Michel Foucault: “Die Ordnung des Diskurses“. Prozeduren zur Bändigung des Diskurses


Ausarbeitung, 2013
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Prozeduren zur Bändigung der Kräfte des Diskurses
2.1. Äußere Prozeduren
2.1.1 Verbot
2.1.2. Entgegensetzung von Vernunft und Wahnsinn
2.1.3. Der Gegensatz zwischen dem Wahren und dem Falschen
2.2. Innere Prozeduren
2.2.1. Der Kommentar
2.2.2. Der Autor
2.2.3. Die Disziplin
2.3. Verknappung der sprechenden Subjekte
2.3.1. Rituale
2.3.1. Diskursgesellschaften
2.3.3. Doktrinen
2.3.4. Gesellschaftliche Aneignung des Wissens

3. Die Befreiung des Diskurses von den Einschränkungen der Autorenschaft

4. Kritik und Genealogie

5. Beidseitige Bemächtigung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Text “Die Ordnung des Diskurses“, welchen der französische Philosoph Michel Foucault bei seinem Amtsantritt am Collège de France im Jahr 1970 in Paris verlas. Auf der Grundlage eines Vortrags, den ich in Zusammenarbeit mit Thea Buchholz und Constantin Vorholt im Rahmen des Seminars “Praktiken, Repräsentationen, Performativität: Werkzeuge der Kulturanalyse“ erarbeitet und gehalten habe, möchte ich die wichtigsten Aspekte meines Teils des Textes darstellen. Der Gesamtzusammenhang des Referats soll dabei jedoch nicht außer Acht gelassen werden.

Foucault wendet sich in seinem Text gegen die Reduktion des Diskurses auf ein verbalisiertes Denken und betont dessen Wirken als Machtinstrument. Er vermeidet es, den Diskurs zu definieren. Stattdessen nähert er sich ihm an, ohne die Gültigkeit seines Diskursbegriffs als ahistorische Wahrheit zu behaupten. Foucault entwickelt in seinen Ausführungen Instrumente der Analyse von Diskursen und zeigt die Machtstrukturen auf, denen sie unterworfen sind. Die Arbeit soll herausstellen, dass hierin der große methodische Nutzen seiner Erkenntnisse besteht.

Foucault gliederte seine Diskursanalyse in zwei Bereiche, die er “Kritik“ und “Genealogie“ nennt. Diese Begriffe ersetzen den zuvor verwendeten Begriff “Archäologie“. Wieso unterteilt Foucault sein zukünftiges diskursanalytisches Vorgehen in diese Bereiche? Diese Frage war ein weiterer Aspekt meines Teils des Referats und soll zuletzt ausgeführt werden.

Die Ausarbeitung soll in erster Linie vom vorliegenden Text ausgehen. Auf Sekundärliteratur möchte ich weitestgehend verzichten. Angedacht ist ein Kommentar im Sinne von Foucault, der den Sinn des Primärtextes wiedergibt.

2. Prozeduren zur Bändigung der Kräfte des Diskurses

Zu Beginn des Textes formuliert Foucault eine Art Arbeitshypothese. Er stellt die Beobachtung auf: […] dass in jeder Gesellschaft die Produktion des Diskurses zugleich kontrolliert, selektiert, organisiert und kanalisiert wird - und zwar durch gewisse Prozeduren, deren Aufgabe es ist, die Kräfte und die Gefahren des Diskurses zu bändigen, sein unberechenbar Ereignishaftes zu bannen, seine schwere bedrohliche Materialität zu umgehen.

Dieser Grundannahme folgt er im Hauptteil des Textes, d.h. er beschreibt die o.g. Prozeduren. Drei Gruppen von Einschränkungsmechanismen werden dargelegt, denen Diskurse unterworfen seien und die Foucault unter den Oberbegriffen Prozeduren der Ausschließung, interne Prozeduren und die Verknappung der sprechenden Subjekte erörtert.

Zunächst sollen die ersten beiden Gruppen von Einschränkungsmechanismen recht knapp erläutert werden. Genauer soll die innere Einschränkungsprozedur der Autorenschaft betrachtet und mit dem Essay “Der Tod des Autors“ von Roland Barthes verknüpft werden. Dies soll der Übersichtlichkeit halber jedoch im Anschluss an die Auseinandersetzung mit den Prozeduren geschehen. Im Zentrum meiner Ausarbeitung steht die dritte Gruppe von Prozeduren, welcher sich Foucault zuletzt zuwendet und die in meinem Teil des Referats thematisiert wurde. Diese soll besonders gründlich untersucht und mit eigenen Beispielen ergänzt werden.

2.1. Äußere Prozeduren

Unter den “Prozeduren der Ausschließung“1 versteht Foucault solche, die von außen auf die Diskurse wirken und “den Diskurs in seinem Zusammenspiel mit der Macht und dem Begehren“2 betreffen. Er unterscheidet zwischen dem “Verbot“3, der “Entgegensetzung von Vernunft und Wahnsinn“4 und dem “Gegensatz von Wahrem und Falschem“5. Wichtig ist, dass hier wie in den beiden anderen Gruppen von Prozeduren die Trennlinien brüchig sind. Oft sind sie miteinander verwoben, was ebenfalls anhand von Beispielen gezeigt werden soll.

2.1.1. Verbot

Hierbei handelt es sich um die “sichtbarste und vertrauteste“6 Prozedur. Verbote verhindern, dass “jeder beliebige über alles beliebige reden kann.“7. Neben Tabus, die verbieten über bestimmte Dinge zu sprechen (“Tabu des Gegenstandes“8 ), entscheidet auch die Situation darüber, was gesagt werden darf (“Ritual der Umstände“9 ). Weiterhin sei von Individuum zu Individuum unterschiedlich, was gesagt werden dürfe (bevorzugtes oder ausschließliches Recht des sprechenden Subjekts“10 ).

2.1.2. Entgegensetzung von Vernunft und Wahnsinn

Im Gegensatz zu den Aussagen eines als vernünftig geltenden Menschen würden die eines für wahnsinnig Befundenen für nichtig erklärt und fänden kein Gehör. Der Diskurs des Wahnsinnigen könne daher nicht zirkulieren. Was als wahnsinnig gelte, stehe jedoch in einem historischen Kontext und könne sich verschieben. Die Entstehung dieser Zuschreibungen sei meist willkürlich11.

2.1.3. Der Gegensatz zwischen dem Wahren und dem Falschen

Foucault argumentiert, dass das, was als wahr oder falsch angesehen werde, immer innerhalb eines Diskurses konstruiert werde und historischen Veränderungen unterliege. Die Grenzziehung zwischen dem Wahren und Falschen bezeichnet er als ein Ausschließungssystem, welches sich “[z]weifellos […] geschichtlich konstituiert“12 habe. Die Konstitution dieses Ausschließungssystems schreibt er dem “Willen zur Wahrheit“ zu, der “seit Jahrhunderten unsere Diskurse durchdringt“13. Ein Jahrhundert nach den Sophisten, welche durch ihre Autorität dazu bemächtigt waren, Aussagen zu treffen, die automatisch und immer als wahr galten, habe sich die Wahrheit zur Aussage hin verschoben. Es ginge nun nicht mehr darum, “[w]as der Diskurs war, oder […] was er tat“14, also um den Akt der Aussage, sondern darum “was er sagte“15. Der Wille zur Wahrheit, der heute bestehe, verschleiere jedoch den noch immer vorherrschenden Willen zur Macht.

Foucault überträgt das Prinzip der Macht der Sophisten also auf den Diskurs, welcher nun Macht auf Individuen ausübt, sie aber gleichzeitig bemächtigen kann.

2.2. Innere Prozeduren

Die internen Prozeduren wirken im Gegensatz zu den externen innerhalb der Diskurse, es handelt sich hier um Mechanismen “mit denen die Diskurse ihre eigene Kontrolle selbst ausüben; Prozeduren, die als Klassifikations- , Anordnungs- , Verteilungsprinzipien wirken.“16 Dieses Mal werden Ereignishaftigkeit und zufälliges Auftreten der Diskurse gebändigt. Drei Strukturierungsmechanismen werden genannt: “Kommentar“, “Autor“ und “Disziplin“.

2.2.1. Der Kommentar

Foucault legt dar, dass neben Primärtexten auch immer Sekundärtexte existieren, welche sich auf erstere bezögen. Da diese lediglich versuchten, den Sinn der Primärtexte wiederzugeben, würden sie nichts Neues schaffen, sondern lediglich etwas wiederholen, was schon im Primärtext stünde. Somit ließen sich zwar immer wieder neue Diskurse schaffen, deren Zufälligkeit werde jedoch auch eingeschränkt, denn der Kommentar “erlaubt zwar, etwas anderes als den Text selbst zu sagen, aber unter der Voraussetzung, daß der Text selbst gesagt und in gewisser Weise vollendet werde.“17.

[...]


1 Michel Foucault (1970), Die Ordnung des Diskurses. Inauguralvorlesung am Collége de France - 2. Dezember 1970, In: Lepenies/Ritter (1994), Hanser Anthropologie, München, S.7

2 Ebd., S.15

3 Ebd., S. 7

4 Ebd., S.8

5 Ebd., S.10

6 Ebd., S.7

7 Ebd.

8 Ebd., Foucault verortet diese vor allem im Bereich der Sexualität

9 Ebd.

10 Ebd.

11 Ebd., S. 8 f.

12 Ebd.,, S.11

13 Ebd.

14 Ebd.

15 Ebd.

16 Ebd- , S.16

17 Ebd., S.18

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Michel Foucault: “Die Ordnung des Diskurses“. Prozeduren zur Bändigung des Diskurses
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Kunst und visuelle Kultur)
Veranstaltung
Praktiken, Repräsentationen, Performativität: Werkzeuge der Kulturanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V280700
ISBN (eBook)
9783656742777
ISBN (Buch)
9783656742739
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Foucault, Diskurs, Medientheorie, Die Ordnung des Diskurses, Philosophie, Geisteswissenschaft, Kunst, Strukturalismus
Arbeit zitieren
Christoph Benken (Autor), 2013, Michel Foucault: “Die Ordnung des Diskurses“. Prozeduren zur Bändigung des Diskurses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280700

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