Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Text “Die Ordnung des Diskurses“, welchen der französische Philosoph Michel Foucault bei seinem Amtsantritt am Collège de France im Jahr 1970 in Paris verlas. Auf der Grundlage eines Vortrags, den ich in Zusammenarbeit mit Thea Buchholz und Constantin Vorholt im Rahmen des Seminars “Praktiken, Repräsentationen, Performativität: Werkzeuge der Kulturanalyse“ erarbeitet und gehalten habe, möchte ich die wichtigsten Aspekte meines Teils des Textes darstellen. Der Gesamtzusammenhang des Referats soll dabei jedoch nicht außer Acht gelassen werden.
Foucault wendet sich in seinem Text gegen die Reduktion des Diskurses auf ein verbalisiertes Denken und betont dessen Wirken als Machtinstrument. Er vermeidet es, den Diskurs zu definieren. Stattdessen nähert er sich ihm an, ohne die Gültigkeit seines Diskursbegriffs als ahistorische Wahrheit zu behaupten. Foucault entwickelt in seinen Ausführungen Instrumente der Analyse von Diskursen und zeigt die Machtstrukturen auf, denen sie unterworfen sind. Die Arbeit soll herausstellen, dass hierin der große methodische Nutzen seiner Erkenntnisse besteht.
Foucault gliederte seine Diskursanalyse in zwei Bereiche, die er “Kritik“ und “Genealogie“ nennt. Diese Begriffe ersetzen den zuvor verwendeten Begriff “Archäologie“. Wieso unterteilt Foucault sein zukünftiges diskursanalytisches Vorgehen in diese Bereiche? Diese Frage war ein weiterer Aspekt meines Teils des Referats und soll zuletzt ausgeführt werden.
Die Ausarbeitung soll in erster Linie vom vorliegenden Text ausgehen. Auf Sekundärliteratur möchte ich weitestgehend verzichten. Angedacht ist ein Kommentar im Sinne von Foucault, der den Sinn des Primärtextes wiedergibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Prozeduren zur Bändigung der Kräfte des Diskurses
2.1. Äußere Prozeduren
2.1.1 Verbot
2.1.2. Entgegensetzung von Vernunft und Wahnsinn
2.1.3. Der Gegensatz zwischen dem Wahren und dem Falschen
2.2. Innere Prozeduren
2.2.1. Der Kommentar
2.2.2. Der Autor
2.2.3. Die Disziplin
2.3. Verknappung der sprechenden Subjekte
2.3.1. Rituale
2.3.1. Diskursgesellschaften
2.3.3. Doktrinen
2.3.4. Gesellschaftliche Aneignung des Wissens
3. Die Befreiung des Diskurses von den Einschränkungen der Autorenschaft
4. Kritik und Genealogie
5. Beidseitige Bemächtigung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert Michel Foucaults Konzept der Diskursbändigung, um aufzuzeigen, wie Diskurse durch spezifische Machtmechanismen kontrolliert, selektiert und organisiert werden, und untersucht dabei insbesondere das Verhältnis zwischen sprechenden Subjekten und diskursiven Strukturen.
- Foucaults Mechanismen der Diskurskontrolle
- Unterscheidung von äußeren und inneren Prozeduren
- Die Rolle der Autorenschaft und ihre Hinterfragung
- Kritik und Genealogie als diskursanalytische Werkzeuge
- Verknüpfung von Diskursmacht und performativen Handlungen
Auszug aus dem Buch
2.3.1. Rituale
Rituale seien nach Foucault die offensichtlichsten Verknappungsprozeduren. Sie beziehen sich auf die Qualifikationen, die Individuen besitzen müssen, wenn sie sich an einem Diskurs beteiligen wollen. Hierunter versteht er “die Gesten, die Verhaltensweisen, die Umstände und alle Zeichen, welche den Diskurs begleiten müssen.“31. Die Rituale seien zudem an spezielle Rollen gebunden, die Individuen einnehmen. Manche Diskursarten seien zwingend an solche Rituale gebunden, nämlich: “[d]ie religiösen, gerichtlichen, therapeutischen Diskurse, und zum Teil auch die politischen“32.
Eine bestimmte gesellschaftliche Funktion muss also immer von entsprechenden überlieferten Verhaltensweisen begleitet werden und wird sogar von letzteren gebildet. Ein Subjekt kann in diesen Diskursen keine Rolle spielen, ohne Kenntnis von den Gesten und Verhaltensweisen zu haben, sich diesen zu bedienen und auch der Umstände ihres Einsatzes gewahr zu sein.
Als Beispiel für ein Ritual im Sinne Foucaults kann die christliche Eheschließung genannt werden. Eine solche muss sowohl bestimmten Umständen und Verhaltensweisen gerecht werden, als auch von überlieferten Gesten begleitet werden33 (Der Tausch des Eheringes). Wenn diese Kriterien nicht erfüllt werden, kann es zu keiner christlichen Eheschließung kommen. Die religiösen Rituale schränken die Zahl der Subjekte ein, die sich am Diskurs beteiligen dürfen. Neben den erforderlichen Qualifikationen, die für die Durchführung einer solchen vonnöten sind (Priester/Pastorenamt), müssen viele weitere Umstände der kirchlichen Heirat entsprechen (Taufe, Kircheneintritt, Stattfinden in der Kirche…).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt Foucaults Werk „Die Ordnung des Diskurses“ vor und definiert das Ziel, dessen methodischen Nutzen für die Diskursanalyse herauszuarbeiten.
2. Prozeduren zur Bändigung der Kräfte des Diskurses: Dieses Kapitel erläutert die drei Hauptgruppen der Diskurskontrolle: äußere Prozeduren, innere Prozeduren und die Verknappung der sprechenden Subjekte.
3. Die Befreiung des Diskurses von den Einschränkungen der Autorenschaft: Der Autor wird hier als restriktiver Mechanismus kritisiert, wobei Roland Barthes’ Essay „Der Tod des Autors“ als theoretische Stütze dient.
4. Kritik und Genealogie: Foucaults zukünftige diskursanalytische Bereiche werden eingeführt, wobei der Fokus auf dem Wechselspiel zwischen historischen Bedingungen und der Wirksamkeit von Diskursen liegt.
5. Beidseitige Bemächtigung: Das Fazit fasst zusammen, dass Diskurse nicht nur Macht ausüben, sondern auch durch Unterwerfung unter deren Regeln erst genutzt werden können.
Schlüsselwörter
Michel Foucault, Diskurs, Machtinstrument, Ausschließung, Verknappung, Rituale, Diskursgesellschaften, Doktrinen, Autorenschaft, Diskursanalyse, Kritik, Genealogie, Sprechakte, Kontrolle, Subjekt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Michel Foucaults Vorlesung „Die Ordnung des Diskurses“ und analysiert die dort beschriebenen Prozeduren, die dazu dienen, die Kräfte des Diskurses zu bändigen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die äußeren Ausschlussmechanismen, die inneren Strukturierungsprinzipien und die Verknappung der sprechenden Subjekte sowie die Konzepte von Kritik und Genealogie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Foucaults Instrumente der Diskursanalyse darzustellen und aufzuzeigen, wie Diskurse als Machtinstrumente innerhalb einer Gesellschaft wirken.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen kommentierenden Ansatz, der eng am Primärtext von Foucault bleibt und auf Sekundärliteratur weitgehend verzichtet, um den Sinn des Textes authentisch wiederzugeben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die verschiedenen Kontrollmechanismen, wie Verbote, Rituale und die Rolle der Autorenschaft, auf ihre praktische Funktionsweise hin untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Diskurs, Macht, Kontrolle, Ausschluss, Subjekt, Autorenschaft, Kritik und Genealogie.
Wie definiert Foucault das Verhältnis zwischen Diskurs und Macht in Bezug auf Rituale?
Foucault zeigt auf, dass Rituale den Zugang zu Diskursen durch Qualifikationsanforderungen regeln, wodurch Diskurse als performative Handlungen Teil gesellschaftlicher Machtstrukturen werden.
Warum wird im Dokument auf Roland Barthes Bezug genommen?
Barthes wird herangezogen, um das Konzept der Autorenschaft als Einschränkung zu hinterfragen und die Befreiung des Diskurses durch die Abwendung von der Person des Autors zu diskutieren.
- Citar trabajo
- Christoph Benken (Autor), 2013, Michel Foucault: “Die Ordnung des Diskurses“. Prozeduren zur Bändigung des Diskurses, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280700