Für Arztpraxen genügt es heute längst nicht mehr, nur Dienstleistungen anzubieten. Während Ärzte sich in der Vergangenheit ausschließlich um das Wohl der Patienten kümmern konnten, bringen neue Reformen im Gesundheitswesen die Notwendigkeit mit sich, auch als freiberuflicher Arzt unternehmerisch zu denken und zu handeln. Reformen und zunehmender Wettbewerb haben dazu geführt, dass viele Arztpraxen hohe Umsatzeinbußen verzeichnen und verstärkt um die Gunst der Patienten kämpfen müssen.
Medizinische Leistungen werden zukünftig immer mehr privatisiert werden. Patienten erwarten auf Grund dessen eine Behandlung, die auf ihre Bedürfnisse und Anforderungen abgestimmt wird. Der Patient wird zum Kunden. Was ebenfalls bedeutet, dass dem Patient durch entsprechendes Marketing die Leistung verkauft werden muss. Ist der Patient mit der erbrachten Leistung nicht zufrieden und fühlt sich schlecht beraten, kann er jederzeit ohne Angabe von Gründen den Arzt wechseln.
Dies bedeutet, dass der Arzt zugleich Stratege, Arbeitgeber, Finanzchef, Kostenmanager und Berater bzw. Verkäufer von medizinischen Leistungen sein muss. Zusammengefasst bedeutet dies, dass dem Arzt ein ständiger Spagat zwischen der Erfüllung der steigenden Patientenanforderungen und der wirtschaftlichen Zielsetzung der Praxis gelingen muss.
Durch die Mehrperspektivität der Balanced Scorecard, die sowohl Finanzen, Patienten, Mitarbeiter und Prozesse abdeckt und der Mischung aus Ergebniskennzahlen und Leistungstreiber, scheint der Einsatz dieses Managementinstrument sinnvoll. Deshalb zeigen sich für Arztpraxen spezifische Gründe auf, die die Einführung einer Balanced Scorecard als sinnvoll erscheinen lassen. Diese sollen im Folgenden benannt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Spezifische Gründe für die Einführung einer Balanced Scorecard in der Arztpraxis
2 Vision und Strategie in der Arztpraxis
3 Perspektiven der Balanced Scorecard in der Arztpraxis
3.1 Finanzperspektive
3.2 Kundenperspektive
3.3 Prozessperspektive
3.4 Lern- und Entwicklungsperspektive
4 Ursache-Wirkungsbeziehung
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie das Managementinstrument "Balanced Scorecard" (BSC) in Arztpraxen der vertragsärztlichen Versorgung effektiv eingesetzt und umgesetzt werden kann, um den wachsenden wirtschaftlichen Anforderungen bei gleichzeitigem Erhalt der Patientenbedürfnisse gerecht zu werden.
- Anpassung der klassischen Balanced Scorecard für den ambulanten Sektor
- Entwicklung von Strategien und Visionen in Arztpraxen unter Einbeziehung der Mitarbeiter
- Detaillierte Analyse der vier Perspektiven (Finanzen, Kunden, Prozesse, Lernen und Entwicklung) für den Praxisalltag
- Bedeutung von Ursache-Wirkungsketten für die zielgerichtete Steuerung der Praxis
- Unternehmerische Herausforderungen für freiberufliche Ärzte in Zeiten von Gesundheitsreformen
Auszug aus dem Buch
1 Spezifische Gründe für die Einführung einer Balanced Scorecard in der Arztpraxis
Für Arztpraxen zeigen sich spezifische Gründe auf, die die Einführung einer Balanced Scorecard als sinnvoll erscheinen lassen. Diese sollen im Folgenden benannt werden.
Für Arztpraxen genügt es heute längst nicht mehr, nur Dienstleistungen anzubieten. Die Situation der Ärzte hat sich in den letzten Jahren durchschlagend geändert. Während Ärzte sich in der Vergangenheit ausschließlich um das Wohl der Patienten kümmern konnten, bringen neue Reformen im Gesundheitswesen die Notwendigkeit mit sich, auch als freiberuflicher Arzt unternehmerisch zu denken und zu handeln. Reformen und zunehmender Wettbewerb haben dazu geführt, dass viele Arztpraxen hohe Umsatzeinbußen verzeichnen und verstärkt um die Gunst der Patienten kämpfen müssen (vgl. Lehmeier, 2004, S. 4-5).
Medizinische Leistungen werden zukünftig immer mehr privatisiert werden. Patienten erwarten auf Grund dessen eine Behandlung, die auf ihre Bedürfnisse und Anforderungen abgestimmt wird. Der Patient wird zum Kunden. Was ebenfalls bedeutet, dass dem Patient durch entsprechendes Marketing die Leistung verkauft werden muss (vgl. Frank, 2005, S. 1-2). Ist der Patient mit der erbrachten Leistung nicht zufrieden und fühlt sich schlecht beraten, kann er jederzeit ohne Angabe von Gründen den Arzt wechseln.
Dies bedeutet, dass der Arzt zugleich Stratege, Arbeitgeber, Finanzchef, Kostenmanager und Berater bzw. Verkäufer von medizinischen Leistungen sein muss (vgl. Lehmeier, 2004, S.4-9). Zusammengefasst bedeutet dies, dass dem Arzt ein ständiger Spagat zwischen der Erfüllung der steigenden Patientenanforderungen und der wirtschaftlichen Zielsetzung der Praxis gelingen muss (vgl. Frank, 2005, S. 46). Durch die Mehrperspektivität der Balanced Scorecard, die sowohl Finanzen, Patienten, Mitarbeiter und Prozesse abdeckt und der Mischung aus Ergebniskennzahlen und Leistungstreiber, scheint der Einsatz dieses Managementinstrument sinnvoll.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den steigenden Kostendruck und Wettbewerb im Gesundheitswesen und führt die Balanced Scorecard als geeignetes Managementinstrument für Arztpraxen ein.
1 Spezifische Gründe für die Einführung einer Balanced Scorecard in der Arztpraxis: Dieses Kapitel erläutert, warum Ärzte heute unternehmerisch agieren müssen und wie die Balanced Scorecard den Spagat zwischen Patientenwohl und Wirtschaftlichkeit unterstützt.
2 Vision und Strategie in der Arztpraxis: Es wird dargestellt, warum ein Praxisleitbild sowie eine individuell formulierte Vision und Strategie unter Einbeziehung der Mitarbeiter entscheidend für den Erfolg der Praxis sind.
3 Perspektiven der Balanced Scorecard in der Arztpraxis: Dieses Kapitel definiert die Anwendung der vier klassischen BSC-Perspektiven (Finanzen, Kunden, Prozesse, Lernen und Entwicklung) im spezifischen Kontext einer Arztpraxis.
3.1 Finanzperspektive: Die Finanzperspektive fokussiert sich auf die erwerbwirtschaftliche Natur der Arztpraxis, wobei Ziele je nach Lebenszyklus der Praxis (Wachstum vs. Kostensenkung) variieren.
3.2 Kundenperspektive: Hier stehen die Patienten im Mittelpunkt, wobei auch andere Kundengruppen wie Krankenkassen oder Zuweiser sowie die Rolle emotionaler Faktoren für die Patientenzufriedenheit beleuchtet werden.
3.3 Prozessperspektive: Dieses Kapitel behandelt die Identifikation und Optimierung medizinischer und administrativer Prozesse zur effizienten Erreichung von Finanz- und Kundenzielen.
3.4 Lern- und Entwicklungsperspektive: Der Fokus liegt auf der Förderung von Mitarbeiterzufriedenheit und -qualifikation sowie der Bedeutung regelmäßiger Fortbildungen für den Praxiserfolg.
4 Ursache-Wirkungsbeziehung: Hier wird erklärt, wie das Aufzeigen von Wechselwirkungen zwischen einzelnen Zielen und Maßnahmen Transparenz schafft und eine fundiertere strategische Steuerung ermöglicht.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass die Balanced Scorecard ein wirksames Instrument zur Steuerung von Arztpraxen als Wirtschaftsunternehmen ist.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Arztpraxis, Praxismanagement, Strategieentwicklung, Finanzperspektive, Patientenorientierung, Prozessoptimierung, Qualitätsmanagement, Mitarbeiterqualifikation, Gesundheitswesen, Wettbewerbsfähigkeit, Praxisgewinn, Patientenbedürfnis, Kennzahlensystem, Ursache-Wirkungsbeziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Managementinstruments "Balanced Scorecard" im ambulanten Bereich, speziell in hausärztlichen Arztpraxen, um wirtschaftliche Ziele mit Patientenanforderungen in Einklang zu bringen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die strategische Führung von Arztpraxen, die Identifikation von Leistungskennzahlen sowie die Optimierung von internen Prozessen und Mitarbeiterentwicklung unter Berücksichtigung der speziellen Anforderungen des Gesundheitsmarktes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie eine auf die Gegebenheiten einer Arztpraxis modifizierte Balanced Scorecard dabei hilft, den ständigen Spagat zwischen steigenden Patientenanforderungen und notwendiger wirtschaftlicher Zielerreichung erfolgreich zu meistern.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung des Balanced-Scorecard-Konzepts nach Kaplan und Norton, ergänzt durch die Analyse relevanter Managementliteratur und spezifischer Praxisbeispiele aus dem ambulanten und stationären Gesundheitssektor.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die vier Perspektiven der Balanced Scorecard – Finanzen, Kunden, Prozesse sowie Lernen und Entwicklung – und erläutert anhand von Ursache-Wirkungsketten, wie diese Perspektiven das unternehmerische Handeln des Arztes stützen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Balanced Scorecard, Praxismanagement, Strategieentwicklung, Patientenorientierung, Prozessoptimierung und betriebswirtschaftliche Praxissteuerung charakterisieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Praxis- und Privatfinanzen für den Inhaber relevant?
Da Arztpraxen erwerbwirtschaftliche Betriebe sind und der Gewinn häufig die Grundlage für private Ausgaben bildet, wird darauf hingewiesen, dass eine Trennung oder zusätzliche Betrachtung der privaten Finanzperspektive für den Praxisinhaber sinnvoll sein kann.
Welche Rolle spielen emotionale Faktoren bei der Patientenzufriedenheit?
Die Arbeit stellt heraus, dass Patienten oft Schwierigkeiten haben, die medizinische Qualität objektiv zu beurteilen, und stattdessen stärker auf emotionale Faktoren wie die Freundlichkeit des Personals oder das Ambiente der Praxis reagieren.
- Citation du texte
- Eva-Maria Schmidt (Auteur), 2008, Der Spagat zwischen Patientenbedürfnis und wirtschaftlichem Ziel. Die Vorteile einer Balanced Scorecard für das Management einer Arztpraxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280842