Fernsehkritik und aufklärerisches Potenzial in der Serie "Die Simpsons"


Hausarbeit, 2013

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kritische Fernsehtheorien
2.1. Theodor W. Adorno: “Prolog zum Fernsehen“ und “Fernsehen als Ideologie“
2.2. Günther Anders: “Die Welt als Phantom und Matrize“

3. Die Simpsons und die kritischen Fernsehtheorien
3.1. Der Fernseher als negativer Familientisch der Simpsons
3.2. Das sechste Familienmitglied
3.3. Realität und Gebilde verschmelzen
3.4. Die reale und fiktive Kulturindustrie der Simpsons
3.5. Mit der Kulturindustrie gegen die Kulturindustrie

4. Die Simpsons als Impfung gegen die vom Fernsehen verbreitete Ideologie

5. Literaturverzeichnis

I love the idea that we put in jokes the kids don't get. And that later, when they grow up and read a few books and go to college and watch the show again, they can get it on a completely different level.

Matt Groening1

1. Einleitung

Seit fast 25 Jahren treibt Matt Groenings gelbe amerikanische Zeichentrickfamilie nun ihr Unwesen und hat seit dem Beginn ihrer steilen Karriere Ende der 1980er Jahre nahezu überall auf der Welt Einzug in das Primetime-Programm gehalten. Die Simpsons begeistern ihr gemischtes Publikum in bisher über 500 Folgen, die ein umfassendes Beziehungsgeflecht bilden2, mit bissigem Humor und viel Kritik, welche sich auf unterschiedliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens ausdehnt. Auch vor der Medienlandschaft machen sie nicht halt und spielen auf fernsehbzw. medienkritische Positionen und Strömungen an.

Im Rahmen des Seminars “Frühes Fernsehen“ habe ich mich intensiv mit den fernsehkritischen Schriften Thodor W. Adornos und Günther Anders beschäftigt. In der Serie finden sich zwar keine direkten Bezüge auf die beiden Theoretiker, jedoch lassen sich Aspekte ihrer Überlegungen zum Medium Fernsehen auf die Serie übertragen. Die Simpsons, die selbstironisch wie sie sind keinen Hehl daraus machen, selbst ein Teil der Kulturindustrie zu sein, greifen selbige gnadenlos von innen heraus an.

Zunächst sollen die für diese Arbeit relevanten Aspekte aus Adornos Texten

“Prolog zum Fernsehen“ und “Fernsehen als Ideologie“ sowie aus “Die Welt als Phantom und Matrize“ von Günther Anders herausgestellt werden, um im Hauptteil mit Blick auf die Fragestellung einen Zusammenhang zu der Serie herzustellen.

Zuletzt soll eine Auseinandersetzung mit der zentralen Frage dieser Arbeit geschehen, ob die Simpsons im Sinne Adornos als aufklärerische Serie bzw. als “Impfung“ gegen die von der Kulturindustrie verbreitete Ideologie gelten kann. Besonders Hilfreich für ein tieferes Verständnis der Serie war der Sammelband “Subversion zur Prime-Time. Die Simpsons und die Mythen der Gesellschaft“.

2. Kritische Fernsehtheorien

Im Folgenden sollen die kritischen Fernsehtheorien von Theodor W. Adorno und Günther Anders hinsichtlich der für diese Arbeit wichtigen Aussagen zusammengefasst werden.

Im Gegensatz zu Adorno, der die Hoffnung auf eine Besserung des Fernsehens mit einem Rest von Optimismus ausdrückt3, sieht der Fernsehphilosoph Günther Anders keine Chancen für die Zukunft des Mediums.

Wie sich zeigen wird, sind trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen (Anders stammt nicht von der Frankfurter Schule) einige Parallelen in den Texten erkennbar. Für beide ist jedoch die Form des Mediums von weitaus größerer Bedeutung als die dargebotenen Inhalte, welche sowohl für Anders als auch für Adorno austauschbar sind. Den Ausführungen des letzteren zufolge seien “Inhalt und Präsentationsweise derart miteinander verschworen […]“4, dass beide füreinander einstehen könnten.

2.1. Theodor W. Adorno: “Prolog zum Fernsehen“ und “Fernsehen als Ideologie“

Der deutsche Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist Theodor W. Adorno (*1903; †1969) veröffentlichte 1953 in der Zeitschrift “Rundfunk und Fernsehen“ die beiden Essays “Prolog zum Fernsehen“ und “Fernsehen als Ideologie“. Er verortet das Medium im Gesamtsystem der Kulturindustrie die für ihn einen ganzheitlichen Verblendungszusammenhang darstellt. Da das Fernsehen alle Sinne anspreche, d.h. neben dem Hören (Radio) auch das sehen ermögliche, spricht Adorno von einem “Duplikat der Welt“5 in welches beliebige Botschaften eingeschleust werden könnten (“Das Medium selbst jedoch fällt ins umfassende Schema der Kulturindustrie und treibt deren Tendenz, das Bewußtsein des Publikums von allen Seiten zu umstellen und einzufangen, als Verbindung von Film und Radio weiter.“6 ). Erst das Zusammenspiel diverser Medien, welche aufeinander abgestimmt seien, mache also das “[…] Klima der Kulturindustrie aus.“7.

Eine wichtige Eigenschaft des Fernsehens, die für dessen Wirkung auf das Publikum von Bedeutung ist, besteht für Adorno in der Herstellung einer trügerischen Distanzlosigkeit. So werde beim Konsum bewusst auf eine möglichst gewöhnliche Situation geachtet. Dadurch verschwimme für den Betrachter die Grenze zwischen “[…] Realität und Gebilde […]“8, was eine starke Beeinflussung der Lebensrealität zur Folge habe bzw. sich in diese verwandle.

Um den angeblich gemeinschaftsbildenden Fernsehapparat würden sich Menschen versammeln, die sich nichts zu sagen hätten und stumpfsinnig auf das bewegte Bild starren. Die geistlosen Sendungen zielten ausschließlich auf die Befriedigung niederer Triebe, von denen jede geistige Regung niedergerungen werde. Zudem diene die “fatale Nähe“9 des Fernsehens als Ersatz für wirkliche, soziale Nähe. Die Illusionen, die es kreiere, würden mit letzterer verwechselt.

Um aufzuzeigen, wie die Manipulation des Publikums durch die Kulturindustrie vonstattengeht, bezieht sich Adorno auf die Triebtheorie Sigmund Freuds. Die Kulturindustrie knüpfe, so Adorno, “[…] an Schemata des Bewußten und Unbewußten an, die sie in den Konsumenten mit Recht als verbreitet voraussetzt.“10.

In dem Essay “Fernsehen als Ideologie“ beschreibt Adorno das Fernsehen als ein Mittel zur Rechtfertigung gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Allein die Aufklärung der von der Kulturindustrie ideologisch verblendeten Menschen könne als “Impfung“11 gegen die entmündigende, auf Konformismus zielende Wirkung des Fernsehens wirken12.

Die Fernsehproduzenten verfolgen nach Adorno ausschließlich rationale, ökonomische Ziele. Durch das Eintrichtern beliebiger Botschaften hätten sie eine Steuerungsfunktion inne und nutzten dabei ihr Wissen um “[…] psychologisch übereinander gelagerte Schichten im Zuschauer […]“13, um diesen bewusst zu manipulieren. Dabei nehme sich die Kulturindustrie selbst nicht ernst, sie wisse dass sie nichts als Kitsch produziere und spiele sogar mit diesem Bewusstsein.

Gerade aus dem Warencharakter all ihrer Erzeugnisse habe sie jedoch “[…] längst ein Stück der eigenen Ideologie gemacht.“14. Adorno betont jedoch, dass das Fernsehen nur ein einzelner Faktor eines Ganzen sei und den Rückschluss auf das von Grund auf falsche, manipulative und von ökonomischen Interessen geleitete System erzwinge.

Aus diesem Grund stehe es an erster Stelle, auf den ideologischen Charakter des Fernsehens hinzuweisen. Dieser sei sowohl auf der Produktions- wie auch auf der Rezeptionsseite angesiedelt. Wenn die Ideologie mit all ihren billigen Tricks erkannt würde, könne sich ein “öffentlicher Widerwille“15 bilden. Diese Aufklärung bezeichnet Adorno als “[…] Impfung des Publikums gegen die vom Fernsehen verbreitete Ideologie […]“16.

2.2. Günther Anders: “Die Welt als Phantom und Matrize“

In dem Text “Die Welt als Phantom und Matrize“, welcher im Jahr 1956 als Teil von Günther Anders Werk “Die Antiquiertheit des Menschen“ erschien, stellt der (Fernseh-)Philosoph Überlegungen zu Radio und Fernsehen an und zeichnet ein sehr negatives Bild von diesen Medien.

Nach Anders forme sich der Fernsehzuschauer durch den eigenen Konsum selbst zum Massenmenschen um, d.h. er degradiere sich zum “Heimarbeiter“17 bei dessen Produktion. Im Gegensatz zur kollektiven Konsumtionssituation im Kino sei die Masse durch die Verfügbarkeit von Empfangsgeräten zu isolierten “Massen-Eremiten“18 aufgebrochen.

[...]


1 Brainyquote.com, Online im Internet: URL im Lit.-Verz. - Zugriff am 05.03.2013

2 Gemeint ist ein reiches Angebot an Verweisen, sowohl auf das eigene Serienuniversum, als auch auf die äußere Welt

3 Für Adorno ist das Fernsehen eher besser als schlechter als die anderen Teile der Kulturindustrie

4 Theodor W. Adorno (1953), Prolog zum Fernsehen, In: Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens. Stuttgart, S.66

5 Adorno, S.52

6 Adorno, S.52

7 Adorno, S.53

8 Adorno, S.56

9 Adorno, S.57

10 Adorno, S.59

11 Adorno, S.70

12 Adorno, S.65

13 Adorno, S.68

14 Adorno, S.69

15 Adorno, S.70

16 Adorno, S.70

17 Günther Anders (1955), Die Welt als Phantom und Matrize. Philosophische Gedanken zu Rundfunk und Fernsehen, In Merkur IX. Jahrgang / 5.Heft), S.403

18 Anders, S.402

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Fernsehkritik und aufklärerisches Potenzial in der Serie "Die Simpsons"
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Kunst und visuelle Kultur)
Veranstaltung
Frühes Fernsehen
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V280705
ISBN (eBook)
9783668018693
ISBN (Buch)
9783668018709
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adorno, Thomas Anders, Kritische Theorie, Fernsehtheorie, Frühes Fernsehen, Fernsehen, Medien, Simpsons
Arbeit zitieren
Christoph Benken (Autor), 2013, Fernsehkritik und aufklärerisches Potenzial in der Serie "Die Simpsons", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280705

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