Für den arabischen Raum wird häufig ein autokratisches Regierungssystem vorausgesetzt. Diese Arbeit verfolgt daher die Zielsetzung, dies für Kuwait zu überprüfen und eventuelle republikanische Tendenzen am Beispiel der Diwaniyyat aufzuzeigen.
Durch die Ölvorkommen in Kuwait war der Herrscher außerdem von Steuereinnahmen unabhängig und konnte seine Machtposition damit stärken.
Kuwaits Geschichte selbst bietet wenig Anlass solche Tendenzen zu vermuten. Die lange Zeit der Besatzung deutet eher auf ein repressives System hin, vor allem da erst im späten 20ten Jahrhundert die Unabhängigkeit erlangt wurde. Doch auch danach war Kuwaits Geschichte von Krieg und Besatzung geprägt. Der zweite Golfkrieg ließ Kuwait kurzfristig unter irakische Herrschaft fallen und somit die politische Ordnung erzittern.
Doch trotz den Besatzungen blieb stets eine Konstante: Die Diwaniyyat. In diesen werden aktuelle Geschehnisse besprochen sowie soziale Kontakte gepflegt. Die Widerstandsfähigkeit dieser Institutionen bietet dementsprechend Grund zur Annahme, dass sie den Staat stärken, formen und stützen.
Ihr Einfluss auf das soziale und politische Leben muss daher untersucht werden, um eventuelle Einflüsse republikanischer Demokratietheorie zu veri- oder falsifizieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretisches Grundmodell
3. Forschungsdesign
3.1 Operationalisierung
3.2 Fallauswahl
4. Das politische System Kuwaits
5. Die Rolle der Diwaniyyat
6. Fazit
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das politische System Kuwaits im Hinblick auf republikanische Demokratietheorien. Dabei wird insbesondere analysiert, ob die traditionellen gesellschaftlichen Versammlungsorte, die sogenannten Diwaniyyat, als republikanische Institutionen fungieren können, die trotz eines monarchischen Systems demokratische Tendenzen fördern und direkte politische Kontrolle ermöglichen.
- Analyse der republikanischen Theorie und ihrer Anwendbarkeit auf Kuwait
- Untersuchung des politischen Systems Kuwaits als konstitutionelle Erbmonarchie
- Historische und soziale Bedeutung der Diwaniyyat als gesellschaftlicher Mittelpunkt
- Rolle der Diwaniyyat bei der politischen Partizipation und Meinungsbildung
- Einfluss der Diwaniyyat auf parlamentarische Prozesse und Wahlen
Auszug aus dem Buch
5. Die Rolle der Diwaniyyat
Es ist nicht genau nachzuvollziehen in welchem Jahr die Diwaniyyat entstanden sind, sie sind jedoch bedeutend älter als Kuwait selbst. „The diwaniah is a historical phenomenon believed to have started thousands of years ago[...]“. (Al-Naser, 2001: 6)
Sie spielen in Kuwait eine einzigartige Rolle. Sie stellten einen Versammlungsort dar, in dem „[...] the ruler and the ruled [...] could express their grievances [...]“ (ebd.: 8) und gaben somit die Möglichkeit der vertikalen Kommunikation. Traditionell war dies auch der Ort an dem der Emir versuchte Mehrheiten für seine Politik zu gewinnen. Dies entfiel jedoch durch die Öleinnahmen (vgl. Kapitel 4). Eine direkte Kontrolle des Emirs durch die Bürger in den Diwaniyyat ist somit nichtmehr gegeben.
Doch es waren nicht nur die Diskussion und Einflussnahme auf den Emir welche die Diwaniyyat auszeichneten. So dienten die Diwaniyyat auch als Krankenhäuser und Schulen (ebd.: 8f), bevor der Staat sich dieser Aufgaben annahm. Die Bevölkerung entwickelte sozusagen eine zweite Regierung und Verwaltung innerhalb der Diwaniyyat – jedoch auf basisdemokratischer Grundlage. Die verschiedenen Diwaniyyat unterstanden jedoch nicht wie Gliedstaaten einer übergeordneten Instanz, sondern waren komplett eigenständig. Die einzigen Verbindungen waren Teilnehmer, die verschiedene Diwaniyyat besuchten und somit für einen Wissenstransfer sorgten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert das Ziel, republikanische Tendenzen im kuwaitischen Regierungssystem zu prüfen und die Rolle der Diwaniyyat in diesem Kontext einzuführen.
2. Theoretisches Grundmodell: Es werden die Grundlagen des Republikanismus definiert, wobei insbesondere der Schutz der Freiheit der Bürger durch Institutionen und die Rolle der Selbstgesetzgebung hervorgehoben werden.
3. Forschungsdesign: Dieses Kapitel erläutert die methodische Vorgehensweise, inklusive der Operationalisierung zentraler Untersuchungsaspekte und der Begründung der Fallauswahl der Diwaniyyat.
4. Das politische System Kuwaits: Eine Analyse der konstitutionellen Erbmonarchie Kuwaits, die die Machtverhältnisse zwischen Emir und Nationalversammlung sowie die Auswirkungen der Öleinnahmen auf die politische Opposition untersucht.
5. Die Rolle der Diwaniyyat: Das Kapitel untersucht die historische Entwicklung und die soziale sowie politische Funktion der Diwaniyyat als Räume für freien Austausch und politische Partizipation.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Diwaniyyat trotz des monarchischen Rahmens wesentliche republikanische Funktionen übernehmen, indem sie soziale Kohäsion schaffen und politische Kontrolle ausüben.
7. Literatur: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen auf, die der Untersuchung zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Kuwait, Diwaniyyat, Republikanismus, Demokratietheorie, Politische Partizipation, Monarchie, Nationalversammlung, Soziale Kohäsion, Meinungsfreiheit, Bürgerrechte, Politische Kultur, Rentierstaat, Zivilgesellschaft, Herrschaft, Rechtsstaatlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das politische System Kuwaits und prüft, inwiefern traditionelle gesellschaftliche Strukturen – die Diwaniyyat – republikanische demokratische Tendenzen innerhalb einer monarchischen Staatsform stützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Republikanismus als politische Theorie, das politische System Kuwaits, die historische und soziale Bedeutung der Diwaniyyat sowie die Möglichkeiten der politischen Partizipation von Bürgern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, ob die Diwaniyyat als Versammlungsorte Funktionen erfüllen, die mit republikanischer Demokratietheorie vereinbar sind, und ob sie Einfluss auf das politische Geschehen in Kuwait haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Grundlagen des Republikanismus mit einer fallbasierten Untersuchung der kuwaitischen Diwaniyyat verbindet, gestützt durch bestehende Studien und Verfassungstexte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Modellen, dem politischen System Kuwaits, einer detaillierten Analyse der Diwaniyyat sowie einer methodischen Operationalisierung dieser Untersuchung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kuwait, Diwaniyyat, Republikanismus, politische Partizipation, Monarchie und Zivilgesellschaft charakterisiert.
Warum gelten die Diwaniyyat als geschützte Räume?
Sie werden als Teil des privaten Bereichs eingestuft, der durch die kuwaitische Verfassung (Artikel 18) geschützt ist, was den Bürgern ein höheres Maß an freier Meinungsäußerung als im öffentlichen Raum ermöglicht.
Inwiefern beeinflussen Diwaniyyat die Parlamentswahlen?
Sie dienen als Foren, in denen Wähler ihre Interessen artikulieren, Kandidaten für Unterstützung werben und Abgeordnete sich gegenüber ihren Wählern rechtfertigen müssen, was eine inoffizielle Form der direkten Kontrolle ermöglicht.
- Citar trabajo
- Rainer Hermes (Autor), 2013, Das politische System in Kuwait und die Rolle der Diwaniyyat, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280763