Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz


Akademische Arbeit, 2005

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Gesundheitsbegriff / -verständnis

2 Positive Aspekte der Arbeit

3 Belastungen und Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz
3.1 Körperliche Arbeitsbelastungen
3.2 Psychische Arbeitsbelastungen

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Einleitung

Die heutige Arbeitswelt befindet sich in einer Phase tief greifenden Wandels. Neben der fortschreitenden internationalen Verflechtung der Wirtschaft und dem damit verbundenen Anpassungs- und Konkurrenzdruck müssen sich viele Unternehmen noch mit weiteren Problemfeldern auseinandersetzen. Die Entwicklung zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft zwingt besonders die traditionellen (Produktions-) Betriebe zu großen Veränderungs- und Umstrukturierungsprozessen, die mit hohen Kosten verbunden sind. Hinzu kommt die aktuelle Konjunkturschwäche, die sich in den meisten Branchen ebenfalls negativ auf Umsätze und Gewinne auswirkt.

Doch es sind nicht nur die Unternehmen selbst, die von diesen Trends und Entwicklungen betroffen sind. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen verändern sich dadurch gravierend. Neue Arbeitsformen und Beschäftigungsverhältnisse entstehen, der Leistungsdruck auf den einzelnen Mitarbeiter steigt, während dieser mit Kürzungen sozialer Leistungen und der Sorge um den Erhalt des Arbeitsplatzes konfrontiert wird. Flexibilität und hohe Anpassungsfähigkeit im Berufsleben werden heute vorausgesetzt sowie die ständige Bereitschaft sich weiterzubilden. Die steigenden Erwartungen und Anforderungen der Betriebe an die Mitarbeiter hinterlassen ihre Spuren. Krankheitsbedingter Arbeitsausfall, eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Motivationsdefizite sind einige der möglichen Folgen.

Dies ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass der Mensch ca. ein Drittel seines Lebens am Arbeitsplatz verbringt und dort bestimmten Anreizen und Risiken ausgesetzt ist. Die Art der Arbeit, das betriebliche Umfeld und die Höhe des Lohnes beeinflussen auch die private Lebenslage und den Lebensstil in erheblichem Umfang. „Arbeit kann sich sowohl positiv als auch negativ auf das körperliche und psychische Befinden und den Gesundheitszustand der Beschäftigten auswirken“ (MASQT, 2004).

In der folgenden Arbeit soll deswegen die Wechselwirkung von Gesundheit und Arbeit aufgezeigt werden. Dabei wird auch auf das heutige Gesundheitsverständnis eingegangen.

1 Gesundheitsbegriff / -verständnis

Zunächst ist es wichtig, sich mit dem Begriff „Gesundheit“ auseinander zu setzen. Bisher gibt es noch keine eindeutige und allgemein gültige Definition. Die Unterschiede der Begriffsbestimmungen sind auf verschiedene Ansätze und Auffassungen zurückzuführen.

„Unterschiede finden sich nicht nur in den Definitionsbestandteilen, sondern auch in Annahmen darüber, wie Gesundheit erhalten, geschwächt oder stabilisiert werden kann“ (Greiner, 1998, S. 39). Trotzdem gibt es grundlegende Übereinstimmungen im Hinblick darauf, dass Gesundheit mit Wörtern wie z. B. „positiv“, „richtig“, „wünschenswert“, „normal“ assoziiert werden kann (vgl. Greiner, 1998, S. 39-40).

Das traditionelle biomedizinische Modell konzentriert sich eher auf Krankheit als auf Gesundheit. Demnach wird unter Gesundheit „[…]überwiegend das Freisein von (vorübergehenden) Krankheiten verstanden, welche die phys. Funktionen (Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit) und psych. Befindlichkeit beeinträchtigen“ (Brockhaus, 1989, S. 439). Diese biomedizinische Sichtweise geht von der Annahme aus, dass jede Erkrankung eine spezifische Ursache hat, und beschränkt sich auf organische Schäden. Psychische Krankheiten und soziale Störungen finden darin keine Beachtung, und das trotz ihrer steigenden Tendenz in der heutigen (Arbeits-) Welt.

Im Laufe der Zeit hat sich deshalb ein positiver Gesundheitsbegriff durchgesetzt, der unter Gesundheit nicht nur die Abwesenheit von Krankheit versteht. Die in diesem Zusammenhang wohl am häufigsten zitierte Definition wurde 1948 von der Weltgesundheitsorganisation [1] (WHO) ins Leben gerufen und gilt als Grundlage eines neuen umfassenden Gesundheitsverständnisses. Demnach ist Gesundheit „[…]der Zustand vollkommenen phys., psych. und sozialen Wohlbefindens, nicht lediglich die Abwesenheit von Krankheit“ (Brockhaus, 1989, S. 439). Dieser Ansatz geht von einer ganzheitlichen Betrachtung des Menschen aus und räumt der Erhaltung und Förderung der Gesundheit einen hohen Stellenwert ein. Neben der körperlichen und seelischen Verfassung werden auch die Einflüsse der Umgebung und die Lebenssituation des Menschen berücksichtigt, da sich diese ebenfalls auf das Wohlbefinden positiv oder negativ auswirken können (vgl. Bedner, 2001, S.17). In diesem Sinne wird Gesundheit als ein Potenzial oder eine Fähigkeit verstanden, ein Gleichgewicht zwischen dem Individuum und seiner Umwelt herzustellen. Da eine ständige Anpassung an neue Veränderungen der Umweltbedingungen notwendig ist, wird Gesundheit nicht mehr als Zustand, sondern eher als Prozess betrachtet (vgl. Greiner, 1998, S. 44).

2 Positive Aspekte der Arbeit

Da im weiteren Verlauf vor allem die negativen Auswirkungen der Arbeit im Vordergrund stehen, werden zunächst die positiven und gesundheitsfördernden Seiten der Erwerbstätigkeit aufgezeigt.

In der heutigen Industriegesellschaft stellt Arbeit einen wichtigen Lebensbereich dar, der nicht nur zur Einkommens- und Unterhaltssicherung dient, sondern den Menschen ein großes Entfaltungspotenzial bietet.

„Wer in der Arbeit Möglichkeiten hat, Neues zu lernen, wer dort Entscheidungen treffen kann, soziale Situationen gestalten darf und vielfältige Erfahrungen macht, entwickelt gleichzeitig seine Fähigkeiten und Möglichkeiten ständig weiter“ (Resch, 1994, S.17). So kann eine interessante Arbeit mit hohen Handlungsspielräumen zur allgemeinen Zufriedenheit und Selbstbestätigung beitragen und damit einen wertvollen Beitrag zu einem positiven Selbstwertgefühl und zur körperlichen und seelischen Gesundheit leisten.

Arbeit ist zudem wichtig, um gesellschaftliches Ansehen zu erlangen.

„Über die Arbeit definieren wir unseren Status in der Gesellschaft. Wer Erwerbsarbeit ausübt, fühlt sich als anerkanntes Mitglied dieser Gesellschaft“ (Resch,1994, S.16).

Die Gelegenheit, am Arbeitsplatz soziale Kontakte knüpfen zu können und gute Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten zu führen, ist für viele Beschäftigte ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Arbeit. Zu diesem Ergebnis gelangt auch eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes TNS Emnid aus dem Jahre 1999 (vgl. MASQT, 2004).[2]

Die folgende Abbildung zeigt, dass insbesondere das Verhältnis zu Kollegen sowie die berufliche Entwicklung im Vordergrund stehen.

Abb. 1: Stellenwert der Arbeit, Quelle: MASQT, 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Arbeitswelt in hohem Maße zu mehr Wohlbefinden und Gesundheit der Beschäftigten beitragen kann, wenn diese ihr Umfeld als sinnerfüllt und motivierend erleben können. Soziale Kontakte und Beziehungen spielen dabei eine große Rolle, wie auch die Möglichkeiten, sich beruflich weiter zu entwickeln.

3 Belastungen und Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz

Durch den heutigen Strukturwandel in der Wirtschaft, die fortschreitende Globalisierung sowie den wachsenden Einsatz der Informationstechnologien verändern sich auch die Arbeitsbedingungen und die Anforderungen an die Erwerbstätigen. Unternehmen, die sich mit flexiblen, prozessorientierten Abläufen und flachen Hierarchien an die verschärften Wettbewerbsbedingungen anpassen, erwarten von ihren Mitarbeitern ein hohes Maß an Flexibilität, Eigeninitiative und Verantwortungsbereitschaft. Aufgrund der neuen Rahmenbedingungen ändern sich auch die Arbeitsbelastungen.

Im Gegensatz zum normalen Sprachgebrauch ist Belastung in der Arbeitswissenschaft ein neutraler Begriff, der als „[…]die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und auf ihn einwirken“ (Resch, 2003, S. 36) definiert wird. Diese Einflüsse können sich u. a. aus den Anforderungen der Arbeitsaufgabe, der Arbeitsumwelt oder sozialen Faktoren, wie Führungsverhalten und Betriebsklima ergeben (vgl. Wenchel, 2001, S. 14). Nahezu jeder Aspekt der Arbeit ist in diesem Sinne eine Belastung und muss nicht unbedingt als schädlich eingestuft werden. Gleiche Arbeitsanforderungen werden von einem Mitarbeiter als aktivierend und motivierend empfunden, während sich ein anderer völlig überfordert fühlt. Entscheidend ist, wie sich die Belastung auf den einzelnen Menschen auswirkt.

Die individuelle Reaktion des Beschäftigten auf Belastungen wird als Beanspruchung bezeichnet (vgl. Resch, 2003, S. 36). Die Belastungsstärke, das Alter und die körperliche und psychische Konstitution einer Person sind neben den individuellen Bewältigungsfähigkeiten ausschlaggebend dafür, wie intensiv die Beanspruchung auftritt und welche Auswirkungen sie hat.

Zu den negativen Beanspruchungsfolgen zählen kurz- bis langfristige Gesundheitsstörungen, die zu schwer wiegenden physischen und psychischen Krankheiten führen können und das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen stark einschränken (vgl. Slesina/Beuels/Sochert, 1998, S. 21).

3.1 Körperliche Arbeitsbelastungen

Die Ursachen, die zu körperlichen Belastungen führen, haben sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte verändert. Automatisierungsprozesse in der Industrie haben z. B. dazu beigetragen, dass schwere körperliche Arbeit insgesamt zurückgegangen ist. Außerdem führt der Trend zur Dienstleistungsgesellschaft dazu, dass immer weniger Menschen den traditionellen Belastungen wie schwerer körperlicher Arbeit, Giftstoffen, Lärm und klimatischen Bedingungen ausgesetzt sind, die in Landwirtschaft und industrieller Produktion vorherrschend sind.

Trotzdem sind Arbeitsplätze mit (körperlich) anstrengenden und belastenden Arbeitsbedingungen nach wie vor weit verbreitet. Dies ergab eine Befragung der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen im Jahr 2000 (vgl. EU-Osha, Erwerbstätigkeit im Wandel, 2001, S.15).[3]

Die Arbeit im Dienstleistungsbereich, in dem heute mehr als zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten, ist ebenfalls nicht frei von Einflüssen, die sich direkt auf den Körper auswirken können. So hat die Einführung von Bildschirmarbeit dazu geführt, dass 80 bis 85% der täglichen Arbeitszeit im Sitzen stattfindet (vgl. Wittig-Goetz, 2000). Die am häufigsten auftretenden Folgen sind eine übermäßige Beanspruchung der Bänder und Bandscheiben und die Rückbildung von Muskeln. Ständiges Sitzen und dabei eingenommene Zwangshaltungen schaden somit der Wirbelsäule und können Rückenschmerzen hervorrufen und zu chronischen Wirbelsäulenerkrankungen führen (vgl. Wittig-Goetz, 2000). Der ständige Blick auf den Computer löst zudem Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich aus. Außerdem klagen 30–40% der Beschäftigten am Bildschirmplatz über häufige und ständige Augenbeschwerden (vgl. Rundnagel, 1999). Die folgende Abbildung gibt einen zusammenfassenden Überblick, welche Beschwerden und Krankheitssymptome bei der Bildschirmarbeit auftreten können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Folgen des Bewegungsmangels beim Sitzen, Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Officeplus (Hrsg.), 1996

3.2 Psychische Arbeitsbelastungen

Die körperlichen Belastungen werden heute zunehmend durch psychische Belastungen ergänzt. Deren enormer Anstieg ist vor allem auf die bereits genannten Veränderungen der Arbeitswelt zurückzuführen (vgl. Resch, 2003, S. 13), die insgesamt zu einer Intensivierung und Leistungsverdichtung der Arbeit geführt haben. Das Meinungsforschungsinstitut EMNID[4] hat im Jahr 1999 herausgefunden, dass mindestens die Hälfte der abhängig Beschäftigten von folgenden vier Belastungen „ziemlich“ oder „stark betroffen“ sind:

- hohe Verantwortung
- hoher Zeitdruck
- Überforderung durch die Arbeitsmenge
- zu enge Vorschriften, keine Handlungsspielräume

Für 40% der Befragten stellt Ärger mit Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden eine belastende Situation dar und knapp ein Drittel nannten ungünstige Arbeitszeiten als weiteren Belastungsfaktor (vgl. MASQT, 2001, S. 5, 12).

Die genannten Faktoren treten meist in Kombination als sog. Mehrfachbelastungen auf, die sich gegenseitig noch verstärken können (vgl. Resch, 1994, S. 48). Psychische Belastungen führen dann zu negativen Auswirkungen, wenn sich der Betroffene dauerhaft überfordert fühlt. Stress und daraus entstehende gesundheitliche Beeinträchtigungen sind die Folgen. „Stress wird definiert als ein Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen der Umwelt und den individuellen Leistungsvoraussetzungen, Zielen und Bedürfnissen einer Person sowie ihren verfügbaren Mitteln, die Anforderungen zu bewältigen“ (MASQT, 2003). Zwar kann man Stress grundsätzlich auch als positiven Zustand erleben (sog. Eu-Stress), doch wirkt er sich langfristig in Folge einer permanenten Überbeanspruchung und Dauerbelastung negativ auf den Menschen aus (vgl. Mehrtens/Valentin/Schönberger, 1988, S. 670). „Wenn im heutigen Alltag von Stress die Rede ist, so ist fast ausschließlich die negative Variante gemeint“ (Otte, 1994, S. 48).

Zu den kurzfristigen Stressfolgen zählen u. a. erhöhte Reizbarkeit, Ermüdungs- und Konzentrationsstörungen, die im Arbeitsleben besonders zu verminderter Leistungsfähigkeit und Motivationsproblemen führen sowie Auslöser für soziale Konflikte sein können. Langfristig kann Stressempfinden zu weit reichenden betrieblichen Problemen führen, wie es beim Mobbing[5] oder dem Burnout-Syndrom der Fall ist. Nach Angaben der INQA[6] beruhen 50 bis 60% der Fehlzeiten auf arbeitsbedingtem Stress (vgl. INQA, 2003).

[...]


[1] Die Weltgesundheitsorganisation ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und beschäftigt sich weltweit mit der öffentlichen Gesundheit und Gesundheitsfragen.

[2] Die repräsentative Studie wurde vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur und Sport in Auftrag gegeben. Über 2000 Beschäftigte wurden zu einer Vielzahl von arbeitplatzbezogenen Aspekten befragt.

[3] Die Stiftung hat als selbstständige Einrichtung der Europäischen Union die Aufgabe, bei der

Gestaltung der zukünftigen Arbeits- und Sozialpolitik beratend tätig zu sein.

[4] Das EMNID-Institut Bielefeld hat im Auftrag der nordrhein-westfälischen Arbeitsschutzverwaltung 1999 eine repräsentative Befragung durchgeführt. Ziel war es, zuverlässige Daten über die Belastungssituation der Beschäftigten zu erhalten.

[5] Def.; „…über einen längeren Zeitraum anhaltende und häufig auftretende schikanöse Handlung am Arbeitsplatz. Diese kann sowohl von einer als auch von mehreren Personen ausgehen" (Wissen.de- Lexikon, 2004).

[6] Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) ist ein Zusammenschluss von Bund, Ländern, Sozialver- sicherungspartnern, Sozialpartnern und Unternehmen.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V280628
ISBN (eBook)
9783656738534
ISBN (Buch)
9783668137578
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesundheitsrisiken, arbeitsplatz
Arbeit zitieren
Sonja Sporrer (Autor), 2005, Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280628

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