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Das Ende des Konsensjournalismus in der jungen Bundesrepublik als Wegbereiter der 68er-Bewegung

Title: Das Ende des Konsensjournalismus in der jungen Bundesrepublik als Wegbereiter der 68er-Bewegung

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: B.A. Thomas De Filippi (Author)

Communications - Journalism, Journalism Professions
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„Aber nicht nur in der Jugend, sondern auch in der Bevölkerung allgemein waren die Anfänge eines tief greifenden Wertewandels erkennbar.“

Mit dieser Aussage beschreibt Schildt den Beginn einer gesellschaftlichen Zäsur, die gemeinhin unter dem Namen 68er-Bewegung bekannt geworden ist, eine Bezeichnung, die auf den ersten Blick suggeriert, die gesellschaftlichen Umbrüche hätten sich unmittelbar um das Jahr 1968 ereignet. Weshalb diese Bewegung unter dem Namen „68er“ in die Geschichtsbücher einging, mag daran liegen, dass zeitgenössiche Beobachter von der Vehemenz der Protestbewegungen, die ab 1967 scheinbar aus dem Nichts entstanden waren, völlig überrascht wurden. Gerade die Studentenschaft galt in den 60er Jahren als angepasst und politisch weitgehend desinteressiert.2 Wie sich im Nachhinein herausstellte, betrachteten solche Sichtweisen nur die Oberfläche. Schönhoven versteht die sechziger Jahre hingegen als „Phase der Gärung […], in der sich eine Fülle von Veränderungsimpulsen wechselseitig verstärkten.“3 Eine der zahlreichen Umbrüche4, die aus diesen Impulsen entstand, sind die Umgestaltungen im Bereich der Medienkultur. Nicht nur in auditiven und/oder audiovisuellen Medien kam es zu einer tiefgreifenden Veränderung, sondern auch im Printjournalismus. Was sich Anfang der 60er Jahre in den USA als „New Journalism“ einen Namen machte, ist die Emanzipation der Presse in sozialer, politischer und kritischer Hinsicht. Die Berichterstattung wandelte sich im Zuge des New Journalism von einem reinen Informationsjournalismus, der die „objektive“ Faktenwiedergabe zum höchsten Ziel hatte, hin zu einer Berichterstattung, in der die subjektive Sicht des Journalisten an Bedeutung gewann. In der Bundesrepublik vollzog sich zeitgleich ein Wandel vom „Konsensjournalismus“ hin zum „Kritischen Journalismus“.56

Dieser Wandel im Printjournalismus der Bundesrepublik Deutschland ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Zur Veranschaulichung wird am Ende dieser Arbeit kurz auf einige Reportagen aus der SZ eingegangen, die den im Folgenden skizzierten Wandel exemplarisch darstellen.7

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Vom Konsens zur Kritik

1.1. Der Versuch der „Reeducation“ nach Kriegsende

1.2. „Teegespräche“ und die gemeinsame politische Linie

2. Mediale und kulturelle Revolution

2.1 Der Aufstieg der „45er“ und ihr Gegenentwurf zum Konsensjournalismus

2.2 Der Journalist als gleichberechtigter Partner

3. Fazit

4. Kriterien für die Auswahl der Analysebeispiele

4.1 Auswahl der Zeitung

4.2 Auswahl des Themas

4.3 Auswahl der journalistischen Darstellungsform

5. Unterschiede der Reportagen in Inhalt und Aufbau

6. Inhaltliche Zusammenfassungen der Zeitungsartikel

6.1 „Im Olymp der SPD-Funktionäre“ vom 10.09.1957

6.2 „Pfeffer und Honig aus dem CDU-Labor“ vom 11.09.1957.

6.3 „Große Politik im Dorfkrug“ vom 08.09.1961

6.4 Mit Charme und Standarte auf Stimmenfang vom 15.09.1961

6.5 Der Mann, der Wein und Fragen mag vom 12.09.1969

6.6 Viele Verbote – dann ein Verbot vom 24.09.69

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel im Printjournalismus der jungen Bundesrepublik vom „Konsensjournalismus“ hin zum „Kritischen Journalismus“ und analysiert, inwiefern dieser Prozess als Wegbereiter der 68er-Bewegung fungierte.

  • Wandel der Rolle des Journalisten: Vom neutralen Vermittler zum kritischen Akteur.
  • Einfluss der Nachkriegs-Medienpolitik und der sogenannten „45er-Generation“.
  • Vergleich der journalistischen Darstellungsformen und Aufbaustrukturen in Reportagen der 1950er und 1960er Jahre.
  • Qualitative Analyse von Fallbeispielen aus der Süddeutschen Zeitung (SZ).
  • Die Entwicklung von Hintergrundgesprächen („Teegesprächen“) und der Bedeutung politischer Skandalisierung.

Auszug aus dem Buch

1.1. Der Versuch der „Reeducation“ nach Kriegsende

Die Besatzermächte beurteilten die deutsche Presselandschaft als komplett nazistisch, so dass sie „‚von Grund auf neu geschaffen werden musste‘“.8 Als Hauptproblem wurde, vor allem von den USA, der parteiliche Gesinnungsjournalismus Deutschlands angesehen, der durch demokratische Institutionen und obekejtive Berichterstattung ersetzt werden sollte. An erster Stelle standen hierbei die Entnazifizierung und das Angleichen des Journalismus‘ an Standards, wie sie in der Heimat der Siegermächte praktiziert wurden.9 Das Ziel der Entnazifizierung bedeutete neben der Abkehr vom Nationalsozialismus ebenfalls eine Entwicklung weg von der deutschen Autoritätshörigkeit und somit eine Dezentrialisierung der Macht.10 Somit sollte nicht nur das Mediensystem demokratisiert werden, sondern auch die Medien selbst als Vermittler der Demokratie eingesetzt werden.

Der Versuch, eine Abkehr vom Obrigkeitsdenken hin zur „demokratischen Schreibe“ zu generieren, sollte auf der Mirkroebene, also der Ebene des einzelnen Journalisten, durch Redaktionsbesprechungen, durch „den Verzicht von Vorverurteilung von Angeklagten […], die Tilgung von kommentierenden Überschriften“11 etc. gelingen. Letzteres, Trennung von Kommentar/Meinung und Nachricht, fiel dabei besonders ins Gewicht.12 Das Selbstverständnis des Journalisten sollte das eines „neutralen Beobachters“ mit „unpersönlichem Standpunkt“ sein. Zunächst scheinen diese vorgegebenen Regeln als selbstverständlich. Sie standen jedoch im Kontrast zur deutschen Tradition des Gesinnungsjournalismus und waren zudem „mit einem moralischen Entnazifizierungspathos aufgeladen, das der Mehrheit der Medienpraktiker gegen den Strich ging.“13 Letztlich sind aber die heute etablierten Darstellungsformen mit Blick auf die strikte Trennung von Nachricht und Kommentar auf diese Neuregelungen und die Strenge und Konstanz, mit der sie durchgesetzt wurden, zurückzuführen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung definiert den zeitlichen und gesellschaftlichen Rahmen der Arbeit und stellt den Übergang vom „Konsensjournalismus“ zum „Kritischen Journalismus“ als zentrales mediales Phänomen heraus.

1. Vom Konsens zur Kritik: Dieses Kapitel erläutert die Restriktionen der Besatzermächte („Reeducation“) und die Etablierung informeller politischer Kommunikationswege wie der „Teegespräche“ zur Sicherung eines regierungsfreundlichen Konsenses.

2. Mediale und kulturelle Revolution: Hier wird der Generationenwechsel in den Redaktionen und der Aufstieg der „45er-Generation“ analysiert, die das Selbstbild des Journalisten nachhaltig in Richtung einer kritischen Aufklärung veränderte.

3. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Wurzeln des kritischen Journalismus bereits vor 1968 in der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und dem Medienwandel der späten 50er Jahre lagen, was die Innovationskraft der 68er-Bewegung relativiert.

4. Kriterien für die Auswahl der Analysebeispiele: Es werden die methodischen Gründe für die Auswahl der Süddeutschen Zeitung sowie der spezifischen Reportagen der Jahre 1957, 1961 und 1969 dargelegt.

5. Unterschiede der Reportagen in Inhalt und Aufbau: Dieses Kapitel vergleicht die untersuchten Artikel hinsichtlich ihrer stilistischen Unterschiede, wobei insbesondere die Zunahme an journalistischer Interpretation und die Abkehr vom reinen Augenzeugenbericht hervorgehoben werden.

6. Inhaltliche Zusammenfassungen der Zeitungsartikel: In diesem umfangreichen Kapitel werden sechs spezifische Reportagen analysiert, ihre inhaltliche Struktur aufgeschlüsselt und deren musterhafte Darstellung bewertet.

Schlüsselwörter

Konsensjournalismus, Kritischer Journalismus, 68er-Bewegung, Bundesrepublik, Reeducation, Medienwandel, Pressefreiheit, 45er-Generation, Zeitkritik, Süddeutsche Zeitung, Berichterstattung, Politische Kommunikation, Adenauer-Ära, Gatekeeping, Journalistische Darstellungsformen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den Wandel der journalistischen Praxis in der jungen Bundesrepublik zwischen 1945 und den späten 1960er Jahren und analysiert, wie sich das Verhältnis zwischen Presse und Regierung veränderte.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Zentrale Themen sind der Prozess der „Reeducation“, der Übergang von einem an die Regierung angepassten Konsensjournalismus zu einer kritischen Medienöffentlichkeit sowie der Einfluss generationeller Veränderungen auf dieses Selbstverständnis.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu widerlegen, dass die kritische Berichterstattung ausschließlich ein direktes Ergebnis der 68er-Ereignisse war, und stattdessen die langwierigen Wandlungsprozesse der Nachkriegszeit als Ursprung aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine qualitative Inhaltsanalyse von ausgewählten Zeitungsreportagen der Süddeutschen Zeitung aus den Jahren 1957, 1961 und 1969, um den stilistischen und inhaltlichen Wandel zu belegen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Analysen zur Medienpolitik Adenauers, zum Aufstieg der „45er-Generation“ und in eine detaillierte Auswertung von Fallbeispielen, die den journalistischen Wandel illustrieren.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Konsensjournalismus, Kritischer Journalismus, 45er-Generation und Medienöffentlichkeit stehen im Zentrum der wissenschaftlichen Untersuchung.

Welche Rolle spielten die sogenannten „Teegespräche“ für die damalige Pressepolitik?

Sie fungierten als exklusives Instrument von Konrad Adenauer, um Journalisten informell an die politische Linie zu binden und Informationen zu steuern, wobei der Zugang vom Wohlwollen der Regierung abhing.

Warum wurde die Süddeutsche Zeitung als Analyseobjekt gewählt?

Die SZ bietet aufgrund ihres Gründungszeitpunkts nach dem Krieg und ihrer Rolle als wichtiges Periodikum eine gute Basis, um den Wandel vom Augenzeugenbericht hin zur interpretativen Reportage im untersuchten Zeitraum aufzuzeigen.

Welche Auswirkung hatte das Urteil zum „Spiegel“ auf das Selbstverständnis der Presse?

Das Urteil festigte die Presse als „vierte Gewalt“ und kippte die Adenauer-Ära-Ansicht, dass die Presse primär der Regierung dienen solle, hin zu einer staatlichen Pflicht, freie Presse zu schützen.

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Details

Title
Das Ende des Konsensjournalismus in der jungen Bundesrepublik als Wegbereiter der 68er-Bewegung
College
University of Tubingen  (Medienwissenschaften)
Course
Textsorten und Textstrukturen im Wandel
Grade
1,0
Author
B.A. Thomas De Filippi (Author)
Publication Year
2012
Pages
32
Catalog Number
V280734
ISBN (eBook)
9783656746461
ISBN (Book)
9783656746423
Language
German
Tags
ende konsensjournalismus bundesrepublik wegbereiter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Thomas De Filippi (Author), 2012, Das Ende des Konsensjournalismus in der jungen Bundesrepublik als Wegbereiter der 68er-Bewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280734
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