heldenreise im Kontext normalistischer Strukturen und der statistischen Erfassung von Gesellschaften als Basis für Normalitätsgrenzen.

3 Das Road-Movie als normalistisches Modell: Analyse der narrativen Strategien des Road-Movies und deren Anwendung auf die Road-Novel, wobei das Auto als zentrales, symbolisches Vehikel der Normal-Monade fungiert.

4 Tschick – Eine normalistische Heldenfahrt: Detaillierte Untersuchung des Romans als Heldenfahrt, die durch schrittweise Denormalisierung und soziale Grenzkonfrontationen die Entwicklung der Protagonisten aufzeigt.

4.1 Superstars und Idioten – Das Normalfeld Schule: Beschreibung der schulischen Dynamik, in der Spitznamen und soziale Positionierung als Indikatoren für die Zugehörigkeit zum Normalfeld dienen.

4.2 Der ‚Psycho’ und der ‚Asi’ – Maik und Tschick im Normalfeld: Analyse der gesellschaftlichen Einordnung von Maik und Tschick, die sich beide außerhalb des klassischen Normalbereichs bewegen.

4.3 „Du musst auffallen, Mann!“ – Das Ausbrechen aus dem Normalfeld: Untersuchung des Wendepunkts im Roman, an dem Maik beginnt, die Zwänge des Normalfeldes zugunsten einer ersten Denormalisierung zu verlassen.

4.4 „Karten sind für Muschis“ – Die Fahrtverlauf: Darstellung der ziellosen, aber für die Entwicklung der Protagonisten entscheidenden Reise als Analogie zum Galtonbrett.

4.5 Unterwegs in Brandenburg – Nicht-normale Begegnungen: Betrachtung der Konfrontation Maiks mit alternativen Lebensentwürfen und Normalitätsvorstellungen während der Reise.

4.5.1 Friedemann und Co. – Normalität in Bezug auf Familie: Analyse des Besuchs bei Friedemanns Familie, die als Supernormalität in Bezug auf Erziehung und Familienleben dargestellt wird.

4.5.2 Isa – Normalität in Bezug auf Liebe und Sexualität: Untersuchung von Maiks Begegnung mit der Ausreißerin Isa und deren Einfluss auf seine Sichtweise von Verliebtheit und individueller Andersartigkeit.

4.6 Rückkehr in die Normalität: Analyse des Endes der Heldenfahrt und der Integration der gesammelten Erfahrungen in den Alltag der Protagonisten.

5 Literatur als Applikationsvorlage im Umgang mit Normalität: Fazit zur Funktion des Romans als Hilfe für den Leser, das eigene Normalitätsverständnis zu relativieren und emanzipatorische Wege zu finden.

Schlüsselwörter

Normalismus, Jürgen Link, Tschick, Wolfgang Herrndorf, Road-Novel, Heldenreise, Normalfeld, Denormalisierung, Subnormalität, Supernormalität, Pubertät, Identitätsbildung, soziale Inklusion, Normalverteilung, Dispositiv

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Roman „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf unter Rückgriff auf die Diskurstheorie von Jürgen Link, um das Spannungsfeld zwischen normalistischem Anpassungsdruck und individueller Emanzipation aufzuzeigen.

Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?

Im Zentrum stehen Konzepte wie Normalität, die Dynamik von Normalfeldern, das Genre der Road-Novel sowie die Entwicklungsphasen des Erwachsenwerdens und der Pubertät.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die Erforschung der Frage, wie Literatur als „Applikationsvorlage“ dienen kann, um dem Leser den Mechanismus der Normalität begreiflich zu machen und Möglichkeiten der Denormalisierung aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt den Normalismus als theoretischen Interpretationsansatz, um literarische Narrationen auf ihre strukturelle Übereinstimmung mit gesellschaftlichen Normalisierungsprozessen zu prüfen.

Was bildet den Hauptteil der Analyse?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Heldenreise von Maik und Tschick, die detaillierte Betrachtung einzelner Schlüsselszenen wie den Schulalltag und die Begegnungen mit Nebenfiguren wie Friedemann und Isa.

Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Normalismus, Identitätskonflikt, Road-Movie-Struktur und soziale Grenzziehung definieren.

Wie beeinflusst die Figur Tschick die Entwicklung von Maik?

Tschick agiert als Mentor, der Maik durch das Aufbrechen festgefahrener Strukturen und durch seine eigene, unkonventionelle Art hilft, das „Normalfeld“ zu hinterfragen.

Warum wird der Begriff „Galtonbrett“ in der Arbeit verwendet?

Das Galtonbrett wird als Metapher für die stochastische Natur des Lebensverlaufs und die zufällige Verteilung der Individuen innerhalb von Normalitätsgrenzen innerhalb der Erzählung genutzt.

Welche Rolle spielt die „Nicht-Normale Fahrt“ für die Helden?

Die Fahrt dient als Katalysator: Sie erlaubt den Protagonisten, den Druck der bürgerlichen Erwartungen abzuwerfen und durch die Grenzerfahrung ein neues, souveränes Selbstbild zu entwickeln.

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Résumé des informations

Titre
Wolfgang Herrndorfs "Tschick". Eine normalistische Narration
Université
University of Duisburg-Essen  (Germanistik)
Cours
Hauptseminar: Theorie und Geschichte von Medien
Note
1,3
Auteur
Franziska Täger (Auteur)
Année de publication
2012
Pages
22
N° de catalogue
V280392
ISBN (ebook)
9783656738756
ISBN (Livre)
9783656738732
Langue
allemand
mots-clé
Tschick Wolfgang Herrndorf Jugendroman Normalisierung normalistische Heldenfahrt Roadmovie
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Franziska Täger (Auteur), 2012, Wolfgang Herrndorfs "Tschick". Eine normalistische Narration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280392
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Extrait de  22  pages
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