Zusammenfassung des Moduls Bildungswissenschaften

Skript


Skript, 2012

43 Seiten


Leseprobe

1 Zusammenfassung Modul 1 A Bildungswissenschaften von Marina Zuber

1.1 Grundbegriffe: Bildung. Erziehung und Sozialisation

Die Bildungswissenschaft organisiert ihre Theorien, ihre Forschungen und ihre Berufs- und Handlungsfeldorientierung im Wesentlichen durch ihre Grundbegriffe. Diese Grundbegriffe sind in der Regel Erziehung, Bildung und Sozialisation. Das soll nicht heißen, dass es keine anderen Begriffe gibt, nur sind diese drei Begriffe grundlegend.

Pädagogische Teildisziplinen:

- Allgemeine Pädagogik/Erziehungswissenschaft (unterteilt durch DGfE in 13 Sektionen)
- Historische Bildungsforschung
- Allgemeine Erziehungswissenschaft
- International und interkulturell-vergleichende Erziehungswissenschaft
- Empirische Bildungsforschung
- Schulpädagogik
- Sonderpädagogik
- Berufs- und Wirtschaftspädagogik
- Sozialpädagogik
- Erwachsenenbildung
- Pädagogische Freizeitforschung und Sportpädagogik
- Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft
- Medienpädagogik
- Differentielle Erziehungs- und Bildungsforschung

- Empirische Bildungsforschung

- Sozialpädagogik

- Berufs- und Wirtschaftspädagogik

- Schulpädagogik

- Erwachsenenbildung/Weiterbildung

- Sonderpädagogik

- Pädagogik der frühen Kindheit

- Interkulturelle Pädagogik

- Freizeitpädagogik

- Medienpädagogik

- Museumspädagogik

- Friedenspädagogik

- Sexualpädagogik

- u. v. m.

PraxisfelderderBildungswissenschaft sind u.a. Schulen, Beratungsstellen, VHS, Betriebe, Familien, Bildungseinrichtungen, Sozialpädagogische Dienste u. v. m..

Die bildungswissenschaftlichen Forschungs- und Arbeitsfelder erstrecken sich über die ganze Lebenszeit des Menschen, von der Kindheit bis ins hohe Alter.

1.2 Historische Entwicklung der Bildungswissenschaft:

Antike Ursprünge der Disziplin Pädagogik als Gegenstand theoretisch­philosophischer Reflexionen ^ nicht an ein Wissensgebiet gebunden Mittelalter Bildung hauptsächlich in den Händen der Kirche ^ Bildung nicht für alle möglich/zugänglich 1520 Reformation und Erfindung des Buchdrucks ^ zunehmende Bildung aller Schichten 1632 Johann Amos Comenius verfasst seine Pansophie (Allweisheitslehre)

^ einer der ersten Pädagogen

1779 „Disziplin“ Pädagogik erstmals als Unterrichtsfach (Universität Halle)

^ Bedeutungszuwachs in der Gesellschaft durch die Entstehung und den Ausbau des allgemeinen Schulwesens (Zeitalter der Aufklärung)

1806 erste Systematisierung der Erziehungsdenkens (Johann Friedrich Herbart)

bis 1933 weiterer Ausbau des Fachs Pädagogik

^ Pädagogik an 14 deutschen Universitäten (im Rahmen der Lehrerbildung)

1933/1934 79 Professuren für das Fach Pädagogik

^ nach dem 2. Weltkrieg nur noch 38 Professoren im Amt durch die Absetzung jüdischer Professoren ab 1960 das Fach Pädagogik als „Einzeldisziplin“

1984 ca. 1000 Professoren im Fach Pädagogik (Erziehungswissenschaften)

^ derzeit sechst stärkste Disziplin an deutschen Universitäten Ende des 18. Der Begriff „Pädagogik“ ist gebräuchlich Jhd. biszur Wendevom 19.zum 20. Jhd.

Anfang des

20. Jhd. Der Begriff „Erziehungswissenschaft“ gewinnt an Bedeutung 1960 Der Begriff „Erziehungswissenschaft“ setzt sich durch 1971 Wolfgang Brezinka ersetzt den Begriff „Pädagogik“ durch

„Erziehungswissenschaft“

Es gibt zwei große methodische Richtungen in der BiWi:

Pädagogik als Wissenschaft ist philosophisch-reflexiv orientiert und fragt eher nach Sinn und Bedeutung von Erziehungs-, Bildungs- und Sozialisationsphänomenen. Sie arbeitet hermeneutisch, kritisch-analytisch und methodisch. (Theorie)

- Grundlagenforschung, die pädagogisches Wissen und menschliche Erfahrungen historisch und systematisch untersucht

Pädagogik ist empirisch-positiv und beobachtet mit empirischen Methoden oben genannte Prozesse. Wissen über Wirklichkeitsbereiche wird methodisch hergestellt.

Pädagogische Zusammenhänge sollen kausal-analytisch erklärt werden. (Empirie)

- Erforschung ursächlicher Zusammenhänge (Kausalanalyse)

1.3 Was ist eine Wissenschaft?

Mit Wissenschaft ist die Absicht (Intention) verbunden, Phänomene und Zusammenhänge für den Menschen verstehbar und erklärbar zu machen. Wissenschaften orientieren sich an Denkstilen, Theorierichtungen und so genannten Paradigmen.

- Paradigma: maßstabsetzendes Muster, wenn sich ein wissenschaftlicher Ansatz durchsetzt. Hier besteht Einigkeit unter den Wissenschaftlern, es besteht eine gemeinsame Sicht aufdie Dinge.
- Paradigmenwechsel: alles muss überdacht und umgedacht werden, die aufgestellten Theorien sind nicht mehr gültig.

Wissenschaft erscheint als die fortschreitende als die fortschreitende Annäherung an die so genannte Wahrheit. Wissenschaft ist ein Prozess, der sich verändert, erneuert, Gewissheiten und Ordnungen werden durch neue Erkenntnisse und Forschungen ersetzt.

1.4 Was ist eine Theorie?

Mit Theorien deuten und erkennen wir unsere Welt, stiften Sinn und Zusammenhänge. In der Bildungswissenschaft haben sie die Funktion, etwas in einem Zusammenhang zu erkennen, was ohne sie nicht gesehen würde (der Wissenschaftler hat eine fachspezifische Brille auf).

1.5 Wissenschaftliches Wissen

Meinen = wir sind nicht ganz sicher, ob etwas so ist wie wir meinen und erwarten auch nicht, dass andere unserer Überzeugung zustimmen

Glauben = stärkere Überzeugung, wir sind subjektiv überzeugt, aber wir

können nicht den Anspruch stellen, dass jeder diese Überzeugung teilt und wir können es nicht belegen.

Wissen^ wir sind subjektiv überzeugt und können es objektiv belegen. Wir stellen den

Anspruch, dass jedermann es genauso sieht.

Wissenschaftliches Wissen muss intersubjektiv (für mehrere gleichermaßen erkennbar und nachvollziehbar sein) begründet sein.

1.6 Bildungswissenschaftliche Wissensformen:

Pädagogisches Alltagswissen = ist das Wissen von "Laien". Wissensbasis ist hier etwa die eigene Sozialisation, Familie & Freunde und die Medien. Es ist in der Regel wenig bis unreflektiert. Es zielt auf die konkrete Lösung für aktuelle Alltagsprobleme. Alltagswissen kann in sich widersprüchlich sein, da einzelne Alltagsprobleme isoliert betrachtet werden. Zusammenhänge werden nicht erkannt bzw. nicht gesucht, so dass evtl. Widersprüche nicht erkannt werden.

Professionswissen= ist auf der Basis wissenschaftlicher Konzepte und in der beruflichen Praxis reflektiertes Alltagswissen. Es zielt nicht auf isolierte Problemlösungen für einzelne konkrete Alltagsprobleme, sondern sucht eine konsistente, objektiv begründete „Musterlösung".

Wissenschaftliches Wissen^ Es wird in der Beschäftigung mit der Wissenschaft von Bildung (im Studium) erworben. Es istwird oft für zu theorieförmig gehalten und sei nicht praxisrelevant. Durch dieses wissenschaftlich-theoretische Wissen kann aber erst das Professionswissen vom Alltagswissen unterschieden werden. Ohne wissenschaftliches Wissen wäre das Professionswissen auch nurAlltagswissen. Das wissenschaftliche Wissen schafft also durch seine Theorien eine Distanz und eine reflektiere Sicht zum praktischen Professionswissen. Diese Wissensformen sind also voneinander abhängig.

1.7 Bildungswissenschaftliche Grundbegriffe (Begriff/Grundbegriffe)

Begriffe Begriffe sind Teil einer Ordnung, sind möglichst präzise

Beschreibungen eines Phänomens. Haben die Funktion, etwas zu bestimmen, klar und deutlich, möglichst präzise, aber auch selten endgültig. Sie müssen unterscheidbar und abgrenzbar sein.

Grundbegriffe Die Grundbegriffe sind die Basis oder die Grundlage, durch die der/die Wissenschaftsbereich/e abgegrenzt wird/werden. Sind mit einerAchse vergleichbar, um die sich die Wissenschaft mitsamt ihrem Wissen, ihren Theorien und Begriffen dreht. Stellen sich oft erst im Laufe eines wissenschaftlichen Prozesses als solche heraus.

2 Der Grundbegriff Erziehung

Die allgemeine Vorstellung von Erziehung ist: jemand gilt als gut erzogen, wenn ergute Manieren hat oder gehorcht. Die gelungene Integration in die Gesellschaft ist der Maßstab, so gibt es heute weiterhin Verhaltensregeln und -muster die ohne zu hinterfragen anerzogen werden.

In der Öffentlichkeit wird Erziehung meist erst thematisiert, wenn sie scheitert. Dann richtet sich die Frage auch nicht danach, welche Ziele Erziehung erfolgt, sondern wie man den Fehler möglichst schnell ausgleichen kann.

Erziehung gilt als unverzichtbar, ihrwird von der Gesellschaft (Mensch und Kultur) einen hohen Stellenwert beigemessen. Sie soll der Stabilität von Welt, Gesellschaft und Kultur dienen.

Hannah Arendt: Nur durch eine konservative Erziehung kann das Alte vor dem Neuen (das mit dem Kind in die Welt kommt) geschützt werden und umgekehrt.

Siegfried Bernfeld: Für ihn ist Erziehung die Reproduktion von Gesellschaft- und Machtstrukturen. Die Summe der Reaktionen einer Gesellschaft auf die Entwicklungstatsache.

Immanuel Kant: Erziehung soll einen selbständigen Menschen und Neues hervorbringen unter den vorgegebenen Grenzen, unter befolgen der Regeln und der Unterordnung. Erfragt: Wie kultiviere ich Freiheit bei dem herrschenden Zwang?

Theodor W. Adorno: Für Adorno ist der Sinn der Erziehung die Förderung der kritischen Selbstreflexion und Autonomie. Die Erziehung zur Mündigkeit.

2.1 Erziehung erzählt

Ursache-Wirkungs Zusammenhang für Erziehung:

Kafka betont in seinem Brief an den Vater ein Ursache-Wirkungs­Zusammenhang für Erziehung. Einerseits gibt es hier die Perspektive des Erziehers und des Erzogenen. Der Erzieher wirkt auf den Zögling mit einer bestimmten Vorstellung ein, der Zögling erhalt eine Wirkung, die aber auch gänzlich anders als vom Erzieher erwartet bei ihm ankommt.

Die Absicht des Vaters ist es einen starken, selbstbewussten Sohn heranzuziehen, doch da die Erziehungsmethoden bei dem Sohn ganz anders ankommen, als vom Vater gewünscht, entsteht beim Kind Angst und Zurückhaltung. Es ist eher ein Machtverhältnis zwischen Vater und Sohn und kein Erziehungsverhältnis.

Es werden Regeln aufgestellt, die nur für das Kind gelten, der Erwachsene bricht sie. Das Kind kann den Zusammenhang nicht verstehen, warum für ihn diese Regeln gelten sollen. Der Mensch kann erzieherisch nicht nach Plan hergestellt werden, da es zu unterschiedlichen Sichtweisen (Vater­Erziehungsmethoden; Kind-Erziehungsmethoden) der Erziehungsmethoden kommt. Dies erklärt Kafka recht deutlich an dem Beispiel Tischmanieren.

Der Mensch kann nicht erzieherisch nach Plan hergestellt werden. Erziehung ist laut Kafka die schwierigste Aufgabe des Menschen. Seine Kinder hinnehmen, erhalten und zu führen.

2.2 Der Begriff Erziehung

Der Bildungsbegriff zielt auf eine mündige Lebensführung und Selbstgestaltungen. Hingegen istErziehung mitZucht, Disziplin, Unterordnung, Anpassung verbunden. Erziehung istein machtstrukturiertes Verhältnis. Der Begriff der Erziehung kommt aus dem hebräischen (musar) unter dem in erster Linie Zucht und Disziplinierung verstanden wird. Ziel ist der uneingeschränkte Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes. Als das Alte Testament ins griechische übersetzt wurde, wurde aus musar aufgrund der fehlenden Entsprechung des Zuchtgedankens im griechischen - paideia. Paideia bedeutet freie Selbstentfaltung. Somit beinhaltet diese Übersetzung ein Bedeutungsüberschuss, sie richtet sich auf das Wohl des Einzelnen, der aber dem beschriebenen Gedanken nach dem Gehorsam und der Zucht unterstellt ist. Somit beinhaltet die Erziehung Zucht, Zwang und Gehorsam aberauch Entfaltung, Verbesserung und Vervollkommnung. Erziehung als Vervollkommnung der Zucht. Erziehung ist der Ort, an dem Freiheit und Zwang, Selbst- und Fremdbestimmung stets aufeinander bezogen sind. Die Machtstruktur der Erziehung ist in der Spannung von Unterordnung und Förderung von Zwang du Freiheit offenzulegen und zwar unter einem reflektierenden Umgang mit dem scheinbar unauflöslichen Widerspruch.

2.3 Anthropologische und metaphorische Entwürfe von Erziehung

Wer über Erziehung nachdenkt, ist immer schon verstrickt in eigene Erfahrungen und Auffassungen, die zugleich soziokulturell geprägte Bilder von Mensch und Welt widerspiegeln. Metaphern und Bilderdrücken stets das Verhältnis aus, das der Mensch zu seiner Welt hat und die er in Bildern verstehen sucht. (implizite Anthropologeme =BilderAnsichten). Sie bestimmen - zumeist unreflektiert - die Vorstellungen vom Menschen, insbesondere vom Kind, das erzieherische Denken und Handeln.

2.4 Erziehungsmetaphoriken

Bildervon Erziehung scheinen oft nur zurVeranschaulichung zu sein, meist enthalten sie aber das eigentliche Verständnis von Erziehung. Diesen Metaphern liegen bestimmte Vorstellungen vom zu Erziehenden zugrunde.

Die Metaphern wollen auch die Erziehungspraktiken legitimieren. In der Regel kennen sie nur die Sicht aus der Perspektive des Erziehers. Daher verändern die Bilder ihr Gesicht, wenn sie aus der anderen Perspektive (Zögling) betrachtet werden.

Der Erzieher als Gärtner - die Pflanze wächst von allein, der Gärtner nimmt die Pflege und den Schutz vor und stellt durch gärtnerische Maßnahmen sicher, das die Pflanze die (gewollten) Früchte trägt. (Zucht) Indirekte Einwirkung durch den Erzieher. Natürliche Anlage und Entwicklung des Menschen in die allerdings erzieherisch eingegriffen werden muss um die Naturzunehmend zu verbessern.

Der Erzieher als Hirte - Der unselbständige Zögling bewegt sich zwar frei, aber der Hirte sorgt dafür, dass er die vorgegebenen Pfade nicht verlässt, bzw. wiederauf sie zurückfindet. (Führung, Korrektur) Der Zögling hat mitunter auch blind und gegen seinen Willen zu folgen.

Der Erzieher als Belehrender - Ein leeres Blatt wird gefüllt, beschrieben und normiert (Prägung) DerZögling stellt nur das Material dar, Form und Inhalt bestimmen entstammen dem erzieherischen Tun durch z.B. Belehrung Unterricht.

Der Erzieher als Schöpfer - Das Kind steht hier als das Neue, für die bessere Zukunft, das nun zum Zwecke der Verbesserung und Erneuerung "gebildet" wird ("Geburtshilfe"). Kind trägt das Wissen in sich, brauch aber den Erzieher um mit ihm gemeinsam das Wissen herauszuziehen.

Der Erzieher als Aufklärer - Von Natur aus trägt der Menschen die Anlage in sich, göttliche Erkenntnis zu erlangen. Der Erzieher unterstützt durch Anstöße, diese Anlage zu entwickeln. ("Entwicklungshilfe") DerZögling wird erleuchtet, er trägt die Möglichkeit der Erkenntnis in sich. Aufgabe des Erziehers ist das Licht zu entzünden.

Der Erzieher als Disziplinierender - Der Mensch ist von Natur aus als Tier veranlagt, das mit Hilfe der Erziehung erst zum sozialisierten Menschen wird. (Kultivierung)Der Mensch muss Kultiviert werden, seine Natur muss gezähmt werden.

Der Erzieher als Schiedsrichter - Hier liegt die Aufgabe des Erziehers darin, das geltende Spielregeln beachtet und eingehalten, Übertretungen sanktioniert werden (Regelkonformität)

2.5 Bestimmungen des Erziehungsbegriffs

Der Erziehungsbegriff wird durch den Zuchtgedanken geschärft. Dieser meint sowohl formen des Eingriffs als auch Allmachtsvorstellungen des Erziehers. Ebenso ist das Allgemeine, dem sich unterordnen zu ist, vielfältig: Kultur, Gesellschaft, Gebot Gottes usw. Wie dies geschieht hängt vom Erziehungsstil ab und von dem sich Unterzuordnenden. In der Erziehung werden in der Regel zwischen intentionale (beabsichtigte) und funktionaler Erziehung unterschieden. Die intentionale Erziehung beruht auf einem absichtsvollen Tun, die tatsächlichen Wirkungen sind untergeordnet. Während alle unabsichtlichen pädagogischen Nebenwirkungen und an sich anders gemeinten Vorgänge unter dem Begriff Funktionale Erziehung zusammengefasst werden. Bei der funktionalen Erziehung ist Erziehung als planvolles Unternehmen ausgeschlossen, da nur das was in einer Ursache- Wirkungs Relation zu beobachten ist Erziehung genannt wird. (Hierzu zählt man auch die Begriffe Prägung. Angleichung, Gewöhnung. Umgang und Assimilation.)

3 Jean-Jacques Rousseau

- Rousseau geboren 1712 in Genf, verstorben 1778
- 5 Kinder die er nicht selbst erzog, sondern ins Waisenhaus brachte
- Politische Schriften bedeutend für die französische Revolution
- Pädagogik Werk Emile (1762) bedeutsam
- Entdecker des Kindes
- Kritik an der Gesellschaft und Kultur (gegen Luxus, Dekadenz, Überfluss)
- Gesellschaftsvertrag

Rousseau bezieht die Erziehung nicht auf gesellschaftliche Strukturen und Traditionen sondern nur auf den Menschen.

Von Rousseau spricht man als Entdecker des Kindes, da er die Kindheit als eigene Lebensphase bezeichnete und eine auf seine Entwicklung abgestimmte Erziehung thematisierte.

3.1 Naturrecht und Naturzustand

Rousseau plädiert für einen Naturzustand, in dem der Mensch bei sich selbst ist, instinktiv und aus dem Gefühl heraus das richtige Leben führt. Er kritisiert

die Gesellschaft und Kultur seiner Zeit mit ihrem Luxus und der Dekadenz. Rousseau geht davon aus, das der Mensch ein Naturrecht besitzt, das unverlierbar ist und über dem juristischen Recht steht. Das Naturrecht bezieht sich auf die Freiheit und Gleichheit aller Menschen. Die Natur wird für ihn zum Spiegel göttlicherVernunft, aus dem der Mensch durch den kulturell­zivilisatorischen Sündenfall vertrieben worden ist. Als pädagogischer Raum wird sie in ihrer Ursprünglichkeit vollkommen. In diesem Naturzustand genügt der Mensch sich selbst (Selbstliebe), durch Entwicklung von Kultur und Zivilisation schlägt diese Selbstliebe in Eigenliebe und Selbstsucht um. Die Eigenliebe ist das Resultat aus einem unglücklichen, unzufriedenen Zustand durch ein Ungleichgewicht von Bedürfnis und Erfüllung. Der Mensch verliert seine Unabhängigkeit und beginnt die Beziehung zu sich selbst von anderen abhängig zu machen. (Wie schätzen andere mich ein, wie sehen sie mich).

Die Eigenliebe entsteht laut Rousseau durch die Einrichtung von privatem und rechtlich legitimiertem Eigentum. Hierdurch entstehen eine Ungleichheit der Menschen untereinander sowie das Streben nach Macht, was Gefühle von Neid und Missgunst auslösen.

In seinem Gesellschaftsvertrag von 1762 schreibt Rousseau: „Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten. Einer hält sich für den Herrn der anderen und bleibt doch mehr Sklave als sie.“ Er stellt sich die Frage, wie ein Staat eingerichtet sein muss, damit die natürlichen Rechte und Freiheit des einzelnen nicht aufgehoben werden muss. Seine Theorie: Zum Wohle der Gemeinschaft ordnet sich der Einzelne einem allgemeinen Willen unter, der er selbst ist, den er selbst verkörpert. Der Gesellschaftsvertrag zeichnet ein Bild einer Gesellschaft, in der die Freiheit des Menschen in die Freiheit der Bürger transformiert wird. Es erfolgt ein Zusammenschluss von Individuum und sozialer Gesamtheit. Von hier aus kann eine öffentliche Erziehung ausgerichtet werden, die die Aufgabe hätte, den freien Menschen als Staatsbürgerzu befähigen, sich selbst vernünftige Gesetze zu geben. Der Mensch ist aber nach Rousseau, kein gesellschaftliches und politisches Wesen ist, sondern ein Einzelner der sich aus sich heraus die bestmögliche Selbständigkeit entwickeln will um ein glückliches Dasein zu führen. Daher ist die Verbindung von Individuum und Gesellschaft zentraler Bestandteil der Rousseauschen Sozialphilosophie.

Die Natur spielt eine wesentliche Rolle in Rousseaus Erziehungskonzept. Rousseau stellt die Natur als das "Gute" dar und übt aus diesem Blickwinkel heraus Kritik an der Kultur bzw. der Gesellschaft. Durch die Betonung der Natürlichkeit wird die Kritik an der Gesellschaft sehr deutlich.

3.2 Grundlagen der negativen und natürlichen Erziehung

Die negative Erziehung ist eine indirekte tätige Erziehung, die die Aufgabe hat, die Selbständigkeit (Autarkie) des Zöglings zu stärken. Da der Mensch von

Naturaus gut ist, und alle Fehlentwicklungen schädlichen zivilisatorischen Einflüssen zuzuschreiben sind, bestimmte er es als die Aufgabe der Pädagogik, diese Einflüsse, um eine gesunde Entwicklung des Kindes zu gewährleisten, abzuschirmen. Kennzeichen negativer Erziehung:

- Die Gesellschaft verdirbt den Menschen =>deshalb Erziehung isoliert von der Gesellschaft um Zögling vor dem Verderben und der Entfremdung zu schützen
- Der Zögling lernt durch nicht aktives Einwirken des Erziehers, sondern durch eigene Erfahrung
- Die Aufgabe des Erziehers ist das Arrangieren
- Der Erzieher arrangiert erzieherisch wirksame Situationen
- Leitender Gedanke: Erziehung durch die Natur
- Die Endmoralisierung der Pädagogik findet statt, da der Zögling selber Werturteile fällen muss

Der leitende Gedanke bei Rousseau ist die Erziehung durch die Natur. Der Mensch soll aus seinem entfremdeten Zustand befreit werden. Erziehung erhält die Aufgabe, diesen natürlichen Grund der Freiheit vor der Entfremdung zu schützen und in moralische Freiheit zu überführen.

3.3 Ziele und Praktiken der Erziehung

Vor dem Hintergrund der Entwicklung der Gesellschaft hat die menschliche Seele nach Rousseau eine Umformung fast bis zur Unkenntlichkeit vollzogen. Diese Entzweiung ist auch das Resultat einer falschen Erziehung, die sich nicht an der Natur des Menschen, sondern an der äußeren Realität ausrichtet. Aufgabe der Erziehung ist es, den von der Natur vorgezeichneten Weg zu beschreiten, das menschliche Selbstsein und die natürliche Übereinstimmung mit sich selbst zu ermöglichen. Das Erziehungsziel besteht dabei in einem Zustand derAutarkie, des Glücks und der Freiheit. Der Mensch soll unabhängig von äußeren Bedingungen sein, die ihn in der menschlichen Freiheit beschneiden und von seiner Natur entfremden, da sie ihn schwächen und von anderen Menschen abhängig machen. Rousseau will erst zum Menschen und in zweiter Linie zum Bürger erziehen. Der erzieherische Sinn ist allein in und durch die Natur begründet. Die negative Erziehung soll das Kind vor Entfremdungsprozessen schützen und zur Eigenständigkeit erziehen.

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Details

Titel
Zusammenfassung des Moduls Bildungswissenschaften
Untertitel
Skript
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Modul 1 A
Autor
Jahr
2012
Seiten
43
Katalognummer
V280999
ISBN (eBook)
9783656755708
ISBN (Buch)
9783656755692
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zusammenfassung, moduls, bildungswissenschaften, skript
Arbeit zitieren
Marina Zuber (Autor), 2012, Zusammenfassung des Moduls Bildungswissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/280999

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