Welche Rolle spielte eine "alternative politische Kultur" beim Zusammenbruch der DDR?


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition politische Kultur

3 Politische Kultur in der DDR

4 „Alternative Politsche Kultur“

5 Oppositionelle Gruppierungen und ihre Ziele

6 Kirche als „Sammelbecken der Opposition“

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen:

1 Einleitung

Im nächsten Jahr am 9. November 2014 jährt sich die „friedliche Revolution“ und der Mauerfall zum 25. Mal. Der Vollzug der „Deutschen Einheit“ folgte ein Jahr darauf. Nicht jeder deutsche Bundesbürger hat an diesen Tagen etwas feiern, schließlich gibt es nicht nur „Sieger“ in der Geschichte. Die Unzufriedenheit einiger Ost und Westdeutscher spiegelt sich insbesondere in unterschiedlichen Umfragen wieder. So ging aus dem „Sozialreport 2010“ hervor, dass sich etwa 11% der Westdeutschen und 9% der Ostdeutschen nach einer Mauer zurücksehnen.1 Ob dieses Umfrageergebnis repräsentativ ist, darüber lässt sich wahrlich diskutieren. Erwiesen ist auch, dass einigen die Wiedervereinigung zu schnell ging. Fakt ist aber: Die Wiedervereinigung war ein langer Kampf um elementarer Grundrechte, die für uns alle heute eine Selbstverständlichkeit sind. Die naive Annahme, der Untergang der DDR sei eine historische Selbstverständlichkeit gewesen, die unter „vernünftig und freiheitlich gesinnten Menschen seit jeher erwartet worden“2, bleiben wesentliche Aspekte der Oppositionsgeschichte ausgeblendet, die hier in groben Zügen näher erläutert werden soll.

Wie sah das politische Leben in der DDR konkret aus? Neben der offiziellen politischen Kultur - der „Zielkultur“ der Sozialistischen Einheitspartei - entwickelte sich im Lauf der Jahrzehnte vermehrt ein alternatives Verständnis von Partizipation in der Politik, dass sich insbesondere an dem vermehrten Zulauf zu oppositionellen Gruppierungen herauskristallisierte. Die vorliegende Arbeit widmet sich nun der folgenden Frage: Inwiefern lässt sich hierbei überhaupt von einer alternativen politischen Kultur sprechen? Und wenn ja, welche Rolle hat sie beim Zusammenbruch der DDR gespielt? Dabei soll zunächst erst einmal der Begriff der „Politischen Kultur“ anhand des klassischen Konzeptes von Almond/Verba definiert werden. Im darauf folgenden Teil soll die Politische Kultur der DDR differenziert betrachtet werden, indem zwischen einer „offiziellen“ und einer „alternativen“ politischen Kultur unterschieden wird und anhand welcher Merkmale dieser Unterschied angestellt werden kann. Für die „alternative“ politische Kultur liegt das Augenmerk insbesondere auf der Analyse der opposi-

tionellen Strömungen in der DDR. Hinsichtlich der Fragestellung, ob und in welchem Ausmaß es eine alternative politische Kultur gab, soll sich insbesondere mehr und mehr in der Untersuchung der eigentlichen Ziele dieser Opposition abbilden. Insbesondere die institutionelle Rolle der Kirche wird im darauffolgenden Kapitel behandelt um dann zu guter Letzt zu einem Resümee, indem die eigentliche Fragestellung beantwortet wird, zu gelangen

2 Definition politische Kultur

Um das Gedankenkonstrukt zwischen zwei parallel existierenden politischen „Kulturen“ in einem Staat wie der ehemaligen DDR verständlich zu machen, muss zunächst definiert werden, was politische Kultur im wissenschaftlichen Sinne überhaupt bedeutet.

Hierbei werde ich mich auf das klassisch politikwissenschaftliche Konzept der politischen Kultur, der „Civic Culture“ nach Almond/Verba orientieren, deren Forschungsinteresse sich auf Fragen nach der Stabilität eines politischen Systems und nach dem Verhältnis von Struktur und Kultur bezieht. Der Begriff politische Kultur in Anlehnung an Almond/Verba wird als Bezeichnung für Meinungen, Orientierungen und Einstellungen der Bürger gegenüber der Politik benutzt und genauer für „spezifische Verteilungsmuster der politischen Orientierungen der Bevölkerung“.3 Dieser Begriff ist also zum einen auf die gesamte Bevölkerung einer Gemeinschaft zentriert, nicht auf einzelne politische Eliten und deren Meinungen. Zum anderen ist er ein Merkmal des Kollektivs und nicht auf einzelnen Individuen bezogen. Außerdem, und dies ist an dieser Stelle von besonderer Bedeutung, die Tatsache, dass die allgemeine politische Struktur( also dem Gefüge der politischen Institutionen) dem Begriff der „Politischen Kultur“ gegenübergestellt wird.4 Politische Kultur bezieht sich also vor allem auf die subjektive Dimension von Politik, da der politische Kulturansatz das Element des Bürgers und somit das Subjekt in die vergleichende politikwissenschaftliche Analyse einführt. Ein weiterer wichtiger Punkt für die Definition von politischer Kultur ist, dass die politische Kultur explizit sich auf der Basis der vorliegenden Definition von politischer Partizipation und politischem Verhalten zu unter- scheiden.5 Einerseits spiegelt Politisches Verhalten(bsw. anhand von Wahlen) zwar häufig bestimmte politische Einstellungen wieder, aber dies ist nicht zwangsläufig der Fall - wie sich im weiteren Verlauf der Arbeit am Beispiel der DDR zeigen wird - in der Theorie wird jedoch zunächst von einer systematischen Trennung ausgegangen. Anderseits wird ebenso davon ausgegangen, dass politische Überzeugungen und politische Partizipation nicht voneinander unabhängig sind. Logische Schlussfolgerung ist an dieser Stelle, dass eine fehlende Beziehung zwischen politischer Partizipation und politischer Kultur nur zu einem sehr begrenzten Einfluss der politischen Kultur auf das politische System führen würde.6 Implizit wird also angenommen, dass politische Kultur sich über politische Einstellungen in Form politischer Partizipation manifestiert. Zentrale Hypothese der politischen Kultur Forschung nach Almond und Verba besagt, dass zwischen der politischen Struktur und der politischen Kultur eine Kongruenz bestehen muss, um das Überleben eines politischen Systems zu gewährleisten. Ist dies nicht der Fall, also politische Struktur und politische Kultur passen nicht zusammen oder stehen gar in einem Spannungsverhältnis, so kann es nach dieser Auffassung zu Funktionsdefiziten und politischen Legitimationskrisen kommen, die unter Umständen in politischen Revolutionen oder Systembrüchen münden.7 Almond und Verba gingen bei ihren Überlegungen zur politischen Kultur von einer Differenzierung politischer Überzeugungen aus, die sie in vier Zielbereiche politischer Einstellungen aufgliederten.

1. Die Selbstwahrnehmung innerhalb des politischen Systems. Hier bildet der erste Bezugspunkt vor allem die Empfindung des Selbstbildes(des einzelnen Bürgers) innerhalb des politischen Systems.
2. Einstellungen gegenüber dem politischen System selbst.
3. Einstellung gegenüber den Inputmöglichkeiten des politischen Systems. An dieser Stelle werden insbesondere die Teilhabechancen der einzelnen Bürger bewertet.
4. Einstellung gegenüber den Outputfähigkeiten eines politischen Systems, also die Orientierung und Bewertung der Ergebnisse von Politik.8

[...]


1 Vgl.: http://www.sueddeutsche.de/politik/sozialreport-sehnsucht-nach-der-mauer-1.994543(Zugriff am 25.8.2013)

2 Vgl.: Geisel, Christof: Siegreiche Revolutionäre oder Opfer der Wiedervereinigung? In: „Das Land ist still noch!“

3 Vgl.: Westle, Bettina/Gabriel, Oskar W.: Politische Kultur. Eine Einführung. S. 13

4 Ebenda, S. 13

5 Vgl.: Pickel, Susanne/ Pickel, Gert: Politische Kultur- und Demokratieforschung. Grundbegriffe, Theo rien, Methoden. S. 57

6 Vgl.: Ebenda, S.57

7 Vgl.: Ebenda

8 Vgl.: Ebenda, S.61

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Welche Rolle spielte eine "alternative politische Kultur" beim Zusammenbruch der DDR?
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Gesellschafts-und Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in das politische System Deutschlands
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V280966
ISBN (eBook)
9783656754923
ISBN (Buch)
9783656754930
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welche, rolle, kultur, zusammenbruch
Arbeit zitieren
Sina Mecheri (Autor), 2013, Welche Rolle spielte eine "alternative politische Kultur" beim Zusammenbruch der DDR?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280966

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