Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Informations- und Kommunikationssysteme der Produktions- und Lagerlogistik


Projektarbeit, 2014
40 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Logistik
2.1 Entwicklung der Logistik
2.2 IuK-Systeme unter logistischem Kontext
2.3 IuK-Systeme in ausgewählten Logistikbereichen
2.3.1 IuK-Systeme in der Produktionslogistik
2.3.2 IuK-Systeme in der Lagerlogistik

3 Industrie 4.0
3.1 Begriffsabgrenzung und Definition
3.2 Schwerpunkttechnologien von Industrie 4.0
3.2.1 Cyber-Physische Systeme
3.2.2 Cloud Computing
3.2.3 Serviceorientierte Architekturen
3.3 Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Logistik
3.3.1 Allgemeine Auswirkungen auf logistische IuK
3.3.2 Auswirkungen der IuK auf die Produktionslogistik
3.3.3 Auswirkungen der IuK auf die Lagerlogistik
3.4 Herausforderungen und Tendenzen für die Zukunft

4 Kritische Würdigung

5 Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Komponenten der Logistik

Abbildung 2 Entwicklung bis zur vierten industriellen Revolution

Abbildung 3 Vernetzung von Mensch und Maschine in der Industrie 4.0

Abbildung 4 Komponenten eines CPS

Abbildung 5 Beziehung zwischen cyber-physischen Systemen und Internet der Dinge

Abbildung 6 Mehrwert von produktbezogenen Informationen durch das Digitale Produktgedächtnis

Abbildung 7 Funktionen eines fahrerlosen Transportsystems

Abbildung 8 Anforderungen an die zukünftige IT der Logistik

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Auszug Entwicklungsphasen der Logistik und entsprechender Informationssysteme

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Entwicklungsphasen der Logistik und der entsprechenden Informationssysteme

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man soll die Dinge so einfach machen wie möglich - aber nicht einfacher. Albert Einstein

1 Einleitung

Im Verlauf der letzten Jahre erscheint in verschiedenen Medien das Schlagwort „Industrie 4.0“.[1] Dahinter verbirgt sich nach Erfindung der Dampfmaschine, der Massenfertigung durch Elektrizität und der weiteren Automatisierung durch IT ein vierter industrieller Umbruch. Diese technologische Revolution unter Nutzung des Internets wird mit einschneidenden Auswirkungen auf die Produktionsabläufe in der Industriebranche in Zusammenhang gebracht. Im Kampf um Wettbewerbs-vorteile deutscher Unternehmen und damit für den deutschen Standort wird mit Industrie 4.0 eine Chance verbunden.[2]

Da eine getrennte Betrachtung von Industriebranche und Logistik nicht möglich ist, stehen logistische Prozesse im Visier des Umbruchs durch Industrie 4.0. Aufgrund der Globalisierung und damit der Zunahme der Komplexität logistischer Prozesse hat die Logistik zunehmend an Bedeutung gewonnen, in Deutschland repräsentiert sie mittlerweile den drittgrößten Wirtschaftsbereich nach der Automobilindustrie und dem Handel.[3] Die logistischen Prozesse umfassen den innerbetrieblichen und über-betrieblichen Material- und Informationsfluss. Daher bleibt der Logistikbereich nicht unberührt von den Bewegungen von Industrie 4.0. Doch welche Berührungspunkte finden sich zwischen Industrie 4.0 und der Logistik? Es gilt festzustellen, was Industrie 4.0 konkret kennzeichnet und welche Technologien mit ihr in Verbindung gebracht werden. Davon ausgehend werden Aussagen zu den Auswirkungen auf den Logistikbereich getroffen.

Aus verschiedenen Quellen[4] ergibt sich, dass Industrie 4.0 auf technologischen Innovationen beruht.

Daher erfolgen die Betrachtungen zu den Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die logistischen Informations- und Kommunikationssysteme (IuK-Systeme). Speziell wird die Untersuchung auf die Bereiche der Produktions- und Lagerlogistik eingegrenzt.

Das Ziel dieser Arbeit beinhaltet, Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die IuK-Systeme der Produktions- und Lagerlogistik aufzuzeigen.

Um diesen Wandel auf die bisherigen IuK-Systeme darzulegen, wird zu Beginn ein Einblick in die bisherige Auffassung von der Logistik und ihrer IuK-Systeme gegeben. Dies und die nähere Betrachtung von IuK-Instrumenten der Produktions- und Lagerlogistik erfolgen im Abschnitt 2. Mit dem Komplex Industrie 4.0 beschäftigt sich Abschnitt 3 und nimmt Ausführungen zu dem Begriff und den relevanten Technologien dieser Entwicklung vor. Auch die Darstellung der Auswirkungen dieser Technologien auf die Produktions- und Lagerlogistik ist Inhalt dieses Abschnitts. Bevor die Arbeit mit einer kritischen Würdigung schließt, erfolgt ein Ausblick auf zukünftige Herausforderungen von Industrie 4.0.

2 Logistik

In diesem Abschnitt erfolgt nach einigen Erläuterungen zur wirtschafts-wissenschaftlichen Betrachtung der Logistik ein Überblick über die Bedeutung von IuK-Systemen in der Logistikpraxis. Anschließend werden die in der gängigen Praxis eingesetzten IuK-Systeme für die Produktions- und Lagerlogistik behandelt.

2.1 Entwicklung der Logistik

Die Ursprünge der Logistik liegen im militärischen Bereich begründet.[5] Daraus resultiert auch die Betrachtung der Logistik als reine Funktionenlehre, die sich mit den Tätigkeiten des normalen Gütertransfers befasst. In der zweiten Stufe wurde der Materialfluss einheitlicher mit der Leitungsebene ab-gestimmt. Die heutige Stufe betrachtet die Logistik deutlich umfassender als Führungslehre. Durch die Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette wird die Logistik unternehmensübergreifend gemanagt.[6]

Damit umschließt die Logistik die Planung, Gestaltung, Steuerung und Kontrolle des Material- und Informationsflusses innerhalb des Unternehmens sowie unternehmensübergreifend. Inbegriffen sind damit alle operativen Aktivitäten, die den Materialfluss betreffen sowie die allgemeinen administrativen Vorgänge.[7]

Somit stellt die Logistik ein Wertschöpfungssystem dar, resultierend aus dem Zusammenspiel mehrerer Komponenten, wie in Abbildung 1 dargestellt.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Komponenten der Logistik[9]

Dabei umfassen die physischen Prozesse u. a. die bekannten TUL-Aufgaben (Transportieren, Umschlagen und Lagern) sowie Kommissionieren, Verteilen und Verpacken. Die informationellen und administrativen Prozesse verdeutlichen die Bedeutung der Logistik als Führungsfunktion.[10]

Diese Betrachtungsweise der Logistik verdeutlicht den Wert eines funktionierenden Informationsaustauschs zwischen diesen Komponenten der Logistik.[11]

Aus diesem Grund befassen sich die weiteren Ausführungen dieser Arbeit mit den IuK-Systemen im logistischen Umfeld.

2.2 IuK-Systeme unter logistischem Kontext

Logistische Prozesse erfordern einen funktionierenden Material- und Informationsfluss, was eine sach- und zeitgerechte Bereitstellung der benötigten Informationen bedingt. Dies gilt nicht nur zur Gewährleistung der logistischen Abläufe, sondern auch generell zur Unterstützung aller unternehmerischen Aktivitäten.[12] Gerade die Steuerung der Güter in logistischen Prozessen erfordert deswegen ein IuK-System zur Überwindung der räumlichen Distanz zwischen bewegtem Gut und steuernder Stelle.[13]

Es ist daher mittels Informationssystemen möglich, den Materialfluss und die entsprechenden Informationsströme effizient zu steuern.

Diese Unterstützung mit IuK-Systemen erfolgt nicht nur bei den typischen TUL-Aufgaben der Logistik, sondern erstreckt sich übergreifend auf den gesamten Informationsfluss entlang der Supply Chain.[14]

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werden gerade deshalb im Logistikumfeld hohe Ansprüche an die IT-Unterstützung gestellt. Die Logistik steht im Spannungsfeld von Unternehmenszielen, Ressourcenverbrauch, Wissens-management und der technischen Entwicklung.[15] Damit haben die Nutzer von Logistik-IT besondere Ansprüche an ihre IT-Lösungen. Die IT-Lösungen müssen u. a. auf die vielfältigen Prozesse individuell zugeschnitten sein, die Verträge dürfen keine langen Laufzeiten haben und sollen in ihrem Kosten- und Leistungsumfang transparent sein.[16]

Das Angebot an Informationssystemen mit logistischem Kontext erweist sich inzwischen als sehr vielfältig.

Die nachfolgende Aufzählung enthält eine Auswahl von Informations-systemen:[17]

- Produktionsplanung und –steuerung (PPS)
- Enterprise Resource Planning (ERP)
- Manufacturing Execution System (MES)
- Management Information System (MIS)
- Lagersteuerungssystem (LSS)
- Lagerverwaltungssystem (LVS)
- Warehouse Management System (WMS)
- Transport Management System (TMS)
- Customer Relationship Management (CRM) System
- Supply Chain Management (SCM) System

Den Einsatz der Informationsverarbeitung in der Logistik umrahmen natürlich Bestrebungen nach Rationalisierungsmöglichkeiten. Angesichts der bisherigen technologischen Entwicklung besteht mit höheren Arbeits-geschwindigkeiten, umfangreicherer Speicherkapazitäten, schnellere Verarbeitung usw. dazu das Potenzial.[18]

Demzufolge müssen die IT-Systeme in der Logistik hohen Ansprüchen gerecht werden. Bei Gleißner finden sich u.a. folgende Anforderungen:[19]

- Medienbrüche vermeiden,
- Datenredundanzen vermeiden,
- innerhalb des Logistikprozesses jederzeit Datenzugriff gewährleisten,
- termin- und bedarfsgerecht Informationen bereitstellen und
- problemlose Vernetzung innerhalb der bestehenden IT-Infrastruktur und mit dem Internet.

Auch ten Hompel konkretisiert diese Erwartungen an IT-Systeme der Logistik. Dazu gehören Systeme, welche die termingerechte Planung und Steuerung der logistischen Prozesse optimieren, logistische IT-Systeme mit der Möglichkeit auf unerwartete Ereignisse reagieren zu können sowie durch offene Schnittstellen auf veränderte Situationen anpassbar zu sein.[20]

Für die strategische Planung und Steuerung sowie zur Unterstützung operativer Aufgaben setzen Unternehmen als übergeordnete IuK-Systeme ERP-Systeme und SCM-Systeme ein. ERP-Systeme sind dabei für die Logistik nicht ausreichend geeignet. Sie beinhalten weniger Bezug zu kunden- und materialflussbezogenen Leistungen und einen weniger ausgeprägten unternehmensübergreifenden Kontext.[21]

Bevor im nächsten Abschnitt beispielhaft die für die Produktions- und Lagerlogistik in der Praxis gängigen Systeme vorgestellt werden, soll die nachfolgende Tabelle 1 einen kurzen Überblick über die Phasen der IT-Systeme in der Logistik geben. Eine ausführliche Darstellung dieser Tabelle gibt Anhang 1 wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Auszug Entwicklungsphasen der Logistik und entsprechender Informationssysteme[22]

2.3 IuK-Systeme in ausgewählten Logistikbereichen

2.3.1 IuK-Systeme in der Produktionslogistik

Von den Unternehmensbereichen wird die Produktion weniger mit der Logistik in Zusammenhang gebracht. Allerdings stellen die Produktions-prozesse auch logistische Abläufe dar, da sie den Materialfluss vom Rohwarenlager bis zum Endwarenlager umfassen. Daher erscheint es sinnvoll, die Ausgestaltung von Produktionssystemen und die Steuerung der damit verbunden Produktionsabläufe in die Logistik einzubeziehen.[23]

Dem schließt sich auch Ehrmann an, welcher die Produktionslogistik als „flussbezogene Koordinationsfunktion im Rahmen der Produktions-wirtschaft“[24] bezeichnet. Unter dieser Betrachtung kann die Produktions-logistik u. a. die Durchlaufzeit reduzieren, die Transportabläufe effizienter gestalten und für eine bessere Verfügbarkeit der Ressourcen sorgen.[25]

Im Rahmen der Produktionsplanung und -steuerung (PPS) wird der gesamte Wertschöpfungsprozess von Angebot bis Versand geplant, unterstützt und disponiert.[26] Die IT-Unterstützung dieser Prozessabläufe erfolgt durch entsprechende PPS-Systeme.[27]

Dabei basieren die meisten IT-gestützten PPS-Systeme auf den MRP-Systemen und eignen sich deswegen gut zur Koordination der Auftragsausführung. Dieses Konzept bietet damit Unterstützung für manuelle Planungen. Für zukünftige Planungsentscheidungen oder um Ergebnisse von Alternativprozessen zu ermitteln kommen die PPS-Systeme weniger in Betracht. Für diese Entscheidungen stehen inzwischen als Unterstützungs-instrumente die Advanced Planning Systeme (APS) zur Verfügung.[28] Damit versuchen APS-Systeme die Nachteile von PPS-Systemen, wie fehlende Dynamik bei unerwarteten Veränderungen im Prozessablauf, sowie die Verarbeitung von echtzeitnahen Informationen auszugleichen.[29] APS kennzeichnen somit Instrumente für den Fertigungsbereich und auch die IT-Unterstützung für den damit verbundenen Logistikprozess. Das Ziel sind realistischere Pläne auf Grundlage aktuellerer Informationen zu schaffen. Gleichfalls soll damit auch die Möglichkeit gegeben sein, eine bessere Grundlage für Entscheidungen des SCMs liefern zu können.[30]

2.3.2 IuK-Systeme in der Lagerlogistik

Zu den ältesten Logistikfunktionen gehört das Lagern und charakterisiert einen festen Bestandteil im Materialfluss. Unabhängig vom Bereich, gehören Einlagerungen, Zwischenlagerungen und Auslagerungen zum Prozessablauf im Wertschöpfungsprozess. Aufgrund dieser umfassenden Bedeutung empfiehlt Ehrmann, die Lagerlogistik als eigenständigen Teil im Logistik-bereich zu betrachten.[31]

Die Lagerlogistik beschäftigt sich daher mit allen Einrichtungen, welche die im Materialfluss befindlichen Güter zum Lagern, Kommissionieren und Fördern betreffen.[32] Dazu gehört als IuK-System das LVS, das gewöhnlich als Bestandteil bzw. Modul einem ERP-System zugerechnet wird. Mit dem LVS erfolgt eine effektive Unterstützung der operativen Logistikprozesse im Materialfluss, welche mit der Funktion des Lagerns einhergehen.[33]

Die Unterstützung beinhaltet vorwiegend die Abläufe der Material-einlagerung, Materialauslagerung, Bestandsüberwachung und der Lager-bewegungen. Damit gehen u. a. Einzelaufgaben wie die Identifikation und der Transport der gelagerten Objekte einher.[34]

Als weiteres IT-Instrument setzt die Logistik bereits die RFID-Technologie ein. RFID steht für die Abkürzung Radio Frequency Identification und bezeichnet ein kontaktloses Verfahren zur Identifizierung von Objekten und zur Datenerfassung per Funkwellen.[35]

Basierend auf den Eigenschaften von RFID zur Identifizierung von Objekten und der Möglichkeit der Speicherung von Daten liegt die vorwiegende Verwendung von RFID im Produktions- und Logistikbereich.[36]

RFID gilt damit auch als Wegweiser für die zunehmende Entwicklung der Vernetzung und Interaktion von Objekten in der Logistik.[37]

3 Industrie 4.0

Im vorangegangenen Abschnitt wurden einige bisher in der logistischen Praxis eingesetzte IuK-Systeme näher betrachtet. Dies soll als Ausgangs-basis für diesen Abschnitt dienen, indem zu Beginn ein kurzer Überblick über den Begriff Industrie 4.0 erfolgt. Daran schließt sich die Vorstellung einer Auswahl an IuK-Technologien und Konzepte im Umfeld von Industrie 4.0 an. Am Ende dieses Abschnitts folgt die Herausarbeitung der Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die IT ausgewählter logistischer Bereiche.

3.1 Begriffsabgrenzung und Definition

Unter Industrie 4.0 wird die vierte industrielle Revolution verstanden, die auf vorangegangenen technologischen Umwälzungen basiert.[38] Abbildung 2 enthält grafisch die vier Entwicklungsschritte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Entwicklung bis zur vierten industriellen Revolution[39]

Deutschland verbindet enorme Hoffnungen auf neue Marktchancen und Wettbewerbsvorteile mit dieser vierten industriellen Veränderung. Dafür findet hierzulande bei Industrie 4.0 eine Kooperation zwischen den Branchen Maschinenbau, Elektrotechnik, Automobilbau und der IT-Industrie statt.[40] Zusätzlich finanziell unterstützt wird dieser Fortschritt durch Fördermittel vom Bund.[41]

Denn der deutsche Standort hat laut einer Aussage von Markus Achtert im Handelsblatt durch Industrie 4.0 große Chancen gegenüber der Konkurrenz, da es nur „hier funktionierende Cluster aus Unternehmen, Politik und Wissenschaft“[42] gibt. Durch diese stärkere Verzahnung von den bedeutenden Technologien aus den Bereichen, Produktion, Automatisierung sowie IuK findet derzeit der große Wandel in der industriellen Fertigung statt.[43]

Mit dem Schlagwort „Industrie 4.0“ verknüpft sich auch der Begriff Internet der Dinge. Er bedeutet die unabhängige gegenseitige Kommunikation von Objekten über das Internet. Eine zusätzliche Nutzung bedarfsabhängiger Serviceleistungen aus dem Internet bezeichnet man als Internet der Dienste.[44]

Im Zusammenhang vom Internet der Dinge und Dienste mit der Produktion spricht man von Industrie 4.0.[45] Oder anders ausgedrückt findet bei Industrie 4.0 eine Vernetzung der physischen Welt der Produktion mit der virtuellen Welt des Internets statt. Dadurch können die in Echtzeit gewonnen Informationen für die Steuerung und Planung der Prozessabläufe verarbeitet werden.[46]

Bei dieser vierten industriellen Revolution können sich die Maschinen und Produkte in einer Fabrik selbst steuern. Die Basis dafür bilden cyber-physische Systeme.[47] Eine ausführliche Erläuterung zu diesen Systemen folgt im Abschnitt 3.2.1.

Als Synonym für Industrie 4.0 wird aus diesem Grund auch der Begriff der Smart Factory verwendet. Diese bezeichnet, die vorgenannte intelligente Interaktion von Objekten in der Produktion.[48] Etwas differenzierter sieht es die Plattform Industrie 4.0: „Die Smart Factory ist ein hochkomplexes System mit vielen Einzelteilnehmern, die eigene Intelligenz besitzen.“[49]

Einen bildhaften Einblick in das Zusammenspiel von Mensch und Maschine durch Industrie 4.0 gibt Abbildung 3.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Vernetzung von Mensch und Maschine in der Industrie 4.0[50]

Den Gedanken der Vernetzung von IuK-Systemen in der Produktion verfolgte vor mehreren Jahren bereits das Projekt der Computer Integrated Manufacturing, kurz CIM. Leider waren damals die Informationstechnologien noch nicht so weit entwickelt. Auch der Ansatz von CIM unterscheidet sich von der heutigen Industrie 4.0.

Für das CIM-Konzept bildet eine deterministische, zentrale Planung die Grundlage, während die Steuerung bei Industrie 4.0 dezentral über selbst-optimierende Systeme erfolgt.[51]

3.2 Schwerpunkttechnologien von Industrie 4.0

3.2.1 Cyber-Physische Systeme

Als wesentlicher Bestandteil für die industrielle vierte Revolution gelten cyber-physische Systeme oder auch Cyber Physical Systems (CPS) genannt. Diese bilden ein Zusammenspiel aus virtueller Welt und physischen Objekten, welche selbstständig miteinander kommunizieren und autonom agieren.[52]

Für die Produktion im Rahmen von Industrie 4.0 bedeutet dies, dass sich die Fertigungsanlagen mittels CPS zu einem Gesamtsystem, bestehend aus den Komponenten eingebetteter Systeme, Echtzeit-Systeme und sensorischer Systeme, zusammenfügen. Damit können Informationen aus den physischen Produktionsprozessen in Echtzeit gewonnen, verarbeitet und über das Internet gesteuert werden.[53]

In Abbildung 4 findet sich eine Darstellung der ähnlichen Sichtweise von Geisberger und Schuh über dieses Gesamtgefüge.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Komponenten eines CPS[54]

Bei ihnen kennzeichnen CPS ein bewachtes Zusammenwirken von autonom und kooperativ (System – System und Mensch – System) handelnden Systemen mit beweglichen Grenzen, welche echtzeitfähige und vernetzte Sensoren beinhalten.[55]

CPS gelten aufgrund ihrer Vernetzung mit dem Internet auch als Synonym für das Internet der Dinge. Andererseits kann das Internet der Dinge auch eine Teilmenge von CPS repräsentieren, wie in Abbildung 5 veranschaulicht. Dieser Betrachtung basiert auf den Komponenten und den damit möglichen Funktionalitäten der CPS.[56]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Beziehung zwischen cyber-physischen Systemen und Internet der Dinge[57]

3.2.2 Cloud Computing

Im Zusammenhang mit Industrie 4.0 und der einhergehenden Vernetzung mit dem Internet wird der Begriff Cloud Computing häufiger genannt. Cloud kann dabei mit Wolke übersetzt werden und soll verdeutlichen, dass es sich bei Cloud Computing um umfangreiche untereinander vernetzte, dezentrale Computersysteme handelt.[58]

Für eine angemessene Definition dieses Begriffs erfolgt der Verweis auf die Version vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): „Cloud Computing bezeichnet das dynamisch an den Bedarf angepasste Anbieten, Nutzen und Abrechnen von IT-Dienstleistungen über ein Netz. Angebot und Nutzung dieser Dienstleistungen erfolgen dabei ausschließlich über definierte technische Schnittstellen und Protokolle.“ [59]

Damit lassen sich über das Internet IT-Anwendungen wie Software, Dienste und Prozesse rund um die Uhr und nach eigenem Bedarf anmieten. Da auch die zu verarbeitende und erhaltene Menge an Daten zunimmt, besteht sogar die Möglichkeit zur Speicherung dieser Daten in einer Cloud. Der mit Cloud Computing verbundene Hauptvorteil beruht darauf, dass Unternehmen keine Investitionen in die eigene IT-Infrastruktur tätigen müssen. Es erfolgt lediglich eine Abrechnung der tatsächlichen Inanspruchnahme der Dienstleistung.[60]

3.2.3 Serviceorientierte Architekturen

Als ein weiterer Bestandteil von Industrie 4.0 gelten Serviceorientierte Architekturen (SOA). Sie repräsentieren Dienste, welche Unternehmen über das Internet anbieten und Anwendern darüber beziehen können. Der Vorteil für den Anwender besteht darin, dass die Nutzung einer SOA kein bestimmtes Betriebssystem voraussetzt. Die Funktionen und Dienste von SOA sind über Schnittstellen nutzbar und somit jederzeit individuell erweiterbar. SOA werden auch unter dem Begriff Webservices vertrieben und angeboten. Heute finden sie bereits in vielen größeren Unternehmen Verwendung, um die internen und die unternehmensübergreifenden Geschäftsprozesse zu unterstützen.[61]

3.3 Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Logistik

3.3.1 Allgemeine Auswirkungen auf logistische IuK

Globalisierung und technologischer Fortschritt über Druck auf den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit aus. Die Logistik ist deshalb von den Faktoren Kosten, Qualität, Zeit und Flexibilität abhängig.[62] Dieser Abschnitt beinhaltet, ob die Logistik von den Technologien und dem Wissen aus Industrie 4.0 für ihre IT-Systeme profitieren kann.

Insgesamt ergeben sich durch die mit Industrie 4.0 verbundenen und bereits vorgestellten Technologien für die Logistikbranche enorme Erfolgs-potenziale.[63]

[...]


[1] Vgl. Pontes, U. (2013); S. V6; Stapelmann, M. (2013); S. 1 ff.; PricewaterhouseCoopers (2014)

[2] Vgl. Schikora, S. (2013), S. V2.

[3] Vgl. BVL - Bundesvereinigung Logistik e.V.

[4] Vgl. Dorst, W. (2012), S. 35 f.; Stapelmann, M. (2013), S. 10; Heller, T; Buß, D. (2014), S. 155.

[5] Vgl. Hausladen, I. (2014), S. 2.

[6] Vgl. Göpfert, I. (2012), S. 61.

[7] Vgl. Martin, H. (2011), S. 3.

[8] Vgl. Krampe, H; Lucke, H.-J. (2012), S. 19.

[9] Eigene Erstellung in Anlehnung an Krampe, H; Lucke, H.-J. (2012), S. 19.

[10] Vgl. Krampe, H; Lucke, H.-J. (2012), S: 19.

[11] Vgl. Hausladen, I. (2014), S. 6.

[12] Vgl. Heiserich, O.-E; Helbig, K; Ullmann, W. (2011), S. 337 f.

[13] Vgl. Arnold, D; Kuhn, A; Furmans, K; Isermann, H; Tempelmeier, H. H. (2008), S. 3.

[14] Vgl. Krupp, T; Wolf, J. (2010), S. 15.

[15] Vgl. Krampe, H; Lucke, H.-J. (2012), S. 20 f.

[16] Vgl. Wolf, M.-B; Rahn, J; ten Hompel, Michael (2013), S. 19.

[17] Vgl. Schenk, M; Krampe, A; Poenicke, O; Richter, K; Seidel, H. (2012), S. 105.

[18] Vgl. Heiserich, O.-E; Helbig, K; Ullmann, W. (2011), S. 338.

[19] Vgl. Gleißner, H; Femerling, C. (2008), S. 199.

[20] Vgl. ten Hompel, M. (2012), S. 30.

[21] Vgl. Straube, F. (2004), S. 144 f.

[22] Eigene Erstellung in Anlehnung an Krupp, T; Wolf, J. (2010), S. 17.

[23] Vgl. Arnold, D; Kuhn, A; Furmans, K; Isermann, H; Tempelmeier, H. H. (2008), S. 4 f.

[24] Ehrmann, H; Olfert, K. ((2012), S. 431.

[25] Vgl. Ehrmann, H; Olfert, K. ((2012), S. 431.

[26] Vgl. Schuh, G; Hering, N. (2013), S. 73 f.

[27] Vgl. Ebel, B. (2009), S. 273.

[28] Vgl. Ebel, B. (2009), S. 212.

[29] Vgl. Schuh, G; Hering, N. (2013), S. 74.

[30] Vgl. Ebel, B. (2009), S. 287.

[31] Vgl. Ehrmann, H. (2013), S. 165.

[32] Vgl. Ehrmann, H. (2013), S. 165.

[33] Vgl. Spee, D. (2010), S. 122.

[34] Vgl. Ehrmann, H. (2013), S. 183.

[35] Vgl. Werner, H. (2008), S. 238.

[36] Vgl. Wolff, G; Schätzel, J. M. (2010), S. 19.

[37] Vgl. ten Hompel, M. (2012), S: 9.

[38] Vgl. Spath, D.; Ganschar, O; Gerlach, S; Hämmerle, M; Krause, T; Schlund, S. (2013), S. 7.

[39] Eigene Erstellung in Anlehnung an Spath, D.; Ganschar, O; Gerlach, S; Hämmerle, M; Krause, T; Schlund, S. (2013), S. 23.

[40] Vgl. Kempf, D. (2013), S. 2.

[41] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung

[42] Wocher, M. (2013), S. 1.

[43] Vgl. Stapelmann, M. (2013), S. 10.

[44] Vgl. ten Hompel, M. (2010), S. 7.

[45] Vgl. Heller, T; Buß, D. (2014), S. 155.

[46] Vgl. Dorst, W. (2012), S. 35.

[47] Vgl. Spath, D.; Ganschar, O; Gerlach, S; Hämmerle, M; Krause, T; Schlund, S. (2013), S. 22.

[48] Vgl. Heller, T; Buß, D. (2014), S. 156.

[49] Plattform Industrie 4.0

[50] Spath, D.; Ganschar, O; Gerlach, S; Hämmerle, M; Krause, T; Schlund, S. (2013), S: 117.

[51] Vgl. Spath, D.; Ganschar, O; Gerlach, S; Hämmerle, M; Krause, T; Schlund, S. (2013), S. 101 f.

[52] Vgl. Stapelmann, M. (2013), S. 10.

[53] Vgl. Schmid, M., S. 165.

[54] Eigene Erstellung in Anlehnung an Schuh, G; Hering, N. (2013), S. 74 f.; Geisberger, E; Broy, M. ((2012), S. 60 f.

[55] Vgl. Schuh, G; Hering, N. (2013), S. 74 f.; Geisberger, E; Broy, M. ((2012), S. 60 f.

[56] Vgl. Camarinha-Matos, L. M; Goes, J; Gomes, L; Martins, J. (2013), S: 4.

[57] Eigene Erstellung in Anlehnung an Camarinha-Matos, L. M; Goes, J; Gomes, L; Martins, J. (2013), S. 4.

[58] Vgl. Wolf, M.-B; Rahn, J; ten Hompel, M. (2013), S. 22 f.

[59] Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: BSI

[60] Vgl. Kagermann, H. (2014), S. 605.

[61] Vgl. Feldhorst, S; Libert, S. (2010), S. 37.

[62] Vgl. Krampe, H; Lucke, H.-J. (2012), S. 21 f.

[63] Vgl. Wolf, M.-B; Rahn, J; ten Hompel, M. (2013), S. 21.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Informations- und Kommunikationssysteme der Produktions- und Lagerlogistik
Hochschule
AKAD-Fachhochschule Leipzig
Veranstaltung
Projektmodul
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
40
Katalognummer
V280603
ISBN (eBook)
9783656742340
ISBN (Buch)
9783656742388
Dateigröße
2373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Industrie 4.0, CPS, Logistik, Produktionslogistik, Lagerlogistik, Informationsfluss, IuK-Systeme, Cloud Computing, Serviceorientierte Architektur, SOA, Cyber-Physische Systeme, Industrie
Arbeit zitieren
Ines Filler (Autor), 2014, Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Informations- und Kommunikationssysteme der Produktions- und Lagerlogistik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280603

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