Die Integration von Krankheit in den Alltag am Beispiel von Herzkrankheiten in der Rehabilitationsphase


Hausarbeit, 2013

18 Seiten, Note: 1,0

Anton Herzsprung (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung:
Ansteigende Zahlen bei den Herzerkrankungen

B. Integration von Krankheit in den Alltag am Beispiel von Herzpatienten in der Rehabilitationsphase
I. Grundlegende Theorien zu den psychischen Vorgängen
1. Operantes Konditionieren
Ist die Integration basierend auf operantem Konditionieren wirksam?
2. Abwehrmechanismen nach Sigmund Freud
Laufen Abwehrmechanismen nach einer Erkrankung bezüglich der Integration ab?
3. Stigmatisierungsprozesse
4. Sozial-ökologischer Ansatz
II. Konkrete Gesellschaftliche Probleme
1. Erwartungshaltung der leistungsorientierten Gesellschaft
2. Allgemeine Einschränkungen
III. Vorgehensweise bei der Integration der Betroffenen
1. Definition von Integration
2. Integrationsziele
3. Fallbeispiel Myocardinfarkt
4. Fallbeispiel Herzinsuffizienz
Kann eine Person mit Herzinsuffizienz optimal zurück in seinen Sport- und Berufsalltag integriert werden?

C. Schluss
Der Mensch ist die Summe seiner sichtbaren Merkmale

A. A. Einleitung:

Ansteigende Zahlen bei den Herzerkrankungen

„Die Herz- Kreislauf-Krankheiten stellen eines der wesentlichen Probleme unseres Gesundheitswesens dar. In zivilisierten Ländern beanspruchen unter den Todesursachen die Herz- und Gefäßkrankheiten seit Jahrzehnten mit Abstand die erste Stelle. Der Trend hält auch Mitte der 90er Jahre unvermindert an. Nach Einschätzung der WHO wird auch bis zum Jahre 2000 die Krankheits- (Morbidität) und Sterblichkeitsrate (Mortalität) aufgrund von Hypertonie und koronarer Herzkrankheit weiter zunehmen.“[1] Diese Feststellung Göhrings aus dem Jahre 1996 ist vom Zeitpunkt der Aussage gesehen veraltet, doch die Problematik ist immer noch sehr aktuell, denn die Anzahl an Neuerkrankungen sowie Todesfällen verursacht durch Herzerkrankungen steigt weiter an.

Schon William Harvey erkannte, welche entscheidende Rolle das Herz im menschlichen Organismus einnimmt: „Das Herz der Lebewesen ist der Grundstock ihres Lebens, der Fürst ihrer aller, der kleinen Welt Sonne, von der alles Leben abhängt, alle Frische und Kraft ausstrahlt. Gleicherweise ist ein König der Grundstock seiner Reiche und die Sonne seiner kleinen Welt, des Staates Herz, von dem alle Macht ausstrahlt, alle Gnade ausgeht. Diese Schrift hier über die Bewegung des Herzens habe ich Seiner Majestät (wie es Sitte dieser Zeit ist) um so mehr zu widmen gewagt, als […] beinahe alle menschlichen Taten wie auch die meisten Taten eines Königs unter der Eingebung des Herzens sich vollziehen.“[2]

Infolge dessen ist es unabdingbar, sich mit dieser Problematik weiterhin verstärkt auseinanderzusetzen und allen voran die Folgen einer solchen Erkrankung für das Individuum zu erkennen. Daraus folgt, dass die Empathiefähigkeit an zunehmender Bedeutung gewinnt, um die Gefühlslage der erkrankten Personen zu verstehen. Dies bietet eine Möglichkeit, ihre Probleme auch im Alltagsleben zu erkennen und sie in diesem so weit wie möglich zu unterstützen, um letztendlich ihre Integration in die Gesellschaft zu forcieren. Allerdings ist die Integration jedes Individuums nur schwer umsetzbar.

Folglich sind die meisten Betroffenen bei der Lösung ihrer Probleme auf sich allein gestellt. Dementsprechend besteht in puncto Integration von Herzerkrankungen in den Alltag noch sehr viel Nachholbedarf. Herzerkrankte sollten genau über ihre Erkrankung aufgeklärt werden, die körperlichen und psychischen Folgen, mögliche Freizeit- und Sportaktivitäten und die Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit sollten als weitere wichtige Themen im Vordergrund der Behandlung und Integration sein.

Im Folgenden wird verstärkt auf die psychischen Probleme/Belastungen von Betroffenen, den Umgang der Gesellschaft mit Erkrankten und die Integration der Krankheit in den Alltag eingegangen.

B. Integration von Krankheit in den Alltag am Beispiel von Herzpatienten in der Rehabilitationsphase

I. Grundlegende Theorien zu den psychischen Vorgängen

1. Operantes Konditionieren

Ist Integration von Krankheit in den Alltag basierend auf operantem Konditionieren wirksam?

Burrhus Frederic Skinner besagt: „Das Verhalten eines Menschen wird gesteuert durch die dem Verhalten folgenden Konsequenzen:“[3] Das heißt ein Mensch erfährt auf ein vorangegangenes Verhalten eine Konsequenz, die sich für ihn positiv, negativ oder neutral auswirkt. Folgen auf ein Verhalten positive Konsequenzen, so tritt es in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit häufiger auf. Unterteilt werden diese positiven Konsequenzen in verschiedene Arten von Verstärkern: Materielle und soziale Verstärker, Handlungs- und Selbstverstärker.[4]

Bei Patienten mit Herzerkrankungen würden sich Aufmerksamkeit, Zuwendung und Hervorhebung vor Anderen als soziale Verstärker zeigen. Materiell hingegen würden sich finanzielle Förderungen und Ermäßigungen positiv für das Individuum auswirken, wobei der Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik als Handlungsverstärker anzusehen ist, da es von einem Großteil der Menschen wie Urlaub oder wie ein kurzzeitiges Entfliehen aus dem Alltag wahrgenommen wird. Auch selbst kann sich der herzerkrankte Patient verstärken, indem er sich diese Verstärker selbst zufügt wie z.B. durch langes Ausschlafen, da er sich ja ausruhen sollte.

Erlernt werden vorwiegend soziale Reaktionen, Emotionen und Handlungsweisen. Übertragen auf Herzerkrankte bewirken diese Verstärker, dass sie diese Erkrankung mit einer positiven Empfindung verknüpfen und somit weder die Motivation, noch das Bedürfnis haben, gesund zu werden.

Folgen aber auf ein Verhalten negative Konsequenzen, so sinkt die Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens und folgen keine Konsequenzen, so wird das Verhalten gelöscht, da neutrale Ereignisse keine Wirkung haben. Bei den herzerkrankten Patienten werden in diesem Fall die negativen Konsequenzen wie Schmerz und Unwohlsein von einer ganzen Reihe der positiv Folgenden überdeckt. Als Resultat bleibt, dass diese Patienten unbewusst krank bleiben wollen, um weiterhin die für sie positiven Folgeerscheinungen zu erhalten. Objektiv ist jenes jedoch nicht beobachtbar, da der Patient gelernt hat zu klagen, wie schlecht es ihm geht und er unbedingt wieder gesund werden will, um weiterhin die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf sich zu lenken.

Um einen langfristigen Erfolg bei der Behandlung von Patienten mit Herzerkrankungen zu haben, muss man sich als Therapeut dieser im Hintergrund laufenden Vorgänge bewusst sein und versuchen, dagegen zu arbeiten. Wichtig ist in diesem Fall, besonders darauf zu achten, den Patienten trotzdem pflichtbewusst und vorsichtig zu behandeln, da seine vorangegangene körperliche Problematik weiterhin besteht und berücksichtigt werden muss. Der Patient an sich kann nicht grundlegend verändert werden, seine Verhaltensweisen jedoch schon und somit ist die operante Konditionierung ein wirksames Mittel bei der Integration zurück in den Alltag. Der Therapeut sollte dem Patienten helfen, Ziele zu formulieren, die nur bei einer Verbesserung des Gesundheitszustandes erreichbar sind. Ist der Patient physiologisch in der Lage, sich in seinem Heilungsprozess zu verbessern, jedoch aber nicht psychisch, da er Angst hat, die positiven Verstärker nicht mehr zu erhalten, sowie das Neue, Unbekannte für ihn nicht einschätzbar ist, so bleibt er auf seinem aktuellen Stand stehen, welcher als Prozess der Fixierung bezeichnet wird.

2. Abwehrmechanismen nach Sigmund Freud

Laufen Abwehrmechanismen nach einer Erkrankung bezüglich der Integration ab?

Im Laufe seines Lebens fühlt sich der Mensch nicht nur existentiell und materiell von Naturkatastrophen, von biologischen Gefahren (Krankheit, Tod) und zwischenmenschlichen Gefährdungen (Krieg, Konkurrenzkampf) bedroht. Er erlebt sich auch seelischen Gefahren ausgeliefert, die von seinen physiologischen und sozialen Grundbedürfnissen nach Kontakt, Geborgenheit, Geltung und Selbstverwirklichung herrühren.

Während der Säugling naiv aus einem unbewussten, schrankenlosen Anspruch auf Zuwendung und Befriedigung all seiner Bedürfnisse lebt, stellen sich relativ früh, bereits beim Kleinkind, Versagungen und Bedrohungen dieses narzisstischen Anspruchs ein. Diese Versagungen werden als Unlust und Angst erlebt.

Je weniger diese emotionalen, sozialen oder auch geistigen Grundbedürfnisse des Menschen in seiner frühesten Kindheit befriedigt wurden, desto stärker bildet sich das jeweilige Bedürfnis danach aus und desto stärker entwickeln sich Ängste vor einer möglichen Nicht-Befriedigung dieser Bedürfnisse.

Zur Vermeidung dieser Unlust und Angst entwickelt der Mensch zunehmend eingeschliffene, mechanisierte und weitestgehend unbewusst ablaufende, psychische Schutzmechanismen, sogenannte Abwehrmechanismen. Ihr Sinn liegt darin, die Ängste zu beseitigen bzw. zu mildern.

Je nach vorrangiger Funktion, die zur Abwehr der Angst eingesetzt wird, unterscheidet man verschiedene Abwehrmechanismen. Selbstverständlich wirken auch häufig verschiedene Funktionen in einem Abwehrmechanismus zusammen.

So wirken zum Beispiel bei Herzpatienten die Mechanismen der Verdrängung und der Verleugnung, welche als eine Verhinderung und Blockierung des Zugangs einer angstmachenden Vorstellung ins Bewusstsein durch eine Gegenbesetzung fungieren.[5] Hier agiert der Patient nach dem Motto: „Und also schloss er messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf“ (Zitat nach Christian Morgenstern).

Gestehen sie sich ihre Erkrankung nicht ein, so besteht auch nicht die Möglichkeit der sozialen Integration zurück in die Gesellschaft.

Wird die Krankheit als nicht existent betrachtet, so können auch sämtliche Rehabilitationsmaßnahmen im Sinne von psychischer und physiologischer Wiedereingliederung nicht fruchten.

War er ein Leben lang gesund, hat Sport betrieben und sich gesund ernährt, und bekommt plötzlich eine Herzinsuffizienz diagnostiziert, so bricht für ihn eine ganze Welt zusammen. Er akzeptiert diese lebensverändernde Krankheit nicht, noch identifiziert er sich mit ihr. Der Patient muss sich die Herzerkrankung eingestehen um in Reha-Programm erfolgreich durchlaufen zu können.

Abwehrmechanismen sind grundsätzlich zur Lebensbewältigung notwendig und werden nur pathologisch, wenn sie sich gegen Entfaltungsmöglichkeiten, Selbstverwirklichung oder wie in diesem Fall der Gesundung einer Person richten.

Somit wird deutlich, dass Abwehrmechanismen in jedem Fall unterschwellig bei einem Erkrankten ablaufen.

3. Stigmatisierungsprozesse

Des Weiteren treten Stigmatisierungsprozesse auf. Als Stigmatisierung wird u. a. eine Zuschreibung negativer Eigenschaften bezeichnet, die bei den Betroffenen zu einer Diskriminierung führt. Bestimmten Begriffen wie Herzinsuffizienz oder Merkmalen eines Menschen haftet zugleich eine negative Bewertung an und sie beeinflussen den Umgang mit diesem Menschen in negativer Weise. Das Stigma der Herzerkrankungen kann auch als "zweite Krankheit" bezeichnet werden. Dabei kann sich eine Stigmatisierung der Betroffenen auf Lebensqualität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ebenso negativ auswirken, wie die Beschränkung durch die Erkrankung selbst.[6]

Einem Mensch mit einer Herzkrankheit wird Immobilität, körperliche Schwäche und Antriebslosigkeit zugeschrieben. Natürlich kann er aufgrund seiner Erkrankung sein Leben nicht mehr so leben, wie vor der Diagnose; er kann es aber dennoch umgestalten und trotz dessen aktiv in der Gesellschaft mitwirken. Dieser Schritt ist allerdings schwierig umzusetzen, da der Betroffene von Dritten eine Stigmatisierung mit den oben genannten Eigenschaften erfährt und es ihm somit erschwert wird, sich nach der Rehabilitationszeit wieder einzugliedern.

[...]


[1] Andrassy & Göhring: Phystiotherapie, Band 10 Innere Medizin. 1997, S.77

[2] Harvey William: http://de.wikipedia.org/wiki/Herz#Zitat Aufruf 25.03.11

[3] Dr. M. Soczyk: Skript Fachoberschule, Psychologie/ Pädagogik, 2009. S. 105

[4] Vgl. Ebd.

[5] Vgl. Dr. M. Soczyk: Skript Fachoberschule, Psychologie/ Pädagogik, 2009. S. 84ff

[6] Vgl. Dr. M. Soczyk: Skript Fachoberschule, Psychologie/ Pädagogik, 2009. S. 83ff

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Integration von Krankheit in den Alltag am Beispiel von Herzkrankheiten in der Rehabilitationsphase
Hochschule
Private Fachhochschule Döpfer
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V280942
ISBN (eBook)
9783656755838
ISBN (Buch)
9783656755661
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: => wissenschaftlich fundiert hergeleitete Strategien, mit Beispielen unterlegt => sehr guter praktischer Bezug zum Thema => sehr gut strukturierte Arbeit mit sinnvoller Fragestellung und guter Zusammenfassung im Schlussgedanke => alles in Allem eine sehr gute Leistung
Schlagworte
integration, krankheit, alltag, beispiel, herzkrankheiten, rehabilitationsphase
Arbeit zitieren
Anton Herzsprung (Autor:in), 2013, Die Integration von Krankheit in den Alltag am Beispiel von Herzkrankheiten in der Rehabilitationsphase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280942

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