Die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der sozialistischen Marktwirtschaft in China seit 1978


Hausarbeit, 2011

22 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

1. Die Chinesen kommen

2. Besonderheiten und Auswirkungen der chinesischen sozialistischen Marktwirtschaft seit 1978
2.1. Politische Entwicklung in drei Phasen
2.1.1. Geschichtlicher Ausgangspunkt
2.1.1.1. Ereignisse vor 1978
2.1.1.2. Hua Guofeng
2.1.1.3. Deng Xiaopings Werdegang
2.1.2. Phase I: 1976 bis 1989
2.1.2.1. Anfangsforderungen
2.1.2.2. Das 3. Plenum
2.1.2.3. Flankierungsmaßnahmen
2.1.2.4. Modernisierungen
2.1.2.5. Die 5. Modernisierung
2.1.2.6. Beijinger Frühling
2.1.3. Phase II: 1989 bis 2003
2.1.3.1. Der Kurs nach dem Massaker
2.1.3.2. Dengs Nachfolger
2.1.3.3. Inspektionsreise in den Süden Chinas und Deng Xiapings Tod
2.1.3.4. Die ersten Früchte der Reform
2.1.3.5. „Mandat des Himmels“
2.1.4. Phase III: 2003 bis heute
2.1.4.1. Machtwechsel
2.1.4.2. Das Problem Korruption
2.2. Wirtschaftliche Entwicklung
2.2.1. Chinesisch sozialistische Marktwirtschaft
2.2.2. Dengs Eckpunkte für die sozialistische Markwirtschaft
2.2.3. Gründe für die erfolgreiche Entwicklung des chinesischen Sozialismus
2.2.4. Wanderarbeiter in China
2.2.5. Verschiedene Volkswirtschaften
2.2.6. Versorgungsprobleme
2.2.7. Wirtschaftsbilanzen

3. China, eine aufsteigende Supermacht?

4. Quellenverzeichnis

1. Die Chinesen kommen

„Ein kleiner, dicker Junge hat einen Alptraum. Er sieht die olympischen Spiele in Peking im Jahre 2008. Um genau zu sein, die Eröffnungsfeier. Tausende chinesische Trommler trommeln nahezu perfekt und simultan auf antiken Trommeln. Der Junge windet sich und ruft verzweifelt: Nein. Die Chinesen, nein. Jemand muss sie aufhalten… Sie werden die Welt übernehmen.“[1] Diese vereinfacht dargestellte Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in Peking 2008, stammt aus der Serie South Park, einer Zeichentrickserie aus Amerika. Die Serie ist dafür bekannt, dass Sie aktuelle Themen aufgreift und auf überzogene und nicht mit der Realität übereinstimmende Weise wiedergibt. Sachverhalte werden vereinfacht dargestellt und auf humoristische Weise behandelt. Aber hinter der Serie steckt noch mehr. Gesellschaftskritik und böser Humor sind nur ein Teil davon. Inhalte überzogen darzustellen, ist nämlich durchaus eine Möglichkeit Sachverhalte zu präsentieren. Thema dieser Sequenz sind also die Chinesen. Die Angst des Jungen scheint auf den ersten Blick irrational und unerklärbar. Aber betrachtet man den Sachverhalt genau, dann stößt man auf Fakten, die genannt werden. China ist ein bevölkerungsreiches Land und hat ein jährlich stetes, stark steigendes Bruttoinlandsprodukt von fast 9%. Betrachtet man den relativ kurzen Zeitraum, in dem China zu dem geworden ist, nämlich einer wirtschaftlichen Großmacht, die es mit dem amerikanischen Markt aufnehmen kann, ist die Sorge des Jungen vielleicht gar nicht so unberechtigt. Der wirtschaftliche Aufschwung setzte schon lange vor den olympischen Spielen an, doch das weltweite Interesse und die Medienpräsenz steigerten das Bewusstsein der Welt für China. In den vergangenen 30 Jahren erlebte die Volksrepublik China einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung und erlangte internationales Interesse besonders auf Ebene der Wirtschaft. Wie es dazu kam, dass dieses Land einen starken Wechsel durchlebte, soll in der folgenden Hausarbeit dargestellt werden. Vor den wirtschaftlichen Entwicklungen werden zuerst die politische Ausgangssituation und die politischen Reformen dargestellt. Danach soll das wirtschaftliche Modell erläutert werden.

2. Besonderheiten und Auswirkungen der chinesischen sozialistischen Marktwirtschaft seit 1978

2.1. Politische Entwicklung in drei Phasen

2.1.1. Geschichtlicher Ausgangspunkt

2.1.1.1. Ereignisse vor 1978

Betrachtet man China in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, kann man die geschichtlichen Ereignisse in zwei Hauptteile fassen.[2] Der erste Teil wird von Mao Zedong und der Kulturrevolution geprägt. Die Kulturrevolution, welche von 1966 bis 1976 andauerte, war ursprünglich für einen Zeitraum von etwa einem halben Jahr geplant, doch sie verlängerte sich auf einen Zeitraum von 10 Jahren. Darunter fielen Maos Kampagnen zur Beseitigung herrschender Missstände, dieses Vorhaben wurde durchaus begrüßt. Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensumstände und eine Vereinheitlichung des Volkes als Arbeiter unter dem Kommunismus, sollten durch Kollektivwirtschaft und einem nationalen Staatsbewusstsein erreicht werden. Während dieser Zeit jedoch wurden auch Intellektuelle aus akademischen Kreisen, wie Uniprofessoren und Lehrer bekämpft, mit der Begründung, dass Sie der Partei Schaden zufügen würden durch aufwieglerische Gedanken und Propaganda. Viele Betroffene mussten Demütigungen und körperliche Gewalt erleiden. Akademiker wurden gewaltsam aus ihren Lehranstalten gezerrt und öffentlich verprügelt von linken Gruppierungen, die sich deutlich zu Mao und seiner Kulturrevolution bekannten. Wichtige Hauptpersonen der Kulturrevolution waren Jiang Qing (Maos Ehefrau), Zhang Chunqiao, Yao Wenyuan und Wang Hongwen. Die genannten Personen bildeten die sogenannte Viererbande, welche später zu den „Haupttätern“ der Kulturrevolution erklärt wurde und welche die Schuld dafür übernehmen mussten und dafür verurteilt wurde. Die Kulturrevolution endete 1976 mit Maos Tod. Eine neue Zeit sollte nun beginnen und ein Nachfolger musste her, der in Maos Fußstapfen treten musste.

2.1.1.2. Hua Guofeng

Dieser Nachfolger sollte Hua Guofeng sein. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass er als „politisches Leichtgewicht“[3] jedoch nicht lange im Amt des Ministerpräsident bleiben sollte. Er machte schon zu Beginn seiner Amtszeit schwerwiegende Fehler, welche man in drei Aspekte aufteilen kann. Zum einen pflegte er weiterhin den Personenkult, der schon zu Maos Zeiten für diesen betrieben wurde. Ihm fehlte jedoch die Berechtigung, war er doch erst seit kurzem im Amt und hatte seine Verehrung noch durch keine Leistungen verdient. Durch die Forderung nach dieser Verehrung zog er sich außerdem den Unmut alteingesessener Parteimitglieder zu. Des Weiteren fehlte ihm die feste Position. Er hatte weder in der Partei, noch in der Regierung noch in der Armee festen Halt. Seine einzige Legitimation bestand in Maos Sendungsauftrag. Und zu guter Letzt machte er da mit den gleichen Fehlern weiter, wo Mao aufgehört hatte, in dem er unrealisierbare Ziele setzte und schon utopische Erträge und Bedingungen in der zweiten Dazhai-Konferenz forderte und die Reduzierung des Fachpersonals auf 18 % in den Betrieben und das Einholen der USA in wenigen Dutzend Jahren bei der der Daqing-Konferenz. Solch unrealisierbare Ziele hatten zur Folge, dass Hua Guofeng sich nicht lange in seinem Amt halten konnte. Seine Amtszeit endete bereits 1980 und in den Jahren darauf verlor er auch seine restlichen Ämter im ZK[4], bis auf eines, welches ihm von dem neuen Machtinhaber überlassen wurde. Er stellte für sie also eine so geringe Gefahr als politischer Gegner dar, dass Sie ihn nicht mal verbannten.[5]

2.1.1.3. Deng Xiaopings Werdegang

Eine neue Zeit hatte begonnen mit der Rückkehr Deng Xiaopings. Der geschickte Reformer, hatte bereits unter Mao gedient und war zwei Mal in Ungnade gefallen. Bei erstem Mal wurde er verbannt und musste als Schlosser von 1969 bis 1973 in einer Traktoren-Fabrik arbeiten. Nach seiner Rückkehr im Jahr 1973, wurde er erneut ins ZK gewählt, wurde jedoch 1976 wieder gestürzt und konnte diesmal rechtzeitig fliehen und unter militärischem Schutz frei weiterleben. Zu einer seiner ersten Handlunge zählte, dass die Kulturrevolution im XI. Parteitag vom 12. bis 18.08.1978 für beendet erklärt wurde. Somit endeten, die von Maos gestarteten, Kampagnen und das Land sollte zur Ruhe kommen. Deng Xiaoping sollte China in den nächsten Jahren so prägen wie selten ein einzelner Mann. Durch seine Reformen und sein strategisches Handeln würde China sich erholen und auch nach seinem Tod noch weiter wirtschaftlich aufsteigen. Seine Führungsqualitäten und sein Ruf werden in den Jahren 1978 und 1985 mit dem Titel „Mann des Jahres“ vom Time Magazine geehrt und international anerkannt. In der Zeit von 1979 bis 1997 setzte er mit seinen Reformen neue Maßstäbe und brachte das Land auf den richtigen Weg. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er klare realisierbare Ziele und setzte diese konsequent durch. Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass er als Stratege es durchaus verstand seine Ziele zu erreichen, indem er zu gewissen Zeiten nicht die öffentliche Rolle selber einnahm, sondern das Geschehen aus dem Schatten heraus zu leiten wusste.[6] Die kommenden Jahren der Entwicklung des Landes China kann man in drei Phasen fassen. Grob unterteilt wären das Dengs Reformkurs vor dem Tiananmen-Massaker, der neue Reformkurs nach dem Tiananmen-Massaker und die Zeit nach dem politischen Wechsel, die bis heute andauert.

2.1.2. Phase I: 1976 bis 1989

2.1.2.1. Anfangsforderungen

Dengs Forderungen sollten schon zu Beginn seiner neuen Amtszeit positiven Anklang finden. Innerhalb von 9 Monaten im Zeitraum von März 1979 bis Dezember 1979, stellte er Forderungen, die die akademischen Standard des Landes wieder steigern sollten. Dies sollte durch Rehabilitierung der Intellektuellen, Wiedereinführung des Leistungsprinzip, des Prüfungswesens und der Fachschulen und Abschaffung des Egalitarismus, sowie der Stärkung des Bildes der Lehrer und ihrer respektvollen Behandlung beginnen. Das Wissen wurde als wertvolles Gut behandelt und mit dessen Hilfe sollten wirtschaftliche Fortschritte und eine Verbesserung für das Land erziel werden. Noch kurz waren Parolen üblich wie „Werkstätige ohne Bildung sind uns lieber“ und „Je mehr Wissen einer hat, desto reaktionärer ist er“.[7] So wurden Maos Dogmen abgelöst von neuen Zielen und Arbeitseinstellungen, die eine Verbesserung der Lebensumstände bringen sollte. Dengs Forderungen brachten ein neues Verständnis von Wissen in das Bewusstsein der Menschen und diese trauten sich dieses offen zuzugeben und zu praktizieren.

2.1.2.2. Das 3. Plenum

Ein weiteres wichtiges Ereignis zu Beginn Dengs Amtszeit, war das 3. Plenum am 12. bis 18.08.1978, in welchem auch die Kulturrevolution für beendet erklärt wurde. Es wurden drei wichtige Hauptpunkte beschlossen. Das neue Ziel der KPCh[8] war nun an die Modernisierung statt Klassenkampf, Abschaffung des Personenkultes und Förderung der Landwirtschaft. Des Weiteren erreichte Deng im 3. Plenum, dass seine politisch gleichgesinnten Freunde in wichtige Führungspositionen eintraten und verstärkte so seinen eigenen Kader in den Spitzenpositionen.[9]

[...]


[1] Das China-Problem. Staffel 12 Folge1208. Zeichentrickserie South Park, South Park Studios Deutschland.

[2] Siehe: Roberts, J. A. G.: A history of China. S.256

[3] Siehe Weggel, Oskar: Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert, S. 306

[4] ZK= Zentralkomitee der Kommunistische Partei Chinas

[5] Siehe Weggel, Oskar: Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert. S.308

[6] Siehe Shambaugh, David: Deng Xiaoping, Portrait of a Chinese Statesman, S. 8

[7] Siehe Weggel, Oskar: Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert, S. 310

[8] KPCh = Kommunistische Partei Chinas

[9] Ebenda: S.310

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der sozialistischen Marktwirtschaft in China seit 1978
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Geographie)
Veranstaltung
Kulturräumliche Analyse Südostasiens
Note
3,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V280951
ISBN (eBook)
9783656755678
ISBN (Buch)
9783656755685
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hintergründe, marktwirtschaft, china
Arbeit zitieren
Güngör Aydin (Autor), 2011, Die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe der sozialistischen Marktwirtschaft in China seit 1978, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280951

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