Das Freud'sche Ich als Grenzgestalt

Das Traktat der "31. Vorlesung: Die Zerlegung der psychologischen Persönlichkeit"


Essay, 2012

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Die Charakterisierung der Gegenspieler des Ichs
2.1 Definition von bewusst, unbewusst und vorbewusst
2.2 Die Eigenschaften des Es
2.3 Die Genese des Über- Ichs

3 Die Beziehung der Instanzen zum Ich
3.1 Das Verhalten des Über- Ichs zum Ich
3.2 Die Verbindung des Es zum Ich
3.3 Das Ich als Abgrenzung zwischen dem Über- Ich, der Außenwelt und dem Es

4 Fazit

5 Quellenverzeichnis

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist die Herausarbeitung der Genese des Ichs und dessen Grenzcharakter im freudschen Ich- System. Dabei sollen vordergründig die Verhältnisse der einzelnen seelischen Provinzen, also des Über- Ichs und des Es', zum Ich beleuchtet werden. Auch die Beziehung des Ichs zur Außenwelt wird dabei angeschnitten. Das Bewusste, Unbewusste und Vorbewusste werden eingangs definiert und mit dem Ich verknüpft.

Die Quelle für diese Arbeit ist das Traktat von Sigmund Freud "31. Vorlesung: Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit".

2. Die Charakterisierung der Gegenspieler des Ichs

2.1 Definition von bewusst, unbewusst und vorbewusst

Es ist unmöglich die Rolle des Ichs als Grenzwesen zu beschreiben, wenn die Definitionen des Bewussten, Unbewussten und Vorbewussten nach Freud nicht erläutert wurden.

In dem Text per se definiert Freud das Bewusste nicht. Aber zur Vervollständigung ist eine Definition unumgänglich. So wird über die Definition des Bewusstseins von Freud in der Vorlesungsreihe von Carsten Stahmer aus dem Jahr 1969 gesagt, dass es sowohl von der Außenwelt, als auch vom inneren Seelenapparat erregbar ist. Das Bewusstsein ist somit das „Sinnesorgan zur Wahrnehmung psychischer Qualitäten“.1

Da Freud in seiner Vorlesung vorausgesetzt hat, dass jeder Zuhörer die Definition des Wortes „bewusst“ kennt, begann er sofort mit der Beschreibung des Unbewussten. Diese Beschreibung zeigt sich jedoch zunächst als recht vage. So ist, seiner Meinung nach, das Unbewusste lediglich durch die Folgen erkennbar, d. h. ein unbewusster Vorgang in der Psyche kann von der Person, die ihn ausführt, nicht direkt wahrgenommen werden. Erst durch die Ergebnisse des Vorgangs ist es der Person möglich, zu sagen, dass sie selbigen ausgeführt hat. Dabei hat sie jedoch immer noch keine bewusste Erinnerung daran. Die Person tritt damit an die Stelle eines Außenstehenden, ohne Kenntnis darüber, dass sie selbst jenen Vorgang ausgeführt hat.

Neben dem eigentlichen Unbewussten definiert Freud noch eine weitere Form des Unbewussten, das sogenannte „Vorbewusste“.

Dies ähnelt dem Unbewussten sehr stark, da es sich in erster Linie um eine terminologische Unterscheidung zur Vereinfachung des Verständnisses handelt. Der einzige Unterschied ist, dass das Vorbewusste, im Gegensatz zum Unbewussten, wieder bewusst werden kann oder dies eventuell bereits einmal war.

Das Ich selbst ist zum größten Teil vorbewusst und bewusst, besitzt aber, ähnlich dem Über- Ich, unbewusste Züge, von dessen Inhalten die Person nichts weiß. Bei einer Verdrängung, entweder durch das Ich oder das Über- Ich, verlagert sich die Erinnerung von dem Vorbewussten in das Unbewusste, bleibt aber immer noch im Bereich des Ichs. Es ist vergleichbar mit einer unscharfen Grenze im Ich, die das Verdrängte im unbewussten Areal belässt, obwohl dieses ständig versucht, wieder in das Bewusstsein zu rücken. Das Ich ist also in seinem eigenen Inneren noch einmal in zwei Abschnitte gespalten: das Vorbewusste und das Unbewusste.

Freud ergänzt eine dritte Version des Unbewussten, welches auch das „Es“ genannt wird. Dies wird im folgenden Abschnitt der Arbeit thematisiert, um eine möglichst genaue Darstellung des Ichs als Grenzwesen zu erhalten.

2.2 Die Eigenschaften des Es

Das Unbewusste im dritten Sinne wird mit dem unpersönlichen Fürwort „Es“ umschrieben. Dabei meint Freud hier weniger „eine Qualität des Seelischen“, als vielmehr einen mehr oder weniger genau abgegrenzten Bereich in der Persönlichkeit. Unbewusst ist hierbei das gesamte Es, es gibt also keinen bewussten Part dieser Instanz. Die Freud'sche Beschreibung des Es scheint, als würde eine eigenständig handelnde Person beschrieben. Diese versucht vordergründig ihre eigenen Ziele und Forderungen durchzusetzen. Da das Es eine scheinbare Eigendynamik und weitere Eigenschaften als das Unbewusste besitzt, reicht es Freud nicht aus, es mit dem Begriff System Ubw (Unbewusst) zu beschreiben.

Nach Freud ist das Es der „dunkle, unzugängliche Teil unserer Persönlichkeit“ und kann mit viel „analytischer Arbeit“ bis zu einem gewissen Punkt aus dem Unbewussten heraus assoziiert werden.

Zudem sind im Es die Triebe der Persönlichkeit verankert. Vollkommen unorganisiert versucht das Es seine Bedürfnisse zu befriedigen. Dabei wird die benötigte Kraft aus den Trieben selbst bezogen. Wie das Es keine Organisation kennt, sind ihm ebenso jegliche Zeitabläufe fremd. Im Es „gespeicherte“ Erinnerungen werden - freilich unbewusst - wie soeben erlebt, behandelt. So existiert im Es weder Raum für die „logische(n) Denkgesetze“, noch für moralische Prinzipien. Auch Gegensätze agieren nicht konträr, sondern bestehen nebeneinander. Es findet keine Unterscheidung zwischen „richtig“ und „falsch“ statt. Die, in der Außenwelt als kontrovers angesehenen, Vorgänge bestehen im Es nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu negieren.

Aber alle Abläufe im Es werden durch das Lustprinzip zur Erfüllung der Triebe gesteuert. Deshalb wurde das Ich vom Es geschaffen, um als Abgrenzung zu fungieren. Auf die genaue Beziehung der beiden zueinander, wird im Abschnitt 3.2 eingegangen.

[...]


1 Stahmer, Carsten: Grundbegriffe. S. 42.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Freud'sche Ich als Grenzgestalt
Untertitel
Das Traktat der "31. Vorlesung: Die Zerlegung der psychologischen Persönlichkeit"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Studium Generale)
Veranstaltung
Wer ist Ich?
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V280487
ISBN (eBook)
9783656739272
ISBN (Buch)
9783656739241
Dateigröße
1385 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sigmund Freud, Seelentrias, Ich, Über- Ich, Es
Arbeit zitieren
Dorothee Stauche (Autor), 2012, Das Freud'sche Ich als Grenzgestalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280487

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