Religiöse Toleranz in Deutschland

Einfluss der christlichen Religiösität auf die Einstellung gegenüber dem Islam und dem Judentum


Studienarbeit, 2014

28 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hypothesenableitung und Formulierung

3. Datensatz
3.1 Beschreibung des Datensatzes
3.2 Variablenbeschreibung

4. Auswertung
4.1 Univariate Auswertung
4.2 Multivariate Auswertung
4.2.1 Clusteranalyse
4.2.2 Regression
4.3 Ergebnisse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1) Einleitung

Auch 69 Jahre nach Ende des Dritten Reiches und der damit einhergehenden Judenverfolgung gibt es in der deutschen Bevölkerung Ressentiments gegenüber Juden, teils verdeckt, teils aber auch als offener Antisemitismus. Festzuhalten bleibt hier, dass die Form des Antisemitismus sich geändert hat. Anders als früher gibt es heutzutage keine offene Verfolgung mehr, vielmehr werden die Juden allgemein kritisiert, oftmals unter dem Deckmantel der Kritik an der israelischen Politik in Palästina.

Eine erschreckende Entwicklung ist bei der jüngeren Generation zu erkennen, die weder direkt noch indirekt durch die Elterngeneration mit der Judenverfolgung zu tun hatte. Hier wird der Begriff „Jude“ in bestimmten Kreisen mittlerweile als Schimpfwort benutzt, was die Gefahr aufzeigt, dass Antisemitismus wieder bis in die Mitte der Gesellschaft reicht. Auch die Muslime als größte nichtchristliche Religionsgemeinschaft stoßen in Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung. Während die Ablehnung von Juden aufgrund sozialer Erwünschtheit wie oben genannt oftmals verdeckt abläuft, ist Antiislamismus durch viele Bevölkerungsschichten hinweg zu bemerken. So ziehen unter anderem einige Parteien mit antiislamischen Parolen in den Wahlkampf. Insbesondere wenn in den Nachrichten wieder von Al-Quaida und Terroranschlägen die Rede ist, ist eine Art Generalverdacht gegenüber Moslems zu bemerken.

Andererseits leben wir heute in einem toleranten Deutschland, wo sogar führende Politiker betonen, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Auch gegenüber dem Judentum erklären Politiker jeglicher Couleur immer wieder, dass Israel, und damit die jüdische Glaubensgemeinschaft, Freunde Deutschlands seien. Doch schließen sich der Meinung der Politiker nicht alle Menschen an, mit der NPD hat es eine offen antiislamische und antiisraelische Partei in zwei Landtage geschafft.

Ich will daher in dieser Hausarbeit der Frage nachgehen, inwiefern die Religiosität der Menschen Einfluss hat auf die Einstellung gegenüber Juden und Moslems. Nimmt mit der Religiosität die Toleranz zu, im Sinne von „Liebe deinen Nächsten“? Oder sind religiöse Menschen kritischer gegenüber anderen Religionen, da sie ihre eigene Religion als die einzig Wahre betrachten?

Um diese Frage zu beantworten will ich zunächst Hypothesen formulieren, die dieser Arbeit zugrunde liegen und die im Verlaufe der Arbeit dann verifiziert oder falsifiziert werden sollen. Dazu werde ich kurz eine Übersicht über aktuelle Literatur zum Forschungsstand zu dem

Thema geben, um Anhand dessen die Erkenntnisse mit in die Hypothesengenerierung mit einfließen zu lassen.

Im nächsten Schritt beschreibe ich dann den Datensatz. Hierbei widme ich mich zuerst dem verwendeten Datensatz des ALLBUS um in Anschluss die Variablen vorzustellen, die zur Beantwortung der Forschungsfrage eine wichtige Rolle spielen.

Im Anschluss erfolgt die Auswertung der Daten, die mit Hilfe der Software „Stata“ gewonnen werden konnten. Die Auswertung wird in drei Schritte sinnig aufgeteilt. Zu Beginn steht die Univariate Auswertung, bei der ich auf einzelne Variablen genauer eingehe. Im folgenden Schritt erfolgt die Multivariate Auswertung, was den Hauptteil dieser Arbeit ausmacht. Hier widme ich mich zuerst einer Clusteranalyse und im Anschluss einer Regression. Im Anschluss folgt dann die Vorstellung der Ergebnisse, bevor im letzten Punkt, dem Fazit, ein Resümee über die Arbeit gezogen wird.

2. Hypothesenableitung und Formulierung

Küpper zu Folge geht eine höhere Religiosität einher mit einer steigenden Ablehnung religiöser Vielfalt (vgl. Küpper 2010, S. 10). Hierbei betrachtet er Religiosität vor allem durch die Frage nach der subjektiven Einschätzung des Ausmaßes der eigenen Religiosität (vgl. Küpper 2010, S.13) Im Weiteren fragt Küpper nach der Gottesdiensthäufigkeit und ähnliche religiöse Variablen, ausgehend allerdings von der Einschätzung des Ausmaßes der eigenen Religiosität (vgl. Küpper 2010, S.14f).

Im Folgenden geht Küpper spezifischer auf die Einstellung religiöser Menschen gegenüber Antisemitismus und Antiislamismus ein. Hierbei kommt sie zu dem Ergebnis, dass Religiosität einen Einfluss auf Antisemitismus hat (vgl. Küpper 2010, S.20). Davon ausgehend formuliere ich meine erste Forschungshypothese.

Forschungshypothese (H1)

Je stärker die Religiosität, desto ausgeprägter sind die antisemitischen Einstellungen

Nullhypothese (H0)

Je geringer die Religiosität, desto ausgeprägter sind die antisemitischen Einstellungen

Die nächste Hypothese bezieht sich wieder auf Küppers Studie, in diesem Fall auf den

Zusammenhang zwischen Religiosität und Antiislamismus. Hier sieht Küpper keine Verbindung zwischen hoher Religiosität, vielmehr seien religiöse Menschen toleranter als nicht religiöse Menschen, auch wenn der Unterschied nicht signifikant ist (vgl. Küpper 2010, S. 21).

Forschungshypothese (H1)

Die Religiosität hat keinen Einfluss auf die Ausprägung des Antiislamismus

Nullhypothese (H0)

Die Religiosität hat einen Einfluss auf die Ausprägung des Antiislamismus

Nach der Vorstellung des Datensatzes soll in Kapitel Vier anhand uni-, bi-, und multivariater Analysen getestet werden, ob es möglich ist die Forschungshypothesen anzunehmen beziehungsweise die Nullhypothesen zu verwerfen.

3. Datensatz

Für jegliche quantitative Forschung ist es notwendig festzulegen mit welchem Datensatz man die Forschung betreiben will und welche Variablen dabei von Interesse sind. Im Folgenden werde ich nun zuerst den verwendeten Datensatz vorstellen.

3.1 Beschreibung des Datensatzes

Dieser Arbeit liegt der Datensatz des ALLBUScompact aus dem Jahr 2012 zugrunde. Der Unterschied der Kompaktversion zur Vollversion spiegelt nur in der verkürzten demographischen Beschreibung nieder, wodurch es an Übersichtlichkeit gewinnt ohne an Qualität zu verlieren. Der Datensatz besteht im Jahr 2012 aus 750 Fragen, die von 3480 Menschen beantwortet wurden.

ALLBUS steht für Allgemeine Bevölkerungsumfrage für Sozialwissenschaftler und wird seit 1980 alle zwei Jahre neu erhoben. Hierbei wird jeweils in einem persönlichen Interview ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung zu aktuellen Themen befragt. Während einige Fragen jedes mal gestellt werden, wodurch eine Vergleichbarkeit der Antworten über die Jahre möglich ist, wechseln andere Fragen je nach Aktualität und Schwerpunkt der Befragung. Ein besonderer Punkt des ALLBUS ist die freie Zugänglichkeit, so dass es Forschern aus der ganzen Welt möglich ist, anhand des Datensatzes zu forschen (Blohm 2008)

3.2 Variablenbeschreibung

Im Folgenden werden die verwendeten Variablen vorgestellt, mit besonderem Augenmerk auf die Fragen sowie das Meßniveau.

Für die Erstellung des Clusters wurden die Variablen V200-V208 verwendet, für die gefragt, inwiefern die Menschen folgenden Aussagen zustimmen: V200 „ Juden haben auf der Welt zuviel Einfluss “ , V201 „ Mich beschämt, dass Deutsche so viele Verbrechen an den Juden begangen haben “ , V202 „ Viele Juden versuchen, aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen und die Deutschen dafür zahlen zu lassen “ , V203 „ Durch ihr Verhalten sind die Juden an ihren Verfolgungen nicht ganz unschuldig “ , V204 „ Die Ausübung des islamischen Glaubens in Deutschland sollte eingeschränkt werden “ , V205 „ Der Islam passt in die deutsche Gesellschaft “ V206 „ Die Anwesenheit von Muslimen in Deutschland führt zu Konflikten “ , V207 „ Islamische Gemeinschaften sollten vom Staat beobachtet werden “ und V208 „ Ich hätte nichts gegen einen muslimischen Bürgermeister in meiner Gemeinde “.

Gefragt wurde hierbei, wie zu erkennen ist, im weiteren Sinne nach den Einstellungen gegenüber Moslems beziehungsweise dem Islam und der Einstellung gegenüber Juden und dem Judentum an sich. Geantwortet werden konnte durch eine Zuordnung auf der Skala von „ 1 Stimmeüberhaupt nicht zu “ bis „ 7 Stimme voll und ganz zu “ ( vgl. ALLBUS 2012, S. 207-215). Das Meßniveau lässt sich folglich als metrisch deklarieren. Es ist davon auszugehen, dass die einzelnen Abstufungen den selben Abstand zueinander haben, des Weiteren ist die Skala endpunktbenannt, was eindeutig auf ein metrisches Meßniveau hinweist (vgl. Kopp/Lois 2010:S. 25ff).

Weitere wichtige Variablen in dieser Arbeit drehten sich um den Themenbereich der Religiosität. Explizit ging es hierbei um die Variablen V134 „ Würden Sie von sich sagen, dass Sie eher religiös oder eher nicht religiös sind? “ , V185 „ Welche der folgenden Aussagen kommt Ihrenüberzeugungen am nächsten? “ (Gemeint ist der Glaube an Gott respektive eines höheren Wesens) , V269 „ Wie oft gehen Sie im Allgemeinen in die Kirche? “ , V271 „ Wie oft beten Sie? “ sowie V272 „ Wie oft nehmen Sie, neben dem Gottesdienst, an kirchlichen Aktivitäten oder Veranstaltungen teil? “ (ALLBUS 2012, S. 141, S. 192, S. 285, S.287 f.).

Bei V269, V271 und V272 handelt es sich um ordinale Variablen, da die Antwort kategorisiert je nach Häufigkeit abgegeben werden konnten und eine sinnvolle Verrechnung der Antworten nicht möglich ist. Die Antwortmöglichkeiten reichten von „Ü ber einmal die Woche “ „ Einmal pro Woche “ über „ Ein bis dreimal pro Monat “ „ Mehrmals im Jahr “ hinzu „ Seltener “ und „ Nie “.

Bei der Variable V134 konnte man sich auf einer Skala einordnen von „Nicht religiös“ bis „Religiös“. Es gibt zehn Antwortmöglichkeiten, denen jeweils ein Buchstabe zugeordnet wurde. Es handelt sich folglich um eine endpunktbenannte Skala, die Variable ist daher metrisch. Die Variable V185 handelt vom Gottesglauben. Antworten kann man in vier Kategorien: „ Es gibt einen persönlichen Gott “, „ Es gibt irgendein höheres Wesen oder eine geistige Macht “, „ Ich weißnicht richtig, was ich glauben soll “ und „ Ich glaube nicht, dass es einen persönlichen Gott, irgendein höheres Wesen oder eine geistige Macht gibt “ (ALLBUS 2012, S. 192). Man erkennt, dass die Antworten verbalisiert sind, es handelt sich daher um eine ordinale Variable. Zur sinnigen Verwendung im Kontext des Hausarbeitsthemas wurde im Vorfeld dafür gesorgt, dass nur die Antworten in die Auswertungen einfließen, die von Menschen kamen, die sich selber einer christlichen Kirche zugeordnet haben. Für die Regressionen wurden des Weiteren alle nicht metrischen unabhängigen Variablen dichotomisiert.

4. Auswertung

In diesem Kapitel soll nun die Analyse der Variablen stattfinden um am Ende den Schluss ziehen können, ob man die Forschungshypothese annehmen kann oder verwerfen muss. Dafür werde ich zunächst die univariaten Analysen der einzelnen Variablen vornehmen. Aufgrund des vorgegebenen Umfangs dieser Arbeit werde ich dabei, sofern möglich, Variablen zusammenfassen und sie zusammen auswerten. Im Anschluss folgt die multivariate Analyse, genauer zwei Clusteranalysen sowie zwei Regressionen. Abgerundet wird das Kapitel dann mit der Vorstellung der Ergebnisse.

4.1 Univariate Analyse

Im Vorfeld der univariaten Analyse war es notwendig, die Variablen so zu recodieren, dass sie sinnvoll nutzbar sind. Hierzu wurden etwa Antworten wie „keine Angabe“ entfernt. Ebenfalls wurde darauf geachtet, dass bei den Fragen zur Religiosität nur die Antworten der Leute mit einbezogen wurden, die sich vorher einer christlichen Religion zugeordnet hatten. Die Vorstellung der Variablen erfolgte bereits in Kapitel 3.2 und wird aus Platz gründen nicht noch einmal wiederholt.

Bei V134 fällt eine relativ konstante Verteilung der Antworten auf. Ausnahme ist hier die Antwortmöglichkeit „nicht religiös“, die mit 28,12 Prozent signifikant am häufigsten genannt wurde. Deutlich wird ebenfalls, dass, wenn man die drei unteren und oberen Antworten als nicht religiöse- bzw. religiöse Menschen bezeichnet, mit 45,11 Prozent bedeutend mehr Menschen sagen, dass sie nicht religiös sind als es Menschen gibt, die jenes von sich behaupten (12,75 Prozent (vgl. Tabelle 1). Das arithmetische Mittel liegt dementsprechend bei einem Wert von 3,01 (vgl. Tabelle 2).

Am häufigsten wurde bei V185 die Antwort „glaube nicht an Gott“ genannt. Nur etwas seltener wurde die Angabe, dass es ein „höheres Wesen“ gibt, gemacht. Irritierend ist im Vergleich zu V134, dass, obwohl dort sich nur knapp 13 Prozent als religiös bezeichneten, nun über 51 Prozent angaben an einen „persönlichen Gott“ oder aber zumindest an ein „höheres Wesen“ zu glauben (vgl. Tabelle 3).

Ähnlich verhalten sich die Variablen V269 (Häufigkeit der Kirchengänge) und V272 (Häufigkeit der kirchlichen. Aktivitäten). Jeweils zeichnet sich ein deutliches Bild ab. Zwar gibt es, auf niedrigen Niveau, doppelt so viele regelmäßige Kirchengänger wie Leute, die sich regelmäßig an kirchlichen Aktivitäten beteiligen, doch eine deutliche Mehrheit geht entweder „selten“ oder „nie“ in die Kirche. „Nie“ ist dementsprechend auch der Modus dieser Variablen, also die am häufigsten genannte Antwort (vgl. Tabelle 4 und 5). Das arithmetische Mittel liegt erwartungsgemäß mit 4,78 respektive 5,15 sehr hoch. (vgl. Tabelle 2).

V271 hat als Modus die Antwort „nie“. Bei der Verteilung der Antworten erkennt man, dass eine intrinsische Religionsausübung deutlich häufiger vorkommt als eine extrinsische. Über 27 Prozent beten mindestens einmal die Woche, während nur 15 Prozent regelmäßig einen Gottesdienst besuchen und sogar nur acht Prozent regelmäßig an kirchlichen Aktivitäten teilnehmen (vgl. Tabelle 4-6). Da auch hier der Modus „nie“ ist und insgesamt über 60 Prozent der Befragten „selten“ oder „nie“ beten, liegt das arithmetische Mittel mit 5,07 relativ hoch (vgl. Tabelle 2).

Bei den Variablen V201 und V203, die beide Fragen über die damaligen deutschen Untaten an den Juden enthalten, fällt auf, dass der Modus mit jeweils knapp 49 Prozent bei der sich am meisten distanziertesten Antwort liegt (vgl. Tabelle 8 und 9). Dies spiegelt sich auch im Median, jeweils vorletzte Kategorie, und dem arithmetischen Mittel wieder (vgl. Tabelle 7). Anders lagert sich der Fall bei V200 und V202, die sich um Meinungen über aktuelles jüdisches Verhalten drehen. Zwar ist auch bei V200 die distanzierteste Antwort der Modus, allerdings mit deutlich geringerer Nennung als dies bei V201 und V203 der Fall war (vgl. Tabelle 10). Auch das arithmetische Mittel und der Median liegen mit Werten um drei im mittleren Bereich (vgl. Tabelle 7).

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Religiöse Toleranz in Deutschland
Untertitel
Einfluss der christlichen Religiösität auf die Einstellung gegenüber dem Islam und dem Judentum
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Sozialwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
28
Katalognummer
V280770
ISBN (eBook)
9783656745396
ISBN (Buch)
9783656745389
Dateigröße
667 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
religiöse, toleranz, deutschland, einfluss, religiösität, einstellung, islam, judentum
Arbeit zitieren
Eike Ubben (Autor), 2014, Religiöse Toleranz in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280770

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Religiöse Toleranz in Deutschland



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden