Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Differenzierung von Gütern und Leistungen mit Hilfe des Begriffes „Dienstleistung“. Durch die stark anwachsende Bedeutung der Dienstleistungen in der Wirtschaft wird eine Begriffsdefinition dieses Begriffes gefordert, die Grundlage für Diskussionen sein soll. So werden amtliche Statistiken über das Ausmaß der Bedeutung von Dienstleistungen erhoben. Hierfür muss aber eine Typologie von Gütern und Leistungen existieren, die allgemein anerkannt ist. Zunächst wird in Abschnitt 2 die Bedeutung von Begriffsdefinitionen erläutert. Hierfür wird das Semiotische Dreieck kurz angesprochen, welches die Vorgehensweise bei der Definition von Begriffen darstellt. In Abschnitt 3 wird auf existierende Definitionsversuche eingegangen, wobei sie und ihren Schwachstellen, kurz dargestellt werden. Diese Schwachstellen werden in der neuartigen Typologie von Engelhardt berücksichtigt. Diese Typologie, die in Abschnitt 4 vorgestellt wird, versucht ohne die bisherige strikte Trennung von Sach- und Dienstleistungen auszukommen. Sie richtet sich an die Praxis. Die Auswirkungen verschiedener Leistungen auf das Marketing werden im 5. Abschnitt dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ZUR BEDEUTUNG VON BEGRIFFSDEFINITIONEN
2.1 Semiotisches Dreieck nach Aristoteles und Ogden
2.2 Semiotisches Dreieck nach Hesse
3. BISHERIGE DEFINITIONEN VOM DIENSTLEISTUNGSBEGRIFF
3.1 Drei Dimensionen der Leistung
3.1.1 Potentialorientierter Begriff
3.1.2 Prozessorientierter Begriff
3.1.3 Ergebnisorientierter Begriff
4. ENGELHARDTS NEUE TYPOLOGIE DES DIENSTLEISTUNGSBEGRIFFS
4.1 Grundlegende Basiserkenntnisse
4.1.1 Zwei Betrachtungsebenen: Prozess- und Ergebnisorientierung
4.1.2 Leistungsbündel statt einzelne Leistungen als Absatzobjekte
4.1.3 Eingriffstiefe und -intensität
4.2 Neues Konzept nach Engelhardt
5. KONSEQUENZEN UND ANSATZPUNKTE VON DIENSTLEISTUNGEN FÜR DAS MARKETING
5.1. Folgen der Immaterialität
5.2. Folgen der Integrativität
6. FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit zielt darauf ab, die traditionelle, häufig problematische Trennung zwischen Sach- und Dienstleistungen kritisch zu hinterfragen und eine alternative Typologie vorzustellen. Im Zentrum steht die Untersuchung von Leistungsbündeln sowie die Frage, wie durch die Einordnung in ein prozess- und ergebnisorientiertes Kontinuum eine präzisere marketingorientierte Differenzierung möglich wird.
- Bedeutung und Herausforderungen der Definition von Dienstleistungsbegriffen
- Kritische Analyse bisheriger eindimensionaler Definitionsansätze
- Vorstellung von Engelhardts neuer, ganzheitlicher Typologie für Leistungen
- Marketingrelevante Konsequenzen der Kriterien Immaterialität und Integrativität
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Prozessorientierter Begriff
Durch die gerade beschriebene Bereitstellungsleistung wird ein Vorgang ausgelöst, nämlich der in diesem Abschnitt betrachtete Leistungserstellungsprozess. Bei diesem Ansatz wird die Integration von externen Faktoren zur Charakterisierung einer Dienstleistung verwendet.
Externe Faktoren sind solche, die zeitlich begrenzt in den Verfügungsbereich einer Wirtschaftseinheit gelangen und dort mit den internen Produktionsfaktoren in einen Be- und/oder Verarbeitungsprozess integriert werden. Mit der Integration des externen Faktors wird u.a. die Mitwirkung des Nachfragers am Leistungserstellungsprozess erfasst. Externe Faktoren können z.B. Personen, Tiere, Objekte, Informationen, Rechte oder Nominalgüter sein.
Eine Dienstleistung liegt demnach dann vor, wenn externe Faktoren nicht nur bei der Bereitstellungsleistung sondern auch bei dem Leistungserstellungsprozess integriert werden.
Rosada sieht sogar die Einbindung eines externen Faktors in den finalen Leistungserstellungsprozess als die conditio sine qua non, also als notwendige Vorbedingung, der Dienstleistungsproduktion.
Der prozessorientierte Ansatz wirft einige Probleme auf und ist als eindimensionaler Ansatz schlecht geeignet:
- Ein Leistungserstellungsprozess, der nach diesem Ansatz als Dienstleistungsprozess charakterisiert wird, kann auch zu materiellen Leistungsergebnissen führen. So ist z.B. bei dem Bau eines Kernkraftwerks der Kunde als externer Faktor eindeutig integriert. Das Kernkraftwerk ist aber nach allgemeinem Sprachgebrauch keineswegs eine Dienstleistung.
- Alle kundenindividuell erstellten Leistungen werden bei diesem Ansatz als Dienstleistungen angesehen.
- Bestimmte Güter können im Vorhinein nicht eindeutig als Sach- oder Dienstleistungen eingeordnet werden. Ein PC z.B., der im Lager ist, kann als Sachleistung angesehen werden, wenn er an den anonymen Markt verkauft wird. Er kann aber auch als Teil der Bereitstellungsleistung angesehen werden, wenn er in ein kundenindividuelles PC-Netzwerk integriert werden soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt die Notwendigkeit einer klaren Differenzierung von Gütern und Leistungen aufgrund der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung von Dienstleistungen.
2. ZUR BEDEUTUNG VON BEGRIFFSDEFINITIONEN: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Bedeutung von Definitionen und führt das semiotische Dreieck als methodisches Hilfsmittel ein.
3. BISHERIGE DEFINITIONEN VOM DIENSTLEISTUNGSBEGRIFF: Es werden existierende, eindimensionale Definitionsversuche sowie deren Schwachstellen hinsichtlich der Abgrenzung von Sachleistungen analysiert.
4. ENGELHARDTS NEUE TYPOLOGIE DES DIENSTLEISTUNGSBEGRIFFS: Hier wird die neue Typologie vorgestellt, die auf den Dimensionen der Prozess- und Ergebnisorientierung sowie der Betrachtung von Leistungsbündeln basiert.
5. KONSEQUENZEN UND ANSATZPUNKTE VON DIENSTLEISTUNGEN FÜR DAS MARKETING: Dieses Kapitel untersucht die Auswirkungen der Merkmale Immaterialität und Integrativität auf die Marketingstrategie von Anbietern.
6. FAZIT: Das Fazit fasst die Relevanz der neuen Typologie zusammen und betont, dass diese einen wichtigen Schritt zur Überwindung der starren Dichotomie darstellt.
Schlüsselwörter
Dienstleistung, Sachleistung, Begriffsdefinition, semiotisches Dreieck, Leistungserstellungsprozess, Leistungsbündel, Immaterialität, Integrativität, externer Faktor, Marketing, Typologie, Engelhardt, Differenzierung, Markttransparenz, Kundenorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der begrifflichen Abgrenzung von Sach- und Dienstleistungen und zeigt auf, warum traditionelle Definitionsversuche in der modernen Wirtschaft zunehmend an ihre Grenzen stoßen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die semiotische Theorie der Begriffsbildung, die Analyse bestehender Dienstleistungsdefinitionen sowie die Einführung einer neuartigen Typologie nach Engelhardt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Etablierung einer neuen Typologie, die eine strikte, problematische Trennung zwischen Sach- und Dienstleistungen vermeidet und stattdessen Leistungen auf Basis von Kontinua einordnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herangehensweise, bei der theoretische Grundlagen wie das semiotische Dreieck und existierende Definitionen analysiert werden, um daraus eine übergeordnete Systematik abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Bestandsaufnahme bisheriger Ansätze, die Herleitung der Basiserkenntnisse für die neue Typologie sowie die Ableitung von Marketingkonsequenzen aus den Merkmalen Immaterialität und Integrativität.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Leistungsbündel, Integrativität, Immaterialität, externes Faktor-Modell, Prozess- vs. Ergebnisorientierung und Marketing-Implikationen.
Wie unterscheidet sich die Typologie von Engelhardt von bisherigen Ansätzen?
Engelhardt nutzt zwei unabhängige Kontinua (Prozess- und Ergebnisorientierung) und vermeidet "Entweder-oder"-Entscheidungen, was eine präzisere und praxisnähere Einordnung von Leistungsbündeln ermöglicht.
Warum ist die Integrativität des externen Faktors für das Marketing so bedeutsam?
Die Integrativität beeinflusst maßgeblich den Standardisierungsgrad, das Beschaffungsrisiko des Kunden sowie die Autonomie und Steuerungsmöglichkeiten des Anbieters, was eine spezifische Anpassung der Marketingstrategie erfordert.
- Quote paper
- Chrisostomos Kirailidis (Author), 2003, Zum Aussagewert einer auf dem Merkmale 'Dienstleistung' basierenden Typologie von Gütern und Leistungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28049